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Oper in drei Akten

Komponist Richard Strauss · Text von Hugo von Hofmannsthal
In deutscher Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Sonntag, 24. November 2013
16.00 Uhr – 20.20 Uhr
Nationaltheater

Dauer ca. 4 Stunden 20 Minuten · Pausen zwischen 1. Akt und 2. Akt (ca. 17.15 - 17.40 Uhr) zwischen 2. Akt und 3. Akt (ca. 18.45 - 19.15 Uhr)

Preise L

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Besetzung

Musikalische Leitung
Kirill Petrenko
Inszenierung
Krzysztof Warlikowski
Bühne und Kostüm
Małgorzata Szczęśniak
Licht
Felice Ross
Choreographie
Claude Bardouil
Video
Denis Guéguin
Videoanimation
Kamil Polak
Produktionsdramaturgie
Miron Hakenbeck
Chor
Sören Eckhoff
Kinderchor
Stellario Fagone

Die Kaiserin
Adrianne Pieczonka
Die Amme
Deborah Polaski
Der Geisterbote
Sebastian Holecek
Hüter der Schwelle des Tempels
Hanna-Elisabeth Müller
Erscheinung eines Jünglings
Dean Power
Die Stimme des Falken
Eri Nakamura
Eine Stimme von oben
Okka von der Damerau
Barak, der Färber
Wolfgang Koch
Färberin
Elena Pankratova
Der Einäugige
Tim Kuypers
Der Einarmige
Christian Rieger
Der Bucklige
Matthew Peña
Keikobad
Renate Jett
1. Stimme der Ungeborenen
Hanna-Elisabeth Müller
2. Stimme der Ungeborenen
Eri Nakamura
3. Stimme der Ungeborenen
Laura Tatulescu
4. Stimme der Ungeborenen
Tara Erraught
5. Stimme der Ungeborenen
Heike Grötzinger
6. Stimme der Ungeborenen
Okka von der Damerau
1. Stimme der Wächter der Stadt
Andrea Borghini
2. Stimme der Wächter der Stadt
Rafal Pawnuk
3. Stimme der Wächter der Stadt
Leonard Bernad
Erste Dienerin
Iulia Maria Dan
Zweite Dienerin
Laura Tatulescu
Dritte Dienerin
Okka von der Damerau
1. Kinderstimme
Iulia Maria Dan
2. Kinderstimme
Hanna-Elisabeth Müller
3. Kinderstimme
Eri Nakamura
4. Kinderstimme
Tara Erraught
5. Kinderstimme
Okka von der Damerau
  • Bayerisches Staatsorchester
  • Chor und Kinderchor der Bayerischen Staatsoper
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Mehr dazu

In einem Zwischenzustand schwebt die Tochter des Geisterkönigs, seitdem der Menschenkaiser sie erobert hat: Sie ist weder Geisterwesen noch Mensch. Eine Frau ohne Schatten – und das heißt unfruchtbar. Über Kaiserin und Kaiser hängt eine Drohung wie die Strafe für eine große Schuld: Wird sie nicht vollkommen Mensch, muss er versteinern. Ihre panische Suche nach einem Schatten an der Seite ihrer tricksenden Amme führt die Kaiserin zu einer Frau, die sich dem Gatten verweigert. Für das verführerische Angebot ewiger Jugend würde sie ihren Schatten verkaufen. Glücklich macht die Kaiserin die Aussicht auf diesen Handel jedoch nicht.

Inspiriert von orientalischen Märchen und mit einem bewundernden Blick auf Mozarts Zauberflöte schuf das Erfolgsduo Strauss und Hofmannsthal ein rätselhaftes, symbolgeschwängertes und klangmächtiges Riesenwerk, das immer wieder zur Deutung herausfordert: ein Schwelgen in Zauberwelten, während im ersten Weltkrieg die alte Zeit zugrunde geht? Der Prüfungsweg zweier Paare, auf dem die Frauen sich selbst überwinden, weil sie sich in das erbarmungslose Gesetz vom Werden und Vergehen schicken? Eine Studie weiblicher Psyche kurz nach Freuds Postulierung sexueller Neurosen? Vielleicht der Seelen-Trip einer Frau durch ihre Ängste und Schuldgefühle, an dessen Ende sich alle an der Schwelle des ewigen Vaters wiederfinden.

 

Seit er sie erobert hat, lebt der Kaiser mit der Kaiserin fern von der Welt. Jede Nacht hat er Verlangen nach ihr, jeden Morgen verlässt er sie und geht zur Jagd. Dann flieht die Tochter des Geisterkönigs in den Schlaf und träumt davon, sich in jedes Tier verwandeln zu können – wie einst, bevor der Kaiser sie zur Frau gemacht hat. Gern wäre sie wieder und wieder das Wild, das der Kaiser mit seinen Falken erjagt. Das Paar weiß nichts von der Drohung, die über ihm schwebt: Gelingt es dem Kaiser nicht, die Kaiserin binnen eines Jahres zur Mutter zu machen, muss er versteinern und sie zu ihrem mächtigen Vater zurück. Die Amme, die schon lange an der Seite der Kaiserin lebt, gibt den Boten des Vaters Monat für Monat die gleiche Auskunft: Die Kaiserin wirft keinen Schatten, das heißt, sie ist noch nicht Mutter geworden.

Erster Aufzug

Wieder befragt ein Bote die Amme und verkündet, dass die gesetzte Frist in drei Tagen ablaufe. Als der Kaiser zu einer dreitägigen Jagd aufbricht, verschweigt die Amme ihm die drohende Gefahr. Auch der erwachenden Kaiserin erzählt sie nichts von dem Ultimatum. Die Kaiserin hört aber den Lieblingsfalken des Kaisers über die drohende Versteinerung seines Herren klagen. Sie fleht die Amme an, ihr einen Schatten zu verschaffen, um so das Leben des Kaisers zu retten. Die Amme weiß um die Möglichkeit, einem Menschen seinen Schatten abzuhandeln. Sie macht sich mit Kaiserin auf den Weg zu den Menschen.

Auf engem Raum lebt der Färber Barak mit seiner Frau und seinen drei erwachsenen Brüdern, für die er sorgt. Die Frau ist ihres Lebens an der Seite des genügsamen Barak überdrüssig und droht zum wiederholten Male an, ihn zu verlassen. Obwohl Barak sich nichts so sehr wünscht wie Kinder, ist die Ehe bislang kinderlos geblieben. Seine Frau gibt ihm die Schuld daran und verschließt sich seinen Annäherungen.

Als Barak zur Arbeit aufbricht, bieten die Amme und die Kaiserin seiner Frau ihre Dienste an und malen ihr ein Leben in Reichtum und Schönheit aus, das für den billigen Preis ihres Schattens zu haben wäre. Zunächst misstrauisch, geht die Frau auf den Handel ein, auch auf Kinder verzichtet sie bereitwillig für immer. Allein zurückgeblieben befällt sie ein Gefühl schwerer Schuld. Als Barak heimkehrt, isst sie dennoch nicht zu Abend mit ihm und legt sich getrennt von ihm schlafen. Barak ist über das Verhalten seiner Frau verwundert, akzeptiert aber ihre Entscheidung.

Zweiter Aufzug

Kaum ist Barak am nächsten Morgen aus dem Haus, ermuntert die Amme seine Frau, ihn zu betrügen. Sie lässt einen jungen Mann aus den geheimsten Gedanken der Frau lebendig vor ihr erscheinen. Bevor die Frau der Versuchung erliegen kann, kehrt Barak vom Markt zurück, umringt von seinen Brüdern und einer Menge Kinder, die er zum Essen einlädt. Baraks Festmahl verursacht seiner Frau Widerwillen. Ihren verachtenden Worten begegnet er erneut mit Nachsichtigkeit.

Geleitet vom roten Falken gelangt der Kaiser nachts an das Falknerhaus, in dem er die Kaiserin während seiner Abwesenheit wähnt. Das Haus scheint verlassen. Der Kaiser sieht die Kaiserin aus der Menschenwelt zurückkehren. Eifersüchtig will er sie töten, bringt es aber nicht zustande und flieht.

Erregt wartet Baraks Frau darauf, dass ihr Mann das Haus verlässt. Der Färber verlangt zu trinken, die Amme verabreicht ihm einen Schlaftrunk. Dann bietet sie der Frau erneut den jungen Mann zur Lust an. Diese begegnet ihm mit koketter Zurückweisung. Plötzlich ergreift sie panische Angst. Sie reißt Barak aus dem Schlaf, überhäuft ihn mit Vorwürfen und geht dann mit der Amme aus in die Stadt. Barak versteht nicht, wie ihm geschieht. Die Kaiserin hat Mitleid mit ihm.

In der Nacht wird die Kaiserin von Albträumen gequält. Zunächst erscheint ihr Baraks leidender Blick, dann träumt sie vom Tod des Kaisers: Sie sieht ihn in einer grabartigen Höhle verschwinden. Die Kaiserin schreckt aus den Träumen auf und fühlt sich schuldig am Unglück beider Männer.

Baraks Frau prahlt vor ihrem Mann, ihn im eigenen Haus mehrfach betrogen zu haben. Dann kündigt sie ihm die Treue und schwört feierlich, für immer auf Kinder zu verzichten. Sie verkündet, ihren Schatten verkauft zu haben. Die Amme fordert die Kaiserin auf, den Schatten der Färberin an sich zu reißen. Die Kaiserin weigert sich. Sie will den Handel ungeschehen machen. Barak hält seine Frau für irre und will sie töten. Die Amme spielt ihm ein Schwert zu. Angesichts des erhobenen Schwertes sieht die Frau Barak mit anderen Augen. Sie erkennt in ihm zum ersten mal den geliebten Gatten. Sie widerruft ihre Worte und stellt sich seiner Strafe. Als Barak zum tödlichen Hieb ausholt, öffnet sich die Erde, und eine Flut reißt ihn und seine Frau in die Tiefe. Die Amme bringt die Kaiserin in Sicherheit.

Dritter Aufzug

Barak und seine Frau sind voneinander getrennt tief unter der Erde gefangen. Jeder der beiden denkt mit Liebe an den anderen und bereut, ihm kein Glück gebracht zu haben. Eine Stimme verkündet erst Barak, dann seiner Frau den Freispruch. Die beiden beginnen, einander zu suchen.

Die Kaiserin und die Amme kommen an eine Pforte, die der Kaiserin vertraut scheint. Sie fühlt sich von ihrem Vater zu Gericht gerufen. Die Amme warnt sie vor tödlichen Gefahren und versucht, sie zur Flucht zu überreden. Die Kaiserin will sich dem Gericht stellen. Sie sagt sich von der Amme los und tritt über die Schwelle. Aus Sorge um die geliebte Kaiserin will die Amme ihr folgen. Der Bote Keikobads verweigert ihr den Eintritt und verbannt sie auf ewig in die Menschenwelt.

Jenseits der Pforte fordert die Kaiserin ihren Vater auf, sich zu offenbaren. Sie verlangt ihr Gericht und ihre Strafe und bekennt sich zu den Menschen. Der Vater gibt keine Antwort, stattdessen erscheint der Kaiserin das Bild des versteinernden Kaisers. Obwohl sie mit ihm leidet, schlägt die Kaiserin das Angebot aus, vom Wasser des Lebens zu trinken und so den Schatten von Baraks Frau doch noch zu erlangen.

Mit diesem Verzicht führt sie eine Wendung herbei: Der Kaiser erwacht zum Leben. Sie selbst wirft einen Schatten. Barak und seine Frau, die ihren Schatten zurückgewonnen hat, finden einander wieder. In den Jubel beider Paare mischen sich, wie eine ferne Möglichkeit, die Stimmen der ungeborenen Kinder.

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Biografien

Kirill Petrenko wurde 1972 in Omsk geboren und studierte dort an der Musikfachschule Klavier. Mit elf Jahren trat er als Pianist zum ersten Mal mit dem dortigen Symphonieorchester öffentlich auf. 1990 übersiedelte die Familie (Vater Geiger, Mutter Musikwissenschaftlerin) nach Vorarlberg, wo der Vater eine Stelle als Orchestermusiker und Musiklehrer annahm. Kirill Petrenko studierte zuerst weiter in Feldkirch und dann Dirigieren an der Musikuniversität in Wien. 

Direkt nach dem Abschluss engagierte ihn Nikolaus Bachler an die  Wiener Volksoper. Von 1999 bis 2002 war Kirill Petrenko Generalmusikdirektor am Meininger Theater. Mit seinem Dirigat von Wagners Der Ring des Nibelungen in der Inszenierung von Christine Mielitz und in der Ausstattung von Alfred Hrdlicka erregte er 2001 zum ersten Mal internationales Aufsehen. Im Jahr 2002 trat Kirill Petrenko sein Amt als Generalmusikdirektor an der Komischen Oper Berlin an, wo er bis 2007 eine Reihe von prägenden Produktionen leitete.

Parallel zu seinen Positionen in Meiningen und Berlin entwickelte sich sehr rasch seine internationale Karriere. Im Jahre 2000 debütierte Kirill Petrenko beim Maggio Musicale Fiorentino, 2001 an der Wiener Staatsoper und der Semperoper Dresden, 2003 am Gran Teatre del Liceu in Barcelona, an der Opéra National de Paris, am Royal Opera House Covent Garden in London, an der Bayerischen Staatsoper sowie an der Metropolitan Opera in New York und 2005 an der Oper Frankfurt. Von 2006 bis 2008 erarbeitete er gemeinsam mit Peter Stein in Lyon Inszenierungen der drei Puschkin-Opern Tschaikowskys (Mazeppa, Eugen Onegin und Pique Dame), die im Frühjahr 2010 auch als Zyklus gezeigt wurden.

Seit seinem Weggang von der Komischen Oper Berlin war Kirill Petrenko als Dirigent freischaffend tätig. In dieser Zeit leitete er unter anderem 2009 an der Bayerischen Staatsoper die Neuproduktion von Janáčeks Jenůfa (Inszenierung: Barbara Frey). In Frankfurt interpretierte er Pfitzners Palestrina (Inszenierung: Harry Kupfer) und Puccinis Tosca (Inszenierung: Andreas Kriegenburg). Im Jahr 2011 folgten dann zwei Neuproduktionen von Tristan und Isolde, zuerst an der Opéra National de Lyon und dann bei der Ruhrtriennale.

Zu den wichtigsten Orchestern, die Kirill Petrenko bisher geleitet hat, gehören die Berliner Philharmoniker, die Wiener Philharmoniker, die Staatskapelle Dresden, das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, das Bayerische Staatsorchester, das Sinfonieorchester des WDR Köln, die Hamburger Philharmoniker und das NDR-Sinfonieorchester Hamburg, das Frankfurter Opern- und Museumsorchester, das Concertgebouworkest Amsterdam, das Radio-Symphonieorchester Wien, die Wiener Symphoniker, das Cleveland Orchestra, das Chicago Symphony Orchestra, das London Philharmonic Orchestra, das Oslo Philharmonic Orchestra, das Orchestra Santa Cecilia in Rom, das Orchester der RAI Turin und das Israel Philharmonic Orchestra. Außerdem dirigierte Kirill Petrenko Konzerte bei den Bregenzer und Salzburger Festspielen. Von 2013 bis 2015 leitete er Der Ring des Nibelungen bei den Bayreuther Festspielen.

Im Herbst 2013 trat Kirill Petrenko sein Amt als Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper an, das er bis Ende der Spielzeit 2019/20 innehaben wird. Seither hat er die Premieren von Die Frau ohne Schatten, La clemenza di Tito, Die Soldaten, Lucia di Lammermoor, Lulu, South Pole und Die Meistersinger von Nürnberg geleitet und unter anderem die Wiederaufnahme von Der Ring des Nibelungen dirigiert. 

Kirill Petrenko wurde im Juni 2015 zum zukünftigen Chefdirigenten der Berliner Philharmoniker gewählt; diese Position wird er im Herbst 2019 antreten. In der Spielzeit 2016/17 leitet Kirill Petrenko die Neuinszenierungen von Lady Macbeth von Mzensk und Tannhäuser. Außerdem dirigiert er ein breites Repertoire: Die Meistersinger von Nürnberg, Der Rosenkavalier, South Pole, Die Fledermaus, Die Frau ohne Schatten, sowie drei Akademiekonzerte.

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