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Komponist Peter Eötvös

Dienstag, 09. März 2010
19.00 Uhr – 20.40 Uhr
Nationaltheater

Dauer ca. 1 Stunden 40 Minuten

Preise K

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Besetzung

Musikalische Leitung
Christian Schumann
Musikalische Leitung
Christopher Ward
Inszenierung
Balázs Kovalik
Installation
Ilya und Emilia Kabakov
Kostüme
Amélie Haas
Video
Silke Holzach
Licht
Michael Bauer
Produktionsdramaturgie
Olaf A. Schmitt

Eva
Cora Burggraaf
Lucy
Ursula Hesse von den Steinen
Adam
Topi Lehtipuu
Lucifer
Georg Nigl
Die Jeriko
Julie Kaufmann
Die Rumata
Elena Tsallagova
Die Rumata
Heike Grötzinger
Die Rumata
Annamária Kovács
Der Skelton
Kevin Conners
Der Strugatzi
Christoph Pohl
Der L
Nikolay Borchev
Der Arkanar
Christian Rieger
Der Boris
Wolfgang Bankl
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Lucifer führt Adam und Eva durch eine Welt voller Konflikte, Missverständnisse und Ungewissheiten – eine Welt zwischen Spiel, Virtualität und Science-Fiction. Obwohl er alles zu lenken scheint, steht am Ende Lucifers Existenz auf dem Spiel: Das Böse löst sich von seiner Figur und diffundiert. Damit wird die Tragödie des Teufels auch zur Tragödie des Menschen, der das Böse nicht mehr zuordnen kann und es in sich selbst vorfindet.

Albert Ostermaiers Libretto holt den „ungarischen Faust“, Imre Madáchs Nationaldrama Die Tragödie des Menschen, ins 21. Jahrhundert. Der Text des bedeutenden deutschen Dramatikers wird von Peter Eötvös vertont. Der ungarische Komponist und Dirigent zählt zu den wichtigsten Musikern unserer Zeit, seine Bühnenwerke wie Drei Schwestern, Angels in America und jüngst Love and other demons werden weltweit erfolgreich aufgeführt.

 

Bild 1: Prolog im Himmel

Der kampfesmüde Lucifer reflektiert über sein langweiliges Leben, das auf seinen Sturz aus dem Himmel folgte. Der Konflikt mit Gott hält noch immer an, das Konkurrenzverhältnis bleibt ungelöst. Die fünf ihm zugeordneten Personen, Der Skelton, Der Strugatzi, Der L, Der Arkanar und Der Boris, erleben diese Leere wie er selbst. Lucifer ruft Gott erneut zum Gefecht auf, das auf Adams Rücken ausgetragen werden soll. Er ist überzeugt, den Kampf nun endgültig gewinnen zu können und Adam mit dem Bösen zu infizieren, sodass alle Welt Gottes Fehler in der Schöpfung erkenne. Gott stellt Lucifer eine Frau zu Seite, scheinbar ist sie wie Eva ein Geschöpf aus der Rippe des Mannes. Lucifer nennt sie Lucy, Der Boris nennt sie Lilith. Lucy ruft Lucifer dazu auf, die geschaffenen Adam und Eva im Paradies aufzusuchen. Es ist an ihr, die Geschichte zu Ende zu bringen.

Bild 2: Im Paradies/Sündenfall

Im Paradies hat Eva gerade von der verbotenen Frucht gegessen. Ihre anfängliche Euphorie schlägt jedoch bald um in Düsternis, als sie erkennt, wie trostlos die als paradiesisch wahrgenommene Landschaft eigentlich ist. Eva verliert ihr Herz; Adam versucht, das freigesetzte Herz in sich aufzunehmen. So entsteht der Adamsapfel. Lucifer und Lucy treten auf und erklären den beiden die Welt. Als Folge des Sündenfalls und damit der Erlangung eines von Gott losgelösten Bewusstseins treten Ängste, unbekannte Körperfunktionen und Bedürfnisse wie Schweiß und Durst auf. Derweil Adam noch glaubt, in Eva sein Heil zu finden, strebt diese bereits der ungeahnten Freiheit zu. Eva, Lucifer und Lucy überzeugen Adam, durch den Spiegel zu springen und sein bisheriges Bild von sich zurückzulassen.

Bild 3: In der Wüste

Adam und Eva irren allein und schwach, durstig und hungrig durch die Wüste. Adam begibt sich auf die Suche nach Wasser. Der Boris erscheint und will Eva mit ein paar Tropfen Wasser erobern. Der Skelton tritt auf und verhandelt mit ihm über Eva. Lucifer und Lucy beobachten die Szene gelangweilt und begegnen dem derwischartigen Arkanar. Mit rätselhaften Worten mahnen die der Erde verbundenen Wesen Rumata an das Geheimnis der Erde.

Bild 4: Der Pakt

Lucifer legt die Regeln für die folgende virtuelle Reise fest: Gelingt es Adam, ihm eine bessere Welt zu zeigen, darf er seine Seele behalten. Verzweifelt er jedoch an der Welt, gehört er dem Teufel und wird von ihm in dessen teuflisches Ausbeutungssystem integriert werden. Lucifer zeigt Adam zwei Pillen: eine, um an der Welt teilzuhaben, eine zweite, um Erlösung zu finden. Diese muss er sich jedoch erst verdienen.

Bild 5: Phosphor City, Pyramidenhotel

Adam als Herrscherfigur trifft auf die einsame Die Jeriko, die ein verlorenes Glück sucht, von Lucifer aber nur Spott erntet. Der Arkanar führt als Revolutionär den Menschen ihre eigene Scheinwelt vor. Adam verhindert, dass Der Arkanar von Der L getötet wird, und sieht sich als großzügigen Herrscher. Dieses Gefühl entpuppt sich als große Leere. Die Rumata proklamieren die Blindheit der Menschen, die ihrem Schicksal nicht entrinnen können.

Bild 6: In Athen

Eine politische Versammlung: Lucifer und seine Männer haben eine Demonstration gegen Adam in Gestalt des Feldherrn Miltiades angezettelt, die von Lucy moderiert wird. Die Rumata sind als Abgeordnete anwesend. Lucy gibt sich als Kimon aus, dem Sohn des Miltiades, wird als Geisel genommen und versucht, sich selbst zu töten. Als Eva die Aufmerksamkeit aller auf sich zieht, wird sie kurzerhand zur neuen Geisel erklärt. Adam kehrt als geschlagener Feldherr zurück, von ihm werden aber Siege für die jahrelangen Entbehrungen erwartet. Adam erfährt, dass die Freiheit nur ein Trugschluss ist und es letztlich egal ist, auf welcher Seite man kämpft.

Bild 7: Rom

Ein Trauerzug erweckt Adams Aufmerksamkeit; es entbrennt ein Kampf um den letzten Kuss des Toten, der die Pest über alle bringt. Lucy küsst den Toten, der sich als Die Jeriko herausstellt und in hysterisches Lachen verfällt. Eva versucht vergeblich, Adam vom tödlichen Kuss abzuhalten, um ihre Liebe zu retten. Die Rumata beschreiben Weltuntergangsszenarien und religiösen Wahn.

Bild 8: Bagdad

Adam ist als Kreuzritter gefesselt, seine einzige Gesellschaft ist der betrunkene Arkanar, dessen Verhalten jedoch Lucifer und seinen vier Männern missfällt, und sie nehmen ihn gefangen. Adam wird befreit. Der Arkanar wird von Eva in Gestalt einer Soldatin misshandelt, was sie sichtlich genießt. Adam sieht sein Bild von Eva zerstört.

Bild 9: Shop

Adam sieht eine Welt, die den Menschen befähigt, jede beliebige Identität von Mensch und Tier anzunehmen. Die Jeriko verwaltet dieses Warenhaus der Identitäten. Während der Körper als Maschine fungiert, sendet der Kopf Glückssignale aus. Adam glaubt noch immer an die heilende Kraft der Liebe, doch ist er als Opfer seiner unbewussten Phantasie bereits in das System integriert. In Evas Kopf lässt sich der Sündenfall durch Gottes Gnade rückgängig machen. Doch kurz vor Vollendung des teuflischen Werks stört ein Virus den geregelten Ablauf. Das System kollabiert.
Lucifer spürt erstmals, dass sein Plan nicht aufgehen könnte.

Bild 10: Dach der Welt

Um Eva zu retten, versucht Adam mit ihr auf einem Fluggerät vor den Teufeln zu fliehen. Lucifer und Lucy haben Angst, die Macht über Adam zu verlieren, weil er immer stärker teuflische Züge annimmt. Die beiden Teufel streiten über sich selbst und fürchten um ihre Existenz.

Bild 11: Wüste (Adams Traum)

Adam fordert von Lucifer den Tod Lucys, um sich in seine Hände begeben zu können. Es gelingt ihm, Skelton, Boris, L und Strugatzi auf seine Seite zu ziehen, doch sie können Lucy nicht töten. Lucy enthüllt ihre wahre Identität: Sie ist die Dämonin Lilith, die erste Frau Adams, die ihm gleichberechtigt war und ihn nun zurückhaben möchte. Lucifer muss erkennen, dass er überflüssig geworden ist und schluckt die zweite Pille, die für Adam bestimmt war.

Bild 12: Jenseits von Eden

Adam versucht, sich selbst und damit die Menschheit auszulöschen. Eva möchte ihn davon abhalten und enthüllt, dass sie schwanger sei. Lucy drängt Adam, Eva und damit das Kind zu töten, um mit ihr ein neues Geschlecht zu gründen. Adam tötet Eva. Die Rumata sehen keinen Platz mehr für ein neues Leben. Lucifer fühlt sich von allen verraten.

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Biografien

Michael Bauer ist seit 1998 Leiter der Beleuchtungsabteilung an der Bayerischen Staatsoper. Er gestaltete u. a. das Licht für Tosca, Don Carlo, Nabucco, Die Fledermaus, Der fliegende Holländer, Tristan und Isolde, Jenůfa, Die Zauberflöte, Medea, Lʼelisir dʼamore, Boris Godunow, LOrfeo, Guillaume Tell, Die Meistersinger von Nürnberg, Mefistofele, La Juive, Les Indes galantes, La Favorite, Semiramide, Arabella, Hänsel und Gretel und Andrea Chénier. Als Lichtdesigner arbeitete er an zahlreichen bedeutenden Opernhäusern weltweit, etwa in Hamburg, Paris, Madrid, San Francisco, New York, Mailand, Antwerpen, Basel, Genf, Athen und St. Petersburg. (Stand: 2019)

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