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Komponist Unsuk Chin

Samstag, 17. November 2007
19.30 Uhr – 22.00 Uhr
Nationaltheater

Dauer ca. 2 Stunden 30 Minuten · 1. Teil (ca. 19.30 - 20.35 Uhr) · Pause (ca. 20.35 - 21.05 Uhr) · 2. Teil (ca. 21.05 - 22.00 Uhr)

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Besetzung

Musikalische Leitung
Kent Nagano
Inszenierung, Bühne und Lichtkonzeption
Achim Freyer
Kostüme, Masken und Puppen
Nina Weitzner
Video
Silke Holzach
Licht
Michael Bauer
Dramaturgie
Peter Heilker
Dramaturgie
Sophie Becker
Chöre
Andrés Máspero

Alice
Sally Matthews
Cat
Sine Bundgaard
Mad Hatter / Duck
Dietrich Henschel
White Rabbit / March Hare / Badger
Andrew Watts
Mouse / Dormouse / Pat / Cook / Invisible Man
Guy de Mey
Ugly Duchess / Owl / Two
Cynthia Jansen
Queen of Hearts
Gwyneth Jones
King of Hearts / Old Man No.2 / Crab
Steven Humes
Old Man No.1 / Eaglet / Five / Executioner / Fish-Footman
Christian Rieger
Frog-Footman / Seven / Dodo / Mock Turtle
Rüdiger Trebes
Caterpillar
Stefan Schneider
"Wind" / Invisible Creatures / Entourage / 6 Soldiers / 12 Jurors / Creatures
Chorsolo
Boy
Solist des Kinderchors
Royal Children / Baby animals
Solist des Kinderchors
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Mehr dazu

Welturaufführung und Triumph der Phantasie! Die zunächst biedere Alice folgt ihren Träumen. Dort begegnet sie einem Kaninchen mit Weste und Taschenuhr, das sie durch ein Wunderland führt. Hier staunt Alice, hier lernt sie und – von hier kehrt sie reicher in die Realität zurück. Die Lehre dieses Märchens: Wir alle sollten viel mehr weißen Kaninchen folgen!
Die koreanische Komponistin Unsuk Chin schrieb diese Oper nach dem gleichnamigen Roman von Lewis Carroll. „Alice in Wonderland“: Moderne Musik, die ins Ohr geht! Moderne Oper – verführend, bezaubernd, sinnlich – und gar nicht verkopft. Kent Nagano dirigiert. Märchenhafte Regie und Bühnenbild stammen von Achim Freyer. Nur weiße Kaninchen führen besser durchs Wunderland.

 

Szene I - Traum I
Alice öffnet ein Buch in der Bibliothek, die sich darauf in eine Schatzkammer verwandelt, trifft einen Jungen, der schicksalhaft eine Katzenmumie trägt, und zwei alte Männer, die sie vergeblich auffordert zu fliehen, bevor das Tor der Schatzkammer sich schließt.

Szene II - Der Tränenteich
Alice folgt dem weißen Kaninchen in ein Erdloch, stürzt in die Tiefe und findet sich vor mehreren verschlossenen Türen wieder.
Alice öffnet mit einem Schlüssel, sieht einen blumenreichen Garten, doch die Türen sind zu klein um in ihn zu gelangen.
Alice trinkt aus einem Fläschchen mit der Aufschrift „Trink mich“, schrumpft und ist nun zu klein, um mit dem großen Schlüssel die Tür zu öffnen.
Alice isst einen Kuchen aus einem Kästchen mit der Aufschrift „Iss mich“, wächst und ist nun wieder zu groß für die Türen.
Alice erschreckt mit ihrer Größe das weiße Kaninchen, das Handschuh und Fächer fallen lässt.
Alice weint, fällt in den Teich ihrer eigenen Tränen und verärgert eine vorbeischwimmende Maus durch Schwärmerei über ihre Katze.
Alice und andere nasse Tiere trocknen sich an einer „trockenen Geschichte“ der Maus.
Alice erwähnt wiederum ihre Katze - und alle Tiere fliehen.

Szene III - Im Haus des weißen Kaninchens
Alice muss Handschuh und Fächer suchen, betritt das Haus und
ihr Körper wächst während das weiße Kaninchen einen Love-Song singt aus Fenster und Türen.

Interlude 1 - Ratschläge einer Raupe
Alice hört von der Raupe Lebensweisheiten über die Vorzüge von Veränderungen.

Szene IV - Ferkel und Pfeffer im Haus der Herzogin
Alice trifft auf Fisch-und Frosch-Lakai, sowie die Herzogin mit Baby, Köchin und Cheshire-Katze.
Alice erschrickt über die Misshandlung des Babys durch Herzogin und Köchin und singt ein Wiegenlied für das Baby, das sich in ein Schwein verwandelt.
Alice fragt die Cheshire-Katze, die immerfort entschwindet, nach dem Weg ohne Ziel und wird auf den Weg zum Märzhasen geschickt.

Szene V - Eine verrückte Teegesellschaft
Alice trifft auf Märzhasen, Schlafmaus und Verrückten Hutmacher, denen die Zeit stehen geblieben ist und dem die verschiedensten Reparateure nicht helfen können.

Alice wird von der Teegesellschaft ausgeschlossen.

Szene VI - Das Krocketfeld
Alice begegnet drei Gärtnern, die für die Herzkönigin weiße Rosen in rote verwandeln wollen.
Alice wird von der Herzkönigin zu einem regellosen Krocketspiel eingeladen, das im Chaos endet und die körperlose Katze soll auf Befehl der Königin geköpft werden, was dem Scharfrichter nicht gelingen kann.

Interlude II
Alice wird durch die Königin vor der philosophierenden Herzogin gerettet und zum Schildkrötensupperich geführt, bis Soldaten zur Gerichtsversammlung rufen.

Szene VII – Gerichtsverhandlung oder Wer stahl die Törtchen?
Alice wird nach dem verrückten Hutmacher und der Köchin als dritte Zeugin über den Verbleib der Törtchen aufgerufen.
Alice fürchtet sich nicht, weil sie den Gerichtshof und die Herzkönigin als lächerliche Spielkarten durchschaut.

Finale - Traum II
Alice sucht auf Geheiß eines unsichtbaren Mannes im toten schwarzen Boden des Gartens vergeblich nach Samen, worauf der unsichtbare Mann ihr Samen in die Hand legt.
Alice sät Blumen, die sich in ein strahlendes Licht verwandeln.

© Bayerische Staatsoper

Achim Freyer
Gedanken zu Alice


In dieser Oper geht es um die Frage nach dem Sein und der Identität: Bin ich groß, klein, stark oder unterdrückt? In welchem Verhältnis stehe ich zur Welt, zu meinen Mitmenschen? Wie überwältigt mich Natur oder wie beherrsche ich sie? Das sind globale Fragen, die uns alle betreffen. Heute suchen wir unsere Identität nicht mehr, sondern tauschen sie mit den Vorbildern und Klischees, die uns der Alltag anbietet. Wir verlassen uns selten auf unsere Kreativität, Phantasie und Möglichkeit der Autonomie.
Alice durchlebt eine Geschichte. Alles, was um sie herum traumartig oder alptraumartig aufscheint, hat keine Entwicklung, so dass sie lernen muss, mit diesen Episoden und Splittern ihres Denkens und Fühlens umzugehen. Sie ist eine unerschrockene Figur, die auch fähig ist zu lernen, die einen Reifeprozess durchmacht. Sie hat dadurch auch einen gewissen Vorbildcharakter, der aber nicht bequem nachzuahmen ist, sonst würde der Zuschauer ja wieder seine eigene Identität an diese Figur verlieren. Sie muss so offen wie möglich bleiben, damit der Betrachter sich selbst darin entdecken kann. Er wird nicht zum Voyeur gemacht und in eine Handlung geführt, der er zuschaut, sondern in eine Handlung, die er selbst mitbestimmt. Alles, was aufblitzt, ist so fragmentarisch, dass man es sofort ergänzt und daraus eigene Geschichten dichtet.

Ich versuche, durch eine Verfremdung Zeitlosigkeit darzustellen. In diesen zeitlosen Begebenheiten, die als Gleichnis zu verstehen sind, wird der Zuschauer Bezüge zu seiner eigenen Realität finden. Diese Verfremdung und das Fernrücken zu zeigen, heißt ja nicht, dass man frei ist von Gegenwart. Im Gegenteil, ich muss im Theater ein so genaues Gleichnis schaffen, damit unsere Gegenwart umfassend erkennbar wird.
Theater ist eine Form der Kommunikation mit dem Publikum, und wenn ich spreche, muss ich laut genug sprechen, damit man hört und sieht. Darum sind Maske und Schminke so wichtig. Manche Darsteller sind dadurch schockiert und sagen: „Ich sehe ja aus wie ein Clown!“ Aber wo kommt der Clown her? Der Zirkus ist groß und der Abstand zum Publikum weit, deshalb hat sich eine solche Form der Schminke durchgesetzt. Der innere Kern einer Figur kann durch Masken nach außen transportiert werden.
Auch definiert sich eine Figur durch die Räume, in denen sie sich bewegt. Eine Figur wird groß oder klein durch den Raum, der um sie herum ist, durch das Verhältnis der Proportionen, und das muss sich im Theater in ständiger Wandelbarkeit darstellen.

Die Darstellung von Menschen läuft immer über die Verdichtung der Figur, und diese verdichtete Figur hat dann die Möglichkeit, einen Menschen prototypisch zu verkörpern, ihn in allen Facetten strahlen zu lassen und sein Dasein verständlich zu machen.


© Bayerische Staatsoper

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Biografien

Kent Nagano, geboren in Kalifornien, war Musikdirektor des Berkeley Symphony Orchestra, der Opéra National de Lyon, des Hallé Orchestra und der Los Angeles Opera sowie künstlerischer Leiter und Chefdirigent des Deutschen Symphonieorchesters Berlin, bevor er 2006 Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper wurde. In dieser Position, die er bis 2013 innehatte, leitete er zahlreiche Neuproduktionen, darunter Billy Budd, Chowanschtschina, Eugen Onegin, Idomeneo, Ariadne auf Naxos, Wozzeck, Lohengrin, Die schweigsame Frau, Saint François d’Assise sowie die Uraufführungen von Wolfgang Rihms Das Gehege, Unsuk Chins Alice in Wonderland, Minas Borboudakis’ liebe.nur liebe und Jörg Widmanns Babylon. Gastkonzerte führten Nagano und das Bayerische Staatsorchester u.a. nach Mailand, Moskau, Linz, Hamburg, Budapest sowie zu Festivals wie denen von Grafenegg, Gent, Berlin und Baden-Baden. Seit 2006 ist Kent Nagano zudem Musikdirektor des Orchestre Symphonique de Montréal, seit 2013 auch Erster Gastdirigent der Göteborger Symphoniker. (Stand 2014)

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