Andreas Dresen inszeniert Puccinis LA FANCIULLA DEL WEST

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Die Premiere am 16. März 2019 an der Bayerischen Staatsoper brachte erneut ein selten gespieltes Werk auf die Bühne: Giacomo Puccinis La fanciualla del West (Das Mädchen aus dem Goldenen Westen) wurde in München zuletzt 1934 neu inszeniert und stand nach dem Zweiten Weltkrieg nie wieder auf dem Spielplan. Filmregisseur Andreas Dresen erarbeitet gemeinsam mit Dirigent James Gaffigan die Neuproduktion, in der Anja Kampe, John Lundgren und Brandon Jovanovich in den Hauptpartien zu erleben sind.

Über das Werk

Nach der Uraufführung von Madama Butterfly (1904) vergingen fast sieben Jahre, bevor Puccini seine nächste Oper La fanciulla del West in Angriff nahm. Am 6. August 1910 teilte er seinem Musikverleger Tito Ricordi die Vollendung der Oper mit: „La fanciulla del West ist mir von allen Opern am besten gelungen.“ Die lyrische Arie mit ihrer gefühlsbetonten Melodik lässt er völlig in den Hintergrund treten – und spitzt mit avancierter, hochemotionaler Klangdramaturgie die Oper auf die Frage zu, was stärker ist: Recht oder Liebe? Der Stoff ist in den Jahren des größten amerikanischen Goldrausches in der Mitte des 19. Jahrhunderts angesiedelt. In einer Reihe von Genreszenen wird ein außerordentlich farbiges und kontrastreiches Bild vom Leben im Lager entworfen. Die dramaturgische Grundkonstellation, eine „klassische“ Dreiecksbeziehung zwischen zwei Männern und einer Frau erinnert dabei an Puccinis Tosca (1895): die beiden männlichen Protagonisten sind nicht nur Rivalen, sondern vertreten auch gegensätzliche Positionen in der Gesellschaft.

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Am 30. März übertragen wir die Vorstellung live und kostenlos auf www.staatsoper.tv

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„Die Goldgräbercamps der Neuzeit sind die Baustellen von Katar“

Kein Saloon, keine Wildwestromantik, keine Pferde: Andreas Dresen inszeniert Puccinis Oper jenseits jedes Cowboy-Kitschs. Vielmehr interessieren ihn die soziologischen Aspekte einer unwirtlichen Welt, in der jeder sein schnelles Glück sucht. Dabei sieht der Regisseur, der 2015 bereits an der Bayerischen Staatsoper Arabella inszenierte, durchaus Parallelen zur heutigen Realität: „Menschen aus armen Regionen der Welt suchen in wohlhabenden Regionen Arbeit und Glück, um ihrer Familie zu Hause ein besseres Leben zu ermöglichen. Die Goldgräbercamps der Neuzeit sind die Baustellen von Katar oder die Bergwerke in Südafrika.“ Entsprechend verortet Dresen die Handlung in die heutige Arbeitswelt der Bergleute. Minnie wirkt dabei wie eine Lichtgestalt inmitten der zwischen Melancholie, Verzweiflung und Aggression schwankenden Arbeitergestalten und Glückssuchende. Ihre Hoffnung nährt sich aus dem Glauben und der Sehnsucht nach ewiger, romantischer, alles errettender Liebe – eine Utopie, die auf knallharte Realität prallt.

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