Puschkin für's Ohr

Die aus Theater- und Filmproduktionen bekannte Schauspielerin Mechthild Großmann hat für das Bayerische Staatsballett aus Anlass der Uraufführung von Andrey Kaydanovskiys Ballett Der Schneesturm die Erzählung von Alexander Puschkin aufgenommen. Ihre unverkennbare Stimme fängt die ganzen Zwischentöne ein und lässt die Liebessehnsucht ebenso hören wie die Ironie und den Humor, für den Puschkin berühmt ist. Der Goethe Russlands schrieb den Text 1830 während eines langen Aufenthaltes auf seinem Landgut, das er von seinem Vater geerbt hatte. Andrey Kaydanovskiy war die Erzählung noch von der Schulzeit her bekannt, er entdeckte sie aber im Zuge der Vorbereitung zu seinem ersten abendfüllenden Ballett nochmals neu. In der Choreographie folgt er dem Text von Puschkin sehr genau, nahm aber einige Anpassungen vor, um die Geschichte für die Theaterbühne einzurichten. Die Lesung von Mechthild Großmann stellt nicht nur eine ideale Einführung für die Ballettproduktion dar, sondern verführt auch dazu, mit den eigenen Phantasien und Vorstellungen in den Schneesturm einzutauchen. 

Mechthild Großmann ist Schauspielerin, Sprecherin und war für viele Jahre Mitglied in der Compagnie von Pina Bausch. Neben einer umfangreichen Tätigkeit als Sprecherin von Hörbüchern und für Lesungen trat sie in den Spielzeiten 2019 /20 und 2020/21 am Schauspiel Frankfurt auf. Darüber hinaus ist sie seit 2002 auch regelmäßig als Staatsanwältin im Tatort Münster zu sehen. Geboren wurde Mechthild Großmann 1948 in Münster/Westfalen. 1966 bis 1969 absolvierte sie ihre Schauspielausbildung in Hamburg. Ihr erstes Engagement umfasste einen Vertrag am Theater Bremen bei Kurt Hübner (1969-1973). Anschließend war sie bis 1975 am Württembergischen Staatstheater Stuttgart tätig. 1976 kam es zur ersten und folgenreichen Zusammenarbeit mit Pina Bausch. 

Von 1977 bis 1979 war Mechthild Großmann am Schauspielhaus Bochum engagiert, bevor sie sich entschloss, als Schauspielerin im Bereich des Tanztheaters in der Compagnie von Pina Bausch mitzuwirken. Sie war – für viele Jahre als einzige Nichttänzerin – festes Mitglied des Wuppertaler Tanztheaters. Über 40 Jahre tourte sie mit der Compagnie um die ganze Welt und blieb dem Ensemble als Gast bis 2017 eng verbunden. Daneben unterrichtete sie 10 Semester lang als Dozentin für Tanzgeschichte und Schauspiel an der Folkwang Universität in Essen. 2007 erhielt sie den Darstellerpreis der Hessischen Theatertage, 2015 und 2016 wurde ihr der Kinderhörbuchpreis verliehen. Im Film war sie in Produktionen von Rainer Werner Fassbinder, Caroline Link  und Elfie Mikesch zu erleben.