Premiere: Coppélia von Roland Petit

Erstmals Roland Petit im Münchner Nationaltheater

Er war einer der bedeutendsten Choreographen des 20. Jahrhunderts: Der Franzose Roland Petit. Sein Oeuvre umfasst mehr als 170 Ballette, bislang fehlte sein Werk jedoch im Repertoire des Bayerischen Staatsballetts. Mit der Premiere von Coppélia am 20. Oktober 2019 im Münchner Nationaltheater schließt Ballettdirektor Igor Zelensky diese Lücke: „Ich hatte als Tänzer selbst noch das Glück, mit Roland Petit arbeiten zu können. Es war eine wundervolle Zusammenarbeit. Coppélia ist ein humorvolles Ballett und es passt perfekt in unser Programm, weil es ein gutes Gegengewicht ist zu den oft dramatischen Werken, die wir im Repertoire haben “, so Zelensky.

Für die Einstudierung konnte einer der bedeutendsten Wegbegleiter Roland Petits gewonnen werden: Luigi Bonino, viele Jahre Tänzer beim Ballet national de Marseille und langjähriger Assistent von Roland Petit, studiert derzeit mit den Principals die Solopartien ein. Die Rolle der Swanilda proben Laurretta Summerscales, Virna Toppi und Maria Baranova. Ihr Verlobter Franz wird von Yonah Acosta, Denis Vieira und Dmitri Vyskubenko dargestellt. In der Rolle des Dr. Coppélius ist neben Javier Amo Luigi Bonino selbst zu erleben. Er wird die Premiere sowie die zweite Vorstellung am 22. Oktober 2019 tanzen. Für die Ensembleszenen ist zusätzlich Gillian Wittingham, Assistentin von Luigi Bonino und langjährige Ballettmeisterin des Balletts der Mailänder Scala, nach München gereist.

Die Handlung von Coppélia

Das 1975 von Roland Petit kreierte Ballett Coppélia stellt auf humorvolle Weise die Suche nach dem perfekten Menschen zur Schau. Zur Musik von Leo Delibes und basierend auf E.T.A. Hoffmanns Erzählung Der Sandmann stellt Petit die Figur des Dr. Coppélius ins Zentrum: einen verrückten Professor zwischen Genie und Wahnsinn, der sich eine Holzpuppe namens Coppélia erschafft und diese sehnlichst zum Leben erwecken möchte. Mit Augenzwinkern erzählt der Choreograph die sich durch die Existenz der Puppe entspinnende Täuschungs- und Verwechslungsgeschichte. Franz, der eigentlich bereits mit Swanilda verlobt ist, verliebt sich in die Puppe Coppélia, die tagein, tagaus in vornehmer Passivität im Fenster sitzt. Als er versucht, in das Haus des Dr. Coppélius einzubrechen, um die Angebetete endlich kennenzulernen, wird er von Dr. Coppélius ertappt und durch allerlei Zauber(trank)kunst außer Gefecht gesetzt.
Was beide nicht wissen: Swanilda ist Franz in ihrer Neugierde zuvorgekommen. Sie hatte sich schon vorher ins Haus geschlichen, Coppélia als Puppe entlarvt und sich bei Franz‘ Erscheinen schnell versteckt. Während Dr. Coppélius versucht, die Lebensgeister von Franz auf Coppélia zu übertragen, nimmt Swanilda den Platz der Puppe ein und erwacht nun vorgeblich zum Leben. Der „Zauber“ wird aufgelöst als Franz wieder zu sich kommt. Swanilda und der geläuterte Franz fliehen miteinander, Dr. Coppélius bleibt alleine zurück. Der Versuch des Professors, sich die perfekte Frau zu schaffen, scheitert.

Biographie Roland Petit

Roland Petit, am 13. Januar 1924 geboren, wurde an der Ballettschule der Pariser Oper ausgebildet und 1940 in das Corps de ballet der Compagnie aufgenommen. Bereits 1944 verließ er das renommierte Ensemble wieder, um seine eigenen Choreographien zu entwickeln und am Théâtre Sarah Bernhardt in Paris aufzuführen. Ein Jahr später gründete er Les Ballets des Champs-Elysées. 1948 schließlich rief er seine eigene Compagnie, Les Ballets de Paris - Roland Petit, ins Leben. Hier entstanden viele seiner berühmtesten Werke wie Les demoiselles de la nuit für Margot Fonteyn oder Carmen für Zizi Jeanmaire. Während in den 1950er Jahren seine internationale Karriere begann und er als Choreograph für renommierte Compagnien wie das Royal Ballet in London oder das American Ballet Theater in New York City arbeitete, nahm er gleichzeitig seinen Platz in Hollywood ein. Er choreographierte Revuen, Musicals und Filme wie Daddy Long Legs mit Fred Astaire oder Anything Goes mit Zizi Jeanmaire und Bing Crosby. 1973 wurde er künstlerischer Leiter des Ballet national de Marseille und kreierte für seine Compagnie in den folgenden 26 Jahren zahlreiche Meisterwerke. Roland Petit starb 2011 im Alter von 87 Jahren.