Ein Märchen im Film in der Oper: Axel Ranisch inszeniert „Orlando Paladino“

Proben zu „Orlando Paladino“
Proben zu „Orlando Paladino“

Obwohl Joseph Haydn sein musikdramatisches Schaffen „für den wesentlichen Teil seines Lebenswerkes" hielt, ist er als  Opernkomponist eher weniger bekannt. Dabei sprechen wir hier von eine Oeuvre von fast 20 italienischen Opern und vier deutsche Singspielen, darunter auch sein Dramma eroicomico Orlando Paladino, ein Werk zwischen Drama und Komik, Tradition und Experiment. Unsere letzte Festspiel-Premiere wird von Filmregisseur Axel Ranisch inszeniert und feiert am 23. Juli im Prinzregententheater Premiere. Ivor Bolton dirigiert das Münchner Kammerorchester.
 

Ernst und Wahnsinn, Pathos und Ironie

Zwei Liebesgeschichten voller Irrungen und Wirrungen bilden das Handlungsgerüst von Orlando Paladino. Angelica und Medoro lieben einander, doch der ritterliche Held Orlando – wahnsinnig geworden vor Liebe und Eifersucht – versucht die beiden zu entzweien. Die Schäferin Eurilla und Knappe Pasquale sind einander ebenfalls zugetan. Die Zauberin Alcina und der vor Kraft strotzende Ritter Rodomonte halten den rasenden Orlando in Schach, ehe am Ende auf magische Weise Liebe und Vernunft triumphieren.
 
Kann man die Verfassung eines Menschen, der dem Wahnsinn anheimfällt, mit musikalischen Mitteln darstellen? Im Jahr 1782 wagt Haydn dieses Experiment. Nach der Vorlage von Ludovico Ariostos Orlando furioso komponiert Haydn damals für das Opernhaus auf Schloss Esterháza die heroisch-komische Oper Orlando Paladino. Die von Haydn selbst gewählte Bezeichnung eroicomico oder heroisch-komisch beschreibt die Vielschichtigkeit des Werks und steht für die Verquickung von Ernst und Komik, Pathos und Ironie, Heroischem und Lächerlichem.
In seiner Komposition bricht Haydn die musikalischen Konventionen seiner Zeit mit unerwarteten Sprüngen und unvorhergesehenen Kontrasten und experimentiert mit Techniken der Formenbildung, um das groteske Gegen- und Durcheinander der Handlung in der Musik abzubilden. Orlando Paladino wurde Haydns erfolgreichste Oper und schon zu Lebzeiten in ganz Deutschland zur Aufführung gebracht.
 
Mehr zur Oper erfahren Sie in unserem Podcast.

Podcast zu „Orlando Paladino“

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Für die Inszenierung von Orlando Paladino kehrt Axel Ranisch zurück an die Bayerische Staatsoper. Der Film- und Theaterregisseur inszenierte zu den Münchner Opernfestspiele 2013 bereits The bear/La voix humaine und 2015 die Kinderoper Pinocchio. „Nichts berührt mich mehr als Familienzusammenhalt“, sagt Axel Ranisch im Interview mit MAX JOSEPH. Zu dem Liebesdrama fügt Ranisch deshalb auch noch eine Familiengeschichte zur Handlung hinzu, die sich in einem alten Programmkino abspielt. Filmsequenzen und Bühnengeschehen gehen nahtlos ineinander über. Märchen, Film und Oper verwandeln sich zu einem fantastischen Gesamterlebnis.

Die Titelgebende Figur des Orlando übernimmt Mathias Vidal. Nach ihrem gefeierten Hausdebüt als Lucia di Lammermoor kehrt die Sopranistin Adela Zaharia als Angelica an die Bayerische Staatsoper zurück. Ihr Geliebter Medoro wird von Dovlet Nurgeldiyev verkörpert. In weiteren Rollen sind Edwin Crossley-Mercer (Rodomonte), Tara Erraught (Alcina), Elena Sancho Pereg (Eurilla) und David Portillo (Pasquale) zu erleben.

Operndialog

Diskutieren Sie mit Jürgen Schläder, emeritierter Professor für Musiktheater an der LMU München, über die Inszenierung. In einem Dialog zu Orlando Paladino tauchen Sie tiefer in die Zusammenhänge und Hintergründe der modernen Inszenierung ein. Der erste Termin dient der Vor-, der zweite der Nachbereitung.
 
Operndialog zu Orlando Paladino
Fr, 27. Juli 2018, 10.00 - 12.00 Uhr
Sa, 28. Juli 2018, 10.00 - 12.00 Uhr
Capriccio-Saal
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