Information

Composer Georg Friedrich Händel

Sunday, 25. April 2004
07:00 pm – 11:20 pm
Nationaltheater

Duration est. 4 hours 20 minutes · 1. Akt (est. 07:00 pm - 08:10 pm ) · 1. Pause (est. 08:10 pm - 08:45 pm ) · 2. Akt (est. 08:45 pm - 09:50 pm ) · 2. Pause (est. 09:50 pm - 10:25 pm ) · 3. Akt (est. 10:25 pm - 11:20 pm )

Prices I

To List of Performances

Cast

Musikalische Leitung
Harry Bicket
Inszenierung
David Alden
Choreographie
Michael Keegan-Dolan
Bühne und Kostüme
Ian MacNeil
Licht
Mimi Jordan Sherin
Chöre
Andrés Máspero

Der König von Schottland
Umberto Chiummo
Ginevra
Joan Rodgers
Ariodante
Ann Murray
Lurcanio
Charles Workman
Polinesso
Christopher Robson
Dalinda
Veronica Cangemi
Odoardo
Francesco Petrozzi
To List of Performances

Learn more

Composed in 1735 and as modern as tomorrow: a society without values, eccentric, egoistical. Love doesn't have a chance in that kind of society, as Ariodante and Ginevra discover after the power-hungry Polinesso unleashes his intrigues against them. This production makes everyone involved into the non plus ultra of what Händel opera stands for today: pure beauty – grim truth.

 

Act One

Princess Ginevra is in love with Ariodante, a knight. Her father, the King of Scotland, approves of her choice and accepts Ariodante as his son-in-law and heir. Polinesso, the Duke of Albany, would also like to marry Ginevra and succeed to the throne, but Ginevra spurns his suit.

Dalinda, a lady of the court who attends on Ginevra, is infatuated with Polinesso and rejects Ariodante's brother, Lurcanio, who loves her dearly. Polinesso decides to use Dalinda in his plot to get rid of Ariodante, his rival for the throne. He promises to court Dalinda if she will help him by dressing in Ginevra's clothes and letting him into the princess's chambers one night.

Act Two

Ariodante tells Polinesso about his forthcoming marriage to Ginevra and Polinesso, pretending to know nothing of the engagement, declares that Ginevra has on several occasions favoured him with unchaste tokens of love. When Dalinda, dressed as Ginevra, now appears as arranged and goes off with Polinesso, Ariodante believes the lies the duke has told him. He is beside himself with despair at this apparent betrayal by his fiancée and wants to commit suicide. Lurcanio, who has also observed what has taken place, restrains him, urging him not to throw away his life on a worthless woman; if anyone deserves to die it is she.

The king is about to declare Ariodante his heir when Odoardo, a courtier of the king, comes in with the news that Ariodante has thrown himself into the sea. Lurcanio accuses Ginevra of having been the cause of his brother's death by being unfaithful. The king is not prepared to acknowledge a wanton as his daughter and Ginevra is totally bewildered. She cannot understand the accusations levelled against her and almost goes out of her mind, is plagued by nightmares and longs for death.

Act Three

Ariodante has survived his attempted suicide. He saves Dalinda from two assassins whom Polinesso has hired to murder her. From Dalinda Ariodante then learns the truth about the duke's intrigue.

The king insists that a knight be found to champion Ginevra's cause in a trial by ordeal against Lurcanio. Polinesso offers himself. As he believes Ariodante to be dead, there would be nothing to stop him from marrying Ginevra if he were victorious. Polinesso and Lurcanio fight and Polinesso is mortally wounded by Lurcanio and confesses his guilt as he lies dying.

Ariodante returns to the king's court and explains everything, announcing Ginevra’s innocence and begging the king to pardon Dalinda for the unwitting part she has played. Lurcanio assures Dalinda that he still loves her dearly and urges her to love him back, and after some hesitation she consents. The king publically acquits Ginevra of all guilt and she is reunited with Ariodante.

Translation: Susan Bollinger


© Bavarian State Opera

David Alden. Eine Reise ins Dunkel

Mich fasziniert an Händels Ariodante die schöne, klare Struktur des Stücks. Im ersten Akt sehen wir einen hellen Tag in Arkadien, im zweiten Akt stürzen wir in die finsterste Nacht, um dann im dritten Akt an einem neuen, schrecklichen Tag zu erwachen, an dem die Menschen miteinander streiten und kämpfen. Man fühlt, dass am Ende der ganze Hof um Jahrhunderte gealtert ist, zurückgeworfen in eine mittelalterliche schmutzige Welt des Kampfes. Händels Musik begleitet diese Fahrt. Nach dem von Spielen, Liebelei und Scherzen geprägten ersten Akt wechselt sie in die tiefste romantische Angst und schließlich in eine höfische Ritterwelt der Vergangenheit.

Am Anfang sieht alles aus wie im Märchen: Die Königstochter ist verliebt in einen jungen Ritter, der sie auch liebt, und der König ist damit zufrieden. Prinzessin Ginevra und ihr Ritter Ariodante beginnen ihre Reise in der gemeinsamen Sicherheit der perfekten Liebe. Aber: Ihre Welt ist nur dem Schein nach ein Arkadien. Am Hof herrschen Lügen und erotische Intrigen. Wir stellen ihn dar als ein kleines Versailles mit einem glänzenden Spiegelsaal, dessen Wände nicht die Wahrheit widerspiegeln.

Dalinda zum Beispiel: anscheinend so unschuldig, keusch und anständig, wird sie in das böse Spiel von Polinesso hineingezogen. Sie sehnt sich nach einem Liebhaber und wählt dafür, nach einer kurzen Beziehung zu Lurcanio, den falschen Mann. Man ahnt jedoch, dass sie jemanden wie Polinesso ausdrücklich erstrebt. Sie will geradezu verletzt werden und sucht nach einem Mann, der sie vernichten wird. So wird sie ständig zwischen diesen beiden Männern hin- und hergerissen, und wenn sie sich am Schluss der Oper Lurcanio zuwendet, hängt ihr Herz immer noch an Polinesso.

Polinesso handelt aus purem Ehrgeiz. Er wirbt um Ginevra, weil er nach dem schottischen Thron strebt, aber nicht aus Liebe zu der Prinzessin. Kann ein Mensch wie Polinesso überhaupt lieben? Wahrscheinlich nicht. Ich denke zwar, dass sogar der Teufel verliebt ist – in die heilige Maria: Er möchte die Unschuldige besitzen. Aber da er sie nun mal nicht besitzen kann, will er sie wenigstens zerstören. Genauso geht es Polinesso.

Die Herkunft von Ariodante und seinem Bruder Lurcanio bleibt uns unbekannt. Sie sind an diesen schottischen Königshof gekommen – jung, naiv, schutzlos dieser ihnen fremden Welt ausgeliefert und entsprechend anfällig für die Intrigen bei Hofe. Ariodante ist nicht nur blind vor Liebe; seine Augenbinde im ersten Akt symbolisiert auch jugendliche Unbekümmertheit. Er spielt wie ein Kind in dieser gefährlichen Hofwelt, die er nicht kennt; was Ehrgeiz und Bosheit anrichten können, liegt außerhalb seines Vorstellungsvermögens. Und so genügt eine Kleinigkeit, um Ariodante und seinen Bruder zu täuschen. Das Prinzip ist so simpel wie bei Othello.

Die Blindheit der Augen und der Herzen Ariodantes und Lurcanios führt zum jähen Fall des Paares Ginevra-Ariodante aus den Höhen ihrer idealen Liebe. Ariodante stürzt in die Hölle rasender Eifersucht. Er versucht sogar, sich das Leben zu nehmen. Und Ginevra begreift überhaupt nicht, was mit ihr geschieht, warum sie plötzlich Hure genannt wird. Ihr Vater wird für sie zu einer sie erotisch bedrohenden Figur in ihren Träumen. Sie wird in den Kerker geworfen. Der Hof wendet sich gegen sie. Sie wirkt beinahe wie Jeanne d‘Arc – in den Augen ihrer Mitwelt ist sie eine gefallene Heilige.

Ihr Vater, der König, steht zu Beginn der Oper vor einer für sein Leben bedeutenden Entscheidung. Er muss seine Krone an einen Jüngeren weitergeben, und er muss von seiner Tochter loslassen. Seine Beziehung zu der Tochter ist eng und stark, aber erstaunlich leicht zu vergiften. Er verstößt Ginevra, ohne sich lange zu bedenken. Man ahnt, dass dieser Konflikt in tiefen Traumata wurzelt. Später, im dritten Akt, will er ihr wieder ein Vater sein. Aber jetzt kann er es nicht, denn nun ist der Hof gegen ihn. Er bringt nicht die Kraft auf, sich auf die Seite seiner Tochter zu stellen. Er ist schwach. In der letzten Szene, wenn er seine Tochter mit Ariodante zusammengibt, fühlen wir, dass er nicht wirklich bereit ist, Tochter und Krone herzugeben. Er liebt Ariodante, er vertraut ihm. Und dann möchte er Ariodante wieder töten, weil der ihm die Tochter raubt und früher oder später auch sein Reich beherrschen wird. Der König ist ein durch und durch rätselhafter Charakter.

Am Schluss stehen Ginevra und Ariodante vor einem Abgrund. Der letzte Hoftanz wirkt wie ein Tanz in einem Irrenhaus. Ich habe das Happyend komprimiert – es kann nicht anders gespielt werden. Für diese beiden unschuldigen Menschen wird die Welt ab jetzt eine andere sein. Man sieht das Ende durch ihre Augen.

© Bayerische Staatsoper

To List of Performances

Biographies

David Alden wurde in New York geboren. Er sorgte für aufsehenerregende Inszenierungen an der English National Oper, zudem arbeitete er u. a. an der Metropolitan Opera New York, der Nederlandse Opera, beim Edinburgh Festival, am Teatro Real in Madrid, an der Wiener Volksoper, der Komischen Oper Berlin, der Deutschen Oper Berlin, am Bolschoi-Theater in Moskau, an der Staatsoper Hamburg, der Oper Frankfurt und an der New Israeli Opera Tel Aviv. An der Bayerischen Staatsoper inszenierte er u. a. zahlreiche Werke Monteverdis, Händels und Wagners. Er verfilmte Schuberts Die Winterreise und Kurt Weills Die sieben Todsünden, erstellte eine Verdi-Dokumentation im Auftrag der BBC und gestaltete die Welttournee der Rockgruppe The Pet Shop Boys. 2001 wurde er mit dem Bayerischen Theaterpreis ausgezeichnet. (Stand 2017)

To List of Performances