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Ein lyrisch-phantastisches Spiel in zwei Aufzügen - 1920

Komponist Walter Braunfels · Libretto vom Komponisten nach Aristophanes
In deutscher Sprache · Mit Übertiteln in deutscher und englischer Sprache | Neuproduktion

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Es ist sprichwörtlich geworden: das „Wolkenkuckucksheim“ der antiken Komödie Die Vögel von Aristophanes. In unübertrefflicher Hybris glauben die Vögel, sich mit den Göttern anlegen und einen eigenen mächtigen Staat aufbauen zu können, der die Götter quasi verhungern lassen soll. Was für ein Irrtum – vermessen und lächerlich-lachhaft zugleich, mit bitterem Ende für die Rebellen.
Für den Komponisten Walter Braunfels war die Uraufführung seiner Adaption des antiken Stoffes in München 1920 der große Durchbruch. Ein riesiger Erfolg, dem allein in München 50 Vorstellungen folgten! Seine Version ist eigenständig und eigenwillig: Braunfels fügt dem Werk trotz Komödienhaftigkeit einen zutiefst romantischen Zug hinzu. Das neue Gemeinwesen der Tiere versteht Braunfels nicht nur politisch, sondern auch künstlerisch und schwärmerisch: Das Scheitern des neuen Staates ist nicht allein der Machtgier, sondern zugleich einer missverständlichen Idealisierung geschuldet. Der antike Mythos ist gespiegelt an den traurigen Erfahrungen aus einer Welt von Gestern. Die Trümmer des Ersten Weltkrieges sind für Braunfels überall sichtbare Zeichen des politischen wie geistlichen Zerfalls, seine Oper ist ein letztes emphatisches Aufbäumen gegen die Brüche der Gegenwart. Nach hundert Jahren folgt nun die erste Neuproduktion am Ort der Uraufführung.

Prolog
Die Nachtigall begrüßt die Zuschauer im Reich der Vögel, wo unbeschwerte Leichtigkeit ohne die Mühen menschlicher Arbeit herrsche. Dennoch hat auch sie Sehnsüchte und kennt Qualen, die sie jedoch nicht genau benennen kann.

Erster Aufzug
Hoffegut und Ratefreund sind auf der Suche nach dem König der Vögel, dem Wiedhopf. Ratefreund will den Menschen und ihrer grauenvollen Kunst entkommen und sich daher den Vögeln zuwenden. Hoffegut wiederum haben die Frauen übel mitgespielt, so dass er bei den Vögeln auf Liebe zu stoßen hofft. Der Zaunschlüpfer wundert sich über die beiden Gestalten, die geradeheraus erklären, den Wiedhopf zu suchen, der selbst ursprünglich ein Mensch gewesen sei. Als die beiden Menschen das zerzauste Federgewand des Wiedhopf sehen, amüsieren sie sich über dessen gar nicht königliche Erscheinung. Zudem bekennen sie freimütig, dass sie bei den Vögeln den Sorgen der Menschen entfliehen wollen. Euphorisch verspricht Ratefreund dem Wiedhopf, die Vögel seien zu Großem berufen. Sie sollten eine Stadt errichten, um ihre Macht manifest zu machen. Die Opfer, die die Menschen den Göttern darbringen, sollten die Vögel zudem am Aufsteigen in den Himmel hindern und somit den Göttern quasi die Nahrung verweigern und sie damit aushungern und entmachten. Der Wiedhopf ist Feuer und Flamme und will die Vögel hinter sich scharen, um den Plan zu verwirklichen. Die Nachtigall und der Wiedhopf rufen alle Vögel zusammen. Doch die Vögel sind überhaupt nicht begeistert, dass sich der Wiedhopf  mit Menschen eingelassen hat, was sie als Verrat bezeichnen. Hoffegut und Ratefreund wollen schon die Flucht ergreifen, doch der Wiedhopf gebietet Einhalt: Er selbst war ja auch als Mensch gekommen. Ratefreund umschmeichelt die Vögel, indem er ihnen in Erinnerung ruft, dass sie ein altes Geschlecht, älter als die Götter selbst, seien. Es gebiete sich daher auch, dass sie mächtiger als diese sind. Im Moment würden sie von den Menschen schlecht behandelt. Die Rede wirkt: Die Vögel wollen seinem Rat folgen. Zuerst gilt es, eine Stadt zu errichten, dann könne man Zeus herausfordern. Hoffegut malt eine positive Zukunft. Die Vögel, der Wiedhopf sowie Ratefreund und Hoffegut wollen sich an die Arbeit machen. Erstaunt beobachtet Hoffegut, dass Ratefreund bereits ein Vogelgefieder angelegt hat.

Zweiter Aufzug
Die Nachtigall, die vor ihrer Verwandlung zum Vogel ihren eigenen Sohn Ithys umgebracht hat, erinnert sich klagend ihrer Vergangenheit. Hoffegut ist ganz berauscht vom Gesang der Nachtigall. Er ruft sie zu sich, doch diese ist menschenscheu und reagiert nur zögerlich auf die Komplimente. Sie ist verunsichert, wird sie doch normalerweise von den anderen ausgenutzt, um immer noch schönere Melodien zu singen. Hoffegut erklärt ihr seine Liebe, doch die Nachtigall kennt nur die Idee der Liebe, die sich etwa im Mondschein äußert. Sie küsst ihn. Im Morgengrauen wird die neu errichtete Stadt der Vögel erkennbar. Wiedhopf fühlt sich königlich. Ein festlicher Zug von Vögeln bezieht die Stadt. Doch die Freude wird gestört: Prometheus hat unerkannt die Vögel und ihre Stadt ausgekundschaftet. Ratefreund stellt sich ihm mutig entgegen – ohne diesen zu erkennen. Wiedhopf verlangt vom Fremdling Zoll, der sich natürlich rundheraus weigert. Er wundert sich, warum sie ihre Freiheit als Vögel nicht zu schätzen wussten. Doch Wiedhopf meint, dass sie versklavt gewesen seien und nun Zeus herausfordern wollen. Prometheus warnt vor Zeus, der die Rebellion jeden Augenblick bestrafen könne. Prometheus erzählt von seinem eigenen Aufbegehren gegen Zeus, das dieser bitterlich bezahlt habe. Die Vögel hingegen schreien – erneut von Ratefreund aufgefordert – nach Krieg gegen Zeus. Zeus reagiert prompt, er ruft alle Winde herbei und lässt einen fürchterlichen Blitzschlag auf die Stadt nieder. Alle erkennen sogleich demütig die Macht Zeus’ an, gegen die sie nie eine Chance gehabt hätten. Ratefreund will wieder zurück in die Stadt der Menschen. Seine größenwahnsinnigen Ideen hat er bei den Vögeln nicht verwirklichen können. Hoffegut begreift immerhin, dass er in der Begegnung mit der Nachtigall etwas Besonderes erfahren hat. Er spürt – den Gesang der Nachtigall im Ohr –, wirklich „gelebt“ zu haben.

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