Jiri Kylián

Jiří Kylián (Foto: Wilfried Hösl)

Jiří Kylián (Foto: Wilfried Hösl)

"Ich denke, dass es meine Aufgabe als Choreograph ist, den Grund unserer Seele zu erforschen", sagt Jiří Kylián. Seit den frühen 70ern hat der tschechische Choreograph mehr als 100 Werke kreiert – dreiviertel davon für das Nederlands Dans Theater (NDT). Seine Kreationen sind von vielfältigen Quellen inspiriert, kombinieren Elemente unterschiedlichster Kunstformen und  trotzen jedem Versuch einer Kategorisierung.

Zuerst hingerissen von der Magie des Zirkus', begann der junge Kylián sein Studium als Akrobat. Im Alter von neun Jahren ging er an die Ballettschule des Prager Nationaltheaters. Sechs Jahre später, im Jahre 1962, wurde er am Prager Konservatorium aufgenommen und erhielt von 1967-1968 ein Stipendium für die Londoner Royal Ballet School. Dort traf er auf John Cranko, der ihm den Kontakt zum Stuttgarter Ballett ermöglichte und ihn ermutigte, dort zunächst als Tänzer, aber sehr bald auch als Choreograph zu arbeiten.

Im Jahr 1975 verließ Kylián Deutschland, um als künstlerischer Co-Direktor für das Nederlands Dans Theater zu arbeiten, für das er bereits zuvor verschiedene Stücke als Gastchoreograph kreiert hatte. 1978, nach dem großen Erfolg seiner leidenschaftlichen und lebensbejahenden Choreographie Sinfonietta beim Festival of Two Worlds in Charleston, South Carolina, wurde er alleiniger künstlerischer Leiter des NDT. Psalmensymphonie (1978) war das zweite bedeutende Werk während dieser Zeit. Dieses sollte entscheidenden Einfluss auf die zukünftige Entwicklung des NDT und dessen internationalen Ruf haben. Mitte der 80er Jahre wurden Kyliáns Werke abstrakter, was vor allem anhand der Reihe seiner Black and White-Choreographien zu erkennen ist. Darüber hinaus spielte seine Begegnung mit den australischen Aborigines während dieser Zeit eine wichtige Rolle in seinem Verständnis von Tanz als signifikantem "Eckstein" unserer Sozialstruktur und unserer "künstlerischen Identität". Kylián würdigte den 35. Geburtstag des NDT mit der Schaffung von Arcimboldo (1994) für alle drei Compagnien des NDT und unter Einbeziehung der Unterbühnenbereiche des Den Haager Theaters.

Jede der Compagnien des NDT beschäftigt Tänzer unterschiedlicher Altersgruppen. Diese einzigartige und preisgekrönte dreidimensionale Compagnie-Struktur, die eine Erfindung Kyliáns ist, umfasste bis 2006 alle Phasen einer Tänzerkarriere zwischen 17 und 70 Jahren. NDT III, die Compagnie der Tänzer über 40, musste 2006 aus finanziellen Gründen abgeschafft werden, obwohl regelmäßig die größten Choreographen der Welt mit diesem Ensemble zusammenarbeiteten und NTD III auf der ganzen Welt gastierte.

Kylián trat im Jahre 1999 als künstlerischer Leiter des NDT zurück, blieb aber noch weitere zehn Jahre als Choreograph am Hause.

Für seine Arbeit wurde er vielfach geehrt, unter anderem mit dem Titel 'Officer of the Orange Order', einem Doktorat an der Juillard School New York, drei Nijinsky Preisen in den Kategorien Bester Choreograph, Beste Compagnie und Bestes Stück, dem Prix Benoit de la Danse, der Ehrenmedaille des Präsidenten der Tschechischen Republik und der Mitgliedschaft in der Legion d'honneur in Frankreich. Im Jahr 2008 erhielt er von Königin Beatrix persönlich den Oranje-Orden, einer der höchsten Auszeichnungen in den Niederlanden.

2009 kreierte Kylián Zugvögel für das Bayerische Staatsballett. Drei Jahre später nahm die Compagnie ein weiteres Ballett des tschechischen Choreographen in ihr Repertoire auf: Gods and Dogs.

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