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Oper in drei Akten

Komponist Leoš Janáček · Text von Leoš Janáček nach der gleichnamigen Komödie von Karel Čapek
In tschechischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Münchner Opernfestspiele
Donnerstag, 02. Juli 2015
19.00 Uhr – 20.50 Uhr
Nationaltheater

Dauer ca. 1 Stunden 50 Minuten · Pause keine Pause

Einführung: 18.00 Uhr · Junges Publikum

Preise K, € - /115 /95 /74 /52 /30 /- /10

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Premiere am 19. Oktober 2014

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  • Ausstattungspartner der Bayerischen Staatsoper

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Besetzung

Musikalische Leitung
Tomáš Hanus
Inszenierung
Árpád Schilling
Bühne und Kostüme
Márton Ágh
Licht
Tamás Bányai
Dramaturgie
Miron Hakenbeck
Chor
Sören Eckhoff

Emilia Marty
Nadja Michael
Albert Gregor
Pavel Černoch
Vítek
Kevin Conners
Krista
Tara Erraught
Jaroslav Prus
John Lundgren
Janek
Dean Power
Dr. Kolenatý
Gustav Beláček
Ein Theatermaschinist
Peter Lobert
Eine Aufräumefrau
Heike Grötzinger
Hauk-Šendorf
Reiner Goldberg
Kammerzofe Emilias
Rachael Wilson
  • Bayerisches Staatsorchester
  • Chor der Bayerischen Staatsoper
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Mehr dazu

Der seit Generationen festgefahrene Erbschaftsprozess Gregor gegen Prus erfährt eine unerwartete Wendung, als die Sängerin Emilia Marty auftaucht, die mit erstaunlichem Detailwissen über die Vergangenheit dienen kann. Die in den Prozess verstrickten Männer verlieren den Kopf angesichts dieser faszinierenden Frau. Liebe jedoch scheint ihr nichts zu bedeuten und Sex ist ein Handel; Marty geht mit demjenigen ins Bett, der im Besitz des von ihr gesuchten alten Schriftstückes ist: die Sache Makropulos. Für seine vorletzte Oper greift der betagte Leoš Janáček zu einem zeitgenössischen Drama mit Phantasy-Plot – die Geschichte der 337-jährigen Elina Makropulos. Als Jugendliche wurde an ihr ein Elixier zur Lebensverlängerung getestet. Seither wechselt sie in einem fort Länder, Liebhaber und Identitäten. Als die Wirksamkeit des Elixiers nachlässt, sucht sie, des Lebens müde und dennoch in Todesfurcht, jenes Rezept, das ihr Altern noch einmal aufschieben könnte. Karel Čapeks geistreiche Komödie spekuliert über den Sinn der Sterblichkeit. Janáček verwandelt sie in eine Tragödie über 300 Jahre Einsamkeit.

 

Was bislang passierte oder Der Fall Gregor contra Prus

Der Rechtsstreit der Familien Gregor und Prus um den Nachlass des Barons Josef Ferdinand Prus zieht sich seit fast einhundert Jahren dahin. Baron Prus starb 1827, ohne einen direkten Nachkommen zu hinterlassen. Er soll jedoch mehrmals mündlich einen Waisenheimzögling namens Ferdinand Gregor zum Erben eines seiner Landgüter erklärt haben. Dieser Ferdinand hatte seinen Anspruch mangels eines schriftlichen Testamentes allerdings nicht geltend machen können. Deshalb ging das gesamte Erbe an einen Cousin des verstorbenen Barons und blieb damit im Besitz der Familie Prus. Die Prozessgegner in der vierten Generation sind Baron Jaroslav Prus und der hoch verschuldete Albert Gregor, Ferdinands Urenkel. Albert Gregor hat den festgefahrenen Prozess gegen den Ratschlag seines Anwalts Dr. Kolenatý vor die letzte Instanz gebracht, um ein endgültiges Urteil zu erzwingen. Da aber weiterhin kein Testament vorliegt, ist es mehr als unwahrscheinlich, dass Gregor gewinnen wird.

Erster Akt – In Dr. Kolenatýs Kanzlei

Albert Gregor wartet in der Kanzlei seines Anwalts Dr. Kolenatý ungeduldig auf Nachricht vom Ausgang der Verhandlung. Der Kanzleigehilfe Vítek kann keine Auskunft geben.

Víteks Tochter Krista, die davon träumt, eine große Sängerin zu werden, berichtet begeistert von der berühmten Emilia Marty, mit der sie zur Zeit auf der Bühne steht. Krista glaubt angesichts von Martys Perfektion, für sich selbst jede Hoffnung auf eine Karriere begraben zu müssen.

Kolenatý kehrt vom Gericht zurück: Der Urteilsspruch ist vertagt worden. Zugleich betritt Emilia Marty die Kanzlei. Sie interessiert sich für Gregors Prozess, von dem sie in der Zeitung gelesen hat, und lässt sich von Kolenatý den Fall detailliert ausbreiten. Marty verblüfft Kolenatý und Gregor mit einigen Informationen über die Vergangenheit, die ein neues Licht auf den Prozess werfen: Der damals von Josef Prus als Erbe benannte Waise Ferdinand Gregor sei Prus’ unehelicher Sohn gewesen, die Mutter des Kindes die seinerzeit berühmte Sängerin Ellian MacGregor.

Marty erwähnt ein versiegeltes Testament aus Prus’ Feder zu Gunsten seines Sohnes Ferdinand, das sich im Hause der Familie Prus befände. Sie scheint dessen Inhalt genau zu kennen und gibt sogar das Schubfach an, in dem man es suchen solle. Damit hätte Albert Gregor eindeutige Chancen, das millionenschwere Erbe doch noch zu erlangen. Kolenatý hält die Angaben der Marty für unglaubwürdig. Als sein Mandant droht, den Anwalt zu wechseln, erklärt er sich aber bereit, der Sache nachzugehen.

Gregor und Marty bleiben allein zurück. Gregor gesteht Marty, sich zu ihr unwiderstehlich hingezogen zu fühlen. Als er ihr Anteile an seinem Erbe anbietet, lacht Marty ihn aus und weist ihn enegisch zurück. Stattdessen erbittet sie sich von Gregor auf Griechisch verfasste Schriftstücke, die sein Urgroßvater Ferdinand hinterlassen habe. Gregor bestreitet dergleichen zu besitzen.

Kolenatý kehrt in Begleitung des Prozessgegners Prus erfolgreich von seiner Mission zurück: Das Testament hat sich tatsächlich an dem von Marty vorausgesagten Ort befunden. Marty interessiert sich brennend für weitere, dort möglicherweise aufgefundene Schriftstücke. Prus weist darauf hin, dass alle Dokumente in seiner Obhut bleiben, solange es keinen Nachweis gibt, dass es sich beim testamentarisch erwähnten Sohn Ferdinand tatsächlich um Ferdinand Gregor handle. Marty verspricht, ein solches Dokument zu beschaffen.

Zweiter Akt – Auf der leeren Bühne eines großen Theaters

Nach der Vorstellung stellt sich eine Reihe von Verehrern Martys ein, unter ihnen auch Jaroslav Prus.

Krista erklärt ihrem Freund Janek, dem Sohn von Jaroslav Prus, das Geheimnis von Martys Erfolg entschlüsselt zu haben: die absolute Hingabe an die Kunst – und damit der Verzicht auf Liebesbeziehungen.

Marty, der Komplimente und Blumen ihrer vielen Bewunderer überdrüssig, macht erst Gregor, der mit den Geschenken, in aller Öffentlichkeit lächerlich, dann beleidigt sie Krista und Janek.

Der für schwachsinnig geltende alte Graf Hauk-Šendorf erkennt in Emilia Marty die spanische Zigeunerin Eugenia Montez, mit der er ein halbes Jahrhundert zuvor eine leidenschaftliche Liebesaffäre erlebt hat. Gerührt von den Erinnerungen des Greises lässt sich Marty ungeniert auf seine Zärtlichkeiten ein.

Dann schickt sie alle bis auf Prus fort. Sie fragt ihn über die anderen bei dem Testament gefundenen Schriftstücke aus. Prus erwähnt die Existenz diverser mit „E.M.“ unterzeichneter Liebesbriefe und eines alten griechischen Dokumentes, das Marty besonders interessiert. Als er den Namen Elina Makropulos ausspricht, verliert Marty für einen Augenblick die Beherrschung. Sie will Prus die Papiere zu jedem Preis abkaufen. Prus lehnt das Angebot ab.

Gregor kehrt zurück und erklärt Marty, sie wie verrückt zu lieben. Marty rät ihm zynisch, sich umzubringen. Sie ist der immer gleichen aggressiven Liebesbeweise der Männer müde – und schläft ein.

Janek weckt sie auf, auch er ist von Marty angezogen. Sie überredet ihn, seinen Vater zu hintergehen und ihm ein griechisches Schriftstück zu stehlen, das ihr sehr am Herzen läge.

Prus überrascht die beiden und schickt seinen zutiefst beschämten Sohn fort. Er zeigt sich bereit, Marty das gesuchte Dokument zu überlassen, wenn sie als Gegenleistung dafür mit ihm ins Bett geht.

Dritter Akt – In einem Hotelzimmer

Nach der gemeinsam verbrachten Nacht händigt Prus Emilia Marty das Schriftstück aus, obwohl er sich um die Bezahlung betrogen fühlt: Sie hat die Sache kühl und leidenschaftslos hinter sich gebracht.

Ein Diener überbringt Prus die Nachricht vom Selbstmord seines Sohnes Janek. Marty bleibt davon scheinbar ungerührt und weist Prus’ Schuldvorwürfe zurück.

Erneut taucht Hauk auf. Er will seine Zigeunerin Eugenia Montez zur Flucht in den Süden überreden. Kolenatý, Gregor, Vítek und Prus verhindern Martys Abreise und beschuldigen sie der Urkundenfälschung. Als Marty sich ankleidet, durchwühlen die Männer ihr Gepäck und finden weitere Beweise: Die Briefe der Ellian MacGregor und mehrere mit „E.M.“ unterzeichnete Schriftstücke weisen dieselbe Handschrift wie die Autogramme der Marty auf.

Unter dem Druck eines scharfen Verhörs betrinkt sich Emilia Marty und erzählt schließlich die Geschichte ihrer Herkunft: Im Jahr 1585 wurde sie als Elina Makropulos auf Kreta geboren. Ihr Vater Hieronymus Makropulos, Alchimist und Leibarzt von Kaiser Rudolf II. an dessen Prager Hof, entwickelte auf Befehl des Kaisers ein Medikament, mit dem sich der Alterungsprozess 300 Jahre aufhalten ließ. Aus Angst vor Nebenwirkungen ließ der Kaiser das Wundermittel zunächst an Makropulos’ Tochter, der sechzehnjährigen Elina, ausprobieren. Elina verlor für eine Woche das Bewusstsein. Der Kaiser warf seinen Arzt in den Kerker und zog es vor, auf den natürlichen Tod zu warten. Wieder zu sich gekommen, floh Elina mitsamt dem Rezept des Lebenselixiers.

Der Trank wirkte tatsächlich: Ohne zu altern, durchlebte Elina drei Jahrhunderte. Sie wurde eine außergewöhnliche Sängerin. Um nicht aufzufallen, wechselte sie in einem fort Aufenthaltsort, Identität und Namen. Ihren ursprünglichen Initialen blieb sie dabei immer treu.

Als schottische Sängerin Ellian MacGregor lernte sie Anfang des 19. Jahrhunderts Baron Josef Prus kennen. Sie bekam ein uneheliches Kind von ihm, jenen Ferdinand Gregor, den Urgroßvater von Albert Gregor. Sie überließ Josef Prus, ihrer einzigen tief empfundenen Liebe, das Rezept ihres Vaters.

Jetzt ist Elina Makropulos 337 Jahre alt. Die Wirkung des Medikaments beginnt nachzulassen. Nicht geringer geworden ist die Angst vor dem Tod. Um ihr Leben um weitere 300 Jahre verlängern zu können, hat sich Elina auf die Suche nach dem Rezept gemacht, allein daher ihr Interesse an Gregors Prozess.

Nach diesem Geständnis wird Elina Makropulos alias Emilia Marty ohnmächtig. Als sie wieder zu sich kommt, trifft sie eine Entscheidung. Sie sieht keinen Sinn mehr darin, die Sache Makropulos ein zweites Mal zu benutzen: Ihr Dasein, das Leben, die Liebe, menschliches Streben – alles erscheint ihr unbedeutend. Die Unzahl immer gleich enttäuschender Begegnungen hat sie einsam gemacht.

Sie gibt das Rezept an Krista weiter. Die Männer warnen Krista davor, es zu benutzen. Elina Makropulos betet sterbend in ihrer Muttersprache das „Vaterunser“.

Premiere von Leoš Janáčeks "Die Sache Makropulos" am 19. Oktober 2014 im Nationaltheater

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Biografien

Tomáš Hanus studierte an der Janáček-Akademie für Musik und Darstellende Kunst in seiner Heimatstadt Brünn/Tschechien. 1999 machte er als Gewinner des Internationalen Dirigentenwettbewerbs in Kattowitz auf sich aufmerksam. Seit seinem Debüt am Nationaltheater Prag im Jahr 2001 mit Smetanas Die Teufelswand dirigierte er dort zahlreiche Vorstellungen. Von 2007 bis 2009 war er Musikalischer Direktor des Nationaltheaters in Brünn. Gastengagements führten ihn zudem etwa an die Opernhäuser von Paris, Madrid, Berlin, Dresden, Basel, Kopenhagen, Oslo, Helsinki, Lyon und Warschau. Zudem dirigierte er Konzerte mit Orchestern wie dem Bayerischen Staatsorchester, dem London Smyphony Orchestra, dem Ensemble intercontemporain, dem Staatsorchester Stuttgart, der Camerata Salzburg und der Tschechischen Philharmonie. (Stand 2017)

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Blog

E.M. probt

337 Jahre ist sie nun alt geworden. Hatte verschiedene Identitäten, Namen, Männer. Elina Makropulos war in der Vergangenheit bereits Ellian MacGregor, Elsa Müller, Eugenia Montez, Ekaterina Myschkina und ist jetzt, als die Handlung von Leoš Janáčeks Oper einsetzt, Emilia Marty. Alles um sie herum ändert sich, nur die Initialen dieser gleichermaßen mysteriösen wie faszinierenden Frau sind über die Jahrhunderte immer gleich geblieben: E. M. Bevor "Die Sache Makropulos" am 19. Oktober Premiere feiert, zeigen wir hier im Blog die ersten Bilder von den Bühnenproben zu dieser Neuproduktion. Immer im Zentrum: die Sopranistin Nadja Michael, die die schillernde Figur der Emilia Marty verkörpert. mehr lesen

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