Ein Platz für alle

Ein Platz für alle! - Entwurf von Sara Schnelle, TUM
Ein Platz für alle! - Entwurf von Sara Schnelle, TUM

Der Max-Joseph-Platz ist einer der unattraktivsten Plätze Münchens: Obwohl die Kulisse mit Residenz, Palais an der Oper und Nationaltheater imposant ist, gibt es auf dem Platz kaum urbanes Leben – es herrscht Verkehrschaos. Studierende der Technischen Universität München (TUM) haben auf Initiative der Bayerischen Staatsoper Vorschläge für eine neue Gestaltung und Bespielung des Platzes erarbeitet.

Alle Entwürfe der Studierenden sind auf der Website des Lehrstuhls einsehbar.


Die Initiative

Ein Platz für alle - Entwurf von Tobias Drexl, TUM
Ein Platz für alle - Entwurf von Tobias Drexl, TUM

Der Max-Joseph-Platz ist einer der unattraktivsten Plätze Münchens: Obwohl die Kulisse mit Residenz, Palais an der Oper und Nationaltheater imposant ist, gibt es auf dem Platz kaum urbanes Leben – es herrscht Verkehrschaos. Eine breite Einfahrt zur Tiefgarage und eine fast unbegehbare Pflasterung prägen den Platz: Es gibt keinerlei Möglichkeit zum Verweilen. Studierende der Technischen Universität München (TUM) haben auf Initiative der Bayerischen Staatsoper Vorschläge für eine neue Gestaltung und Bespielung des Platzes erarbeitet. Ab dem 12. März sind Modelle ausgesuchter Entwürfe der Initiative EIN PLATZ FÜR ALLE im Königssaal des Nationaltheaters ausgestellt. Ziel ist es, die öffentliche Diskussion anzuregen und Impulse zu setzen. Betreut wurden die Studierenden für ihre Bachelor-Abschlussarbeiten von Professor Regine Keller (Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur und öffentlichen Raum, TUM). Keller sieht die Problematik des Max-Joseph-Platzes vor allem in der derzeitigen Monofunktionalität als Verkehrsdrehscheibe: „Den Mittelpunkt des Platzes bildet seit 1835 das prominent positionierte monumentale Max-Joseph-Denkmal, nach dem 2. Weltkrieg folgte eine Unterbauung des Platzes mit einer Tiefgarage inklusive ‚malerischer‘ Kreiseleinfahrt. Damit wurde eine vielfältige und differenzierte Platzgestaltung völlig vereitelt“, so Keller. Insbesondere die Verkehrssituation stellte für die Studierenden eine große Herausforderung dar: „Hier vollzieht eine Vielzahl von Touristenbussen, Taxen, Straßenbahnen und PKWs täglich ein komplexes Verkehrsballett. Der Platz ist Auftakt zur Fußgängerzone, nicht aber deren Bestandteil.“

Nikolaus Bachler
, Intendant der Bayerischen Staatsoper, ist überzeugt, dass eine breite Öffentlichkeit eine Neugestaltung unterstützen wird: „Das Opernhaus des Jahres verschwindet zwar täglich hinter Touristenbussen, dennoch richtet sich EIN PLATZ FÜR ALLE nicht nur an die Opernbegeisterten, sondern an alle Einwohner der Stadt.“ Bachler möchte mit der Initiative Stadt und Land dazu einladen, sich zu einer Neugestaltung durchzuringen, dennoch sind „die Entwürfe der Studierenden natürlich keineswegs als konkrete Vorschläge zu sehen. Viel eher sollen sie das Potenzial des Platzes zeigen – es könnte der schönste Platz der Stadt werden!“ Dazu Regine Keller: „Wir hoffen mit dem Projekt Anstoß und Ideen für eine Diskussion über die Gestaltung und Nutzung dieses prominenten Ortes geben zu können.“


Die Unterstützer

Jonas Kaufmann auf dem Max-Joseph-Platz
Jonas Kaufmann auf dem Max-Joseph-Platz

Die Initiative hat bereits zahlreiche Unterstützer gefunden. Gerhard Polt meint etwa: "Ein schöner Platz ist niemals eine Sackgasse!" Unter anderem liegt das Projekt auch Städteplaner und Architekt Albert Speer Jr., Tenor Jonas Kaufmann, Moderatorin Nina Ruge oder Schauspieler Udo Wachtveitl am Herzen. Die Gastronomen Michael Käfer und Stephan Kuffler würden sich über eine Umgestaltung freuen, genauso wie Herzog Franz von Bayern: "Das Engagement aller Bürger, das zur Verbesserung und Verschönerung der Heimat beitragen soll, ist immer sehr zu begrüßen. So sehe ich auch in der Initiative zur Neugestaltung des Münchner Max-Joseph-Platzes einen ganz wichtigen Beitrag, um einen der schönsten und bedeutendsten Plätze im Herzen Münchens noch kostbarer zu gestalten."  Berthold Eichwald, Vorsitzender des Vorstandes der Freunde des Nationaltheaters e.V. richtet sich an alle Münchnerinnen und Münchner: „Lasst uns den Max-Joseph-Platz mit seinem herrlichen architektonischen Ensemble begeistert und mutig zu einem liebenswürdigen Ort des Verweilens und der Freude in Mitten des musischen Herzens München beleben.“

Außerdem unterstützen die Initiative:

Senta Berger: „Der Max-Joseph-Platz hat mit all seinem Verkehrschaos und der sträflichen Vernachlässigung ein ganz großes Plus: Man nimmt alle Nachteile und Unschönheiten in Kauf, weil man sich auf die Residenz, das Museum, das Schauspiel oder die Oper freut und darüber vergisst, wie unerfreulich der Platz daherkommt. Dabei könnte er auch rund um die Uhr für alle Münchner und Gäste ein Ort der Teilhabe sein, wenn er nur zum Verweilen einladen würde. Das brächte auch die von vielen Seiten gescholtene Hochkultur noch einen Schritt näher an den Bürger heran."

Roland Berger: "Wenn ich vor der Oper stehe, bin ich immer wieder überrascht, wie abweisend der Max-Joseph-Platz wirkt: Massive Fronten, nackter Asphalt, Verkehr und Lärm, das unbegehbare Pflaster … Für die "nördlichste Stadt Italiens“ würde ich mir hier einen Ort der Begegnung wünschen, der zum Flanieren und Verweilen einlädt, mit Cafés, attraktiven Ruhepunkten und mediterranem Flair. Das sollte doch möglich sein!"

Marcus H. Rosenmüller: „Ich muss gestehen, es gehört schon einige Fantasie dazu, einen Platz in dieser Lage zu einem Parkplatz zu degradieren – aber nicht jede Fantasie ist eine schöne.“

Neben der Bayerischen Staatsoper unter Intendant Niklaus Bachler unterstützen auch die beiden anderen großen staatlichen Institutionen um den Max-Joseph-Platz das Projekt: die Residenz und das Residenztheater, vertreten durch Bernd Schreiber, Präsident der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung, und Martin Kušej, Intendant des Residenztheaters. „Die Umgestaltung des Max-Joseph-Platzes ist überfällig. München rühmt sich mit italienischer Lebensart, hier inmitten der Innenstadt ist davon jedoch nichts spürbar. Zwar ist es uns in den letzten drei Jahren gelungen, das Residenztheater zu einem offenen Ort der Begegnung zu machen, direkt vor unseren Türen wird dies allerdings kaum erfahrbar. Wir wollen unsere Türen weiter öffnen, die Gespräche und Diskussionen auch auf den öffentlichen Raum ausweiten, bei Espresso und Wein zum Verweilen einladen. Dafür muss der Max-Joseph-Platz den Bürgern unserer Stadt, den Flaneuren, den Theaterbesuchern zurückgegeben werden, wir müssen für eine hohe Aufenthaltsqualität sorgen – das ist mir ein ganz besonderes Anliegen“, so Kušej.


Die Entwürfe: eine Auswahl

Ein Platz für alle - Entwurf von Benjamin Schwab, TUM
Ein Platz für alle - Entwurf von Benjamin Schwab, TUM
Ein Platz für alle - Entwurf von Felix Gutmann, TUM
Ein Platz für alle - Entwurf von Felix Gutmann, TUM
Ein Platz für alle - Entwurf von Franziska Hepp, TUM
Ein Platz für alle - Entwurf von Franziska Hepp, TUM
Ein Platz für alle - Entwurf von Ines Hoffmann, TUM
Ein Platz für alle - Entwurf von Ines Hoffmann, TUM
Ein Platz für alle - Entwurf von Katharina Gebhart, TUM
Ein Platz für alle - Entwurf von Katharina Gebhart, TUM
Ein Platz für alle - Entwurf von Theresia Loy, TUM
Ein Platz für alle - Entwurf von Theresia Loy, TUM
Ein Platz für alle - Entwurf von Tobias Drexl, TUM
Ein Platz für alle - Entwurf von Tobias Drexl, TUM