Musiktheaterlexikon

Abendkasse

Während die Tageskasse den ganzen Tag über auf ist, öffnet die Abendkasse erst eine Stunde vor Vorstellungsbeginn. An der Abendkasse kannst du nur Karten für die jeweilige Vorstellung am Abend kaufen. Sie ist normalerweise bis 10 Minuten nach Vorstellungsbeginn geöffnet, falls jemand zu spät kommt. An der Abendkasse kannst du auch bestellte oder reservierte Karten abholen.
(siehe auch Kartenvorverkauf)

Abonnement

Ein Abonnement ist eine Gruppe von Vorstellungen, die jeder kaufen kann und die über das ganze Jahr verteilt liegen. Die Vorstellungen kann man sich aber leider nicht aussuchen, dafür sind die Karten ein bisschen billiger. Manche Leute haben schon ganz viele Jahre ein Abonnement. Die Bayerische Staatsoper bietet verschiedene Abonnements an, z.B. ein Opernabonnement (fünf Vorstellungen von Oper/Ballett/Konzert), ein Ballettabonnement (fünf Ballettvorstellungen) oder ein Premierenabonnement, für alle, die eine neue Oper gleich als erste sehen wollen. Wünsch dir doch mal eines zum Geburtstag.

Alt

Alt stammt vom lateinischen altus= „hoch“, vox alta= „hohe Stimme“, ist aber seltsamerweise in der Musik die tiefste Frauenstimme. Sängerinnen mit Alt-Stimme spielen in der Oper oft alte Frauen und Zauberinnen. Manchmal stellen sie auch junge Männer oder Krieger dar. Diese Rollen heißen dann Hosenrollen. Der Stimmumfang beträgt g-e´´.

Arie

Auf Italienisch heißt aria „Weiße, Luft“, und das kommt natürlich wieder aus dem Lateinischen, area, aer „Luft“. Eine Arie ist eine Musiknummer, die von einem Sänger/einer Sängerin alleine vorgetragen wird. Nur das Orchester begleitet ihn oder sie. In fast jeder Oper gibt es Arien, sie drücken Gefühle und Stimmungen aus, zum Beispiel Trauer, Wut, Liebe oder Freude.

Aufführungspraxis

Unter Aufführungspraxis versteht man den Wunsch, Musik aus alten Zeiten mit den Instrumenten und Möglichkeiten aufzuführen, die früher verwendet wurden. Man versucht, so gut es geht an den Originalklang von früher heran zu kommen, und manchmal klingen die Stücke dann wirklich ganz anders.

Balkon

Die Sitzplätze im Balkon liegen im Nationaltheater direkt über dem Parkett. Der Balkon ist quasi der erste Stock im Zuschauerraum.

Ballett

ballo (Verkleinerungsform=balletto) bedeutet auf Italienisch „Tanz“. Die Bayerische Staatsoper ist ein so genanntes Mehrspartenhaus, das heißt bei uns kannst du nicht nur Opernaufführungen sondern auch Ballette und Konzerte sehen. Bei einer Ballettvorstellung wird auf der Bühne „nur“ getanzt, nicht gesungen. Es gibt moderne und klassische Ballette. Im klassischen Ballett wird immer eine Geschichte erzählt, wie zum Beispiel Der Nussknacker oder Schwanensee.

Ballettdirektor

ist derjenige, der das Ballettensemble leitet und der für die künstlerische Qualität der Aufführungen verantwortlich ist. Er oder sie wird vom Bayerischen Kultusminister ausgesucht und bekommt dann einen Vertrag über mehrere Jahre.

Bariton

Bariton nennt man die mittlere Stimmlage für Männer. Barys heißt auf Griechisch „tief“ und tonos "Klang". Der Tonumfang der Baritonstimme reicht ungefähr von G bis g´´ – also zwei Oktaven. Vielleicht kennst du den Vogelfänger Papageno aus der Zauberflöte. Diese Rolle wird immer von einem Bariton gesungen.

Barockoper

Die ersten Opern entstanden etwa um das Jahr 1600, viele unter der Bezeichnung „Dramma per Musica“. „Oper“ hat man sie erst 40 Jahre später genannt. Als Barockopern bezeichnet man die Opern, die bis etwa 1750 geschrieben wurden, z.B. Opern von Georg Friedrich Händel oder dem Italiener Claudio Monteverdi. Diese Opern brauchen nur ein kleines Orchester. Oft geht es darin um Zauberer, Könige oder Götter. Barockopern, die du bei uns hören kannst, sind zum Beispiel Alcina, La Calisto oder Orlando.

Bass

Der Bass ist die tiefste Männerstimme. In der Zauberflöte zum Beispiel ist Sarastro ein Bass. Oft bezeichnet man diese Stimmlage auch als „schwarz“. Ganz viele Bösewichter, Väter, oder alte Männer werden in der Oper von Bässen gesungen.

Bayerische Staatsoper

Die Bayerische Staatsoper gehört zu den berühmtesten Opernhäusern der Welt. Bei uns könnt ihr circa 350 Opern- und Ballettaufführungen im Jahr sehen, so viele wie nirgendwo sonst. Die Vorstellungen finden im Nationaltheater am Max-Joseph-Platz, im Prinzregententheater oder im Cuvilliés-Theater (in der Residenz) statt. An der Bayerischen Staatsoper arbeiten über 800 Menschen, zum Beispiel Sänger, Tänzer, Techniker, Dirigenten, Orchestermitglieder und viele Leute in den Büros und Werkstätten.

Bayerisches Staatsballett

heißt das Ballettensemble, das im Nationaltheater am Max-Joseph-Platz alle, nämlich ungefähr 65 Ballettvorstellungen im Jahr, tanzt und dazu sehr viele Gastspiel-Reisen in die ganze Welt unternimmt, um in anderen Ländern aufzutreten. Das Staatsballett besteht aus 68 Tänzerinnen und Tänzern, sowie einem künstlerischen Direktor, dem Direktionsteam, Ballettmeistern und Pianisten.

Bayerisches Staatsorchester

Das Bayerische Staatsorchester ist das Orchester, das hier im Opernhaus spielt. Jeden Abend begleitet es Sänger und Tänzer in Aufführungen. Manchmal gibt es auch reine Orchesterkonzerte, die so genannten Akademiekonzerte. Viele Musiker spielen nebenher noch in kleineren Gruppen mit Freunden und treten auch einzeln auf.

Belcanto

Belcanto heißt eigentlich „schöner Gesang“. Aber nicht jeder schöne Gesang wird als „Belcanto“ bezeichnet, sondern eigentlich nur ein bestimmter Stil, der in Italien vom 17. bis 19. Jahrhundert entwickelt wurde. Ganz berühmte Sänger verzieren oft die komponierten Melodien und Stücke, um zu zeigen, wie viele verschiedene Farben sie in die Musik legen können.

Beleuchtung

Die Beleuchtung der Bühne während einer Vorstellung ist ganz wichtig, sonst würde ja keiner sehen, was auf der Bühne passiert. Für die richtige Lichtstimmung wird viel und lange geprobt. Oft wird das alles durch Computer gesteuert. Es gibt sogar den Beruf des Lichtdesigners. Er denkt sich die Lichteffekte aus und ist für das gesamte Licht einer Aufführung verantwortlich.

Besetzung / Besetzungsänderung

Als Besetzung bezeichnet man die Sänger/innen bzw. Tänzer/innen, die am Abend in der Vorstellung auftreten. Wenn einer krank wird oder ausfällt, muss ein anderer einspringen. Das nennt man dann eine Besetzungsänderung.

Bibliothek

Wir haben in der Oper eine Bibliothek, aber du kannst da keine Romane oder Krimis ausleihen. Dafür gibt es dort Notenmaterial oder Programmhefte. Unsere Bibliothekare stellen auch Notenmaterial her, denn manchmal müssen sie einzelne Instrumentalstimmen zusammen schreiben. Sie machen auch die Eintragungen in den Noten.

Bühne

Auf der Bühne finden die Vorstellungen statt. Unsere Bühne ist ca. 16 m breit und bis 13,50 m hoch. Wir haben noch mehr Bühnen, die man vom Zuschauerraum aus nicht sieht, z.B. die Seitenbühne oder die Hinterbühne. Dort warten die Künstler dann auf ihren Auftritt, und oft wird dort auch schon das nächste Bühnenbild aufgebaut, damit man schneller umbauen kann.

Bühnenbildner

Der Bühnenbildner entwirft (meistens zusammen mit dem Regisseur) das Bühnenbild für eine Vorstellung. Alles, was ihr bei der Vorstellung sehen könnt, zum Beispiel einen Wald, ein Haus, bunte Wände oder einen Saal, hat sich der Bühnenbildner ausgedacht.

Bühneneingang

Der Bühneneingang wird manchmal auch Künstlereingang genannt. Er ist so eine Art Haustür zur Oper. Dort dürfen aber nur Leute rein, die an der Oper arbeiten. Das Publikum kommt nur am Abend und geht durch den Haupteingang vor der Oper, oder durch Seiteneingänge. Nach einer Vorstellung versammeln sich manchmal viele Fans am Bühneneingang und warten auf Autogramme von Sängern oder Solisten des Staatsballetts.

Charakterrolle

Charakterrollen sind im Theater Rollen, die bestimmte Eigenheiten von Personen betonen, die eben einen ausgeprägten Charakter haben und nicht wie alle anderen sind. Die Rolle muss nicht mal sehr groß sein, und es kann sich um junge, alte, komische oder tragische Personen handeln. Hamlet ist zum Beispiel eine Charakterrolle, oder auch König Philip II. im Don Carlo. Im Ballett werden die Charakterrollen von älteren Tänzern dargestellt, da diese Rollen keinen Tanz sondern Schauspiel verlangen.

Chor

Choros bedeutet auf griechisch „Tanzplatz, Reigen“. Der Chor ist eine Gemeinschaft von Sängern, die alle zusammen singen und häufig das Volk in den Opern darstellen. Im Chor gibt es die Stimmlagen Sopran und Alt bei den Frauen und Tenor und Bass bei den Männern. In vielen Opern spielt der Chor eine ganz wichtige Rolle, ein ganz berühmtes Chorstück ist zum Beispiel in Giuseppe Verdis Nabucco „Flieg' Gedanke“. Im manchen Opern gibt es keinen Chor, dann haben die Chorsänger frei.

Choreograph

Choreographie heißt „Tanzschrift“, und ein Choreograph ist für die Tanzschritte und Bewegungen verantwortlich. Er erfindet die Schritte selbst oder erarbeitet sie zusammen mit den Tänzern. Spezielle Ballettmeister, sogenannte „Choreologen“,  helfen ihm, die Schritte aufzuschreiben und sie mit den Tänzern/Innen so gut zu probieren, dass am Ende ein Ballett entsteht, das auf der Bühne gezeigt wird. Dazu wählt der Choreograph fast immer auch Musik, die ihn zu bestimmten Bewegungen inspiriert.

Corps de Ballet

Corps de Ballet nennt man den größten Teil des Ballettensembles: die Gruppentänzer/Innen. Sie tanzen in den Balletten, in denen Geschichten erzählt werden, Rollen wie das Volk, die Hofgesellschaft oder die vielen Feen, verzauberten Schwäne oder Nymphen. Dazu kommen die Halbsolisten, die oft schon größere, schwierige Teile der Choreographie allein zeigen dürfen, und dann folgen die Solisten und ersten Solisten, die an der Spitze eines Ballettensembles stehen und die schwierigsten und anspruchsvollsten Choreographien tanzen. In modernen Balletten ist die Trennung nicht mehr so streng.

Countertenor

Ein Countertenor ist ein Mann, der in der gleichen Stimmlage wie eine Frau singt. Man braucht dazu eine ganz bestimmte Technik. Countertenöre werden oft als Helden in Barockopern eingesetzt, denn vor ein paar hundert Jahren waren diese Sänger ganz große Stars und viele Komponisten haben damals extra für sie Musik geschrieben.

Dirigent

Der Dirigent leitet die musikalischen Proben und die Aufführungen. Er sorgt dafür, dass alle im Orchester zur richtigen Zeit anfangen zu spielen. Er bestimmt das Tempo und die Art, wie gespielt wird. Er gibt den Sängern auf der Bühne ihre Einsätze. Er ist leicht im Orchestergraben zu erkennen, da er als einziger dem Publikum den Rücken zuwendet. An der Bayerischen Staatsoper dirigieren das ganze Jahr über viele verschiedene Dirigenten.

Dramaturgie

Die Dramaturgen versuchen, dem Regisseur und den Künstlern die Arbeit zu erleichtern, indem sie Hintergrundwissen und Material besorgen, das bei der Inszenierung helfen kann, zum Beispiel Bilder oder Photos. Der Dramaturg muss den geschichtlichen Hintergrund eines Werkes kennen. Die Dramaturgie macht auch das Programmheft, das man bei jeder Vorstellung kaufen kann, und das zur weiteren Beschäftigung mit dem Stück anregen soll. Außerdem sind die Dramaturgen für den sinnvollen Aufbau des Spielplans mitverantwortlich.

Duett

Ein Duett ist ein Musikstück für zwei Sänger. Ein Stück für zwei Instrumente heißt Duo. Duo kann im modernen Ballett auch ein Stück für zwei Tänzer heißen.

Eiserner Vorhang

Der eiserne Vorhang ist ein Sicherheitsvorhang gegen Feuer und trennt die Bühne vom Zuschauerraum. Er muss vor jeder Vorstellung einmal hoch- und wieder runtergefahren werden, damit man sicher sein kann, dass er funktioniert. Damit keiner beim Runterfahren verletzt wird, ertönt ein Gong, so dass alle, die auf der Bühne arbeiten, wissen, dass sie jetzt aufpassen müssen. Der eiserne Vorhang ist nicht wirklich ein Vorhang, denn er besteht aus einer großen, dicken eisernen Wand.

Engelsloge

In unserem Opernhaus gibt es zwei Logen  - Logen sind eigene kleine Räume im Zuschauerraum  - die „Engelslogen“ genannt werden, weil links und rechts zwei große Engelsfiguren stehen. Sie sind ganz oben neben der Bühne. Zuschauer, die zu spät kommen, werden nach Beginn der Vorstellung nicht mehr rein gelassen, weil sie die anderen stören würden. Sie dürfen aber in die Engelslogen, die deshalb zum Spaß auch „Zuspätkommer-Logen“ heißen.

Ensemble

Ensemble (französisch für „zusammen“) nennt man sowohl die gesamte Gruppe von Sängern oder Tänzern, die bei einer Vorstellung auftreten, als auch diejenigen Künstler, die mit einem festen Vertrag an unserem Haus arbeiten und fast nur hier singen, bzw. tanzen. Das Gegenteil sind die freien Künstler, die von Stadt zu Stadt reisen und immer woanders auftreten.

Exercice

Exercice ist Französisch und bedeutet „Übung“. Vor jeder Vorstellung müssen sich die Tänzer noch einmal warm machen, auch wenn sie am Tag schon Proben hatten. Diese 30 Minuten lange Trainingszeit nennt man Exercice. Es findet im großen Ballettsaal im 6.Stock des Nationaltheaters statt.

Forte

Forte stammt aus dem Lateinischen  und heißt soviel wie laut, stark, kräftig. In der Musik ist das eine Spielanweisung, die dem Musiker zeigt, dass er jetzt laut und kräftig spielen soll. In Noten finden man häufig einfach ein f, manchmal auf ein ff – oder noch mehr: ein fff; das heißt dann fortissimo oder auch dreifaches forte und ist noch eine Steigerung zu laut. Man kann also die Lautstärke und Intensität des Tones mit einer solchen Dynamikbezeichnung abstufen.

Fundus

Fundus heißt in seiner Wortbedeutung Sammlung und Grundstock. Im Theater ist das der Ort, an dem ebenfalls ein großer Grundstock, eine große Sammlung von Gegenständen zu finden ist. Hier wird nämlich alles gesammelt, was momentan nicht mehr unmittelbar für die laufenden Produktionen auf der Bühne gebraucht wird. Die Kostümabteilung hebt in ihrem Kostümfundus alte Kostüme auf, die man vielleicht später wieder verwenden kann oder besonders wertvoll sind. Auch die Requisite hat einen Fundus, hier findet man ganz verschiedene Sachen: alte Stühle, Statuen, Gläser, Lampen, Bälle, Zeitschriften, Spielgeld, Münzen – alles Dinge, die man vielleicht wieder einmal auf der Bühne gebrauchen kann.

Galerie

Die Galerie ist die höchste Ebene, also der oberste Stock im Zuschauerraum des Nationaltheaters. Dort findest du die höchsten Sitz-, Steh- und Hörerplätze. Der Klang ist da oben besonders gut und die Karten sind nicht sehr teuer.

Garderobe

Eine Garderobe gibt es sowohl für die Zuschauer als auch für die Sänger, Tänzer, das Orchester und den Chor. Die Zuschauer können dort ihre Mäntel, Schirme oder Taschen abgeben, auf die während der Vorstellung jemand aufpasst. Die Künstler haben ihre eigenen Garderoben, dort singen sich die Sänger ein und ziehen sich für die Vorstellung um. Auch die Solisten des Staatsballetts werden dort frisiert und geschminkt.

Gastspiel

Wenn die Bayerische Staatsoper oder das Staatsballett an einen anderen Ort reist, und dort Aufführungen aus München zeigt, dann nennt man das ein Gastspiel. Zum Beispiel war die Bayerische Staatsoper 2005 in Japan und hat dort drei unserer Opern gezeigt; Tannhäuser, Meistersinger und Ariodante. Das Bayerische Staatsballett tanzt jedes Jahr in anderen Ländern, 2006 zum Beispiel war es in Venedig und in Taipei in Asien. Bei einem Gastspiel reisen alle Künstler, die Techniker und alle Mitarbeiter in mehreren Flugzeugen; die Bühnenbilder hingegen werden oft mit dem Schiff transportiert, was viele Wochen dauert.

Generalmusikdirektor

Der jetzige Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper heißt Kent Nagano und kommt aus den USA. Er ist der musikalische Chef des Hauses und dirigiert die meisten Aufführungen. Er wählt unter anderem die Opern für den Spielplan aus, engagiert Sänger und dirigiert Premieren.

Generalprobe

Eine Generalprobe ist die letzte Probe vor der Premiere. Im Idealfall ist alles schon wie bei der Aufführung und das gesamte Stück wird ohne Unterbrechungen durchgespielt.

Heldentenor

Ein Heldentenor ist ein bestimmter Typ von Tenorstimme. Heldentenöre haben schwerere und tragfähigere Stimmen und klingen nicht so hell wie andere Tenöre. Sie singen sehr dramatische Rollen. Das Wort „Held“ darf man nicht so verstehen, dass diese Rolle immer der Gewinner ist. Es bedeutet eher, dass es sich um die Hauptrolle handelt. Die Tenorrollen bei Richard Wagner sind oft Heldentenöre, zum Beispiel Siegmund und Siegfried im Ring des Nibelungen oder auch die Titelpartie in Giuseppe Verdis Otello.

Hörerplätze

Hörerplätze sind die billigsten Sitzplätze im Haus. Sie sind ganz oben auf der Galerie, und man kann die Bühne nicht sehen, sondern nur die Musik hören. Diese Plätze haben als einzige im Haus kleine Lampen, denn manche Leute nehmen sich ihre Noten zum Mitlesen mit. Deswegen heißen diese Plätze auch Partiturplätze.

Inspizient

Der Inspizient ist für eine Vorstellung ganz wichtig. Bei jeder Vorstellung gibt es mehrere Inspizienten, die seitlich auf der Bühne stehen und die das Publikum nicht sehen kann. Ein Inspizient schaut vorher, ob alle Requisiten da sind, ruft die Künstler über Mikrofon zu ihren Auftritten, gibt der Technik Zeichen für Umbauten, den Tontechnikern Zeichen für Einspielungen oder den Beleuchtern den richtigen Zeitpunkt für einen Lichtwechsel. Der Inspizient hat immer die Noten des Stückes vor sich und darin alle wichtigen Stellen markiert, deshalb weiß er, was wann zu tun ist.

Instrumentation

Als Instrumentation (auch Instrumentierung) bezeichnet man die Ordnung der Stimmen einer musikalischen Komposition auf die einzelnen Instrumente. So haben die Flöten ihre eigenen Noten, die Geigen auch, und die Trompeten spielen vielleicht ganz was anderes. Bei einem Orchesterwerk kann man auch von Orchestration oder Orchestrierung sprechen.

Intendant

Der Intendant ist der oberste Chef eines Opernhauses, er ist so eine Art Bundespräsident des Theaters. Er entscheidet und trägt die Verantwortung. Er sucht die Stücke und Sänger aus und ist Ansprechpartner für alle, die am Haus arbeiten. Es gibt aber immer noch andere Leute, wie den Generalmusikdirektor oder den Verwaltungsdirektor oder den technischen Direktor, die in ihrem Bereich auch mit entscheiden können.

Kammerkonzert

Ein Kammerkonzert ist ein Konzert mit einer ganz kleinen Besetzung, manchmal nur zwei, drei oder vier Musikern. Früher war die Kammermusik im Gegensatz zur kirchlichen Musik für die fürstliche „Kammer“ bestimmt, also nur für einen kleinen Kreis. Bei uns finden im Jahr rund sechs Kammerkonzerte statt, manchmal sind auch ein paar Sänger dabei. Meistens spielen dabei Musiker aus unserem Orchester.

Kantine

Die Kantine ist das Restaurant für die Mitarbeiter unseres Opernhauses. Hier können alle Techniker, Künstler oder Musiker für wenig Geld essen. Die Kantine ist meistens nach Proben und in Pausen sehr voll. Manchmal findet auch die Premierenfeier, also die Feier nach der ersten Vorstellung einer neuen Oper oder eines Balletts, in der Kantine statt.

Kartenvorverkauf

Im Kartenvorverkauf können Karten für Aufführungen schon Monate vorher bestellt werden. Man kann schriftlich bestellen, also einen Brief schreiben, ein Fax oder eine Email schicken, oder anrufen. Natürlich kann man auch direkt zur Kasse gehen und dort Karten kaufen. Fast alle Zuschauer haben ihre Karten im Vorverkauf gekauft. Stell dir vor, was passieren würde, wenn 2101 Zuschauer erst am Abend vor der Vorstellung Karten kaufen würden und wie lange man dann anstehen müsste!?

Klavierauszug

Im Klavierauszug stehen die Gesangsstimmen und die Klavierfassung der Orchesterpartitur, damit ein Pianist den Sänger einfacher begleiten kann. Auf dem Klavier wird quasi das Orchester zusammengefasst. Das ist besonders bei Proben wichtig, denn man kann nicht immer das ganze Orchester bei Proben dabei haben.

Koloratursopran

Ein Koloratursopran ist eine hohe Frauenstimme mit besonderer Beweglichkeit. Die Stimmen klingen meistens eher leicht und hell und sind sehr virtuos. Die Königin der Nacht in der Zauberflöte oder die Puppe Olympia in Hoffmanns Erzählungen sind Koloratursoprane.

Komponist

Ein Komponist ist jemand, der Musikstücke schreibt. Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig von Beethoven oder Richard Wagner waren Komponisten und haben Opern, Symphonien, Konzerte oder auch Lieder geschrieben. Sie erfinden die gesamte Musik und schreiben sie auch so auf, dass andere es nach ihren Vorstellungen aufführen können.

Konzert

Den Begriff kennst du sicher schon. In einem Konzert hört man sich ein oder mehrere Musikstücke an. Im Gegensatz zur Opernaufführung gibt es im Konzert kein Bühnenbild und keine Kostüme, sondern nur Musik. Manchmal werden aber auch Opern konzertant aufgeführt.

Konzertmeister

Der Konzertmeister ist so eine Art erster Minister des Dirigenten. Er ist der Chef im Orchester und gehört immer zu den ersten Geigen. Du erkennst ihn daran, dass er vor Beginn der Vorstellung im Orchestergraben aufsteht und das Zeichen zum Stimmen gibt. Wenn der Dirigent reinkommt, begrüßt er auch immer den Konzertmeister stellvertretend für das gesamte Orchester.

Koproduktion

Eine Koproduktion ist eine Inszenierung, die von mindestens zwei Opernhäusern produziert wird. Der fliegende Holländer von Richard Wagner, den du bei uns sehen kannst, war genauso schon mal in Moskau zu sehen. Hergestellt wurden die Bühnenbilder aber bei uns, dann wurde alles nach Moskau geschickt und dort geprobt. Jetzt ist alles wieder zurückgekommen und wird an der Bayerischen Staatsoper gezeigt.

Korrepetitor

Ein Korrepetitor muss perfekt Klavier spielen können, denn er spielt am Klavier alle Instrumente des Orchesters, wenn Sänger, Chöre, Tänzer oder Schauspieler ihre Rollen einstudieren oder Szenen geprobt werden. Denn man kann ja nicht bei jeder Probe das ganze Orchester arbeiten lassen. Beim Ballett spielen sie auch für das täglich Training, das eineinhalb Stunden dauert und mit dem jeder Tag des Ballettensembles beginnt. Dazu gibt es eigens Pianisten, die sich sehr gut auch in den verschiedensten Ballettschritten auskennen müssen.

Kostümbildner

Ein Kostümbildner entwirft die Kostüme, also die Kleidung der Sänger, Tänzer oder des Chores. Er ist eine Art Modeschöpfer für das Theater.

Kulisse

Als Kulisse bezeichnet man das Bühnenbild an einem Theater oder Opernhaus.

Künstlerisches Betriebsbüro

Das Künstlerische Betriebsbüro erstellt die Spielpläne und Probenpläne, engagiert die Sänger und macht die Verträge. Es teilt auch jedem beteiligten Mitarbeiter bzw. Sänger mit, wann er wo zu sein hat. Das Betriebsbüro kümmert sich auch um die Gastsänger und hilft ihnen bei Problemen weiter. Es ist quasi die Schnittstelle zwischen Technik und Künstlern.

Königsloge

siehe Mittelloge

Leitmotiv

Ein Leitmotiv ist eine kleine musikalische Einheit, die an bestimmten Stellen immer wieder kommt. Der Begriff ist eng mit Richard Wagner verbunden, der Leitmotive ganz oft verwendet hat. In seinen vier Opern Der Ring des Nibelungen gibt es zum Beispiel ein musikalisches Leitmotiv für den Rhein, das Feuer, das Schwert oder den Helden und immer, wenn Rhein, Feuer, Schwert oder Held vorkommen, hörst du wieder diese Musik, manchmal ein bisschen umgewandelt, aber fast immer klar zu erkennen. Oft kommen Leitmotive auch in Filmmusik vor, zum Beispiel in Star Wars- oder Der Herr der Ringe-Verfilmungen.

Libretto

Das Libretto ist der Text einer Oper; das Wort ist die Verkleinerungsform von libro = Buch. Bei den meisten Opern, die wir spielen, ist der Text auf Deutsch oder Italienisch, manchmal aber auch auf Englisch, Französisch oder Russisch. (siehe auch ÜBERTITEL)

Liederabend

Bei einem Liederabend treten fast immer ein oder zwei Sänger mit Klavier auf und singen Lieder. Die berühmtesten deutschen Liedkomponisten sind Franz Schubert und Robert Schumann. Vielleicht kennst du die Lieder Die Forelle oder den Erlkönig von Schubert.

Maske

In der Maske werden die Künstler vor der Aufführung geschminkt. Manche sollen älter oder schöner aussehen, manche hässlich oder gefährlich. In der Oper Hänsel und Gretel von Engelbert Humperdinck muss zum Beispiel der Sänger der Hexe ganz hässlich geschminkt werden.

Mezzosopran

Ein Mezzosopran ist die Stimmlage von Frauen, die zwischen Alt und Sopran liegt, also nicht ganz hoch, aber auch nicht ganz tief. Eine der berühmtesten Rollen für einen Mezzosopran ist Georges Bizets Carmen. Manchmal singen Mezzosoprane auch junge Männerrollen, zum Beispiel den Hänsel in Engelbert Humperdincks Hänsel und Gretel. Man nennt das Hosenrollen, weil Frauen „die Hosen“ anziehen.

Mittelloge

Die Mittelloge ist die größte Loge in unserem Opernhaus und liegt genau gegenüber der Bühne. Früher hieß sie Königsloge, weil dort der König gesessen hat, wenn er eine Vorstellung besucht hat.

Nationaltheater

Nationaltheater wird das Gebäude der Staatsoper am Max-Joseph-Platz genannt, in dem unsere Aufführungen stattfinden. Der Name Bayerische Staatsoper bezeichnet dagegen das gesamte Opernensemble, nicht das Opernhaus.

Neuproduktion

Eine Neuproduktion ist eine Oper oder ein Ballett, das neu in Szene gesetzt wird. Meistens wird für eine Neuproduktion ungefähr sechs Wochen geprobt, bis es dann zur Premiere kommt. Die Bayerische Staatsoper und das Bayerische Staatsballett zeigen im Jahr etwa fünf Opernproduktionen und zwei neue Ballettproduktionen. Alle anderen Aufführungen sind Teil des Repertoires, waren schon mal zu sehen und müssen auch mit wenigen Proben perfekt laufen.

Oper

Eine Oper ist ein Theaterstück mit Gesang. Für viele ist die Oper die höchste Kunstform überhaupt, weil sie viele andere Künste vereint, zum Beispiel Musik, Schauspiel, Theater, Architektur, Malerei oder Tanz. Die Geschichte der Oper begann Ende des 16. Jahrhunderts in Florenz/Italien. Die Oper ist also schon über 400 Jahre alt. Seit über 350 Jahren spielt man auch in München Opern.

Oper für alle

Oper für alle ist etwas ganz Besonderes: seit zehn Jahren gibt es einmal im Jahr während der Münchner Opernfestspiele im Juli für alle die Gelegenheit, kostenlos eine Opernaufführung und ein Konzert der Bayerischen Staatsoper zu sehen. Die Opernaufführung wird von drinnen auf eine große Leinwand am Max-Joseph-Platz übertragen und jeder kann kommen und zuschauen. Das Konzert ist draußen auf einer Bühne und auch kostenlos. Es kommen immer Tausende von Menschen.

Opera buffa

Die Opera buffa, beziehungsweise „komische Oper“ stammt aus Neapel und Venedig. Diese Opern sind sehr lustig und unterhaltsam mit ganz witzigen Charakteren, die meistens aus dem Volk stammen. Ein ganz berühmter Komponist der Opera buffa ist Gioacchino Rossini. Der Barbier von Sevilla oder Aschenputtel heißen zwei komische Opern von ihm.

Opera seria

Die Opera seria ist im Prinzip das Gegenteil einer Opera buffa. Auf Deutsch heißt Opera seria in etwa „ernste Oper“. Hier geht es meistens um Helden, Könige und Götter, und ganz oft ist die Handlung sehr tragisch. Früher diente die Opera seria zur Erbauung der Könige und Fürsten, die zuschauten.

Operette

Operette heißt wörtlich übersetzt „kleine Oper“. Eine Operette ist eine Art „leichte“, unterhaltsame Oper, in der auch gesprochen wird. Die meisten Operetten sind witzig, spritzig und es geht oft um Liebe. Ganz berühmt ist Jacques Offenbachs Orpheus in der Unterwelt, mit dem Cancan, den du bestimmt schon mal gehört hast. Die berühmteste Operette ist aber sicher Die Fledermaus des Österreichers Johann Strauss. Die kannst du bei uns an Silvester oder im Fasching sehen.

Opernballett

Manchmal ist ein Ballettstück auch Teil einer Oper. In Giuseppi Verdis Aida gibt es zum Beispiel beim Triumphzug ein ganz eindrucksvolles Ballett. Dafür sucht der Regisseur für bestimmte Opern Tänzer aus. Das können moderne oder klassische Tänzer sein. Das Bayerische Staatsballett tanzt nicht im Opernballett, da es aus hoch qualifizierten Spezialisten aus der ganzen Welt besteht und nur sein eigenes Programm tanzt.

Opernfestspiele

Die Münchner Opernfestspiele finden immer im Juli statt. Während der Festspiele werden noch einmal viele verschiedene Opern gezeigt, es gibt die zwei Vorstellungen von Oper für alle und viele andere Konzerte, auch mit moderner Musik. Viele Leute aus dem Ausland kommen, um sich die Aufführungen anzuschauen. Die letzte Aufführung ist immer am 31. Juli. Dann sind etwa sechs Wochen Theaterferien, danach beginnt die neue Spielzeit.

Oratorium

Ein Oratorium ist ein großes Werk für Orchester, Chor und Solisten, das fast immer in Kirchen aufgeführt wird. Es gibt kein Bühnenbild, keine Kostüme und keine szenische Inszenierung. Meistens ist der Inhalt christlich, wie zum Beispiel das berühmte Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach oder Der Messias von Georg Friedrich Händel. Wir spielen an der Bayerischen Staatsoper normalerweise keine Oratorien. Eine Ausnahme war Saul von Georg Friedrich Händel, das sich gut inszenieren lässt, weil die Handlung so ereignisreich ist.

Orchestergraben

Der Orchestergraben trennt den Zuschauerraum von der Bühne. Dort sitzt das Orchester und spielt. Von oben kann man eigentlich immer in den Orchestergraben reinschauen. Nur im Bayreuther Festspielhaus geht das nicht, denn der Erbauer und Komponist Richard Wagner hat den Graben extra überdeckt bauen lassen, um einen speziellen Orchesterklang zu bekommen.

Ouvertüre

Ouvertüre bedeutet eigentlich „öffnen, Eröffnung“ und ist das erste Stück am Beginn einer Oper. Nicht alle Opern haben eine Ouvertüre, manchmal nennt man sie auch „Vorspiel“. Manche Ouvertüren bringen schon Musik, die du später in der Oper oder Operette wieder hören wirst, zum Beispiel die Ouvertüre in Die Fledermaus von Johann Strauß oder die des Balletts Romeo und Julia von Sergej Prokefjew und John Cranko. Andere sind ganz eigenständige musikalische Kompositionen, zum Beispiel die Ouvertüre in Die Hochzeit des Figaro von Wolfgang Amadeus Mozart.

Parkett

Parkett nennt man die große Fläche von den Sitzplätzen, die im Zuschauerraum unten liegen. Diese Plätze sind auch fast immer die teuersten.

Partitur

Eine Partitur ist das Buch für den Dirigenten, in dem genau steht, welches Instrument wann spielen muss oder wann ein Sänger singen muss. Es ist die gedruckte Form von dem, was der Komponist geschrieben hat. In der Partitur stehen also alle Noten, die die Musik ausmachen.

Pause

Fast jede Oper und jedes klassische Ballett hat mehrere Akte, und zwischen den Akten wird oft eine Pause gemacht, damit die Technik das Bühnenbild umbauen kann. Bei Giacomo Puccinis Tosca zum Beispiel spielt der erste Akt in einer Kirche, der zweite Akt in einem Palast und der dritte in einem Gefängnis. Also muss zweimal umgebaut werden. Drei Stunden ohne Pause wären auch für viele Leute zu lang. In der Pause kann man etwas essen und sich unterhalten. Die meisten Pausen dauern etwa 20 bis 45 Minuten. Am Ende ertönt ein Klingelzeichen, dann geht die Vorstellung weiter.

Premiere

Eine Premiere (französisch für „die erste“) ist die erste Vorstellung einer neuen Produktion. Meistens wird vor der Premiere etwa sechs Wochen geprobt. In dieser Vorstellung sieht das Publikum zum ersten Mal die Inszenierung. Oft sind auch ganz viele Journalisten da. Die Spannung vor der Premiere ist immer sehr groß, weil man nie weiß, ob es dem Publikum gefallen wird.

Probe, Probebühne, Probenplan

Proben sind dazu da, ein Stück einzustudieren. Meistens passiert das auf mehreren Probebühnen, denn bei uns werden oft mehrere Opern und Ballette gleichzeitig geprobt. Eine Probebühne ist ein großer Raum, in dem das Bühnenbild aufgebaut ist. Wer wann wo probt steht auf einem Probenplan, der täglich erscheint und den jeder in der Oper bekommt. Der Probenplan im Ballett wird immer für eine ganze Woche erstellt. Er enthält alle Proben, die in den fünf Studios des Staatsballetts stattfinden.

Probenhaus

Das Probenhaus des Bayerischen Staatsballetts liegt am Platzl 7, direkt neben dem berühmten Hofbräuhaus. Dort sind vier Studios, Massageräume und Büros.

Produktionsleitung

Die Produktionsleitung kümmert sich um alles, was direkt mit der Produktion einer Vorstellung zu tun hat. Sie ist Ansprechpartner für das Regieteam und die Choreographen, macht Termine aus, organisiert die Auswahl der Statisten und erstellt einen Ablauf- und Probenplan für die Produktion.

Programmheft

Zu jeder Vorstellung kannst du ein Programmheft kaufen. Darin stehen unter anderem die Inhaltsangabe aber auch ganz viele Texte zu der Inszenierung, der Musik, dem Komponisten, dem Choreographen und dem Werk. Es ist eine schöne Erinnerung an die Aufführung, denn es sind auch immer Fotos von der Inszenierung drin.

Proszenium

Proszenium nennt man das Bühnenportal, also den Rahmen der die Bühne umgibt, und den ihr auch alle vom Zuschauerraum aus sehen könnt. In der Proszeniumsöffnung ist der eiserne Vorhang. Das Wort stammt aus dem Griechischen, im griechischen Theater war das proskenion ein Vorbau von der skene (Hinterbühne und Garderobe) und wurde auch als Kulisse genutzt.

Quartett

Ein Quartett ist ein Musikstück, das von vier Personen aufgeführt wird. Das kann ein Instrumentalstück oder ein Gesangsstück sein. Eines der berühmtesten Quartette findest du im dritten Akt von Giuseppe Verdis Rigoletto, es heißt „Bella figlia dell'amore“ / „Schöne Tochter der Liebe“.

Rang, 1., 2., 3. Rang

Wenn du mal im Zuschauerraum im Nationaltheater bist und nach oben schaust, siehst du verschiedene Stockwerke wo Leute sitzen. Ganz unten ist das Parkett, darüber liegt der Balkon, dann kommt der 1., 2., und 3. Rang. Ganz oben ist die Galerie.

Regieassistent, Spielleiter

Der Regieassistent hilft dem Regisseur bei seiner Inszenierung. Der Assistent führt ein Regiebuch. Ein Regiebuch ist ein Klavierauszug (also die Noten mit dem Operntext) mit zusätzlich vielen weißen Seiten, in das der Assistent die Kommentare des Regisseurs und die Anweisungen schreibt. Bei späteren Aufführungen, wenn der Regisseur nicht mehr da ist, erarbeiten unsere Regieassistenten selbstständig anhand dieses Buches die Inszenierung. Spielleiter nennt man den Regieassistenten, der bei der Vorstellung für den szenischen Ablauf verantwortlich ist.

Regisseur

Der Regisseur gestaltet die Inszenierung. Er hilft den Sängern und dem Chor, ihre Rollen zu verstehen und zu spielen, bespricht das Bühnenbild und die Kostüme mit seinen Bühnen- und Kostümbildnern und versucht, seine Idee von der Botschaft eines Stückes an den Zuschauer zu vermitteln. Für fast alles, was du bei einer Aufführung sehen kannst, ist der Regisseur verantwortlich. Seine Inszenierung stellt ein eigenständiges Kunstwerk dar.

Repertoire

Als Repertoire werden alle aktuell einstudierten Stücke bezeichnet, also Produktionen, die an der Bayerischen Staatsoper und dem Bayerischen Staatsballett schon mal zu sehen waren und immer wieder gespielt werden. Im Moment haben wir etwa 40 Opern und 70 Ballette im Repertoire, zum Beispiel Hänsel und Gretel, Orphée et Eurydice oder Die Kameliendame und Romeo und Julia.

Requisite

Requisiten sind all die beweglichen Gegenstände, die ihr in Inszenierungen sehen könnt. Zum Beispiel Koffer, Bilder an den Wänden, Figuren, Aktentaschen, Kostüme, Sofas und vieles mehr. Verantwortlich dafür sind die Requisiteure, die müssen aufpassen, dass nichts Wichtiges fehlt. Stell dir vor, was passieren würde, wenn Papageno der Vogelkäfig fehlen würde, die drei Damen die Zauberflöte für Tamino vergessen würden oder die Königin der Nacht den Dolch für Sarastro nicht dabei hätte…

Rezitativ

Ein Rezitativ ist eine Art Sprechgesang, der im Unterschied zu einer Arie nicht vom ganzen Orchester, sondern entweder von einem Cembalo/Klavier (recitativo secco - trockenes Rezitativ) oder von einem Teil des Orchesters (recitativo accompagnato - begleitendes Rezitativ) begleitet wird. Die Sänger können diesen Gesang im Tempo oft frei gestalten, die Tonhöhe ist aber vorgegeben.

Singspiel

Ein Singspiel ist ein Schauspiel mit eingestreuten Liedern und Instrumentalstücken. Der größte Unterschied zu einer „richtigen“ Oper ist, dass in einem Singspiel zwischen den Arien und Duetten gesprochen wird. Das berühmteste Singspiel ist Wolfgang Amadeus Mozarts Die Entführung aus dem Serail, in dem es sogar eine Rolle gibt, die gar nichts zu singen hat, sondern nur spricht, nämlich den Haremschef Bassa Selim.

Sitzplan

Auf dem Sitzplan sind alle Sitz- und Stehplätze im Nationaltheater eingezeichnet. Wenn ihr Karten kaufen wollt, könnt ihr im Sitzplan genau erkennen, wo eure Plätze sind. Die verschiedenen Preiskategorien haben unterschiedliche Farben. Die teuerste Kategorie (mit den besten Plätzen) ist gelb, die zweitteuerste blau usw.

Solist/in

Solisten nennt man Sänger oder Tänzer, die im Unterschied zum Chor oder zum Corps de ballet auch alleine singen oder tanzen. Das Wort stammt aus dem Lateinischen, solus bedeutet „allein“. Chor und Orchester können aber begleiten. Du kennst das sicher von Popbands, bei denen einer alleine singt und im Hintergrund von den Backgroundsängern begleitet wird.

Sopran

Sopran ist die höchste Stimmlage bei Frauen. Die Pamina in Wolfgang Amadeus Mozarts Zauberflöte ist ein Sopran. In den meisten Opern werden die weiblichen Hauptrollen von Sopranen gesungen. Der Tonumfang reicht normalerweise von c' bis a'', bei ausgebildeten Sängerinnen sind aber viel höhere Töne möglich, zum Beispiel das berühmte hohe C.

Souffleur/Souffleuse

Auf Französisch bedeutet das Wort souffle Hauch oder Atem. Vorne in der Mitte der Bühne kannst du oft eine kleine schwarze Erhebung sehen, das ist der Souffleurkasten, und darin sitzt während jeder Aufführung ein Souffleur oder eine Souffleuse. Die lesen immer die Noten mit und helfen den Sängern, wenn die mal ihren Text nicht mehr wissen. Die Souffleure flüstern ihn so zu, dass die Zuschauer das gar nicht mitkriegen. Souffleure sollten viele Sprachen sprechen, denn sie müssen ja den Text in der jeweiligen Sprache der Oper vorsagen. Manche Souffleure haben auch eine musikalische Ausbildung und können musikalische Einsätze geben.

Spielplan

Im Prinzip ist ein Spielplan eine Liste mit allen Werken. Es gibt verschiedene Spielpläne: Einen Jahresspielplan, der meistens im April für die nächste Saison veröffentlicht wird und Monatsspielpläne, auf denen alles steht, was in dem jeweiligen Monat gespielt wird. Wenn Du also wissen möchtest, welches Stück wir an Deinem Geburtstag spielen, dann schaust Du einfach auf unseren Spielplan.

Spielzeit/Saison

In fast allen Opernhäusern beginnt eine Spielzeit im September und endet im Juni/Juli des nächsten Jahres. Im August sind fast alle Theater geschlossen und machen Sommerferien. Diese neun oder zehn Monate, in denen Opern und Ballette gespielt werden, nennt man Spielzeit oder Saison. Bei uns endet die Spielzeit übrigens immer am 31. Juli, und zwar immer mit einer Aufführung von Richard Wagners Die Meistersinger von Nürnberg. Das Bayerische Staatsballett macht immer etwas früher Ferien, weil es zu Beginn der nächsten Saison auf Gastspielreise geht, und die Tänzer dann auch früher wieder mit ihrem Training beginnen müssen, um in Form zu kommen.

Spitzenschuhe

Spitzenschuhe sind für Tänzerinnen etwas ganz besonderes. Jede bestellt in der Spielzeit etwa 20 bis 40 Paare, die eigens für sie hergestellt werden, meistens in England. Sie werden handgefertigt und haben neben der normalen Schuhgröße noch viele zusätzliche Maße für Breite, Tiefe des Spanns, Höhe der Ferse, Länge der Sohle etc. Die Schuhe sind aus blassrosa Satin und haben ganz schmale Sohlen aus dicker Pappe. Vorne an der Spitze haben sie eine flache, harte Rundung, die der Tänzerin Halt gibt, wenn sie darauf steht. Bevor die Ballerinen die Schuhe anziehen, müssen sie Satinbänder annähen und die Schuhe präparieren: sie hämmern sie weich, damit sie auf dem Holzboden der Bühne leise sind. Sie schneiden die Sohlen durch, damit sie biegsamer sind. Jede hat ihre besondere Technik, sich den Schuh so zu bearbeiten, dass sie optimal darin tanzen kann.

Stange, auch Ballettstange

Die Stange ist ein wichtiger Einrichtungsgegenstand im Ballettstudio. Sie ist rund um den Raum herum angebracht, etwas über Taillenhöhe. Die Tänzer legen im ersten Teil des Trainings, der deshalb auch „Stange“, heißt, die Hand locker auf diesen hölzernen, glatten Holm. So bekommen sie eine gerade Haltung und können sich bei Balance-Übungen stützen.

Statisterie

Statisten nennt man stumme Rollen beim Theater. Das sind die Leute, die auf der Bühne sind, aber nichts zu sagen oder zu singen oder zu tanzen haben. Jeder, auch Du, kann Statist werden und sich bewerben. Beliebte Statistenrollen sind zum Beispiel Soldaten, Diener oder Doppelgänger. Beim Ballett gibt es in den klassischen Balletten sehr viele Bauernkinder, Pagen, Könige und Prinzessinnen, die von Statisten gespielt werden. Die Engelskinder in Hänsel und Gretel sind zum Beispiel auch Statisten.

Stehplatz

Stehplätze sind ziemlich billige Plätze, bei denen man aber, wie der Name schon sagt, während der ganzen Oper oder des Balletts stehen muss. Man kann sich aber vorne an der Stange anlehnen. Wir haben auf der Galerie noch etwas Besonderes, und zwar so eine Art Sitz-Stehplatz, eine lange, breite gepolsterte Stange, auf die du dich setzen kannst. Alle Stehplätze sind bei uns im 2. und 3. Rang und auf der Galerie.

Tenor

Die höchste Stimmlage bei den Männern nennt man Tenor. Die meisten männlichen Hauptrollen werden in Opern von Tenören gesungen. Tenöre spielen meistens Liebhaber oder Helden, während die Bösen meistens von dunkleren Männerstimmen gesungen werden.

Terzett

Ein Terzett ist ein Musikstück für drei Instrumentalisten oder drei Sänger, zum Beispiel die Drei Knaben in der Zauberflöte.

Titelpartie

Die Titelpartie singt oder tanzt derjenige, dessen Figur auch der Oper oder dem Ballett ihren Titel gibt. Carmen ist die Titelrolle der Oper Carmen, Raymonda ist die Titelrolle des Balletts Raymonda. Es gibt ganz viele Beispiele dafür: Otello, Andrea Chenier, Tosca, Dornröschen, Onegin, Die Hochzeit des Figaro, …also alles Opern und Ballette, in denen im Titel ein Name vorkommt. In Die Entführung aus dem Serail gibt es keine Titelpartie, in Hänsel und Gretel dafür gleich zwei.

Training, Trainingsmeisterin

Jeder Tag eines Tänzers beginnt mit dem klassischen Training an der Ballettstange, das etwa eineinhalb Stunden dauert. Ein Training ist dazu da, dass die Muskeln erst behutsam und dann in sich immer steigernder Weise warm gemacht werden, damit die Tänzer und Tänzerinnen vorbereitet sind für den Probentag, der dann aus weiteren 5 Stunden Probe besteht. Der Trainingsmeister überlegt sich dazu bestimmte Übungen in einer genau überlegten Reihenfolge. Dieses Trainingskonzept ist eine große Kunst, weil es über Erfolg und Misserfolg der Proben entscheiden kann.

Tutu

Tutu heißt der Tüllrock, den die Ballerina im klassischen Ballett trägt. Er war in der Zeit der Romantik vor etwa 200 Jahren lang bis fast auf die Füße. Dieses Tutu tragen die Tänzerinnen heute noch in Balletten wie zum Beispiel in Giselle. Damit man trotz des langen Rockes sehen konnte, was die Tänzerin mit ihren Beinen für kunstvolle Bewegungen macht, waren die vielen Schichten des Tülls leicht durchsichtig. Im Laufe der Jahrhunderte wurde der Tüllrock immer kürzer, bis er schließlich steif von der Hüfte weg stand. Diese Form gibt es heute in vielen, vielen Varianten, je nachdem, was dem Kostümbildner am besten gefällt. Heute gibt es in modernen Balletten sogar Tutus, die aus Kunststoff, aus Papier, aus Metallringen oder anderen Materialien sein können.

Uraufführung

Die allererste Aufführung einer neuen Oper und eines Balletts nennt man Uraufführung. Viele Vorstellungen, die wir hier spielen, sind vor mehr als hundert Jahren zum ersten Mal aufgeführt worden, manche sogar im Nationaltheater. Dass wir sie nach so langer Zeit noch spielen, zeigt, wie toll sie sind. Hier mal ein paar Beispiele von Opern, die du bei uns hören kannst:
La Calisto – Uraufführung am 28. November 1651 in Venedig
Die Zauberflöte – Uraufführung am 30. September 1791 in Wien
Tristan und Isolde – Uraufführung am 10. Juni 1865 in München.
In der Spielzeit 2006/2007 gibt es zwei Uraufführungen: Das Gehege von Wolfgang Rihm und Alice in Wonderland von Unsuk Chin.

Übertitel

Ganz viele Opern werden auf Italienisch gesungen. Vielleicht kannst du sogar Italienisch, aber bestimmt können es viele im Publikum nicht. Deshalb bietet die Bayerische Staatsoper Übertitel an. Über der Bühne läuft in Leuchtschrift eine deutsche Übersetzung mit, damit alle genau wissen, was gerade gesungen wird. Du musst also keine Angst haben, dass du etwas nicht verstehst. Allerdings braucht man den Text nicht unbedingt, da die Musik die Geschichte erzählt.

Wittelsbacherloge

Die Wittelsbacherloge ist die große Loge links im Zuschauerraum. Sie liegt direkt an der Bühne bzw. am Proszenium. Alle Logen da vorne heißen deswegen auch Proszeniumslogen. Die große Loge gehört der Familie Wittelsbach, die aber eine Bedingung erfüllen muss: In der Loge muss immer jemand sitzen, sonst fällt sie zurück an das Opernhaus. Sonst haben noch der Generalmusikdirektor und der Intendant eine eigene Loge.

Zuschauerraum

Der Zuschauerraum des Nationaltheaters hat 2101 Plätze. Während der Vorstellung befindet sich das Publikum im Zuschauerraum, in den Pausen sind viele Leute im Foyer, also dem Eingangsbereich, im Restaurant unter dem Zuschauerraum oder in den verschiedenen wunderschönen goldenen Sälen, wie zum Beispiel dem Königssaal oder den Ionischen Sälen. Der Zuschauerraum selbst ist ganz in Rot und Gold gehalten und wurde wie die Oper nach dem Zweiten Weltkrieg von 1959 bis 1963 wieder originalgetreu aufgebaut.