Frank Castorf inszeniert Walter Braunfels DIE VÖGEL

Frank Castorf kehrt zurück an die Bayerische Staatsoper und inszeniert nach Aus einem Totenhaus (2018) Walter Braunfels' spätromantisches Werk Die Vögel. Die musikalische Leitung übernimmt Ingo Metzmacher, der nach Die Gezeichneten (2017) nun seine zweite Neuproduktion an der Bayerischen Staatsoper dirigiert. Im Cast erleben Sie unter anderen Wolfgang Koch, Günter Papendell, Caroline Wettergreen, Charles Workman und Michael Nagy. Nach fast genau 100 Jahren seit der Uraufführung der Oper in München feiert unsere Neuinszenierung am 31. Oktober im Nationaltheater Premiere.

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Sonntag, 8. November 2020,  ab 19.00 Uhr

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„Ich mag Musik, die hell ist“

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Zum Werk: Von der antiken Komödie zur Operntragödie

Fast genau 100 Jahre nach der Uraufführung von Die Vögel im Nationaltheater am 30. November 1920 wird das spätromantische Werk nun an der Bayerischen Staatsoper neu inszeniert. Walter Braunfels gehörte zusammen mit Franz Schreker und Richard Strauss zu den bedeutendsten deutschen Komponisten dieser Zeit und seine Oper Die Vögel feierte in den 1920er Jahren große Erfolge. 1923 bat ihn Adolf Hitler, eine Parteihymne zu verfassen. Braunfels, dessen Vater bereits vom Judentum zum Protestantismus und er selbst wiederum zum Katholizismus konvertiert war, lehnte ab. Mit dem Aufstieg des Nationalsozialismus verlor er als Halbjude seine Stelle als Direktor der Kölner Musikhochschule, seine Werke wurden nicht mehr gespielt. Er zog sich an den Bodensee zurück, wo er den 2. Weltkrieg überstand.

Braunfels' bekanntestes Werk blieb auch in der Nachkriegszeit Die Vögel, das auf die antike Komödie von Aristophanes zurückgeht. Angestachelt von den Menschen Ratefreund und Hoffegut, wagt die Vogelwelt einen Aufstand gegen die Götter und errichtet einen eigenen Staat, das „Wolkenkuckucksheim“. Ein vermessenes Unterfangen, wie sich am Ende herausstellt.

Aristophanes schrieb das Theaterstück im 5. Jahrhundert v. Chr. als bissigen Kommentar auf eine überambitionierte athenische Expansionspolitik. Bei Braunfels bekommt die Handlung jedoch eine andere Dimension: Aus der Komödie wird eine düstere Tragödie, in der die desillusionierenden Erfahrungen aus dem 1. Weltkrieg spürbar werden. Zeus zerstört brutal den neugegründeten Staat, die Vögel werden schonungslos in ihre Schranken gewiesen Musikalisch zeugt die Märchenoper von Braunfels' Verwurzelung in der Romantik, sie ist reich an Melodien und Tonmalerei, die  auch Vogelrufe anstimmt und zitiert. Uraufführungsdirigent Bruno Walter nannte die Oper „eine der interessantesten Novitäten seiner Münchener Arbeitsperiode“.

 

Zur Inszenierung: Ein Kaleidoskop an Assoziationen

Frank Castorf und Bühnenbildner Aleksandar Denić kreieren auf der Bühne immer wieder Welten, in der sich Brüche, menschliche Grundsituationen und Themen kaleidoskopartig verbinden. Auch hier vereinigen sich auf einer Drehbühne scheinbar disparate Elemente und wecken Assoziationen, die Bezüge zwischen den jeweiligen Werken zur Gegenwart herstellen. So findet sich die Büchse der Pandora in Form eines Containers genauso etwa wie das Konterfei des Regisseurs Alfred Hitchcocks, dessen Verfilmung der Daphne Du Maurier-Novelle Die Vögel Filmgeschichte geschrieben hat. „Das perfekte Paradies existiert nur in der Fantasie“, sagt Aleksandar Denić. „In meinem Bühnenbild zeige ich kleine Details von dem, was ein Paradies sein soll oder sein kann.“