FALSTAFF: Premiere und Live-Stream am 2. Dezember 2020

Die ursprünglich für Juli geplante Neuinszenierung von Falstaff feiert nun am 2. Dezember Premiere und Sie können dabei sein: Wir übertragen die Premiere live und kostenlos auf STAATSOPER.TV. Mateja Koležniks Inszenierung von Verdis Oper ist besonders von italienischen Kinofilmen des Regisseurs Paolo Sorrentino inspiriert. Die Handlung spielt bei Koležnik in einem fiktiven Casino. Wolfgang Koch feiert in der Partie des heruntergekommenen Edelmanns Sir John Falstaff sein Rollendebüt. In weiteren Rollen treten Ailyn Pérez als Mrs. Alice Ford, Boris Pinkhasovich als Ford und Judit Kutasi als Mrs. Quickly auf. Michele Mariotti übernimmt die musikalische Leitung.

 

Zuschauerraum des Nationaltheaters (Foto: Wilfried Hösl)
Online-Premierenmatinee

So, 29. November 2020, 11.00 Uhr

Es spielt das Bayerische Staatsorchester und der gesamte Cast unter Michele Mariotti

Im Gespräch:
Intendant Nikolaus Bachler
Mateja Koležnik
Michele Mariotti
Dramaturg Nikolaus Stenitzer

An dieser Stelle kostenlos abrufbar.

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Premieren-Live-Stream

Mi, 2. Dezember 2020, 19.00 Uhr

Kostenlos und weltweit empfangbar

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Was tut eine Regisseurin, wenn sie nicht proben kann?

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Zum Werk: Eine kongeniale Zusammenarbeit

Sir John Falstaff, der enorme, immense Falstaff, wie er sich selbst begeistert nennt, ist in Schwierigkeiten. Sein Bauch, sein größter Stolz, Synonym seiner Stattlichkeit, braucht dauernde Pflege in Form von überreicher Zufuhr an Speisen und Getränken. Aus ebendiesem Grund aber sind seine Mittel erschöpft. Falstaffs Schläue soll Abhilfe schaffen, gepaart mit seiner Pracht als Mann: Er verfasst gleichlautende Liebesbriefe an Mrs. Alice Ford und Mrs. Meg Page, um mit den Herzen der Damen die Vermögen von deren Ehemännern zu erobern. Die beiden „Merry Wives of Windsor“ aber sind dem großspurigen Galan überlegen, die Komödie nimmt ihren Lauf.

Schon weit über 70 Jahre alt wagte sich Giuseppe Verdi noch einmal an das komische Genre. Seine bis dato einzige Komödie Un giorno di regno (1840) war ein Misserfolg. Doch in verschiedenen Briefwechseln ist zu lesen, dass Verdi stets auf der Suche nach einem passenden Stoff für eine weitere Komödie war. Diesen Stoff fand Librettist und Komponist Arrigo Boito für Verdi in William Shakespeares The Merry Wives of Windsor, das als Vorlage dienen sollte, und versuchte ihn von einer Zusammenarbeit zu überzeugen: „Es gibt nur einen Weg, besser als mit dem Otello zu enden, und das ist der, mit dem Falstaff zu enden.“ Verdi gab nach, aber arbeitete vorerst im Geheimen an seiner letzten Oper.  Boito ergänzte die Vorlage durch Passagen aus Henry IV. (in dem Shakespeare Sir John Falstaff erstmals auftreten ließ), sparte nicht an literarischen Verweisen und dichterischen Kunstgriffen und erfand einige der wunderbarsten Schimpftiraden der Literaturgeschichte. Verdi folgte dem Libretto mit einer detailreich durchkomponierten Tour de Force voll Witz und Tiefe, in der die treibende Groteske ebenso unvergleichlich in Musik gesetzt ist wie die lyrischen Momente.

 

Zur Produktion: Midlife-Crisis am Spieltisch

Für ihren Falstaff hat sich Regisseurin Mateja Koležnik vom italienischen Kino inspirieren lassen, vor allem von Paolo Sorrentino, der für La Grande Bellezza 2014 den Oscar für den besten fremdsprachigen Film bekam „In den Werken von Sorrentino habe ich etwas gefunden, das mir geholfen hat, Falstaffs Flucht vor der Endlichkeit des Lebens auszudrücken“, erklärt Koležnik im Magazin Max Joseph: „die Hysterie der unendlichen Jugend.“ Koležniks heruntergekommener Edelmann Falstaff ist auf dem Höhepunkt seiner Midlife-Crisis angekommen und verprasst sein Geld im Casino.  Die Verwicklungen der Handlung spiegeln sich in einer verschachtelten Bühnenkonstruktion von Raimund Orfeo Voigt wider. 16 Türen treiben das Verwirrspiel auch optisch auf die Spitze.