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Oper in vier Teilen (sieben Bilder). Erste Fassung, „Ur-Boris“ von 1868/69

Komponist Modest Mussorgsky · Text vom Komponisten nach dem gleichnamigen Drama von Alexander Puschkin (1825) und Nikolai Karamsins "Geschichte des russischen Staates" (1818)
In russischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Sonntag, 29. Januar 2017
18.00 Uhr – 20.15 Uhr
Nationaltheater

Dauer ca. 2 Stunden 15 Minuten

Preise I, € - /- /- /- /- /- /- /9

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Besetzung

Musikalische Leitung
Marko Letonja
Inszenierung
Calixto Bieito
Bühne
Rebecca Ringst
Kostüme
Ingo Krügler
Licht
Michael Bauer
Dramaturgie
Andrea Schönhofer
Chöre
Sören Eckhoff

Boris Godunow
Dmitry Belosselskiy
Fjodor
Rachael Wilson
Xenia
Anna El-Khashem
Xenias Amme
Heike Grötzinger
Fürst Schuiskij
Maxim Paster
Andrej Schtschelkalow
Markus Eiche
Pimen
Maxim Kuzmin-Karavaev
Grigorij Otrepjew
Dmytro Popov
Warlaam
Vladimir Matorin
Missail
Ulrich Reß
Schenkwirtin
Helena Zubanovich
Gottesnarr
Kevin Conners
Nikititsch
Igor Tsarkov
Leibbojar
Galeano Salas
Mitjucha
Andreas Wolf
Hauptmann der Streifenwache
Christian Rieger
  • Bayerisches Staatsorchester
  • Chor, Extrachor und Kinderchor der Bayerischen Staatsoper
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Kindesmord, intrigierende Mönche und ein dem Wahnsinn verfallender Zar – Modest Mussorgski hat den thematischen Bogen weit gespannt in seiner ab 1868 entstandenen Choroper, mit der er über den Umweg eines historischen Stoffes das Bewusstsein für seine eigene Zeit zu wecken versuchte. Was ihn als Künstler des 19. Jahrhunderts umtrieb, war die Psychologie der Massen. So übernimmt in Boris Godunow neben dem Titelhelden vor allem das russische Volk, das jubelnde, hungernde, das fordernde und fragende, die eigentliche Hauptrolle: „Die feinen Züge der menschlichen Natur und der menschlichen Masse aufzufinden, ein eigensinniges Bohren in diesen unerforschten Regionen und ihre Eroberung – das ist die Mission des echten Künstlers. Zu neuen Ufern!“

 

ERSTER TEIL

Erstes Bild

Das Volk demonstriert. Unter dem Befehl des Polizeioffiziers Nikititsch wird es brutal dazu gezwungen, Bittgesänge für Boris Godunow anzustimmen, die ihn überzeugen sollen, die Nachfolge von Fjodor I. anzutreten. Denn trotz seiner jahrelangen Erfahrung als eigentlicher Regent an der Seite des kürzlich verstorbenen Zaren, weigert er sich, das Amt anzunehmen. Schtschelkalow, Geheimschreiber der Duma, manipuliert die Menge mit Worten: Er bestärkt sie in ihrer Demonstration, denn einzig Boris könne Russland vor Unglück und Rechtlosigkeit schützen. Einer aus dem Volk rebelliert: Mitjucha provoziert die Obrigkeit und wird zusammengeschlagen. Nikititsch verkündet, dass sich das Volk gemäß eines Bojarenerlasses am nächsten Tag zu einer neuen Kundgebung im Kreml einzufinden habe.

Zweites Bild

Angeleitet vom Bojaren-Fürsten Wassilij Schuiskij bejubelt die Menge den neuen Zaren Boris. Angstbeklommen in die Zukunft blickend verneigt er sich vor seinen Vorgängern und lädt das gesamte Volk zum Krönungsfest.

ZWEITER TEIL

Erstes Bild

Während Pimen am letzten Kapitel der Chronik seines Landes schreibt, sinniert er tief in der Nacht über Wert und Zweck von Geschichtsschreibung. Das letzte Kapitel handelt von den Geschehnissen in Uglitsch: Es geht das Gerücht, dass Boris zur Sicherung seiner Macht Dimitrij, den jüngsten Sohn Iwans des Schrecklichen, in der Verbannung hat ermorden lassen. Pimens junger Schüler Grigorij Otrepjew schildert seinen immer wiederkehrenden Traum: ein plötzlicher Sturz in die Tiefe von einem hohen Turm in Moskau. Pimen warnt ihn vor der Hitzigkeit der Jugendjahre und erzählt von der eigenen bewegten Vergangenheit. Umso unbedeutender und trostloser empfindet Grigorij sein bisheriges Leben. Pimen bestärkt ihn, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Dabei kommt er auf Boris zu sprechen, der in seinen Augen Dimitrijs Mörder ist. Endlich traut sich Grigorij, nach den Geschehnissen in Uglitsch zu fragen: Pimen, der vor Ort war, hat die Leiche gesehen und das Geständnis der gefassten Mörder gehört, die Boris als Auftraggeber nannten. Auf die Frage nach dem Alter des getöteten Zarewitsch schätzt Pimen, dass dieser nun in etwa so alt wie Grigorij sein müsse. Pimen übergibt seinem Schüler sein Werk und geht zur Morgenmesse. Grigorij fasst den Entschluss, Rache an Boris Godunow zu üben.

Zweites Bild

Die beiden Obdachlosen Missaïl und Warlaam treffen in einer Schenke auf Grigorij. Dieser befindet sich auf der Flucht und hat vor, in die Rolle des Dimitrij zu schlüpfen, um Boris das Zarenamt streitig zu machen. Jenseits der Grenze hofft er, Verbündete im Kampf gegen Boris zu finden. Von der Schenkwirtin erfährt Grigorij, dass die Grenze streng bewacht wird: ein aus Moskau Flüchtiger werde gesucht.

Eine Streifenwache durchsucht die Schenke. Grigorij soll den Steckbrief vorlesen und lenkt geschickt den Verdacht auf Warlaam. Dieser erkennt den Ernst der Lage und entziffert mit Müh und Not den wahren Gehalt des Steckbriefs. Doch Grigorij gelingt die Flucht.

DRITTER TEIL

Boris Godunow ist das sechste Jahr im Amt. Seine Tochter Xenia ist verzweifelt, sie trauert um ihren Bräutigam. Sein Sohn Fjodor, der künftige Zar, ist mit der Karte seines Landes beschäftigt. Die Amme versucht die Situation unter Kontrolle zu bringen und Xenia zu trösten. Boris quält sich mit der Frage, ob die Schuld, die er glaubt auf sich geladen zu haben, an seinen Kindern gesühnt wird. Seine Amtszeit war bisher von Hungersnöten und Katastrophen geprägt. Obwohl er immer nur das Beste für sein Land wollte, blieb ihm Anerkennung verwehrt und er spürt, dass das Volk nicht hinter ihm steht. Er kann sich des Gedankens nicht erwehren, den Grund für seine politische Schwäche in den Ereignissen von Uglitsch und den Gerüchten darum zu suchen. Das Bild des ermordeten Zarewitsch erscheint vor seinem inneren Auge.

Ein Leibbojar kündigt Fürst Schuiskij an und leitet die geheime Information weiter, dass Boris’ langjähriger Feind eine Verschwörung plane. Schuiskij informiert Boris über eine ernst zu nehmende Gefahr für seine Herrschaft: Ein „falscher Dimitrij“, der bereits Adel und Klerus auf seiner Seite habe, sei aufgetaucht. Daraufhin soll Schuiskij erneut die Ereignisse von Uglitsch in allen Einzelheiten schildern und bezeugen, die Leiche des Zarewitsch gesehen zu haben. Erneut von der Erscheinung des Zarewitsch heimgesucht, erleidet Boris eine Panikattacke.

VIERTER TEIL

Erstes Bild

Das Volk hungert, das Land befindet sich weiterhin in der Krise. Es wird geredet und spekuliert: über Grigorij Otrepjews Ausrufung zum Anathema – einem von der Kirche Gebannten – über dessen wahre Identität und über einen möglichen Sieg von Grigorijs Truppen über Boris’ Heer. Schließlich ist man sich einig, dass Grigorij der „echte Dimitrij“ sein muss.

Eine Horde Kinder verspottet den Gottesnarren. Während das Volk Boris Godunow um Essen und Geld anfleht, bittet ihn der Gottesnarr, die Kinder töten zu lassen, so wie er einst mit dem Zarewitsch verfahren sei. Schuiskij will diese Schmach nicht ungestraft lassen, doch Boris geht dazwischen und bittet den Gottesnarren für ihn zu beten. Der Narr weigert sich, dies für einen zweiten Herodes zu tun.

Zweites Bild

Die Duma, der Rat der Bojaren, versammelt sich. Die Verschwörung nimmt ihren Lauf. Die Bojaren stimmen über einen Zarenerlass ab und sprechen sich für die geforderte Verurteilung des „falschen Dimitrij“ aus. Doch Schuiskij fehlt. Als er verspätet eintrifft, wird er verdächtigt, das Volk gegen Boris aufzuhetzen. Großspurig widerspricht er und äußert seine Sorge um Boris’ Gesundheitszustand und dessen Fähigkeit, die Regierungsgeschäfte weiterhin leiten zu können. Noch während Schuiskij von Boris’ Wahnsinnsanfall berichtet, den er zufällig miterlebt hat, kommt dieser in den Saal. Erneut hat er mit der Erscheinung des Zarewitsch zu kämpfen. Boris nimmt die Bojaren wahr und ringt um Fassung. Schuiskij arrangiert, dass Pimen vorgelassen wird und dem geschwächten Zaren von Wundern erzählt, die sich an Dimitrijs Grab ereignet hätten. Boris erleidet erneut eine Panikattacke. Er ruft Fjodor zu sich, um ihn für seinen weiteren Lebensweg als Zar vorzubereiten. Eindringlich warnt er ihn vor den Machenschaften der Bojaren. Er stirbt mit der Vorstellung, Fjodor die Macht übergeben zu haben.

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Biografien

Marko Letonja, geboren in Slowenien, studierte Klavier und Dirigieren an der Musikakademie von Ljubljana und an der Akademie für Musik und Theater in Wien. Seitdem dirigierte er Orchester wie die Münchner Philharmoniker, das Münchner Rundfunkorchester sowie die Hamburger Symphoniker. Gastengagements führten ihn an Häuser wie die Wiener Staatsoper, das Teatro alla Scala in Mailand, das Teatro dell’Opera in Rom, die Semperoper Dresden, die Staatsoper Unter den Linden und die Deutsche Oper Berlin. Von 2003 bis 2006 war er Chefdirigent und Musikdirektor des Sinfonieorchesters und des Theaters Basel, seit 2012 ist er Chefdirigent des Orchestre Philharmonique de Strasbourg sowie Chefdirigent und Artistic Director des Tasmanian Symphony Orchestra. Dirigat an der Bayerischen Staatsoper 2016/17: Boris Godunow.

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