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Oper in drei Akten

Komponist Francis Poulenc · Libretto vom Komponisten nach dem gleichnamigen Drama von Georges Bernanos, basierend auf der Novelle "Die Letzte am Schafott" von Gertrud von Le Fort
In französischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Montag, 01. Februar 2016
19.00 Uhr – 22.20 Uhr
Nationaltheater

Mit anschließendem Publikumsgespräch

Dauer ca. 3 Stunden 20 Minuten · 1 Pause zwischen 1. Teil und 2. Teil (ca. 20.30 - 21.00 Uhr)

Einführung: 18.00 Uhr · Junges Publikum

Preise I, € - /88 /73 /56 /40 /25 /12 /9

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Besetzung

Musikalische Leitung
Bertrand de Billy
Inszenierung und Bühne
Dmitri Tcherniakov
Kostüme
Elena Zaytseva
Licht
Gleb Filshtinsky
Dramaturgie
Andrea Schönhofer
Chor
Stellario Fagone

Marquis de la Force
Laurent Naouri
Blanche de la Force
Christiane Karg
Chevalier de la Force
Stanislas de Barbeyrac
Madame de Croissy
Sylvie Brunet-Grupposo
Madame Lidoine
Anne Schwanewilms
Mère Marie
Susanne Resmark
Soeur Constance
Anna Christy
Mère Jeanne
Heike Grötzinger
Soeur Mathilde
Rachael Wilson
L'aumônier
Alexander Kaimbacher
1er commissaire
Ulrich Reß
2ème commissaire
Tim Kuypers
L'officier
Igor Tsarkov
Le geôlier
Andrea Borghini
Thierry
Johannes Kammler
Javelinot
Tobias Neumann
  • Bayerisches Staatsorchester
  • Chor der Bayerischen Staatsoper
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Mehr dazu

In seiner 1957 uraufgeführten Oper Dialogues des Carmélites lässt der französische Komponist Francis Poulenc Revolution und Religion aufeinander treffen: Die junge Blanche de la Force, von Geburt an von Panikattacken verfolgt, flieht in die Abgeschiedenheit eines Klosters, wo sie hofft, ihre quälende Lebensangst zu überwinden. Der Eintritt in den Orden der Karmelitinnen und die Gespräche mit den Mitschwestern stärken sie und ihren Glauben, doch die Angst bleibt. Die Französische Revolution macht auch vor Klostermauern nicht halt und verbietet den Nonnen die Ausübung ihrer Ordensregeln. Diese stellen sich dagegen, nehmen dafür den Märtyrertod in Kauf. Einzig Blanche nicht – sie flieht wieder, aus Todesangst. Die Standhaftigkeit, mit welcher die Schwestern ihr Martyrium antreten, errettet Blanche von ihrer Angst. Furchtlos folgt sie ihnen aufs Schafott. Francis Poulenc hat diese bewegende Geschichte um Selbstüberwindung und Angst in poetische und wirkmächtige Musik gefasst. Der Regisseur Dmitri Tcherniakov wird mit seiner eindringlich-abstrakten Bühnensprache eine heutige Geschichte der Blanche erzählen; die Geschichte einer jungen Frau, die auf der Suche nach ihrem Platz in der Gesellschaft ist.

Vor dem Hintergrund eines in Frankreich anhängigen Rechtsstreits weist die Bayerische Staatsoper darauf hin, dass die Erben des Komponisten und Librettisten der Auffassung sind, dass die Umsetzung der Schlussszene durch den Regisseur das Werk von Bernanos und Poulenc abwandelt und entstellt. Nach Meinung der Erben muss der Märtyrertod aller Nonnen zwingend szenisch umgesetzt werden. Ansonsten würden Deutungsmöglichkeiten eröffnet, die der Kernaussage des Werkes nicht gerecht würden.

 

Erster Teil

Blanche de la Force leidet an qualvollen Anfällen panischer Angst, vermag aber nirgendwo Beruhigung und Verständnis zu finden – nicht einmal in ihrer eigenen Familie. Sowohl ihr Vater, Marquis de la Force, als auch ihr Bruder, Chevalier de la Force, behandeln sie wie ein schwaches Kind, das jeglicher Fähigkeiten entbehrt. Blanche fasst den Entschluss, diese Welt zu verlassen und in der strengen Abgeschiedenheit des Karmel zu versuchen, den Weg zu sich selbst zu finden.

Blanche spricht mit der alten Priorin Madame de Croissy. In den Karmelitinnen findet sie eine neue Familie, die alte Priorin ersetzt Blanche ihre Mutter, und die Gemeinschaft wird ihr Zufluchtsort. Jede der Schwestern trat irgendwann in den Karmel ein, um sich von den Nöten der Welt zu schützen und in der Hoffnung, den Weg zur Rettung zu finden. Voller Illusionen ereifert sich Blanche, um von ihren Mitschwestern akzeptiert zu werden, eigene Ängste zu überwinden und alle Bewährungsproben zu meistern. Constance, die ebenfalls neu in dieser Gemeinschaft ist, empfindet Zuneigung für Blanche und fühlt, dass sie Unterstützung und Anteilnahme braucht.

Nach schwerer Krankheit stirbt die alte Priorin einen grauenvollen Tod. Der Verlust Madame de Croissys hinterlässt tiefe Spuren in Blanches Seele und ihr wird offenbar, dass der Karmel für niemanden zu einer Burg gegen Angst werden kann. Der alten Priorin ist es nicht gelungen, diese Prüfung mutig und mit Courage zu bestehen. Die Todesangst bezwingt sie auf entwürdigende Weise.

Ohne ihre Seelenführerin verspüren die Schwestern Angst vor ihrem Schicksal und einer ungewissen Zukunft. Blanche hat keinen Halt mehr. Mutter Marie hingegen hofft auf ihre Wahl zur neuen Priorin. Sie ist sicher, über das Wissen zu verfügen, welchen Weg die Gemeinschaft weiter zu bestreiten habe. Zur neuen Priorin wird jedoch Madame Lidoine gewählt. Sie vertritt gänzlich andere Wertvorstellungen.

Zweiter Teil

Unerwartet kommt Blanches Bruder in den Karmel. Er hofft, sie zum Verzicht auf Abgeschiedenheit und zur Rückkehr überreden zu können. Der Chevalier versucht, die Standhaftigkeit seiner Schwester durch Beschwichtigungen, Bitten, Drohungen und Beschreibungen der Krankheit ihres unglücklichen Vaters ins Wanken zu bringen. So schmerzhaft dies für Blanche ist: sie meistert auch diese Prüfung und bleibt im Karmel.

Jedoch dringt die Außenwelt in die Geborgenheit dieser Gemeinschaft aus einer unerwarteten Richtung ein. Ihr Beichtvater, der sie allein mit der Außenwelt verband, wird plötzlich seines Kirchenamtes enthoben und ist dadurch moralisch am Boden zerstört. Das überraschende Erscheinen von Kommissaren verwirrt und beängstigt die Frauen. Mutter Maria ruft alle zum beharrlichen Widerstand auf. Aber sogar im Karmel gibt es keine Einigkeit.

Nachdem Madame Lidoine gezwungen ist, die Gemeinschaft für eine kurze Zeit zu verlassen, nutzt Mutter Marie die Gelegenheit, um die Karmelitinnen für die Ablegung eines strengen Martyriumsgelübdes zu gewinnen. Sie beeindruckt die Schwestern mit Worten über eine von der Außenwelt drohende Gefahr und die Wichtigkeit einer Rettung derart, dass die Abstimmung über das Gelübde einhellig erfolgt. Blanche, ergriffen von Enttäuschung und Angst, verlässt die Gemeinschaft heimlich. Ein Räumungsbefehl wird vollzogen. Die Schwestern sind gezwungen, die Gemeinschaft zu verlassen. Mutter Marie sucht Blanche auf, die ein elendes Dasein im leerstehenden Haus ihres verstorbenen Vaters fristet. Blanche erfährt von der tödlichen Gefahr, welche ihren Mitschwestern droht, doch Mutter Marie gelingt es nicht, sie zur Rückkehr zu bewegen, um das Los der Karmelitinnen zu teilen.

Die Schwestern sind bemüht, um jeden Preis, ihre Zufluchtsstätte zu bewahren. Indem sie die Außenwelt als eine unabwendbare Gefahr für die Existenz ihres Hauses erfahren, sind die Karmelitinnen bereit, in den Tod zu gehen. Madame Lidoine, die neue Priorin, verbleibt mit ihnen, um ihren Geist zu stärken. Anders jedoch Mutter Marie: sie findet in sich keine geistige Kraft, den Tod zu empfangen. Vor einer Riesenmenge, die sich versammelt hat, bereiten sich die Schwestern auf den Märtyrerinnentod vor. Da erscheint Blanche, welche die Angst überwunden hat. Befreit von allen Zweifeln, wagt sie den Versuch, die sich anbahnende Katastrophe abzuwenden. Um den Preis ihres Lebens rettet sie die Schwestern des Karmels.

Dmitri Tcherniakov

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Biografien

Bertrand de Billy, geboren in Paris, begann seine Dirigentenlaufbahn nach Studien in seiner Heimatstadt als Erster Kapellmeister und stellvertretender Generalmusikdirektor im anhaltinischen Staatstheater Dessau. Danach arbeitete er in gleicher Position an der Volksoper in Wien. In der Position des Chefdirigenten folgten vier Jahre am Gran Teatre del Liceu in Barcelona und acht Jahre beim Radio-Symphonieorchester Wien. Bis 2015 war er Erster Gastdirigent des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters und des Orchestre de Chambre de Lausanne. Die gleiche Stelle hat er jetzt bei den Dresdner Philharmonikern inne. Er dirigiert regelmäßig an diversen Opernhäusern, z. B. von Berlin, Hamburg, Wien, London, Paris und New York sowie bei den Salzburger Festspielen. (Stand 2017)

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