Bewegungsablauf

Jeanette Kakareka, Demi-Solistin beim Bayerischen Staatsballett, dreht eine Gedankenrunde in Emeralds, dem ersten Teil der Ballett-Trilogie Jewels. Wie sehr können Bewegungsabläufe faszinieren?

von Jeanette Kakareka

Wenn ich in Emeralds, dem ersten Teil von Jewels, auftrete, beschreibe ich zuerst eine Kurve. Dann eine Verbeugung vor dem Publikum. Diesen Moment liebe ich! Ich gehe den Weg zurück, den ich gekommen bin, und mache ein paar kleine Drehungen, als ob ich mit der Musik von Gabriel Fauré spielen würde. Auf eine Arabesque – eine Figur des klassischen Balletts, bei der die Tänzerin oder der Tänzer auf einem Bein steht und das andere Bein gerade nach hinten oben ausstreckt – folgen ein paar Sprünge. Danach gehe ich weiter vorwärts. Und damit sind wir beim schwierigsten Teil des Solos: Alles geht blitzschnell, ständig wechselt die Richtung. Und dennoch müssen die Bewegungen mühelos anmuten. Dort angelangt, bin ich zugegeben schon ziemlich ausgepowert. Schließlich überquere ich die Bühne nach hinten. Während dieses Abschnitts verlangsamt sich das Tempo kurzzeitig ein wenig. Ein für mich sehr besonderer Moment ist dann, wenn sich meine Hände zu einer weinenden Geste formen. Erfüllt von Traurigkeit, dass das Solo bald endet. Aber nichts da! Der Ausdruck wechselt schnell zur ausgelassenen Freude. Nach einer balancierten Arabesque verlasse ich die Bühne. Dann heißt es warten. Bis zum nächsten Auftritt.
Dieser Text ist ein Originalbeitrag des Magazins engelsloge n°49, eine Veröffentlichung von Süddeutsche Zeitung Tickets und der Bayerischen Staatsoper, erschienen am 14.9.2021.

Vorstellungen von Jewels 2021/22