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Ballett von Christian Spuck nach dem Roman von Lew N. Tolstoi

Choreographie Christian Spuck · Komponist Sergej Rachmaninow, Witold Lutoslawski u.a. | Neuproduktion

  • Partner des Bayerischen Staatsballetts

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Choreographie
Christian Spuck
Musikalische Leitung
Robertas Šervenikas
Bühne
Jörg Zielinski, Christian Spuck
Kostüme
Emma Ryott
Licht
Martin Gebhardt
Projektionen
Tieni Burkhalter
Sound-Collagen
Martin Donner
Dramaturgie
Claus Spahn, Michael Küster

Sängerin
Helena Zubanovich (19.11.2017, 25.11.2017, 23.03.2018, 30.06.2018) , Alyona Abramowa (01.12.2017, 22.04.2018, 10.05.2018, 15.06.2018)
Pianist
Adrian Oetiker (19.11.2017, 01.12.2017, 23.03.2018, 22.04.2018, 10.05.2018, 15.06.2018, 30.06.2018) , Dmitry Mayboroda (25.11.2017)
  • Solisten und Ensemble des Bayerischen Staatsballetts
  • Bayerisches Staatsorchester
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Greta Garbo spielte sie, Vivien Leigh und Keira Knightley, um nur einige aus fast zwanzig Verfilmungen innerhalb von 100 Jahren zu nennen. Lew Tolstois Anna Karenina gehört wie Fontanes Effi Briest zu den tragischen Frauenfiguren der Literatur des Realismus – Romane des 19. Jahrhunderts, in denen die Protagonisten sich der Ehre wegen im Morgengrauen duellierten oder in den Selbstmord gingen. Die letzte Option wählten vor allem Frauen, wenn die Verzweiflung zu tief und die gesellschaftliche Ächtung zu massiv wurde.

Auch Anna Karenina ist hin- und hergerissen zwischen Konvention und Leidenschaft, Pflicht und Ausbruch. Viele Choreographen ließen sich von diesem Frauenschicksal zu eindrucksvollen Werken inspirieren. Keine geringere als Maja Plissezkaja choreographierte 1972 ihre Fassung zur Musik von Rodion Schtschedrin – die Hauptrolle tanzte die legendäre Ballerina selbst. Klassische und moderne Fassungen von Boris Eifman, Jochen Ulrich, Alexei Ratmansky und Sidi Larbi Cherkaoui folgten.

Christian Spucks Adaption hatte 2014 beim Ballett Zürich Premiere. In pointierten Szenen und mit größtenteils klassischem Bewegungsvokabular erzählt er die Ehebruchgeschichte aus dem 19. Jahrhundert und stellt sie in die Tradition der Russland-Rezeption: Birkenwälder und schneebedeckte Weiten, die legendären Bälle der St. Petersburger Aristokratie, verführerische Frauen in prunkvollen Kostümen. Die Kehrseite spiegelt sich in der Kälte der Paläste, die Bühne ist groß und meist leer, die Figuren darin verloren wie im wirklichen Leben. Video-Projektionen deuten Orte des Geschehens an, antizipieren das kommende Unglück und werden Sinnbilder für psychologische Vorgänge, Anna Kareninas innere Aufruhr. Durch konkrete Gesten erzählt sich die Geschichte unmittelbar, denn es wird gestritten, geküsst, geliebt und verzweifelt. Die narrativen Anteile sind dabei nie banal und ausschließlich abbildend, vielmehr gehen sie auf in der physischen Stilistik der einzelnen Figuren, die auch in den rein tänzerischen Teilen bestehen bleibt und Prozesse und Veränderungen ohne Worte transportieren kann. Innerhalb der musikalischen Charakterisierung gibt Spuck Anna Karenina durch das Klavier eine Stimme und greift dafür vor allem auf Klavierwerke von Sergej Rachmaninow und Witold Lutoslawski zurück. Der hochromantischen Klangdichte Rachmaninows, die oft genug zum Eskapismus einlädt, setzt er die tief verstörende Musik des 20. Jahrhunderts entgegen und legt Anna Kareninas inneren Vorgänge und Konflikte frei. Die Premiere in München ist die Erstaufführung einer Kreation von Christian Spuck beim Bayerischen Staatsballett.

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Biografien

Christian Spuck stammt aus Marburg und wurde an der John Cranko Schule in Stuttgart ausgebildet. Seine tänzerische Laufbahn begann er in Jan Lauwers’ Need­company und Anne Teresa de Keersmaekers Ensemble Rosas. 1995 wurde er Mitglied des Stuttgarter Balletts und war von 2001 bis 2012 Hauschoreograf der Compagnie. In Stuttgart kreierte er fünfzehn Uraufführungen, darunter die Handlungsballette Lulu. Eine Monstretragödie nach Frank Wedekind, Der Sandmann und Das Fräulein von S. nach E.T.A. Hoffmann.

Darüber hinaus hat Christian Spuck mit zahlreichen namhaften Ballettcompagnien in Europa und den USA gearbeitet. Für das Königliche Ballett Flandern entstand The Return of Ulysses (Gastspiel beim Edinburgh Festival), beim Norwegischen Nationalballett Oslo wurde Woyzeck nach Georg Büchner uraufgeführt. Das Ballett Die Kinder beim Aalto Ballett Theater Essen wurde für den «Prix Benois de la Danse» nominiert, das ebenfalls in Essen uraufgeführte Ballett Leonce und Lena nach Georg Büchner wurde von den Grands Ballets Canadiens de Montreal und vom Stuttgarter Ballett übernommen.

Die Uraufführung von Poppea//Poppea für Gauthier Dance am Theaterhaus Stuttgart wurde 2010 von der Zeitschrift Dance Europe zu den zehn erfolgreichsten Tanzproduktionen weltweit gewählt sowie mit dem deutschen Theaterpreis DER FAUST 2011 und dem italienischen Danza/Danza-Award ausgezeichnet. Sein Tanzfilm Marcia Haydée als Penelope wurde von ARTE ausgestrahlt. Immer häufiger ist Christian Spuck in jüngster Zeit im Bereich Oper tätig. Auf Glucks Orphée et Euridice an der Staatsoper Stuttgart (2009) folgten Verdis Falstaff am Staatstheater Wiesbaden (2010) und Berlioz’ La Damnation de Faust (2014) an der Deutschen Oper Berlin.

Seit der Saison 2012/13 ist Christian Spuck Direktor des Balletts Zürich. Hier waren bislang seine Choreographien Romeo und Julia, Leonce und Lena, Woyzeck und Der Sandmann zu sehen. Das 2014 in Zürich uraufgeführte Ballett Anna Karenina nach Lew Tolstoi wurde 2016 auch in Oslo und am Moskauer Stanislawski-Theater ins Repertoire übernommen. In dieser Spielzeit haben Verdis Messa da Requiem als Koproduktion von Oper und Ballett Zürich sowie Der fliegende Holländer an der Deutschen Oper Berlin Premiere. Das Bayerische Staatsballett tanzt ab November 2017 seine Anna Karenina.

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