Barrie Kosky inszeniert AGRIPPINA

Es wäre Stoff für eine weitere Staffel der Politthriller-Serie House of Cards: Der römische Kaiser Claudius soll auf der Rückreise von seinem erfolgreichen Feldzug gegen Britannien ertrunken sein. Damit sieht seine Frau Agrippina den Moment für Nerone, ihren Sohn aus erster Ehe, gekommen, den Thron zu besteigen. Mit Intrigen, Lügen und Verführung setzt sie alles daran, die Macht für ihren Sohn zu sichern. Georg Friedrich Händels „Dramma per musica“ Agrippina ist unsere zweite Festspielneuproduktion und feiert am 23. Juli 2019 im Prinzregententheater Premiere. Der australische Regisseur Barrie Kosky inszeniert die Barockoper. Für die Bayerische Staatsoper erarbeitete er bereits Strauss ̕ Die schweigsame Frau (2010) und Prokofjews Der feurige Engel (2016). Am Pult des Bayerischen Staatsorchesters steht mit Ivor Bolton ein Barockspezialist, der unter anderem die Premieren von Rameaus Les Indes galantes (2016) und Webers Oberon, König der Elfen (2017) leitete. Die Titelrolle singt die britische Mezzosopranistin Alice Coote. An ihrer Seite geben Gianluca Buratto (Claudio), der Countertenor Franco Fagioli (Nerone) ihre Hausdebüts, Ensemble-Mitglied Elsa Benoit singt die Poppea.

Agrippina: Elsa Benoit (Poppea), Alice Coote (Agrippina)
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Wie eine Überdosis Koffein!

Die Uraufführung von Agrippina 1709 in Venedig war ein wahnsinniger Erfolg für den jungen Händel. Kardinal und Theaterbesitzer Vincenzo Grimani, der wahrscheinlich auch der Autor des Librettos ist, hatte Händel mit der Komposition der Oper beauftragt. Es wird vermutet, dass vieles der damals aktuellen Tagespolitik aus dem Vatikan und dem Stadtstaat Venedig in die Handlung mit einflossen, sodass die Zuschauer sich über die Anspielungen und Andeutungen amüsieren konnten.  Für Regisseur Barrie Kosky war unter anderem die Rolle der Claire Underwood aus der Polit-Serie House of Cards eine Inspirationsquelle: „Ich mag diese Art von kalter, blonder Fassade in einem Kleid, das von exquisitem Geschmack zeugt. [...] Kalt und auf zarte Weise schön – doch mit einem Innenleben, das das Fieber zahlloser unerfüllter Wünsche ausschwitzt.“ Agrippina sucht die Macht, jedoch nicht für sich, sondern für ihren Sohn, Nero. Es ist auch die Rolle, die Agrippina als Mutter einnimmt, die Barrie Kosky interessiert. Politik, Macht, Erotik, aber auch komplexe Charaktere und Seelenzustände stehen im Zentrum dieser Oper. „Die Gedankenwelt der Figuren ist sehr lebendig. Rezitative und Arien müssen sich ohne Pause aneinanderreihen. Wie eine Überdosis Koffein“, sagt Kosky im Interview aus dem aktuellen MAX JOSEPH.

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