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Oper in vier Teilen (sieben Bilder). Erste Fassung, „Ur-Boris“ von 1868/69

Komponist Modest Mussorgsky · Text vom Komponisten nach dem gleichnamigen Drama von Alexander Puschkin (1825) und Nikolai Karamsins "Geschichte des russischen Staates" (1818)
In russischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Sonntag, 16. März 2014
16.00 Uhr – 18.15 Uhr
Nationaltheater

Dauer ca. 2 Stunden 15 Minuten

Preise K

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Besetzung

Musikalische Leitung
Kirill Petrenko
Inszenierung
Calixto Bieito
Bühne
Rebecca Ringst
Kostüme
Ingo Krügler
Licht
Michael Bauer
Dramaturgie
Andrea Schönhofer
Chöre
Sören Eckhoff

Boris Godunow
Anatoli Kotscherga
Fjodor
Angela Brower
Xenia
Eri Nakamura
Xenias Amme
Heike Grötzinger
Fürst Schuiskij
Gerhard Siegel
Andrej Schtschelkalow
Markus Eiche
Pimen
Ain Anger
Grigorij Otrepjew
Dmytro Popov
Warlaam
Vladimir Matorin
Missail
Ulrich Reß
Schenkwirtin
Okka von der Damerau
Gottesnarr
Kevin Conners
Nikititsch
Friedemann Röhlig
Leibbojar
Dean Power
Mitjucha
Tareq Nazmi
Hauptmann der Streifenwache
Christian Rieger
  • Bayerisches Staatsorchester
  • Chor, Extrachor und Kinderchor der Bayerischen Staatsoper
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Kindesmord, intrigierende Mönche und ein dem Wahnsinn verfallender Zar – Modest Mussorgski hat den thematischen Bogen weit gespannt in seiner ab 1868 entstandenen Choroper, mit der er über den Umweg eines historischen Stoffes das Bewusstsein für seine eigene Zeit zu wecken versuchte. Was ihn als Künstler des 19. Jahrhunderts umtrieb, war die Psychologie der Massen. So übernimmt in Boris Godunow neben dem Titelhelden vor allem das russische Volk, das jubelnde, hungernde, das fordernde und fragende, die eigentliche Hauptrolle: „Die feinen Züge der menschlichen Natur und der menschlichen Masse aufzufinden, ein eigensinniges Bohren in diesen unerforschten Regionen und ihre Eroberung – das ist die Mission des echten Künstlers. Zu neuen Ufern!“

 

ERSTER TEIL

Erstes Bild

Das Volk demonstriert. Unter dem Befehl des Polizeioffiziers Nikititsch wird es brutal dazu gezwungen, Bittgesänge für Boris Godunow anzustimmen, die ihn überzeugen sollen, die Nachfolge von Fjodor I. anzutreten. Denn trotz seiner jahrelangen Erfahrung als eigentlicher Regent an der Seite des kürzlich verstorbenen Zaren, weigert er sich, das Amt anzunehmen. Schtschelkalow, Geheimschreiber der Duma, manipuliert die Menge mit Worten: Er bestärkt sie in ihrer Demonstration, denn einzig Boris könne Russland vor Unglück und Rechtlosigkeit schützen. Einer aus dem Volk rebelliert: Mitjucha provoziert die Obrigkeit und wird zusammengeschlagen. Nikititsch verkündet, dass sich das Volk gemäß eines Bojarenerlasses am nächsten Tag zu einer neuen Kundgebung im Kreml einzufinden habe.

Zweites Bild

Angeleitet vom Bojaren-Fürsten Wassilij Schuiskij bejubelt die Menge den neuen Zaren Boris. Angstbeklommen in die Zukunft blickend verneigt er sich vor seinen Vorgängern und lädt das gesamte Volk zum Krönungsfest.

ZWEITER TEIL

Erstes Bild

Während Pimen am letzten Kapitel der Chronik seines Landes schreibt, sinniert er tief in der Nacht über Wert und Zweck von Geschichtsschreibung. Das letzte Kapitel handelt von den Geschehnissen in Uglitsch: Es geht das Gerücht, dass Boris zur Sicherung seiner Macht Dimitrij, den jüngsten Sohn Iwans des Schrecklichen, in der Verbannung hat ermorden lassen. Pimens junger Schüler Grigorij Otrepjew schildert seinen immer wiederkehrenden Traum: ein plötzlicher Sturz in die Tiefe von einem hohen Turm in Moskau. Pimen warnt ihn vor der Hitzigkeit der Jugendjahre und erzählt von der eigenen bewegten Vergangenheit. Umso unbedeutender und trostloser empfindet Grigorij sein bisheriges Leben. Pimen bestärkt ihn, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Dabei kommt er auf Boris zu sprechen, der in seinen Augen Dimitrijs Mörder ist. Endlich traut sich Grigorij, nach den Geschehnissen in Uglitsch zu fragen: Pimen, der vor Ort war, hat die Leiche gesehen und das Geständnis der gefassten Mörder gehört, die Boris als Auftraggeber nannten. Auf die Frage nach dem Alter des getöteten Zarewitsch schätzt Pimen, dass dieser nun in etwa so alt wie Grigorij sein müsse. Pimen übergibt seinem Schüler sein Werk und geht zur Morgenmesse. Grigorij fasst den Entschluss, Rache an Boris Godunow zu üben.

Zweites Bild

Die beiden Obdachlosen Missaïl und Warlaam treffen in einer Schenke auf Grigorij. Dieser befindet sich auf der Flucht und hat vor, in die Rolle des Dimitrij zu schlüpfen, um Boris das Zarenamt streitig zu machen. Jenseits der Grenze hofft er, Verbündete im Kampf gegen Boris zu finden. Von der Schenkwirtin erfährt Grigorij, dass die Grenze streng bewacht wird: ein aus Moskau Flüchtiger werde gesucht.

Eine Streifenwache durchsucht die Schenke. Grigorij soll den Steckbrief vorlesen und lenkt geschickt den Verdacht auf Warlaam. Dieser erkennt den Ernst der Lage und entziffert mit Müh und Not den wahren Gehalt des Steckbriefs. Doch Grigorij gelingt die Flucht.

DRITTER TEIL

Boris Godunow ist das sechste Jahr im Amt. Seine Tochter Xenia ist verzweifelt, sie trauert um ihren Bräutigam. Sein Sohn Fjodor, der künftige Zar, ist mit der Karte seines Landes beschäftigt. Die Amme versucht die Situation unter Kontrolle zu bringen und Xenia zu trösten. Boris quält sich mit der Frage, ob die Schuld, die er glaubt auf sich geladen zu haben, an seinen Kindern gesühnt wird. Seine Amtszeit war bisher von Hungersnöten und Katastrophen geprägt. Obwohl er immer nur das Beste für sein Land wollte, blieb ihm Anerkennung verwehrt und er spürt, dass das Volk nicht hinter ihm steht. Er kann sich des Gedankens nicht erwehren, den Grund für seine politische Schwäche in den Ereignissen von Uglitsch und den Gerüchten darum zu suchen. Das Bild des ermordeten Zarewitsch erscheint vor seinem inneren Auge.

Ein Leibbojar kündigt Fürst Schuiskij an und leitet die geheime Information weiter, dass Boris’ langjähriger Feind eine Verschwörung plane. Schuiskij informiert Boris über eine ernst zu nehmende Gefahr für seine Herrschaft: Ein „falscher Dimitrij“, der bereits Adel und Klerus auf seiner Seite habe, sei aufgetaucht. Daraufhin soll Schuiskij erneut die Ereignisse von Uglitsch in allen Einzelheiten schildern und bezeugen, die Leiche des Zarewitsch gesehen zu haben. Erneut von der Erscheinung des Zarewitsch heimgesucht, erleidet Boris eine Panikattacke.

VIERTER TEIL

Erstes Bild

Das Volk hungert, das Land befindet sich weiterhin in der Krise. Es wird geredet und spekuliert: über Grigorij Otrepjews Ausrufung zum Anathema – einem von der Kirche Gebannten – über dessen wahre Identität und über einen möglichen Sieg von Grigorijs Truppen über Boris’ Heer. Schließlich ist man sich einig, dass Grigorij der „echte Dimitrij“ sein muss.

Eine Horde Kinder verspottet den Gottesnarren. Während das Volk Boris Godunow um Essen und Geld anfleht, bittet ihn der Gottesnarr, die Kinder töten zu lassen, so wie er einst mit dem Zarewitsch verfahren sei. Schuiskij will diese Schmach nicht ungestraft lassen, doch Boris geht dazwischen und bittet den Gottesnarren für ihn zu beten. Der Narr weigert sich, dies für einen zweiten Herodes zu tun.

Zweites Bild

Die Duma, der Rat der Bojaren, versammelt sich. Die Verschwörung nimmt ihren Lauf. Die Bojaren stimmen über einen Zarenerlass ab und sprechen sich für die geforderte Verurteilung des „falschen Dimitrij“ aus. Doch Schuiskij fehlt. Als er verspätet eintrifft, wird er verdächtigt, das Volk gegen Boris aufzuhetzen. Großspurig widerspricht er und äußert seine Sorge um Boris’ Gesundheitszustand und dessen Fähigkeit, die Regierungsgeschäfte weiterhin leiten zu können. Noch während Schuiskij von Boris’ Wahnsinnsanfall berichtet, den er zufällig miterlebt hat, kommt dieser in den Saal. Erneut hat er mit der Erscheinung des Zarewitsch zu kämpfen. Boris nimmt die Bojaren wahr und ringt um Fassung. Schuiskij arrangiert, dass Pimen vorgelassen wird und dem geschwächten Zaren von Wundern erzählt, die sich an Dimitrijs Grab ereignet hätten. Boris erleidet erneut eine Panikattacke. Er ruft Fjodor zu sich, um ihn für seinen weiteren Lebensweg als Zar vorzubereiten. Eindringlich warnt er ihn vor den Machenschaften der Bojaren. Er stirbt mit der Vorstellung, Fjodor die Macht übergeben zu haben.

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Biografien

Kirill Petrenko wurde 1972 in Omsk geboren und studierte dort an der Musikfachschule Klavier. Mit elf Jahren trat er als Pianist zum ersten Mal mit dem dortigen Symphonieorchester öffentlich auf. 1990 übersiedelte die Familie (Vater Geiger, Mutter Musikwissenschaftlerin) nach Vorarlberg, wo der Vater eine Stelle als Orchestermusiker und Musiklehrer annahm. Kirill Petrenko studierte zuerst weiter in Feldkirch und dann Dirigieren an der Musikuniversität in Wien. 

Direkt nach dem Abschluss engagierte ihn Nikolaus Bachler an die  Wiener Volksoper. Von 1999 bis 2002 war Kirill Petrenko Generalmusikdirektor am Meininger Theater. Mit seinem Dirigat von Wagners Der Ring des Nibelungen in der Inszenierung von Christine Mielitz und in der Ausstattung von Alfred Hrdlicka erregte er 2001 zum ersten Mal internationales Aufsehen. Im Jahr 2002 trat Kirill Petrenko sein Amt als Generalmusikdirektor an der Komischen Oper Berlin an, wo er bis 2007 eine Reihe von prägenden Produktionen leitete.

Parallel zu seinen Positionen in Meiningen und Berlin entwickelte sich sehr rasch seine internationale Karriere. Im Jahre 2000 debütierte Kirill Petrenko beim Maggio Musicale Fiorentino, 2001 an der Wiener Staatsoper und der Semperoper Dresden, 2003 am Gran Teatre del Liceu in Barcelona, an der Opéra National de Paris, am Royal Opera House Covent Garden in London, an der Bayerischen Staatsoper sowie an der Metropolitan Opera in New York und 2005 an der Oper Frankfurt. Von 2006 bis 2008 erarbeitete er gemeinsam mit Peter Stein in Lyon Inszenierungen der drei Puschkin-Opern Tschaikowskys (Mazeppa, Eugen Onegin und Pique Dame), die im Frühjahr 2010 auch als Zyklus gezeigt wurden.

Seit seinem Weggang von der Komischen Oper Berlin war Kirill Petrenko als Dirigent freischaffend tätig. In dieser Zeit leitete er unter anderem 2009 an der Bayerischen Staatsoper die Neuproduktion von Janáčeks Jenůfa (Inszenierung: Barbara Frey). In Frankfurt interpretierte er Pfitzners Palestrina (Inszenierung: Harry Kupfer) und Puccinis Tosca (Inszenierung: Andreas Kriegenburg). Im Jahr 2011 folgten dann zwei Neuproduktionen von Tristan und Isolde, zuerst an der Opéra National de Lyon und dann bei der Ruhrtriennale.

Zu den wichtigsten Orchestern, die Kirill Petrenko bisher geleitet hat, gehören die Berliner Philharmoniker, die Wiener Philharmoniker, die Staatskapelle Dresden, das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, das Bayerische Staatsorchester, das Sinfonieorchester des WDR Köln, die Hamburger Philharmoniker und das NDR-Sinfonieorchester Hamburg, das Frankfurter Opern- und Museumsorchester, das Concertgebouworkest Amsterdam, das Radio-Symphonieorchester Wien, die Wiener Symphoniker, das Cleveland Orchestra, das Chicago Symphony Orchestra, das London Philharmonic Orchestra, das Oslo Philharmonic Orchestra, das Orchestra Santa Cecilia in Rom, das Orchester der RAI Turin und das Israel Philharmonic Orchestra. Außerdem dirigierte Kirill Petrenko Konzerte bei den Bregenzer und Salzburger Festspielen. Von 2013 bis 2015 leitete er Der Ring des Nibelungen bei den Bayreuther Festspielen.

Im Herbst 2013 trat Kirill Petrenko sein Amt als Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper an, das er bis Ende der Spielzeit 2019/20 innehaben wird. Seither hat er die Premieren von Die Frau ohne Schatten, La clemenza di Tito, Die Soldaten, Lucia di Lammermoor, Lulu, South Pole und Die Meistersinger von Nürnberg geleitet und unter anderem die Wiederaufnahme von Der Ring des Nibelungen dirigiert. 

Kirill Petrenko wurde im Juni 2015 zum zukünftigen Chefdirigenten der Berliner Philharmoniker gewählt; diese Position wird er im Herbst 2019 antreten. In der Spielzeit 2016/17 leitet Kirill Petrenko die Neuinszenierungen von Lady Macbeth von Mzensk und Tannhäuser. Außerdem dirigiert er ein breites Repertoire: Die Meistersinger von Nürnberg, Der Rosenkavalier, South Pole, Die Fledermaus, Die Frau ohne Schatten, sowie drei Akademiekonzerte.

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