Max Richter

Max Richter

Max Richter © Yulia Mahr

Komponist

„Für mich“, sagt Max Richter, „ist Musik vor allem ein Weg, um Menschen anzusprechen. Es geht darum, ein Gespräch zu führen, und wenn man das tun will, muss man sich verständlich ausdrücken. Und: man braucht Inhalte, Aussagen. Mir war wichtig, eine Sprache zu entwickeln, die gut verständlich, ausdrucksstark und direkt ist...“

Max Richter wurde 1966 in Hameln geboren, wuchs aber in England auf. Einen Großteil seines Lebens hat er mit der Verfeinerung seiner Herangehensweise an musikalische Kommunikation verbracht. Mittlerweile ist er als einer der einflussreichsten Komponisten seiner Generation anerkannt. In drei Jahrzehnten hat er diverse Projekte in einer Vielzahl von Bereichen realisiert – von erfolgreichen Solo-Aufnahmen bis hin zu einem umfangreichen Werk für Theater und Kino.

Trotz des allumfassenden Wesens seiner Musik hat er im englischen Bedford, wo er seit seiner Kindheit lebte, zunächst eine klassische Musikausbildung absolviert. Dann studierte er Komposition und Klavier an der Edinburgh University sowie später an der London Royal Academy of Music, bevor er in Florenz Schüler des innovativen Komponisten Luciano Berio wurde. Nach seiner Rückkehr nach London war er 1989 Mitbegründer des mit sechs Klavieren besetzten Ensembles „Piano Circus“ und jahrelang Fürsprecher des Minimalismus von Komponisten wie Arvo Pärt, Steve Reich, Terry Riley und Michael Nyman.

Seine sich nach und nach herauskristallisierende musikalische Sprache umfasste ein breites stilistisches Spektrum: von der Renaissance bis zur Romantik, von der elektronischen bis zur experimentellen Musik. Eingang in Richters musikalischen Ausdruck fand aber auch etwas, das er „experimentellere Sounds der Rockmusik“ nennt. Letztere waren es, die ihn – inspiriert von der Veröffentlichung von Alben der isländischen Band Sigur Rós und der kanadischen Formation Set Fire To Flames – zu FatCat Records führten. Hier nahm man Richter rasch beim hauseigenen Sub-Label „130701“ unter Vertrag. Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits ein Album namens Memoryhouse (2002) veröffentlicht  – aber die Plattenfirma, Late Junction, musste kurz danach ihre Tätigkeit einstellen, weshalb Richters Erstling bei Erscheinen des Nachfolgers The Blue Notebooks (2004) bereits aus dem Katalog gestrichen war.

Im Laufe der Jahre hat Richter ein beachtliches Arbeitstempo vorgelegt. Bei alledem wurden aber auch weitere Solo-Alben veröffentlicht, u.a. 2006 Songs From Before. Hier las Robert Wyatt Passagen aus Texten von Haruki Murakami, was David Bowie im Jahr darauf in der Times zu folgendem Kommentar veranlasste: „Das kann einen zu Tränen rühren… Ich ertappe mich immer wieder dabei, dass ich beim Hören mitsinge.” 2012 veröffentlichte Richter sein erstes Album bei der Deutschen Grammophon: Recomposed: Vivaldi – The Four Seasons, ein Gemeinschaftsprojekt mit dem Violinisten Daniel Hope, dem Dirigenten André de Ridder und dem Konzerthaus Kammerorchester Berlin. 2015 folgte sein hochgelobtes Magnum Opus Sleep, ein sich über mehr als acht Stunden erstreckendes Konzeptalbum, in dem die Schlafwissenschaft erforscht wird.

Bemerkenswerterweise hat sich die auf eine Stunde gekürzte Version mittlerweile weit über 100.000 mal verkauft, und trotz der mit der Aufführung der Langfassung einhergehenden Herausforderungen wird diese regelmäßig an verschiedenen Orten rund um die Welt präsentiert. Dem Publikum werden dabei statt Stühlen Betten zur Verfügung gestellt.

Natürlich hat Richter auch oft als Komponist von Soundtracks gearbeitet. Seine Musik erklingt in einem ungewöhnlich breiten Spektrum von Filmen und Fernsehshows. Er wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet – u.a. 2008 als Bester Komponist beim Europäischen Filmpreis für den mit einem Golden Globe prämierten und Oscar‐nominierten Trickfilm Waltz with Bashir – sowie 2014 bei den International Film Music Critics Awards für The Leftovers für die Beste Originalmusik einer Fernsehserie. Musik von Max Richter hat außerdem beispielsweise das Oscar-nominierte, saudi-arabische Drama Wadjda begleitet, aber auch die BBC-Serie Taboo sowie „Nosedive“, eine Episode aus der Kult-Show Black Mirror. Richter schrieb aber auch Musik für Denis Villeneuves Arrival und Martin Scorseses Shutter Island sowie für Kunst-Installationen des für den Turner Prize nominierten Darren Almond und das hochgelobte Digital-Art-Kollektiv Random International.

Richters Projektarbeit mit anderen Künstlern geht weit über das Kino hinaus. Unter seinen diversen Erfolgen in diesem Bereich ist u.a. eine Zusammenarbeit zu nennen, bei der er 2008 mit dem britischen Choreographen für zeitgenössischen Tanz Wayne McGregor Infra am Londoner Royal Opera House inszenierte. Weitere gemeinsame Projekte waren 2014 Kairos, für das man Richters Nachkomposition von Vivaldis Vier Jahreszeiten heranzog, sowie 2015 das mit dem Olivier Award ausgezeichnete Woolf Works, das Kritiker zu wahren Begeisterungsstürmen hinriss. Richters Musik erklang auch bei einer Macbeth-Inszenierung des National Theatre of Scotland mit Alan Cumming in der Titelrolle. Außerdem produzierte Richter 2005 Lookaftering, das erste, vielgelobte Album, das die publikumsscheue englische Sängerin und Songwriterin Vashti Bunyan seit 1970 aufgenommen hatte. An dem Album haben u.a. Musikerkollegen wie Devendra Banhart, Joanna Newsom und Robert Kirby (Arrangeur von Nick Drake) mitgewirkt.

Die Frage, was seine vielfältigen Werke gemeinsam haben, beantwortet Richter ebenso selbstbewusst wie philosophisch: „In meinem Werk geht es immer ‚um‘ etwas. Ohne einen klaren sozialen Zweck ist Kreativarbeit nicht sonderlich zugkräftig. Ich bin ziemlich überzeugt davon, dass Kreativität eine positive Rolle in der Gesellschaft und im Leben des Einzelnen spielen kann, und das ist in meinem Werk auch ganz deutlich. Ich schreibe selten Musik ‚einfach nur so‘. Ich versuche, Geschichten zu erzählen, über etwas zu sprechen oder Fragen zu stellen. Ich möchte alle meine Zuhörer immer auf eine ganze Reise mitnehmen.“

Hierbei hat sich Max Richter als höchst talentiert erwiesen, und auch seine eigene Reise dauert an. Auch 2018 ist sein Kalender so voll wie immer – ob er nun Sleep in voller Länge an diversen ungewöhnlichen Schauplätzen rund um den Globus aufführt, ein Show- und Film-Wochenende im Londoner Barbican Centre kuratiert oder an neuen, unveröffentlichten Aufnahmen arbeitet. Darüber hinaus absolviert er umfangreiche Tourneen durch die USA und Deutschland und freut sich auf die Wiederveröffentlichung einer erweiterten Fassung von The Blue Notebooks bei der Deutschen Grammophon Gesellschaft. Und die kommt genau zur rechten Zeit: einen Teil der Inspiration zu dem Album lieferte der damals unmittelbar bevorstehende Irak-Krieg. Richter ist sich auf schmerzhafte Weise der Tatsache bewusst, dass die Erde auch heute vor ebenso beunruhigenden politischen und sozialen Herausforderungen steht. Erfreulicherweise hat er eine Sprache gefunden, mit der er über verschiedene Grenzen hinweg kommunizieren kann. Das Gespräch, das er vor vielen Jahren in Gang gesetzt hat, setzt sich fort, und immer mehr Menschen stimmen mit ein... (Stand: März 2018)

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