Festspiel-Werkstatt 2018

Die Spielstätte: Reithalle München
Die Spielstätte: Reithalle München

Zeitgenössisches Musiktheater und mehr: In unserem Festspiel-Programm gehen wir stets auch auf die Suche nach Neuem und Ungewöhnlichem. Schauplatz dafür ist unsere Festspiel-Werkstatt, die in diesem Jahr wieder in der Reithalle stattfindet. 

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Zeig mir deine Wunder

Eine Anti-Heilsgeschichte des Musiktheaterkollektivs HAUEN ∙ UND ∙ STECHEN nach Nikolai Rimski-Korsakows fantastischer Oper Snegurotschka (Schneeflöckchen)

Die Menschen verstehen die Natur nicht mehr. Seit Jahren macht sich die Sonne rar, und so leben sie in einem meteorologischen Ausnahmezustand. Auch in der Welt der Elementargeister ist nicht alles in Ordnung. Aus der Liaison zwischen Wintergeist und Frühlingsgöttin ist ein illegitimes Kind hervorgegangen: Snegurotschka. Könnte das Mädchen allein durch seine ungewöhnliche Existenz schuld an den Wirren des Wetters sein? Als Snegurotschka zur jungen Frau herangewachsen ist, will sie unter den Menschen leben. Doch wird sie nie vollständig zu ihnen gehören, solange sie nicht leidenschaftliche Liebe fühlen kann. Was sie nicht weiß: Sollte ihr dies gelingen, wird sie schmelzen. Zeitgleich zu WagnersParsifal griff Rimski-Korsakow zu heidnischen Mythen und Märchen, um seinerseits vom Verhältnis zwischen Mensch und Natur zu erzählen – so auch in seiner Oper Snegurotschka von 1882. Das Musiktheaterkollektiv HAUEN ∙ UND ∙ STECHEN beschwört die rituellen Elemente dieser und anderer Partituren des Komponisten und entfesselt in einer Performance für Sänger, Schauspieler und kleines Instrumentalensemble ein Musiktheater als Festgelage – auf dem für einen Abend lang eine Gemeinschaft entsteht, die sich Geschichten erzählt von Verwundungen und wundersamen Rettungen aus der Katastrophe.

Zeig mir deine Wunder
Reithalle
Di 26.06.18 20:30 Uhr Uraufführung
Mi 27.06.18 20:30 Uhr
Fr 29.06.18 20:30 Uhr
So 01.07.18 20:30 Uhr
Karten € 24,‒
Ermäßigungen: -20% mit Drama-Plus-Karte, 10 Euro für Junges Publikum

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Die Vorübergehenden

Musiktheater in zwei Teilen und einem Epilog mit Texten von Tomas Tranströmer, Rose Ausländer und Mahmout Darwish
Auftragswerk der Bayerischen Staatsoper

Unangekündigt und ungerufen, in einem Moment ruhelosen Stillstands mitten auf der Reise namens Leben brechen über einen Mann Erinnerungen an längst vergessene Geschehnisse herein. Vor allem Gesichter und Stimmen von Menschen, die ihm einmal nahestanden, tauchen wieder auf, zunächst bruchstückhaft, dann in immer deutlicheren Szenen und Bildern: eine Geliebte, die ihn verlassen hat, ein Flüchtling, dem er nicht helfen konnte, sein Kind, dem gegen- über er genauso versagt hat wie einst seine eigenen Eltern, deren erbärmlicher Welt er den Rücken kehrte. Trotz seines sprechenden Namens – Nikolaus Brass bezeichnet seinen Protagonisten als „Der Liebende“ – muss er schmerzlich feststellen, dass es ihm nicht gelungen ist, sich diesen Menschen restlos zu öffnen. Nachdem er sich gegen den Besuch der Vorübergehenden anfänglich wehrt, nimmt er ihn mehr und mehr zum Anlass für eine schonungslose Selbstbefragung darüber, was sein Leben ausmacht. In Nikolaus Brass’ Musiktheater für sieben Solisten, zwölfstimmigen Chor und Kammerorchester wird das Leben als Geflecht flüchtiger Begegnungen und unvollendeter Beziehungen erfahrbar – als Klangraum, in dem das Publikum mal die Perspektive des Liebenden und mal die des Vorübergehenden einnimmt und Vergangenheit und Gegenwart auf utopische Weise zusammenfließen.

Die Vorübergehenden
Reithalle
Fr 13.07.18 20:30 Uhr Uraufführung
So 15.07.18 20:30 Uhr
Mo 16.07.18 20:30 Uhr
Sa 21.07.18 20:30 Uhr
Karten € 32,‒
Ermäßigungen: -20% mit Drama-Plus-Karte, 10 Euro für Junges Publikum

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Match!

Mauricio Kagel 1931–2008
Match für drei Spieler

Ellen Reid *1983
Stellar Remnants für Violoncello und Elektronik (Europäische Erstaufführung)

Benjamin Britten 1913–1976
Suite für Violoncello solo Nr. 3

In zwei Spätkonzerten trifft neue und neueste Musik auf einen Raum, der selbst schon Inszenierung ist – in einer Aufführung zwischen semikonzertant und halbszenisch, rund eine Stunde lang. Match geht laut Kagel angeblich auf einen Traum zurück: Im Schlaf sei ihm alles, bis ins Detail, erschienen, und das gleich in drei Nächten hintereinander … Die beiden Streicher liefern sich ein fulminantes „Battle“, bei dem der dritte im Bunde mit seinem Schlagzeug mal Spielleiter, mal Schiedsrichter ist und sich immer wieder einmischt. Ständig ändert sich der Spielstand, Grund genug, das Stück an diesem Abend zweimal zu erleben. Zwischendurch punkten die beiden Cellisten jeder für sich allein. Benjamin Britten erzählt in seiner dritten Suite für Violoncello von den vielfältigen Beziehungen, die uns mit der Vergangenheit verknüpfen, und verweist mit Zitaten russischer Musik auf die damalige Spaltung der Welt in Ost und West: ein Panoptikum der Welt in neun leidenschaftlichen Sätzen. Ellen Reid, eine junge Komponistin und Klangkünstlerin aus Kalifornien, schreibt Musik, die stark vom Theater beeinflusst ist. Stellar Remnants („Stellare Überbleibsel“) wurde Anfang 2017 von Johannes Moser beim Laguna Beach Music Festival uraufgeführt und wird nun erstmals in Europa gespielt.

Match!
Reithalle
Do 05.07.18 21:00 Uhr Premiere
Fr 06.07.18 21:00 Uhr
Karten € 24,‒
Ermäßigungen: -20% mit Drama-Plus-Karte, 10 Euro für Junges Publikum

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Vanitas

Salvatore Sciarrino * 1947
Vanitas. Natura morta in un atto (Stillleben in einem Akt) (1981) nach Texten von Anonymus, Giovan Leone Sempronio, Giovan Battista Marino, Robert Blair, Jean de Sponde, Martin Opitz, Johann Christian Günther, Hans Jacob Christoffel von Grimmelshausen

Wenn es eine Wunde gibt, die jeden Mensch gleichermaßen betrifft, ist es das dem Leben eingeschriebene Ende durch den Tod – denn alles Fleisch, es wird zu Gras. Vergänglichkeit ist Teil des Daseins, ein „ewiges Leben“ schlechterdings nicht vorstellbar. Erst, dass das Leben nur von kurzer Dauer ist, ermöglicht überhaupt, es auszuschöpfen und im ständigen Wandel zu genießen. Ob lateinisch Vanitas (Leere) oder italienisch vanità (Vergänglichkeit oder Eitelkeit), diese Erfahrung ist zwar vor allem ein beliebtes Sujet in der Malerei seit dem Mittelalter und wird besonders im Barock geradezu populär; aber auch in der Musik taucht der Begriff als Titel auf. Im Grunde ist die Musik prädestiniert für den dahinterstehenden Gedanken, schließlich ist sie die flüchtigste der Künste: Im Moment ihres Erklingens ist sie auch schon vergangen. Sciarrino hat in seiner Vanitas, einem „Stilleben“ zwischen Mini-Oper und Kammerkantate für Stimme, Violoncello und Klavier, Textbruchstücke verschiedener Dichter aus fernerer Vergangenheit zusammengefügt und mit ihnen Vanitas-Symbole wie Rose, Echo und Spiegel kombiniert. Er schreibt: „Stellt euch eine Musik vor, mit einem derart breiten Gefüge, dass sie eine andere Musik durchschimmern lässt: Das ist Vanitas, eine riesige Anamorphose eines alten Lieds, von dem sie in mysteriöser Art einen intensiven Duft bewahrt.“ In der Reithalle erklingt dieses Werk durch Licht und Raum in Szene gesetzt.

Vanitas
Reithalle
Do 19.07.18 21:00 Uhr Premiere
Fr 20.07.18 21:00 Uhr
Karten € 24,‒
Ermäßigungen: -20% mit Drama-Plus-Karte, 10 Euro für Junges Publikum

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Die Spielstätte: Reithalle München

Reithalle
Heßstrasse 132
80797 München
www.reithalle-muenchen.de 
Hier finden Sie einen LageplanExterner Link der Reithalle.

Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln, z.B.:

  • U2 bis: Theresienstraße oder Josephsplatz, danach zu Fuß weiter (ca. 20 Minuten)
  • U2 bis: Hohenzollernplatz weiter mit Straßenbahn 12 oder Bus 53, Ausstieg Infanteriestraße
  • Straßenbahn Linie 20/21 (von HBF), Ausstieg: Lothstraße 
  • Bus 154 (von Universität), Ausstieg Infanteriestraße Süd

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