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Thursday, 25. July 2013
08:00 pm – 09:40 pm
Prinzregententheater

Duration est. 1 hours 40 minutes

Prices PC

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Cast

Musikalische Leitung
Kent Nagano
Musik
George Benjamin
Text
Martin Crimp
Inszenierung
Katie Mitchell
Ausstattung
Vickie Mortimer
Licht
Jon Clark

The Protector
Christopher Purves
Agnès
Barbara Hannigan
Angel 1 – The Boy
Iestyn Davies
Angel 2 - Marie
Victoria Simmonds
Angel 3 – John
Allan Clayton
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Ein reicher Landbesitzer lädt einen Künstler zu sich nach Hause ein, wo dieser ein illuminiertes Buch kreieren soll. Der Landbesitzer möchte, dass das Buch die gewaltsamen Aktionen unter seiner politischen Herrschaft in Bildern festhält und gleichzeitig die friedvolle, heimische Ordnung, die er sehr genießt, für die Ewigkeit erhält. Verkörpert wird diese Ordnung von seiner Frau Agnès, ihrer Bescheidenheit und ihrem kindlichen Gehorsam.

Die Entstehung des Buches wird jedoch zum Katalysator rebellischer Gefühle der Frau. Nach ihrem ersten erfolgreichen Versuch, jemanden zu verführen, nutzt sie ihre neue intime Verbindung mit dem Künstler, um den Inhalt des Buches selbst zu beeinflussen, sie zwingt ihren Mann , sie so zu sehen, wie sie wirklich ist – und legt damit den Grundstein für einen außergewöhnlichen finalen Missachtungsakt.

In Form einer provenzalischen Geschichte aus dem dreizehnten Jahrhundert, wahrgenommen mit den leidenschaftslosen Augen der Engel aus dem 21. Jahrhundert, spürt Written on Skin den verstörenden Konsequenzen der Selbsterkenntnis nach und untersucht die Grenzen der Macht, die ein menschliches Wesen über ein anderes haben kann.

Martin Crimp

 

Erster Teil

I. Chor der Engel

„Wischt die Samstagsparkplätze vom Marktplatz – löscht die Lebendigen – belebt mit einem Schnalzen die Toten wieder!“ Ein Chor von Engeln bringt uns in die Zeit vor achthundert Jahren zurück, in eine Zeit, wo ein Buch noch ein kostbarer „auf Haut geschriebener“ Gegenstand war. Die Engel rufen zwei der wichtigsten Figuren der Geschichte ins Leben: den Protektor, einen reichen und intelligenten Großgrundbesitzer, der „von Reinheit und Gewalt besessen ist“, und seine gehorsame Frau, sein „Eigentum“, Agnès. Daraufhin wird einer der Engel zum dritten Protagonisten, dem „Jungen“, einem Buchmaler.

II. Der Protektor, Agnès und der Junge

Im Beisein seiner Frau gibt der Protektor dem Jungen den Auftrag, sein Leben und seine guten Taten in einem gemalten Buch zu preisen. Außerdem soll das Werk seine Feinde in der Hölle und seine Familie im Paradies darstellen. Zum Beweis seines Talents präsentiert der Junge dem Protektor eine Miniatur mit dem Porträt eines reichen und barmherzigen Mannes. Agnès misstraut dem Jungen ebenso sehr wie der Kunst der Bilder, doch der Protektor setzt sich darüber hinweg und befiehlt ihr, den Jungen gut aufzunehmen.

III. Chor der Engel

Die Engel rufen die Gewalt der biblischen Erzählung von der Erschaffung der Welt in Erinnerung – „erfindet den Menschen und ertränkt ihn!“, „die Bulldozer sollen ihn schreiend begraben“ – sowie ihre Frauenfeindlichkeit – „erfindet sie / entblößt sie / bezichtigt sie allen Übels!“

IV. Agnès und der Junge

Ohne ihrem Gatten davon zu erzählen, begibt sich Agnès in die Werkstatt des Jungen, um zu sehen, „wie ein Buch gemacht wird“. Der Junge zeigt ihr eine Miniatur, die Eva darstellt, aber Agnès lacht über sie. Sie fordert ihn heraus, das Porträt einer „wahren“ Frau wie ihr, mit genauen und wiedererkennbaren Gesichtszügen, zu malen – einer Frau, die der Junge begehren könnte.

V. Der Protektor und die Besucher – John und Marie


Beim Herannahen des Winters macht sich der Protektor große Sorgen darüber, wie sehr sich das Verhalten seiner Frau verändert hat. Kaum, dass sie spricht oder isst; im Bett wendet sie sich ab und tut so, als ob sie schliefe – aber er weiß, dass sie wach ist: Er hört, wie ihre Wimpern „auf dem Kopfkissen kratzen / wie ein Insekt“. Marie, die Schwester von Agnès, kommt mit ihrem Gatten und zweifelt am Sinn, das Buch beauftragen zu lassen und vor allem daran, einen fremden Jungen an den Familientisch an Agnès’ Seite einzuladen. Der Protektor verteidigt das Buch ebenso heftig wie den Jungen und droht, John und Marie von seinem Gut zu jagen.

VI. Agnès und der Junge

In der Nacht ist Agnès allein. Der Junge schleicht sich in ihr Zimmer: Er will ihr das Bild zeigen, dass sie von ihm erbeten hat. Zuerst tut sie, als ob sie nicht wüsste, worum es ginge. Doch beim Betrachten des Gemäldes – eine im Bett sitzende Frau, die ihre nackten Glieder in Decken gehüllt hat – muss sie zugeben, dass es ihr eigenes Porträt ist. Indem sie das Bild zusammen betrachten, steigt die sexuelle Spannung, bis Agnès sich dem Jungen hingibt.

Zweiter Teil

VII. Der schlechte Traum des Protektors

Der Protektor träumt nicht nur davon, dass sich seine eigenen Leute über die Kosten des Buches empören, sondern auch, dass es einem peinlichen Gerücht nach eine geheime Seite im Buch gäbe, die „feucht wie der Mund einer Frau“ sei und zeige, wie Agnès „den Jungen in ein geheimes Bett locke“.

VIII. Der Protektor und Agnès

Der Protektor erwacht aus dem Traum und streckt den Arm nach seiner Frau aus. Sie aber steht am Fenster und beobachtet, wie schwarzer Rauch in der Ferne emporsteigt: Die Männer des Protektors stecken feindliche Dörfer in Brand. Sie bittet ihren Gatten, sie anzufassen und zu küssen. Aber die Avancen seiner Frau widern ihn an, und er weist sie ab. Er macht geltend, dass nur ihr kindisches Wesen ein derartiges Verhalten entschuldigen kann. Sie verbittet es sich vehement, als „Kind“ behandelt zu werden, und fordert von ihrem Mann, er solle, wenn er die Wahrheit über sie erfahren will, den Jungen aufsuchen: „frag ihn, was ich bin“.

IX. Der Protektor und der Junge

Der Protektor trifft den Jungen im Wald an, wo er „sein eigenes Spiegelbild auf der Klinge eines Messers betrachtet“. Er will den Namen jener Frau wissen, die „mit ihm im geheimen Bett schreit und schwitzt“ – handelt es sich um Agnès? Der Junge, der Agnès nicht verraten will, gesteht dem Protektor, dass er mit deren Schwester, Marie, schlafe, und malt ein absurdes Bild von Maries sexuellen Fantasien. Der Protektor ist bereit, dem Jungen zu glauben, und erzählt Agnès weiter, der Junge schliefe „mit dieser Hure, die deine Schwester ist“.

X. Agnès und der Junge

Agnès nimmt die Aussage ihres Mannes für bare Münze und beschuldigt wütend den Jungen, sie zu betrügen. Er erklärt, dass er gelogen habe, um sie zu schützen – aber das macht sie noch zorniger: Nicht sie wollte er schützen, sondern sich selbst. Wenn er sie wirklich liebte, dann müsse er so mutig sein, die Wahrheit zu sagen, und zugleich ihren Mann bestrafen, dass er sie wie ein Kind behandle. Sie verlangt vom Jungen zum Beweis seiner Treue ein neuerliches anstößiges Bild, um damit ein für alle Mal die Überheblichkeit ihres Mannes zunichte zu machen.

Dritter Teil

XI. Der Protektor, Agnès und der Junge

Der Junge zeigt dem Protektor und Agnès einige Seiten des nun fertigen Buches. Es handelt sich um eine Reihe von Abscheulichkeiten, die den Protektor noch ungeduldiger machen, das Paradies zu sehen. Der Junge ist überrascht: Er meint, es seien Darstellungen des Paradieses auf Erden – ob der Protektor darin seine eigene Familie und seinen Besitz nicht wieder erkenne? Daraufhin verlangt Agnès, dass ihr die Hölle gezeigt werde. Der Junge gibt ihr eine geschriebene Seite. Sie ist frustriert, weil sie als Frau nicht lesen gelernt hat. Doch der Junge geht und lässt Agnès und ihren Mann mit der „geheimen Seite“ allein.

XII. Der Protektor und Agnès


Der Protektor liest den Text auf der Seite vor. Der Junge beschreibt darin mit vielen sinnlichen Details seine Beziehung zu Agnès. Für den Protektor ist die Offenbarung vernichtend, aber für Agnès ist es die Bestätigung, dass der Junge genau das tat, was sie von ihm verlangte. Sie ist erregt und fasziniert, und der Verzweiflung ihres Mannes gegenüber gleichgültig. Sie bittet ihn, ihr das „Wort, das Liebe heißt“ zu zeigen.

XIII. Der Chor der Engel und der Protektor

Die Engel beschwören den Gott herauf, der den Menschen aus Staub erschaffen hat, um dessen Geist mit widersprüchlichen Sehnsüchten zu füllen, und „ihn beschämt hat, ein Mensch zu sein“. Zwischen Barmherzigkeit und Gewalt hin- und hergerissen kehrt der Protektor in den Wald zurück; mit einem „sauberen Schnitt durch den Knochen“ ermordet er den Jungen.

XIV. Der Protektor, Agnès und die Engel

Der Protektor versucht, seine Macht über Agnès wieder zu gewinnen. Er schreibt ihr vor, was sie sagen soll und die Art und Weise, wie sie von sich sprechen darf oder nicht. Als sie an einem langen Tisch sitzt, zwingt er sie als Beweis ihres „Gehorsams“, das Gericht zu essen, das vor ihr steht. Der Protektor fragt mehrmals, ob ihr das Essen schmecke; er wird immer wütender, da sie beharrlich wiederholt, dass das Essen gut sei. Dann offenbart er ihr, dass sie das Herz des Jungen gegessen hat. Anstatt ihren Willen zu brechen, löst das bei Agnès einen rebellischen Ausbruch aus: Sie behauptet, kein Gewaltakt – „selbst wenn du meinen Körper in Säure auflösen wurdest“ – könne jemals den Geschmack des Jungenherzens aus ihrem Mund löschen.

XV. Der Junge / Engel 1

Der Junge erscheint in der Gestalt eines Engels wieder, um ein letztes Bild zu präsentieren: Darin hat der Protektor ein Messer ergriffen, um Agnès zu töten. Doch sie nimmt sich lieber selbst das Leben und springt vom Balkon. Das Bild zeigt ihren Sturz. Der Maler hat sie so dargestellt, dass sie auf immer im Nachthimmel schwebt, während sich am Rand drei kleine Engel abwenden, um dem Blick des Betrachters zu begegnen.

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Biographies

Kent Nagano, geboren in Kalifornien, war Musikdirektor des Berkeley Symphony Orchestra, der Opéra National de Lyon, des Hallé Orchestra und der Los Angeles Opera sowie künstlerischer Leiter und Chefdirigent des Deutschen Symphonieorchesters Berlin, bevor er 2006 Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper wurde. In dieser Position, die er bis 2013 innehatte, leitete er zahlreiche Neuproduktionen, darunter Billy Budd, Chowanschtschina, Eugen Onegin, Idomeneo, Ariadne auf Naxos, Wozzeck, Lohengrin, Die schweigsame Frau, Saint François d’Assise sowie die Uraufführungen von Wolfgang Rihms Das Gehege, Unsuk Chins Alice in Wonderland, Minas Borboudakis’ liebe.nur liebe und Jörg Widmanns Babylon. Gastkonzerte führten Nagano und das Bayerische Staatsorchester u.a. nach Mailand, Moskau, Linz, Hamburg, Budapest sowie zu Festivals wie denen von Grafenegg, Gent, Berlin und Baden-Baden. Seit 2006 ist Kent Nagano zudem Musikdirektor des Orchestre Symphonique de Montréal, seit 2013 auch Erster Gastdirigent der Göteborger Symphoniker. (Stand 2014)

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