Leoš Janáčeks „Aus einem Totenhaus“

Aus einem Totenhaus: Während der Proben
Aus einem Totenhaus: Während der Proben

„In jedem Geschöpf ist ein Funken Gottes“: Diesen Satz schrieb Leoš Janáček gleichsam als Leitidee auf die erste Seite der Partitur seiner letzten Oper Aus einem Totenhaus. Für sein Stück über den Alltag und die Seelenzustände von Gefangenen, Mördern und Verbrechern nahm der tschechische Komponist die teils autobiographischen Aufzeichnungen aus einem Totenhaus von Fjodor Dostojewski als Vorlage. Teilweise übernahm er sogar den Wortlaut. Dostojewksi verarbeitete darin seine vierjährige Inhaftierung in einem Arbeitslager. Die Werke von Dostojewski üben seit langer Zeit eine Faszination auf Frank Castorf aus, der mit der Neuproduktion zum ersten Mal an der Bayerischen Staatsoper eine Regie übernimmt. Zusammen mit Dirigentin Simone Young erarbeitet er die düstere Oper, die stets zwischen Resignation und Hoffnung changiert. Es ist nach Die Fledermaus (1997), Faust (2000) und Palestrina (2009) Youngs vierte Neuproduktion als Dirigentin an der Bayerischen Staatsoper. Die Partie des Aleksandr Petrovič Gorjančikov übernimmt inmitten eines groß besetzten Solistenensembles der Bass Peter Rose Aleš Briscein singt die Rolle des Luka (Filka Morozov) und der Däne Bo Skovhus ist in der Rolle des Šiškov zu sehen.

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Aus einem Totenhaus
Fr, 8. Juni 2018, 19.00 Uhr » Karten

Trailer „Aus einem Totenhaus“

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„Tragisch, tragikomisch, politisch“

Nach der Münchner Erstaufführung in deutscher Sprache 1976 kommt Aus einem Totenhaus erstmals in der Originalsprache an die Bayerische Staatsoper zurück. Die Produktion greift hierbei auf die gerade erschienene kritische Neuausgabe von John Tyrell zurück, die das Stück auf die Originalfassung von Leoš Janáček mit ihrer bisweilen überraschend kammermusikalischen Orchestrierung zurückführt. „Es ist ein sehr düsteres Werk. Tragisch, tragikomisch, politisch“, so die Dirigentin Simone Young. „Es gibt keinen richtigen Handlungsstrang. Die Hauptcharaktere erzählen von ihren Erfahrungen. Insofern ist es ganz anders als seine übrigen Opern, die mehr mit dem Thema Liebe zu tun haben. Ich freue mich sehr, dass wir hier mit der neusten wissenschaftlichen Edition des Werks arbeiten können.“ Obwohl bis auf eine Hosen- und eine Nebenrolle nur Männer singen, ist Janáčeks Musik nicht monoton. Seine letzte Oper ist vielleicht sogar seine melodischste.

Videomagazin: „Aus einem Totenhaus“

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Inszenierung in historischen Schichten

Für Castorfs Arbeiten ist die Überlagerung historischer Schichten typisch und zeichnet auch seine Produktion von Aus einem Totenhaus aus – wie schon beim Bayreuther Ring in einem Bühnenbild von Aleksandar Denić. So werden die Erfahrungen von Fjodor Dostojewskis eigenem Aufenthalt im zaristischen Strafgefangenenlager im 19. Jahrhundert mit der Realität der Lager des 20. Jahrhunderts verknüpft zu einem totentanzartigen Albtraum, in dem die wenigen verzerrt komischen Momente kleine Lichtblicke für die Gefangenen darstellen.

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