Festspiel-Werkstatt: „Greek“ von Mark-Anthony Turnage

14.06.2017

Wolfgang Nägele (Foto: Stefan Löber)

Wolfgang Nägele (Foto: Stefan Löber)

Während der Münchner Opernfestspiele finden in unserer Festspiel-Werkstatt wieder mehrere hochaktuelle Musiktheaterproduktionen statt. Den Anfang macht Mark-Anthony Turnages Oper Greek.

Grausamer kann das Schicksal nicht zuschlagen: Einer Prophezeiung folgend ermordet Ödipus unwissentlich seinen Vater und heiratet seine Mutter. Seit der Antike hat der von zahlreichen Autoren adaptierte Mythos des thebanischen Herrschers seine Wucht auf der Bühne entfaltet und der Idee von freier Willensentscheidung Kontra geboten.

Das Stück des Schauspielers und Dramaturgen Steven Berkoff wurde in der gleichnamigen Oper
Greek von Mark-Anthony Turnage vertont. Anlässlich der Münchner Biennale erfolgte 1988 die Uraufführung der Oper, welche dem damals 28 Jahre alten Komponisten mit einem Schlag internationale Erfolge verschaffte. Turnage wird seitdem als einer der bedeutendsten Schaffenspersönlichkeiten der britischen Musik in den letzten drei Jahrzehnten gehandelt.

Berkoff überführte den antiken Stoff in unsere heutige Zeit. Wir befinden uns mitten im Proletariermilieu einer beliebigen, modernen Großstadt - in diesem Fall wird der Schauplatz nach London verlegt. Die Menschen artikulieren sich nur noch durch wüste Beschimpfungen, Hassausbrüche und wilde Flüche. Zwischenmenschliche Beziehungen sind vom Streit durchzogen und es wird an nichts gespart, was dem Zwecke der Erniedrigung dient. Eddy, der Protagonist der Oper
Greek, hangelt sich durch die Londoner Unterschicht, erschlägt im Suff einen Barbesitzer und heiratet dessen Frau.

Turnages Oper mischt musikalische Stile des 20. Jahrhundert von beispielsweise Igor Strawinsky und Alban Berg, sowie Jazzklänge und klassische Melodien. Mithilfe des antiken Mythos um Ödipus werden soziale Grausamkeiten und Zwänge der Gegenwart neu verhandelt. So schafft es Turnage mit seiner von Kontrasten durchzogenen Opernmusik, der Wirklichkeit des modernen Lebens einen Spiegel vorzuhalten.

Die Opernversion zwischen Moderne und Tradition entfaltet in ihrem Verlauf eine ganz eigene Wucht. Sie kommt selten zu Ruhe und ist so dazu fähig durch ihre Klangsprache große Zärtlichkeit und Trauer auszudrücken.

Die Inszenierung übernimmt der junge Regisseur
Wolfgang Nägele. Am Pult steht Oksana Lyniv, die sich hier vor ihrem Wechsel an die Oper Graz dem Münchner Publikum nochmals präsentiert. In den Hauptpartien singen Miranda Keys, Okka von der Damerau (die Sie zuletzt in Un Ballo in maschera hören konnten), Tim Kuypers und Robert Bork. In einem Artikel aus dem aktuellen MAX JOSEPH erfahren Sie mehr zur Festspiel-Premiere und den Hintergründen von Nägeles Inszenierung.

Greek
Mo, 26. Juni 2017 20.30 Uhr (ausverkauft)
Di,  27. Juni 2017 20.30 Uhr Karten
Mo, 3. Juli 2017 20.30 Uhr Karten
Di, 4. Juli 2017  20.30 Uhr Karten
Postpalast München 
Preise € 24,- / € 10,- (Schüler/Studenten) Ermäßigung für Junges Publikum bzw. mit Drama Plus Karte

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