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Tragödie in einem Aufzug

Komponist Richard Strauss · Hugo von Hofmannsthal
In deutscher Sprache ohne Übertitel

Freitag, 17. Februar 2017
20.00 Uhr – 21.50 Uhr
Nationaltheater

Dauer ca. 1 Stunden 50 Minuten

Preise K

ausverkauft

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Besetzung

Musikalische Leitung
Simone Young
Inszenierung, Bühne, Kostüme, Licht
Herbert Wernicke
Chor
Sören Eckhoff

Klytämnestra
Doris Soffel
Elektra
Nina Stemme
Chrysothemis
Ricarda Merbeth
Aegisth
Ulrich Reß
Orest
Johan Reuter
Der Pfleger des Orest
Kristof Klorek
Die Vertraute
Alyona Abramowa
Die Schleppträgerin
Paula Iancic
Ein junger Diener
Matthew Grills
Ein alter Diener
Peter Lobert
Die Aufseherin
Helena Zubanovich
Erste Magd
Okka von der Damerau
Zweite Magd
Rachael Wilson
Dritte Magd
Heike Grötzinger
Vierte Magd
Daniela Köhler
Fünfte Magd
Golda Schultz
  • Bayerisches Staatsorchester
  • Chor der Bayerischen Staatsoper
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Elektras Vater: ermordet. Ihre Mutter und deren Liebhaber Ägisth sind seine Mörder. Die verwahrloste Elektra will den Vatermord rächen. Sie hat das Beil für die Tat, aber nicht die Kraft. Da erscheint ihr Bruder Orest ... Blechgepanzerte Emotionen! - aufgepeitscht von einem riesigen Orchester. Hochkarätige Sänger. Umjubelte Inszenierung von Herbert Wernicke. Erschütterndes Seelendrama!

 

Nach seiner Heimkehr aus dem Trojanischen Krieg wurde König Agamemnon von seiner Frau Klytämnestra und deren Geliebtem Aegisth ermordet. Elektra, die Tochter Klytämnestras und Agamemnons, will ihren Vater rächen. Sie wartet auf die Heimkehr ihres Bruders Orest, der als Kind nach der Bluttat vom Königshof entfernt worden war.

Die Mägde verspotten Elektra, die ausgestoßen vor dem Palast leben muß. Nur die jüngste Magd bekennt sich zu ihr und wird deshalb von den anderen mißhandelt.

Elektra beschwört den Geist ihres toten Vaters und ruft sich das Bild seiner Ermordung vor Augen. In einer blutigen Vision erlebt sie den Tag der Rache, die sie mit Orest nehmen will.

Chrysothemis warnt ihre Schwester Elektra vor Klytämnestra: Elektra solle – so habe sie gehört – eingesperrt werden. Chrysothemis, die sich leidenschaftlich nach erfülltem Leben und Liebe sehnt, fürchtet für sich ein ähnliches Los und gibt der Schwester die Schuld an ihrer gemeinsamen Lage.

Klytämnestra wird von Alpträumen gequält, in denen Orest als Rächer seines Vaters erscheint. Sie erhofft sich von ihrer Tochter Elektra ein Mittel gegen diese Träume. Elektras Antwort, sie werde nicht mehr träumen, sobald das richtige Opfer unter dem Beil gefallen sei, versteht sie nicht. Als Elektra der Mutter haßerfüllt ihre Rachepläne ins Gesicht schleudert, erhält die Königin die Nachricht vom Tod des Orest. Höhnisch lachend verschwindet sie im Palast.

Elektra ist entschlossen, die Rache an Klytämnestra und Aegisth nun zusammen mit Chrysothemis allein durchzuführen. Doch Chrysothemis weigert sich.

Ein Fremder gibt sich Elektra gegenüber als Bote aus, der den Tod des Orest zu melden habe. Als Elektra den Boten verflucht und ihren Namen nennt, gibt er sich ihr als Orest zu erkennen. Er ist gekommen, um den Vater zu rächen. Noch bevor Elektra ihm das Beil geben kann, mit dem Agamemnon erschlagen wurde und das sie für Orest aufbewahrt hat, wird er zur Königin in den Palast gerufen. Der Todesschrei Klytämnestras erlöst Elektra aus ihrer Spannung.

Mit heuchlerischer Freundlichkeit tritt sie dem nun heimkehrenden Aegisth entgegen, bestätigt ihm die Nachricht vom Tod des Orest und geleitet ihn ins Haus, wo Orest ihn erwartet.

In ihrer Freude über die vollzogene Rache nimmt Elektra Chrysothemis, die ihr von der Ankunft und der Tat Orests berichtet, kaum noch wahr.


© Bayerische Staatsoper

Premiere von Richard Strauss' "Elektra" am 27. Oktober 1997

Herbert Wernicke. Gedanken zur Konzeption


In meiner Münchner Elektra-Inszenierung gibt es kein Schlachthaus, kein Blut, kein Arbeitszimmer von Freud, kein Wohnzimmer einer bösen Familie. In der Zeit der TV-Seifenopern und schrecklichen Familiendramen geht man entweder auf diesen Realismus ein, oder man sagt: Das Theater hat andere ästhetische Möglichkeiten, eine Geschichte wie Elektra zu erzählen.

Genauer: Nur das Theater – und vor allem die Oper – hat noch die Chance, eine andere Wirklichkeit zu zeigen als Kino oder Fernsehen. Darum schlage ich den Weg der Archaik ein: keine Psychosen, keine Verhaltensweisen – nur Figuren. Wenn jeder Sänger seine Figur psychologisch darstellt, wird diese Familientragödie genauso bewegen und erschauern machen wie in den antiken Dramen von Sophokles und Euripides. Genau diese Archaik war es ja, die Hofmannsthal wiederentdeckt hatte für sein Welttheater.

Das Stück braucht szenisch sehr viel Ruhe. Elektra z.B. wird am Schluß nicht tanzen; der Zuschauer wird gezwungen, ihr in die Augen zu sehen. Auch in der Wiedererkennungsszene werden Elektra und Orest in erster Linie einander gegenüberstehen und sich anstarren. Nichts passiert, aber das mit Spannung. Das ganze Stück ist die Tragödie der Schuld und der Rache, jede Figur ist von Rache beseelt bis zum Umfallen. Die Wurzeln liegen in dem grausamen Krieg, den die Männer geführt haben. Was passiert während eines solchen Krieges und vor allem danach mit den Frauen? Eine immer wieder wichtige Frage, um die man bei Elektra nicht herumkommt. Klytämnestra ist nicht nur ein Schwein; ihre Kontaktaufnahme mit Elektra nach ihren schlimmen Träumen ist im Gegenteil sehr menschlich. Das Gespräch zwischen Mutter und Tochter ist die einzige wirklich erotische Szene in dieser Oper.

Die Bühne ist optisch einfach und abstrakt. Das ganze Bühnenportal wird schwarz zugemauert, so daß nur ein paar Meter Spielfläche übrigbleiben. Hier draußen, vor dem Palast, spielt sich die Handlung ab. Nur ein paarmal bricht die schwarze Palastmauer auf und gibt den Blick frei auf einen gleißenden Lichtraum in unterschiedlichen Farben: auf das Palastinnere, die eigentliche Opernbühne.

Auch der rote Hauptvorhang des Nationaltheaters wird in die Ausstattung miteinbezogen: als Mantel des Agamemnon. Manchmal trägt ihn Klytämnestra zur Machtdemonstration, einmal wird sich Elektra in ihn einhüllen; zuletzt wird ihn Orest als neuer Herrscher tragen.

Elektra ist ein gewaltiges, unglaublich modernes Stück, Strauss’ Tunnel zu Schönberg; und es wird spannend, dieses moderne Stück aus den ersten Jahren unseres Jahrhunderts jetzt zu spielen, kurz bevor ebendieses Jahrhundert zu Ende geht.

© Bayerische Staatsoper

 

 

Elektra in München

* Reihenfolge der Partien: Elektra, Chrysothemis, Klytämnestra, Orest, Aegisth
ML = Musikalische Leitung, IN = Inszenierung, BB = Bühnenbild, KM = Kostüme

14. Februar 1909
(Münchner Erstaufführung)

Hof- und Nationaltheater

ML Felix Mottl, IN Anton Fuchs, BB Richard Fischer, KM Hermann Buschbeck

Zdenka Faßbender, Maude Fay, Margarete Preuse-Matzenauer, Paul Bender, Raoul Walter *

10. Oktober 1927

Nationaltheater

ML Hans Knappertsbusch, IN Max Hofmüller, BB Adolf Linnebach

Gertrude Kappel, Felicie Hüni-Mihacsek, Hedwig Fichtmüller, Paul Bender, Fritz Fitzau

15. Januar 1952

Prinzregententheater

ML Georg Solti, IN Heinz Arnold, BB Helmut Jürgens, KM Rosemarie Jakameit

Inge Borkh, Annelies Kupper, Res Fischer, Ferdinand Frantz, Franz Klarwein

11. August 1963

Prinzregententheater

ML Joseph Keilberth, IN Hans Hartleb, BB Helmut Jürgens, KM Liselotte Erler

Astrid Varnay, Hildegard Hillebrecht, Jean Madeira, Hans Günter Nöcker, Fritz Uhl

19. Dezember 1972

Nationaltheater

ML Wolfgang Sawallisch, IN Günther Rennert, BB und KM Rudolf Heinrich

Danica Mastilovic, Claire Watson, Astrid Varnay, Franz Crass, Fritz Uhl

27. Oktober 1997

Nationaltheater

ML Peter Schneider, IN, BB und KM Herbert Wernicke

Gabriele Schnaut, Nadine Secunde, Marjana Lipovsek, Monte Pederson, William Cochran

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Biografien

Simone Young studierte in ihrer Heimatstadt Sydney Klavier und Komposition. Nach Stationen als Chefdirigentin des Bergen Philharmonic Orchestras und als Künstlerische Leiterin sowie Chefdirigentin an der Australian Opera in Sydney und Melbourne war sie von 2005 bis 2015 Intendantin der Staatsoper Hamburg und Generalmusikdirektorin des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg. Darüber hinaus gastierte sie an zahlreichen Opernhäusern, darunter die Wiener Staatsoper, die Opéra national de Paris, das Royal Opera House Covent Garden in London, die Metropolitan Opera in New York und die Staatsoper Berlin. Neben ihrer umfangreichen Operntätigkeit dirigierte sie u. a. die Berliner, Wiener und Münchner Philharmoniker. Dirigate an der Bayerischen Staatsoper 2016/17: Fidelio, Elektra, Tristan und Isolde.

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