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„Was folgt …“ – Vortrag und Konzert: „Wie Gene auf die Reise gehen und Mutter Natur Gentechnik betreibt“

Freitag, 03. Februar 2017
19.00 Uhr
Jagd- und Fischereimuseum München

Drama Plus

€ 24,- / € 10,- (ermäßigt) € 15 (Platz auf Treppe mit Sitzkissen); 20% Ermäßigung mit der Drama Plus Karte

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Besetzung

Klarinette
Shirley Brill
Horn
Johannes Dengler
1. Violine
David Schultheiß
Viola
Benjamin Beck
Violoncello
Jakob Spahn
Klavier
Jonathan Aner

Vortrag
Prof. Dr. Ralph Bock, Max-Planck-Institut für molekulare Pflanzenphysiologie, Potsdam-Golm

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Vortrag „Wie Gene auf die Reise gehen und Mutter Natur Gentechnik betreibt“

 

Krzysztof Penderecki (geb. 1933)
Capriccio per Siegfried Palm (1968)

Krzysztof Penderecki
Cadenza per viola solo (1984)
(Kadenz für Solobratsche)

Krzysztof Penderecki
3 miniature per clarinetto e pianoforte (1956)
(3 Miniaturen für Klarinette und Klavier)
1. Allegro
2. Andante cantabile
3. Allegro ma non troppo

Krzysztof Penderecki
Ciaccona in memoriam Giovanni Paolo II (2009)
(Chaconne in Erinnerung an Johannes Paul II.)

Krzysztof Penderecki
Sextett für Klarinette, Horn, Streichtrio und Klavier (2000)
1. Allegro moderato
2. Larghetto

 

ZUM VORTRAG

Gene werden üblicherweise von der Elterngeneration auf die Nachkommen vererbt. Daneben gibt es eine weitere Art der Weitergabe von Erbinformation: die horizontale Übertragung von Genen. Dabei wird Erbmaterial über Artgrenzen hinweg zwischen Lebewesen ausgetauscht, die sich nicht miteinander fortpflanzen können. Im Vortrag wird anhand aktueller Beispiele aus der Pflanzenforschung erläutert, wie in der Natur Erbmaterial zwischen völlig unterschiedlichen Lebewesen ausgetauscht werden kann, und wie sich heute solche Austauschvorgänge im Laborexperiment rekonstruieren lassen.

Prof. Dr. Ralph Bock wurde 1967 geboren Nach Abitur und Wehrdienst begann er 1988 ein Studium der Biologie an der Martin-Luther-Universität Halle, in dessen Verlauf er die Spezialisierungsrichtungen Genetik, Mikrobiologie, Biochemie und Pflanzenphysiologie einschlug. Seine Diplomarbeit absolvierte er über eine pflanzengenetische Thematik am Institut für Genetik der Universität Halle. Nach seinem Diplom im Fach Genetik wechselte er an das Waksman Institute, Rutgers, The State University of New Jersey, USA, wo er mit den experimentellen Arbeiten zu seiner Promotion begann. Ab 1995 führte er diese Arbeiten an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br. fort und schloss 1996 seine Promotion mit summa cum laude ab. Von 1996 bis 2001 war er als Arbeitsgruppenleiter an der Universität Freiburg tätig und wurde 1999 für die Fächer Molekularbiologie und Genetik habilitiert. Im Jahr 2000 nahm er einen Ruf auf die C4-Professur für Biochemie und Biotechnologie der Pflanzen an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster an, den er 2001 als Direktor des gleichnamigen Instituts antrat. 2004 wurde er von der Max-Planck-Gesellschaft als Direktor an das Max-Planck-Institut für Molekulare Pflanzenphysiologie in Potsdam-Golm berufen, wo er seither über grundlegende Probleme von Genetik, Physiologie und Evolution forscht und dazu überwiegend pflanzliche Modellsysteme nutzt. Ralph Bock ist gewähltes Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften (Leopoldina) sowie der European Molecular Biology Organization (EMBO). Seit vielen Jahren engagiert er sich für einen rationalen und wissenschaftlich fundierten Umgang mit neuen Technologien in Politik und Gesellschaft. Unter anderem hat er als wissenschaftlicher Experte der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (European Food Safety Authority, EFSA) an der Ausarbeitung von Richtlinien für die Sicherheitsbewertung gentechnisch veränderter Pflanzen mitgewirkt.

 

ZUR MUSIK

Selbst wer noch nie seinen Namen gehört hat, kennt seine Musik: Krzysztof Penderecki ist einer der international berühmtesten und meistgespielten Komponisten der Gegenwart. Internationale Stars der Klassikszene wie Anne-Sophie Mutter spielen seine Werke, Filmregisseure wie Stanley Kubrick (Shining) und Martin Scorsese (Shutter Island) verwendeten seine Musik für ihre Filme, er inspirierte den Musiker Jonny Greenwood von Radiohead zu Orchesterkompositionen. In seiner Heimat Polen wird Penderecki wie ein Popstar verehrt, seine Werke werden weltweit für eine breite Öffentlichkeit regelmäßig aufgeführt.

2013 feierte Penderecki seinen 80. Geburtstag. Sein Schaffen lässt sich weniger darstellen als Entwicklung hin zu einer bestimmten Klangsprache, vielmehr ist es geprägt von einer Verschiedenheit der Ausdrucksmittel, die teilweise nebeneinander bestehen oder sich in einzelnen Phasen radikal ablösen. Penderecki wurde früh bekannt als Komponist der Avantgarde, arbeitete dann zunehmend mit den großen musikalischen Formen des 19. Jahrhunderts, später auch von Klassik und Barock, und gestaltete deren Musiksprache um, indem er sie mit zeitgenössischen Techniken und Klängen konfrontierte. In der Auseinandersetzung mit historischen Formen und Gattungen strebt Penderecki bis heute nichts weniger an als eine „universale Musiksprache“, eine Musik von universeller Geltung. Symphonien, Opern, Oratorien, eine Passion, Konzerte, Kammermusik, all dies umfasst sein Œuvre. Einer ob dieses vermeintlichen „Konservativismus“ oftmals skeptische Fachpresse steht seine weltweite Popularität beim Publikum gegenüber.

Mit Kammermusik beschäftigte sich Penderecki lange Zeit nur am Rande, indem er kurze Stücke für Freunde und Musikerkollegen schrieb. Erst in den 1990er Jahren wandte er sich ernsthaft der Kammermusik zu. Eines seiner diesbezüglich bedeutendsten Werke steht im Zentrum des heutigen Konzertes: das Sextett für Klarinette, Horn, Streichtrio und Klavier, ein monumentales Werk in zwei Sätzen. Es wurde am 7. Juni 2000 im Wiener Musikverein uraufgeführt. Im Rahmen dieser Aufführung gab der Komponist der Österreichischen Musikzeitschrift ein Interview, das nicht nur seine Haltung zum Sextett, sondern ganz allgemein sein Selbstverständnis als Komponist widerspiegelt: „Das Sextett ist ein typisches Werk des Jahrhundert-Endes, indem es sich auf die Erfahrungen des ganzen 20. Jahrhunderts bezieht, in welchem verschiedene Stile entstanden sind. Die Meilensteine, die geblieben sind, sind Strawinsky, Bartók und Schostakowitsch in seiner Kammermusik. Diese Musik ist mir näher als zum Beispiel Messiaen oder der Zwölftonkreis; diese sind mir zu fremd, ich bin doch ein slawischer Komponist, dem es um die Übermittlung des eigenen Gefühls, des Ausdrucks geht.“ Dass es ihm um eine möglichst unmittelbare, auch emotionale Erfahrung seiner Musik für das Publikum geht, hat Penderecki oft betont – dies gilt auch für seine Kammermusik.

Noch jüngeren Datums als das Sextett ist die Ciaccona in memoriam Giovanni Paolo II (Chaconne in Erinnerung an Johannes Paul II.) für Violine und Viola, die heute in der Transkription für Violine und Violoncello des Cellisten Jakob Spahn erklingt. Spahns Begeisterung für das Werk Pendereckis und seiner persönlichen Beziehung zum Komponisten ist auch die Programmzusammenstellung dieses Konzertes zu verdanken. Die Ciaccona entstand 2009, sie basiert auf einer Version für Kammerorchester, die Penderecki 2005 als Trauermusik zum Tod von Papst Johannes Paul II. komponierte und später als letztes Element in sein Polnisches Requiem integrierte.

Alle anderen heute aufgeführten Werke entstanden wesentlich früher: Die Miniaturen für Klarinette und Klavier (1956) schrieb Penderecki als Student in Kraków und widmete sie Władysław Kosieradzki, dem damaligen Professor für Klarinette am Konservatorium der Stadt. Sie dokumentieren die Vorliebe des jungen Penderecki für Béla Bartók, lassen aber den Komponisten des Sextetts bereits heraushören.

In den 1960er Jahren entstand das Capriccio per Siegfried Palm. In dieser Zeit wandte sich der junge Komponist bewusst gegen Traditionen und rebellierte so auch gegen die politische Situation im damaligen Polen. Gerade war er im Westen als experimentierfreudiger Komponist der Avantgarde bekannt geworden. Auch im Capriccio steht das lustvolle Klangforschen im Zentrum. Die Uraufführung fand am 4. Mai 1968 durch Siegfried Palm, für den Penderecki bereits mehrere Werke geschrieben hatte, in Bremen statt und wurde im Radio übertragen. Pendereckis Biograf Wolfram Schwinger berichtet: „Vor dem kleinen Capriccio sagte der Radiokommentator den für Penderecki typischen Satz: ‚Der Komponist hält es nicht für nötig, eine Einführung vorauszuschicken!‘“ Tatsächlich verfehlt das Werk mit seiner halsbrecherischen Virtuosität und seinem Witz nicht seine Wirkung.

Auch die Cadenza per viola solo (Kadenz für Solobratsche) entstand für einen verdienstvollen Penderecki-Interpreten, den Bratschisten und Geiger Grigorij Schislin. Er spielte die Uraufführung am 10. September 1984 im Rahmen eines Kammermusikfestivals, das Penderecki und seine Frau Elżbieta Penderecka in ihrem Landhaus in Lusławice bei Kraków regelmäßig veranstalteten. Die Cadenza stellt eine Ergänzung zum Konzert für Viola und Orchester aus dem Jahr 1983 dar.

Katharina Ortmann

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Biografien

Shirley Brill erhielt ihre Ausbildung zunächst bei Yitzhak Katzap in Israel und studierte später bei Sabine Meyer in Lübeck sowie bei Richard Stoltzman in Boston/USA. Sie gewann den Concours de Genève, den Internationalen Klarinettenwettbewerb Markneukirchen und erhielt den Sonderpreis des internationalen ARD-Musikwettbewerbs. Ihre solistische Karriere begann sie mit dem Israel Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Zubin Mehta. Seither konzertierte sie mit zahlreichen internationalen Orchestern wie etwa dem Deutschen Symphonieorchester Berlin, dem Orchestre de Chambre de Genève und dem Jerusalem Symphony Orchestra. Außerdem gastierte sie bei internationalen Musikfestivals und musizierte mit Daniel Barenboim, Sabine Meyer, Emmanuel Pahud, Janine Jansen, Tabea Zimmermann, dem Jerusalem String Quartet, dem Fauré Klavierquartett und dem Trio di Clarone. 1999 gründete sie mit Jonathan Aner das Duo Brillaner, das beispielsweise in Berlin (Philharmonie), New York (Carnegie Hall), in Asien, Australien und in Israel auftrat. Seit 2009 ist Shirley Brill Soloklarinettistin des von Daniel Barenboim geleiteten West-Eastern Divan Orchestra. Sie hat in verschiedenen Ländern Meisterkurse gegeben und war seit 2012 Gastprofessorin an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin; 2016 folgte eine Lehrtätigkeit an der Barenboim-Said-Akademie.

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