30-jähriges Jubiläum des Bayerischen Staatsballetts

In der aktuellen Spielzeit 2020/2021 kann das Bayerische Staatsballett sein 30-jähriges Jubiläum feiern. Die Umstände für solche Feierlichkeiten gestalten sich aufgrund der COVID19-Pandemie als einigermaßen schwierig. Dass die Compagnie die Krise, von der der gesamte Kultursektor besonders betroffen ist, bislang gut meistern konnte, liegt auch am tragfähigen Fundament, das von den Verantwortlichen vor dreißig Jahren gelegt wurde.

Zwar reicht die Geschichte des künstlerischen Tanzes in München bis zu den höfischen Festen im 16. Jahrhundert zurück. So wurden in jener Epoche u.a. die Grundsteine für das klassische Ballett gelegt, das im 19. Jahrhundert eine seiner Hochblüten erlebte. Vor diesem Hintergrund bezieht sich das aktuelle Jubiläum eher auf einen administrativen Akt, als der Ministerrat im Februar 1989 die Gründung des Bayerischen Staatsballetts zum Beginn der Spielzeit 1990/1991 beschloss. Damit wurde für das Staatsballett aus kulturpolitischer Sicht ein sehr bedeutender Übergang geschaffen. Von nun an galt das Ballett an der Bayerischen Staatsoper als eine eigenständige und künstlerisch unabhängige Sparte.

Konstanze Vernon © Johannes Seyerlein

Treibende Kraft war in dieser Zeit Konstanze Vernon, die in den 1960er und 1970er Jahren als eine Ikone nicht nur der bayerischen Ballettszene galt. Viele Münchnerinnen und Münchner erinnern sich bis heute an ihre einzigartige Präsenz, Energie und Strahlkraft auf der Bühne. Für Vernon stand fest: Das Ballett in der Landeshauptstadt hatte nur eine Zukunft, wenn es neben den Klassikern auch neue Ausdrucksformen wagen und für das künstlerische Tun selber Verantwortung tragen würde. Für diese Aufgaben galt es die nötigen Ressourcen zu schaffen und das Staatsballett organisatorisch und finanziell auf eigene Beine zu stellen. Auf dieser Vision von Konstanze Vernon fußten alle Aktivitäten des Bayerischen Staatsballetts in den letzten dreißig Jahren. Künstlerisch resultierte daraus ein enormer Qualitätsschub.

Ivan Liška. Direktor des Bayerischen Staatsballetts. (Foto: Sascha Kletzsch)
Ivan Liška © Sascha Kletzsch

Nach der Direktionszeit von Konstanze Vernon prägte Ivan Liška von 1998 bis 2016 das Renommee der Compagnie. Davor war er über zwanzig Jahre lang einer der prägenden Solisten des Hamburger Balletts unter John Neumeier gewesen. Nach einem Jahr als Stellvertreter von Konstanze Vernon nahm er seine Position als Direktor des Bayerischen Staatsballetts ein. Mit einem hochkarätigen Team pflegte er von 1998 bis 2016 ein umfang- und substanzreiches Repertoire aus mehr als achtzig Werken von der Klassik bis zur Avantgarde. Seit der Gründung im Jahr 2010 ist Ivan Liška Leiter des Bayerischen Junior Balletts München. Für sein Engagement als Direktor wurde er, nebst seinem früheren Wirken als Tänzer, mit dem Deutschen Tanzpreis ausgezeichnet.

Igor Zelensky © Sascha Kletzsch

Ivan Liškas Nachfolge trat im Sommer 2016 Igor Zelensky an, der nun gemeinsam mit internationalen Top-Tänzerinnen und -Tänzern die erfolgreiche Geschichte des Bayerischen Staatsballetts fortschreibt.In der aktuellen Jubiläumsspielzeit wurden mit Giselle und Schwanensee zwei Klassiker auf das Programm gesetzt, die zu Konstanten im Spielplan des Bayerischen Staatsballetts gehören und in all den Jahren zahlreichen Stars aus der Tanzwelt Paraderollen geboten haben. Neben dem breiten Repertoire von älteren und jüngeren Klassikern, für die das Bayerische Staatsballett bekannt ist, hat Igor Zelensky Werke auf den Spielplan gesetzt, die ein grosses Spektrum des heutigen Tanzschaffens abdecken: Sharon Eyal (Bedroom Folk), Andrey Kaydanovskiy (Der Schneesturm), Philippe Kratz (to get to become), Wayne McGregor (Sunyata), Liam Scarlett (With a Chance of Rain) oder Russel Maliphant (Broken Fall).