John Cranko © Hannes Kilian

John Cranko im März

Vor mehr als fünfzig Jahren wirkte John Cranko als Chefchoreograph in München und beeinflusst damit bis heute das Bayerische Staatsballett mit seinem großartigen choreographischen Erbe. Parallel zu seiner Arbeit als Direktor in Stuttgart, wo er für das Stuttgarter Ballettwunder in den 1960er Jahren verantwortlich zeichnet, übernahm er von 1968 bis 1972 auch die Tätigkeit als Chefchoreograph des Balletts der Bayerischen Staatsoper in München.

John Cranko revolutionierte das Handlungsballett wie kein anderer und gilt als einer der erfolgreichsten Choreographen seiner Zeit. 2017 feierte die Tanzwelt seinen 90. Geburtstag. Ab März 2019 stehen gleich zwei Cranko Stücke wieder auf unserem Spielplan: Onegin sowie Der Widerspenstigen Zähmung.

Onegin

Onegin, Ksenia Rhzhkova (Wilfried Hösl)
Ensemble (Foto Wilfried Hösl)
Ensemble (Foto Wilfried Hösl)
Onegin, Summerscales & Cook (Wilfried Hösl)
Onegin. Ensemble (Foto: Charles Tandy)
Onegin. Ensemble (Foto: Charles Tandy)

Die Uraufführung dieser dramatischen Erzählung fand am 13. April 1965 in Stuttgart statt. In München feierte Onegin am 20.06.1972 seine Premiere. In den Hauptrollen faszinierte das Traumpaar Konstanze Vernon und Heinz Bosl. Onegin wird darüber hinaus von vielen als das einzige abendfüllende Werk des 20. Jahrhunderts betrachtet, das Klassikern wie Schwanensee ebenbürtig an die Seite gestellt werden kann.

In der Spielzeit 2018/19 steht Onegin ab dem 1. März wieder auf dem Spielplan, alle Termine finden Sie hier.

Inhalt: Die junge Tatjana findet in Onegin die große Liebe, die sie sonst nur aus Büchern kennt. Der arrogante Onegin lässt sie jedoch nicht an sich heran und zerreißt wortwörtlich ihr Liebesgeständnis. Nach Tatjanas Heirat mit einem anderen Mann erkennt Onegin jedoch, dass auch er in Tatjana die wahre Liebe gefunden hätte. Hoffnungsvoll kehrt er zu ihr zurück. Tatjana muss sich nun zwischen Liebe und Pflicht entscheiden.

Das Publikum wird durch die Entwicklung von hoffnungsvoller Romantik zu ernsthaftem Pflichtbewusstsein geführt. Am Anfang sind die Choregraphien humorvoller und an Volkstänze angelehnt. Im späteren Verlauf ist die Ernsthaftigkeit  durch die streng klassischen Ballszenen zu spüren. Abgelöst wird die klassische Sprache sobald die Protagonisten alleine auf der Bühne sind. In jenen intimen Momenten wird die Bewegungssprache von den tiefen Emotionen geleitet. Beispielhaft dafür ist der Spiegel-Pas de deux der zwei Hauptrollen. Tatjana träumt in dieser Szene davon, dass Onegin ihre Liebe endlich offen erwidert. Voller Leidenschaft wirbeln die beiden durch die Luft. Einen Ausschnitt mit Ivy Amista als Tatjana und Vladimir Shklyarov als Onegin sehen Sie hier.

Der Widerspenstigen Zähmung

Nach der erfolgreichen Uraufführung am 16. März 1969 in Stuttgart brillierten Konstanze Vernon und Peter Breuer in den Hauptrolle der Münchner Erstaufführung gut sieben Jahre später am 25. März 1976. 

In der aktuellen Spielzeit ist Der Widerspenstigen Zähmung ab dem 12. März 2019 im Nationaltheater zu sehen. Alle Termine finden Sie hier.

Inhalt: Frauen sollen sich den Männern unterwerfen – soll das Der Widerspenstigen Zähmung aussagen? Nein, im Gegenteil: Nachdem beide Protagonisten ihre Masken ablegen, endet das Kräftemessen und Grenzen-Ausloten der beiden Verlobten in einer gleichberechtigten, vertrauensvollen Ehe. Aus einer störrischen Katharina und einem groben Petrucchio werden eine liebevolle Ehefrau und ein humorvoller Ehemann.

Seine Choreographie zeichnet die Entwicklung der Rollen sehr deutlich: Der erste Pas de deux von Katharina und Petrucchio ist durch unkontrollierte und zappelige Bewegungen gekennzeichnet, während ihr letzter Pas de deux die harmonische Partnerschaft zeigt – nicht nur auf tänzerischer Ebene. Achten Sie in diesem Stück besonders auf die Umsetzung der Zankereien und Neckereien, vor allem auf das kämpferische Händezusammenschlagen. Anfangs ist es noch sehr zornig; später auf eine neckische Art romantisch. Außerdem wird besonders John Crankos Begeisterung für fast schon akrobatische Hebungen erkennbar. Die Tänzer meistern diese mit einer Leichtigkeit, die seinesgleichen sucht. Im Video sehen Sie einen Ausschnitt aus dem ersten Pas de deux von Katherina und Petrucchio, getanzt von Ksenia Ryzhkova und Yonah Acosta.