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Komponist Carl Maria von Weber

Mittwoch, 05. März 2008
19.00 Uhr – 21.50 Uhr
Nationaltheater

Dauer ca. 2 Stunden 50 Minuten · 1 Pause zwischen 1. + 2. Akt und 3. Akt (ca. 20.35 - 21.05 Uhr)

Preise I

ausverkauft

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Besetzung

Musikalische Leitung
Paolo Carignani
Inszenierung
Thomas Langhoff
Choreographie
Tomasz Kajdanski
Bühne und Kostüme
Jürgen Rose
Licht
Michael Bauer
Licht
Jürgen Rose
Chöre
Andrés Máspero

Fürst Ottokar
Christoph Pohl
Kuno
Alfred Kuhn
Agathe
Anja Harteros
Ännchen
Claudia Rohrbach
Kaspar
Reinhard Hagen
Max
Stuart Skelton
Ein Eremit
Christoph Stephinger
Kilian
Ulrich Reß
Samiel
Jörg Hube
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Mehr dazu

Die Oper mit dem Jägerchor! Hier wird scharf geschossen! Denn das Ziel ist klar: Die Frau! Doch wen oder was trifft die Freikugel? Deutscher Wald mit deutschen Jägern. Biedermeierliche Idylle - oder dämonischer Abgrund? Die bewegende Antwort gibt Webers Musik.

 

I. Aufzug

Der Bauer Kilian gewinnt gegen den Jäger Max das Sternschießen. Max wird vom Volk verlacht. Der Förster Kuno ist über das schlechte Abschneiden seines Jägerburschen besorgt. Denn Max soll am nächsten Tag Kunos Tochter Agathe zur Frau und zugleich das Anrecht auf dessen Nachfolge als Erbförster in Diensten des Fürsten Ottokar erhalten. Traditionelle Bedingung dafür ist ein erfolgreicher Probeschuß.

Max ist verzweifelt. Kunos Jägerbursche Kaspar, dessen frühere Verbindung mit Agathe gescheitert ist, verspricht Max, ihm mit teuflischen Freikugeln zu einem Glücksschuß zu verhelfen. Um ihm zu beweisen, wie ernst es mit seinem Angebot ist, leiht er ihm sein Gewehr und läßt ihn überraschend einen Adler treffen. Nun kann er Max auch dazu bewegen, zum Gießen neuer Freikugeln um Mitternacht in die Wolfsschlucht zu kommen. Kaspar, der sich dem schwarzen Jäger Samiel verschrieben hat, triumphiert: Auf diese Weise will er Max der Hölle zuführen und sich selbst retten.

II. Aufzug

Im Forsthaus ist Agathe von dem heruntergefallenen Bild von Kunos Urvater an der Stirn getroffen worden. Sie deutet dies als schlechtes Vorzeichen. Ännchen, die allein mit ihr im Forsthaus lebt, versucht, sie zu beruhigen. Ännchen weiß angeblich, wie man es anstellt, Braut zu werden. Agathe erzählt von ihrem Besuch bei dem Eremiten, der sie vor einer großen Gefahr gewarnt und ihr einen Strauß geweihter Rosen geschenkt hat.

Max kommt ins Forsthaus und berichtet Agathe von seinem neuen Erfolg beim Schießen, klärt sie jedoch nicht über die Hintergründe auf. Max bricht zur Wolfsschlucht auf, die beiden Frauen können ihn nicht zurückhalten.

In der Wolfsschlucht bereitet Kaspar das Ritual des Freikugel-Gießens vor. Er ruft den schwarzen Jäger: Samiel soll Kaspar die Lebensfrist noch einmal verlängern. Als Opfer bietet Kaspar ihm Max an. Max soll sieben Freikugeln erhalten, deren letzte von den Höllenkräften gelenkt wird.

Im Beisein von Max gießt Kaspar um Mitternacht die sieben Kugeln.

III. Aufzug

In der Nacht hat Agathe geträumt, sie sei eine weiße Taube, auf die Max zielte. Die Dorfmädchen bringen ihr zum Festtag ein Ständchen. Als Agathe das Brautkleid anzieht und den ihr zugedachten Jungfernkranz aus der Schachtel nehmen will, hält sie einen Totenkranz in den Händen. Schnell läßt sie sich von Ännchen die weißen Rosen des Eremiten zur Brautkrone flechten.

Bei der fürstlichen Jagd haben Max und Kaspar sechs der sieben Freikugeln verschossen. Fürst Ottokar fordert Max zum Probeschuß auf. Mit der letzten Freikugel schießt Max auf eine weiße Taube, die ihm als Ziel vorgegeben wurde. Sowohl Agathe, die überraschend hinter der Taube erscheint, als auch Kaspar sinken nieder. Agathe, durch die Rosen geschützt, lebt. Kaspar, tödlich getroffen, verflucht vor seinem Ende Himmel und Hölle. Max gesteht seine Schuld. Ottokar will ihn verbannen, aber der Eremit erhebt Einspruch: Max soll nach einem Probejahr Agathe zur Frau erhalten. Die Tradition des Probeschusses wird vom Eremiten abgeschafft.

© Bayerische Staatsoper

Thomas Langhoff. Über Einsamkeit

"O lass Hoffnung dich beleben, und vertraue dem Geschick!" So singt der Chor der Landleute und Jäger dem unglücklichen Jagdgesellen Max am Anfang der Geschichte zu. Aber warum soll er dem Geschick vertrauen, wenn er sich nicht einmal auf die Menschen verlassen kann? Die Jäger missachten ihn, die Bauern verspotten ihn, sogar mit seiner Verlobten Agathe kann er über seine Ängste nicht sprechen. Er hat eine Pechsträhne. Er trifft nicht, wie es jedem von uns einmal gehen kann: dem Fußballer, dem Sänger, dem Arzt. Max hat keinen Erfolg, weil er an der Krankheit einer neuen Zeit leidet, zu deren Beginn unsere Oper entstand: dem Einsamsein. Ein einziges Heilmittel gäbe es, das ihm helfen könnte: Vertrauen. Heinrich von Kleist hat es in seinem Werk immer gefordert und gesucht: Auch er wollte in seiner Gesellschaft akzeptiert werden und einen sicheren Stand haben, aber er verzweifelte und nahm sich das Leben. Kleist erinnert uns an den sensiblen und poetischen Jagdgesellen Max. Der überlebt – aber gibt es für ihn ein gutes Ende? Sein Freund Kaspar, der ihn verraten hat, ist tot. Seine Hochzeit ist um ein Probejahr verschoben. Der Probeschuss ist zwar aufgehoben; aber wird Max jemals wieder akzeptiert und heiratswürdig werden, wenn seine Schussschwäche anhält? Hier trifft‘s wirklich: Der Vorhang zu und alle Fragen offen, wie Brecht gesagt hat.

Ist dieser Freischütz eine Nationaloper? Die Frage stellt sich mir nicht. Wozu soll eine solche gut sein? Die wunderbaren Weisen, von denen wir meinen, dass sie unsere Gefühle widerspiegelten, sind Ausdruck des Sehnens und Hoffens der Menschen auf Harmonie, auf höhere Fügung, die uns hilft, unsere kurze Lebenszeit zu bestehen. Die Handlung des Werkes zeigt eine ganz andere Wirklichkeit: eine Welt voller Ängste, Misstrauen und Repression. Aber da ist auch die Kraft zum Überwinden. Und da ist die schöne Musik, so schön wie die Worte Kleists. Das ist doch viel.

Der Freischütz
Carl Maria von Weber
Friedrich Kind


Der Freischütz in München

ML = Musikalische Leitung; IN = Inszenierung; BB =
Bühnenbild; KM = Kostüme; A = Agathe; Ä = Ännchen;
M = Max; K = Kaspar


15. April 1822

Kgl. Hof- und Nationaltheater
IN Friedrich Horschelt, BB Simon Quaglio und Josef
Klotz; Klara Metzger-Vespermann (A), Katharina
Sigl (Ä), Franz Löhle (M), Joseph Staudacher (K)

14. Juli 1851

Kgl. Hof- und Nationaltheater
100. Aufführung in München
Viala-Mittermayr (A), Epple (Ä), Wilhelm Brandes
(M), August Kindermann (K)


16. April 1872

Kgl. Hof- und Nationaltheater
»Gedächtnißfeier« zur Münchner Erstaufführung
IN Franz Grandaur, BB Angelo Quaglio und Heinrich
Döll; Sophie Stehle (A),
Anna Possart (Ä), Heinrich Vogel (M),
Karl Fischer (K); Prolog von Schneegans,
gesprochen von Ernst Possart; das gesamte
Solo-Personal der Oper wirkt in Chor und
Komparserie mit

25. Juni 1875

Kgl. Hof- und Nationaltheater
200. Aufführung in München

18. Dezember 1886

Kgl. Hof- und Nationaltheater
»Weber-Säcular-Feier«
IN Karl Brulliot, BB Karl Lautenschläger (neue
Dekoration und Maschinerie für die Wolfsschlucht)

27. September 1905

Kgl. Hof- und Nationaltheater
ML Felix Mottl, IN Ernst von Possart,
BB Hans Frahm, Max Brückner,
KM Hermann Buschbeck; Marie Burk-Berger (A),
Hermine Bosetti (Ä),
Heinrich Knote (M), Paul Bender (K)

23. April 1926

Nationaltheater
ML Hans Knappertsbusch, IN Max Hofmüller, BB Adolf
Linnebach; Felicie Hüni-Mihacsek (A), Martha
Schellenberg (Ä), Fritz Krauß (M), Paul Bender (K)

26. September 1935

Nationaltheater
ML Hans Knappertsbusch, IN Oskar Walleck, BB und
KM Leo Pasetti;
Maria Reining (A), Gertrud Riedinger (Ä), Julius
Pölzer (M), Ludwig Weber (K)

30. Januar 1942

Nationaltheater
ML Meinhard von Zallinger, IN Rudolf Hartmann, BB
und KM Ludwig Sievert; Trude Eipperle (A), Adele
Kern (Ä),
Horst Taubmann (M), Ludwig Weber (K)

5. Juni 1946

Prinzregententheater
ML Kurt Eichhorn, IN Herbert Strube,
BB Friedrich Koburger, KM Lovis Revy; Erna
Dietrich (A), Gerda Sommerschuh (Ä), Franz
Klarwein (M), Ferdinand Frantz (K)

28. Oktober 1953

Prinzregententheater
ML Erich Kleiber, IN Heinz Arnold, BB und KM Emil
Preetorius; Annelies Kupper (A), Käthe Nentwig
(Ä), Hans Hopf (M),
Max Proebstl (K)

22. Dezember 1964

Nationaltheater
ML Joseph Keilberth, IN Rudolf Hartmann, BB und KM
Ekkehard Grübler; Claire Watson (A), Gertrud
Freedmann (Ä),
Fritz Uhl (M), Max Proebstl (K)

22. Mai 1977

Gärtnerplatztheater
ML Kurt Eichhorn, IN Kurt Pscherer, BB Andreas
Marjewski, KM Sophia Schröck; Monica
Pick-Hieronimi (A), Vicki Hall (Ä), Manfred Jung
(M), Roderick Ristow (K)

21. Februar 1990

Nationaltheater
ML Otmar Suitner, IN Niels-Peter Rudolph, BB und
KM Wolf Münzer; Gabriele Maria Ronge (A), Julie
Kaufmann (Ä), Walter Raffeiner (M), Ekkehard
Wlaschiha (K)

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Biografien

Paolo Carignani, geboren in Mailand, studierte am Konservatorium seiner Heimatstadt Komposition, Orgel, Klavier und Orchesterdirektion. Zudem nahm er an der International Conductor Masterclass in Hilversum teil. Seither dirigierte er u. a. an den Opernhäusern von New York, Toronto, Tokio, Brüssel, Barcelona, Paris, Wien, Berlin, London, Kopenhagen, Rom, Bologna, Neapel und Genua sowie bei den Bregenzer Festspielen, beim Glyndebourne Festival und beim Rossini Festival in Pesaro. Von 1999 bis 2008 war er Generalmusikdirektor an der Oper Frankfurt. Zuletzt leitete er etwa Macbeth am Théâtre Royal de La Monnaie in Brüssel und Otello an der Staatsoper Hamburg und am New National Theatre in Tokio. An der Bayerischen Staatsoper dirigierte er bisher u. a. La traviata, Macbeth und Nabucco. (Stand 2017)

 

 

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