Infos

Komponist Richard Wagner

Donnerstag, 31. Juli 2008
16.00 Uhr – 22.10 Uhr
Nationaltheater

Dauer ca. 6 Stunden 10 Minuten

Preise M

ausverkauft

Download Besetzungszettel (PDF) zur Stücknavigation

Besetzung

Musikalische Leitung
Peter Schneider
Inszenierung
Thomas Langhoff
Choreographie
Marco Santi
Bühne und Kostüme
Gottfried Pilz
Licht
Manfred Voss
Produktionsdramaturgie
Eva Walch
Chöre
Andrés Máspero

Hans Sachs
Wolfgang Brendel
Veit Pogner
Kurt Rydl
Kunz Vogelgesang
Kenneth Roberson
Konrad Nachtigall
Christian Rieger
Sixtus Beckmesser
Martin Gantner
Fritz Kothner
Jan Buchwald
Balthasar Zorn
Ulrich Reß
Ulrich Eißlinger
Hermann Sapell
Augustin Moser
Francesco Petrozzi
Hermann Ortel
Rüdiger Trebes
Hans Schwarz
Alfred Kuhn
Hans Foltz
Andreas Kohn
Walther von Stolzing
Robert Dean Smith
David
Kevin Conners
Eva
Anja Harteros
Magdalena
Heike Grötzinger
Nachtwächter
Steven Humes
zur Stücknavigation

Mehr dazu

Neuinszenierung "der" großen Festoper im Münchner Nationaltheater - am Ort ihrer Uraufführung! Wagner voller Humor und Witz: Stolzing, Ritter aus Franken, will singend Eva, die ortsansässige Goldschmiedstochter erringen. Aber auch Beckmesser bemüht sich um die Frau. Ein weiser Schuster hält die Fäden zusammen. Showdown auf der Festwiese. Eva kriegt den Richtigen. Jubel in C-dur.

 

1. Aufzug

Vortag des Johannisfestes

Der Ritter Walther von Stolzing und Eva, Tochter des Goldschmieds und Meistersingers Pogner, verlieben sich. Doch Eva darf nur einen Meistersinger heiraten: Ihr Vater will sie beim Wettsingen am morgigen Johannisfest als Siegespreis vergeben. Stolzing beschließt, sofort Meistersinger zu werden, obwohl er keine der vielen strengen Regeln kennt. Der Lehrjunge David, Mitglied der Singschule, erläutert sie ihm. Die Meistersinger versammeln sich und loben Pogners Plan, der ihrer Kunst zu neuem Ansehen verhelfen soll. Den Vorschlag von Hans Sachs, bei der Bestimmung des Siegers das Volk mitentscheiden zu lassen, lehnen sie jedoch ab. Stolzing bittet, in die Meistersingerzunft aufgenommen zu werden. Er muss Auskunft über seinen Lehrmeister geben und ein Probelied singen. Der Merker Beckmesser, selbst Bewerber um Eva, kreidet dem Ritter endlos viele Fehler an, und die Meister beschließen, dass Stolzing versungen hat. Sachs, dem Stolzings überschwängliches Lied gefallen hat, kann sie nicht umstimmen.

2. Aufzug

Johannisnacht

Die Lehrjungen freuen sich auf das morgige Fest und verspotten David wegen seiner Liebe zu Evas Erzieherin Magdalene. Pogner zweifelt an seinem Plan; Eva wartet unruhig auf Stolzing.

Sachs hängt dem seltsamen schönen Liebesgesang von Stolzing nach ("Flieder-Monolog"). Von Sachs, ihrem väterlichen Freund, erfährt Eva von Stolzings Niederlage. Endlich kommt Stolzing, und das Liebespaar beschließt zu fliehen: "Fort in die Freiheit!" Doch es gelingt nicht. Beckmesser erscheint und will sein Preislied vor Evas Fenster ausprobieren, wo aber nur Magdalene in Evas Kleidern sitzt. Sachs stört Beckmessers Ständchen durch Schustern und ein lautes Lied, in dem er seine eigene Liebe zu Eva zu bezwingen sucht. Beckmesser muss sich schließlich darauf einlassen, dass Sachs mit dem Hammer auf die Schuhsohlen schlagen darf, wenn er, Beckmesser, beim Singen einen Fehler macht. Er macht viele! David, der in Beckmesser einen Nebenbuhler vermutet, verprügelt ihn, und bald prügeln sich alle Bürger, vom Lärm aufgestört, in einer wilden johannisnächtlichen Schlacht.

3. Aufzug

Morgen des Johannistags

David begrüßt Sachs zu seinem Namenstag. Sachs, übernächtig, sinnt über das Chaos der Johannisnacht nach und beschliesst, der Liebe Evas und Stolzings zum Sieg in Nürnberg zu verhelfen ("Wahn-Monolog").

Stolzing hat im Haus von Sachs übernachtet und wunderbar geträumt. Sachs lehrt ihn, diesen Morgentraum in ein Liebeslied umzudichten, mit dem er auf der Festwiese um Eva werben soll. Beckmesser findet den Text und hält ihn für ein Werbelied von Sachs, das dieser ihm aber überraschenderweise schenkt.

Eva trifft auf Stolzing bei Sachs und dankt dem Meister für seine große entsagende Liebe. Stolzings neues Lied wird zeremoniell getauft, David zuvor noch schnell zum Gesellen geschlagen, und dann brechen alle zum Fest auf.

Johannisfest

Volk und Zünfte feiern auf der Festwiese. Die Meistersinger ziehen auf, und Sachs wird vom Volk feierlich begrüßt ("Wach auf!"). Dann wird das Wettsingen um Eva eröffnet. Beckmesser singt das bei Sachs gefundene unverstandene Lied vollkommen verstümmelt und wird ausgelacht. Sachs erreicht, dass Stolzing das Lied richtig vortragen darf, und dieser überzeugt alle mit seiner leidenschaftlichen Kunst. Doch als ihn die Meistersinger in die Zunft aufnehmen wollen, lehnt er ab. Ihm genügt Eva. Sachs mahnt, die Kunst und ihre Bewahrer, die Meistersinger, in Ehren zu halten, und gewinnt Stolzing. Begeistert danken alle Sachs.

© Bayerische Staatsoper

Eva Walch. Richard Wagner: Die Meistersinger von Nürnberg

München. Königl. Hof- und National-Theater. Sonntag den 21. Juni 1868 Mit aufgehobenem Abonnement Zum ersten Male: Die Meistersinger von Nürnberg - so stand es auf dem Programmzettel vor 136 Jahren, und der damalige glänzende Erfolg ist dieser Oper seither nicht nur in München immer wieder zuteil geworden, auch wenn die zahlreichen Neuinszenierungen, die das Werk seither erlebt hat, nicht immer nur bejubelt wurden. So viel ist anders geworden.

Wir berufen uns auf Wagners Spruch, "Kinder! macht Neues! Neues! und abermals Neues!", wenn wir mit neuen szenischen und musikalischen Ideen und Interpretationen an seine Opern herangehen. Dabei bedarf es dieser Rechtfertigung durch ihren Urheber eigentlich nicht, denn das Meister(singer)werk Wagners legt geradezu zwingend nahe, das Gegenwärtige, das in die eigene Zeit Eingreifende und in die Zukunft Weisende herauszuarbeiten, es neu zu denken und in unsere Zeit zu übersetzen.

Die Meistersinger von Nürnberg sind eine Gegenwartsoper. Nürnberg war und ist Deutschland, oder besser: ein uns alle angehendes Gemeinwesen. Hans Sachs war und ist der bürgerlich gebundene Künstler, oder besser: ein mit Verstand und Phantasie und gesellschaftlicher Verantwortung handelnder Bürger. Dieses Kunst-Nürnberg befindet sich in einer Krise, es stagniert, die Männer an der Spitze haben sich vom Volk entfernt, sie werden nicht geliebt. Die guten Gesetze und Regeln, die sie sich vor langer Zeit gegeben haben, engen ein, verhindern Bewegung, Belebung und Erneuerung. Die Kunst, die Kunst des Regierens, ist zum Vorrecht und Besitz einer kleinen einflussreichen Elite, der Meister, geworden. Einer von ihnen, Pogner, macht einen großzügigen Vorschlag, um der Kunst zu neuem Ansehen zu verhelfen. Doch sein Plan sieht einen Wettkampf nur untereinander, unter den Meistern, vor. Der Vorschlag eines anderen, Sachs, das Volk mitreden zu lassen, wird abgelehnt. Und so gäbe es keine Erneuerung - trotz des hochherzigen Preises, Eva -, wenn nicht ein Anderer, ein Fremder käme. Und dieser, Stolzing, kann das Neue, die neue Kunst, nur gegen große Widerstände durchsetzen, er lässt sich nur mit Kampf und Aufruhr - und mit Liebe - und mit der Klugheit des großen Vermittlers Sachs - und mit der Zustimmung des Volkes integrieren. Von den Ereignissen und Emotionen mitgerissen oder überrollt, suspendieren die einflussreichen Männer an der Spitze im entscheidenden Moment ihre Gesetze und Regeln und akzeptieren die neue Kunst als Anstoß zur Reformierung ihrer unvollendeten Demokratie.

Die Meistersinger von Nürnberg sind eine Gegenwartsoper. Sie sind eine repräsentative Oper, die gern als National- und Festoper, als Volksoper und immer wieder als Opernhauseröffnungsoper verstanden und aufgeführt wird. Wagner hat nach der anfänglichen Bezeichnung Komische Oper oder später Große komische Oper schließlich jeden Untertitel fallen lassen und uns damit umso größere Freiheit und Verantwortung bei der Ausdeutung seines Meisterwerkes, wie er es als einziges selbst genannt hat, auferlegt.


© Bayerische Staatsoper

zur Stücknavigation

Biografien

Geboren in Wien; Studium an der dortigen Akademie für Musik und darstellende Kunst. Ab 1968 Erster Kapellmeister an der Deutschen Oper am Rhein, 1978 Generalmusikdirektor in Bremen, 1980 Opern- und Generalmusikdirektor am Nationaltheater Mannheim. Seit 1981 regelmäßiger Gast bei den Bayreuther Festspielen (u.a. Lohengrin und Der fliegende Holländer), an der Hamburgischen und Wiener Staatsoper, der Dresdner Semperoper, der Staatsoper Unter den Linden sowie der Deutschen Oper Berlin und in Barcelona; 1995 Debüt an der Metropolitan Opera New York. An der Bayerischen Staatsoper dirigierte Peter Schneider die Opern Die Zauberflöte, Così fan tutte, Die Ausflüge des Herrn Broucek, Idomeneo, Der Rosenkavalier, Der Ring des Nibelungen, Parsifal, Der fliegende Holländer, Ariadne auf Naxos, Die Meistersinger von Nürnberg, Le nozze di Figaro, Die Frau ohne Schatten, Elektra und Salome. 1993 bis 1998 Chefdirigent der Bayerischen Staatsoper und des Bayerischen Staatsorchesters. Seit 1998 Erster Gastdirigent der Bayerischen Staatsoper.

zur Stücknavigation