Infos

Freitag, 13. Februar 2015
19.00 Uhr
Allerheiligen Hofkirche

 

Preise AS , € 24 /21 /19 /16

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Besetzung

Schumann-Quartett
1. Violine
Barbara Burgdorf
2. Violine
Traudi Pauer
Viola
Stephan Finkentey
Violoncello
Oliver Göske
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Vortrag

Carolyn Moser

Das Völkerrecht – ein Garant für Frieden, Sicherheit und Gerechtigkeit?

 

Leoš Janáček (1854–1928)

Streichquartett Nr. 2 Intime Briefe

 

Ludwig van Beethoven (1770–1827)

Streichquartett Nr. 14 cis-Moll op. 131

 

Blicke – Küsse – Bisse: Eine Sache schlägt in ihr vermeintliches Gegenteil um – und nach der ersten Überraschung kommt möglicherweise die Einsicht, dass beides, Lust wie Leid, untrennbar miteinander verbunden ist, ja unverzichtbar zusammengehört. Gegensätze sind die Grundlage unseres Lebens. Ohne Minus und Plus keine Elektrizität, ohne Geschlechter keine Fortpflanzung, ohne Falsch und Richtig keine Erkenntnis. Kunst und Wissenschaft sind zwar keine Gegensätze. Aber ihre Methoden, Neues zu entdecken, sind doch so verschieden, dass es zu anregenden Perspektivwechseln führen kann, wenn man beide gelegentlich miteinander kurzschließt. Das geschieht in den Themenkonzerten, die von der Bayerischen Staatsoper gemeinsam mit der Max-Planck-Gesellschaft ausgerichtet werden. Musik mit Künstlern aus Orchester, Chor und Solistenensemble auf der einen und Grundlagenforschung auf höchstem Niveau auf der anderen Seite begegnen einander mit Darstellungen aktueller Forschungsthemen und außergewöhnlichen Kompositionen – in Programmen, die bisweilen nach einem zweiten Blick, einem zweiten Hinhören und einem Nach-Denken verlangen. Wissenschaftler diverser Fachgebiete werden sich im weitgefassten Sinne mit dem Jahresthema der Spielzeit 2014 / 15 auseinandersetzen, und Musiker und Musikerinnen des Bayerischen Staatsorchesters stellen ihrerseits Werke zusammen, die die in den Opernpremieren angelegten Konflikte auf ihre eigene Weise fortspinnen. Zu den bewährten Spielorten der Themenkonzerte wie dem Max-Planck-Haus am Marstallplatz, der Allerheiligen Hofkirche und der Alten Pinakothek werden neue Räume treten, die zu spannungsvollen Einblicken führen.

Ein Projekt mit Konzerten und Vorträgen in Zusammenarbeit mit der Max-Planck-Gesellschaft

 

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Carolyn Moser
Das Völkerrecht – ein Garant für Frieden, Sicherheit und Gerechtigkeit?

Wenn wir die Zeitung aufschlagen oder die Abendnachrichten einschalten, kommen wir unweigerlich mit dem Völkerrecht in Berührung. Wir hören von kriegerischen Auseinandersetzungen in der Ukraine, sehen Berühmtheiten wie Angelina Jolie als Botschafterin des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen im Gespräch mit Bedürftigen im Irak, und erfahren, dass dank des Einsatzes von ausländischen Truppen der Bürgerkrieg in Mali eingedämmt und die Region stabilisiert werden konnte. In all diesen Fällen spielt das Völkerrecht, auch wenn wir es auf den ersten Blick vielleicht nicht erkennen, eine zentrale Rolle – mal eine hoffnungsvolle, mal eine konfliktbehaftete und nicht selten beides zugleich. Das Völkerrecht ist in der Tat vielschichtig und in seiner Vielschichtigkeit auch gegensätzlich, was es faszinierend – und manchmal auch frustrierend – macht.

Wie viel Recht, wie viel Politik steckt beispielsweise im Völkerrecht? Ist es Ausdruck eines Strebens nach globaler Gerechtigkeit, oder ein Instrument der Macht- und Interessenspolitik einflussreicher Staaten? Neben dem Spannungsverhältnis von Recht und Politik stellt sich auch die Frage nach Ansprüchen und Wirklichkeit. Viele völkerrechtliche Verträge, wie etwa die Charta der Vereinten Nationen, streben nach Weltfrieden, internationaler Sicherheit und Gerechtigkeit. Doch lehren uns die Bilder vom zerstörten Flughafen in Donezk oder von unzähligen syrischen Flüchtlingen nicht, dass die Realität weit von diesen Idealvorstellungen entfernt ist? Und verliert das Völkerrecht dadurch letztlich seine Anziehungskraft und Verbindlichkeit? Was hat es zu bedeuten, wenn grundlegende völkerrechtliche Normen – wie etwa die Souveränität, das Verbot von Waffengewalt oder die territoriale Integrität – von Schlüsselakteuren missachtet werden und der Weltgemeinschaft nicht viel mehr übrig bleibt, als ihren Protest zu bekunden? Wo ist hier die richterliche Instanz, die den Völkerrechtsbruch ahnden könnte?

Das Völkerrecht wurde über Jahrhunderte hinweg als Recht zwischen Territorialstaaten verstanden. Doch heute umfasst die Weltgemeinschaft nicht mehr nur Staaten, sondern auch internationale Organisationen und vermehrt nichtstaatliche Akteure. Transnationale Unternehmen, deren Umsatz das Bruttoinlandsprodukt so mancher Nation übersteigt, mischen im internationalen Geschehen ebenfalls mit. Auch Nichtregierungsorganisationen, wie Transparency International oder médecins sans frontières, sind von der globalen Bühne nicht mehr wegzudenken. Sollten diese Akteure künftig stärker ins Völkerrecht einbezogen werden? Darüber hinaus haben sich in einer digital vernetzten Welt neue Herausforderungen aufgetan. Kann und muss sich das Völkerrecht in seinen Inhalten und Institutionen diesen veränderten Gegebenheiten anpassen, um effektiv zu bleiben? Ist beispielsweise eine Cyber-Attacke auf einen Sever der Bundesregierung einem bewaffneten Angriff gleichzusetzen? Und wie können grenzüberschreitend agierende terroristische Gruppen völkerrechtlich eingefangen werden?

Letztlich stellt sich die Frage nach der grundlegenden Beschaffenheit und den vielschichtigen Funktionen des Völkerrechts: Lähmt sich das durch Staaten dominierte Völkerrecht durch sein Streben nach Kontinuität und Stabilität selbst? Oder kann es – auch in Zukunft – zu seinen Idealen von Frieden, Sicherheit und Gerechtigkeit beitragen?

Carolyn Moser ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht. Ihre aktuellen Forschungsschwerpunkte liegen auf dem Völkerrecht, insbesondere auf Friedensmissionen und Auslandeinsätzen, sowie der Außen- und Sicherheitspolitik der Europäischen Union. Ihr Masterstudium mit völkerrechtlichem Schwerpunkt absolvierte sie bei Sciences Po (Paris) sowie an der Fletcher School of Law and Diplomacy (Tufts University, Boston). Zuvor schloss sie ein interdisziplinäres deutsch-französisches Grundstudium in Jura, Politikwissenschaften und Volkswirtschaftslehre bei Sciences Po (Paris) ab.

Praktische Einblicke in die Welt des Rechts sammelte sie als stagiaire beim Europaparlament sowie nach ihrem Studienabschluss als Research Fellow am Basel Institute for Governance. In dieser Funktion war sie für mehrere Jahre betraut mit Grundlagenforschung im Bereich public governance. Darüber hinaus leistete sie Projektarbeit für unterschiedliche Auftraggeber zur Rechtsstaatlichkeit und Justizreform in mehreren nordafrikanischen Ländern (Weltbank) sowie zur Prävention und Bekämpfung von Korruption in Europa (Europaparlament, OSZE) und Asien (GIZ, DEZA).

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Biografien

Aus Mitgliedern des Bayerischen Staatsorchesters bestehend, brachte das Schumann Quartett München im Gründungsjahr 1994 Béla Bartóks frühes Klavierquintett und Arnold Schönbergs 2. Streichquartett mit Sopran zur Aufführung.

Seither folgten Einladungen zu Konzerttourneen und Festivals in Europa, Japan und den USA. Die enge Zusammenarbeit mit Sängern und Komponisten ermöglicht es dem Ensemble, neben dem weit gefächerten gängigen Quartett-Repertoire selten zu hörende Werke sowie Uraufführungen und experimentelle Stücke zur Aufführung zu bringen, die über die reine Tonsprache hinaus Video- und Sprachkunst vereinen. Die erste Geigerin Barbara Burgdorf ist Konzertmeisterin des Bayerischen Staatsorchesters. Traudi Pauer spielt hier seit 1996. Stephan Finkentey ist seit 1988 Stellvertretender Solobratscher, ein Jahr später kam Oliver Göske zum Bayerischen Staatsorchester. Zum Schumann-Jahr 2010 nahm das Quartett zwei Doppel-CDs auf, die im Handel oder über www.schumann-quartett.de erhältlich sind.

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