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Commedia lirica in drei Akten - 1893

Komponist Giuseppe Verdi · Libretto von Arrigo Boito nach „The Merry Wives of Windsor“ und Passagen aus „King Henry IV“ von William Shakespeare
In italienischer Sprache · Mit Übertiteln in deutscher und englischer Sprache | Neuproduktion

Sonntag, 16. Mai 2021
19.00 Uhr
Nationaltheater

ab 12 Jahren

Familienvorstellung · U30 · Kinder- und Jugendeinführung: 18.15 Uhr

Freier Verkauf · Opern-Geschenk-Abo 170

Preise K , € 132 / 115 / 95 / 74 / 52 / 30 / 14 / 10

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Premiere am 02. Dezember 2020

#BSOfalstaff

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Besetzung

Musikalische Leitung
Pinchas Steinberg
Inszenierung
Mateja Koležnik
Bühne
Raimund Orfeo Voigt
Kostüme
Ana Savić-Gecan
Choreographie
Magdalena Reiter

Sir John Falstaff
Wolfgang Koch
Ford
Boris Pinkhasovich
Fenton
Bogdan Volkov
Dr. Cajus
Kevin Conners
Bardolfo
Francesco Castoro
Pistola
Callum Thorpe
Mrs. Alice Ford
Olga Bezsmertna
Nannetta
Elsa Benoit
Mrs. Quickly
Okka von der Damerau
Mrs. Meg Page
Dorottya Láng

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Medien

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Mehr dazu

Sir John Falstaff, der enorme, immense Falstaff, wie er sich selbst begeistert nennt, ist in Schwierigkeiten. Sein Bauch, sein größter Stolz, Synonym seiner Stattlichkeit, braucht dauernde Pflege in Form von überreicher Zufuhr an Speisen und Getränken. Aus ebendiesem Grund aber sind seine Mittel erschöpft. Falstaffs Schläue soll Abhilfe schaffen, gepaart mit seiner Pracht als Mann: Er verfasst gleichlautende Liebesbriefe an Mrs. Alice Ford und Mrs. Meg Page, um mit den Herzen der Damen die Vermögen von deren Ehemännern zu erobern. Die beiden „Merry Wifes of Windsor“ aber sind dem großspurigen Galan überlegen, die (lyrische) Komödie nimmt ihren Lauf. 

Verdis letzte Oper war sein erst zweiter Ausflug ins komische Genre: Fast fünfzig Jahre nach dem Misserfolg des Frühwerkes Un giorno di regno wagte er sich an den Shakespearschen Stoff, den sein Librettist Arrigo Boito kongenial aufbereitete. Falstaff solle Geist haben, schrieb Verdi an Boito, und der ergänzte zu diesem Zweck die Vorlage, Shakespeares The merry wifes of Windsor, durch Passagen aus Henry IV (in dem Shakespeare Sir John Falstaff erstmals auftreten ließ), sparte nicht an literarischen Verweisen und dichterischen Kunstgriffen und erfand einige der wunderbarsten Schimpftiraden der Literaturgeschichte. Verdi folgte dem Libretto mit einer detailreich durchkomponierten Tour de Force voll Witz und Tiefe, in der die treibende Groteske ebenso unvergleichlich in Musik gesetzt ist wie die lyrischen Momente.

 

Die Handlung

Erster Akt

Erstes Bild

Dr. Cajus erhebt schwere Vorwürfe: Falstaff habe wie ein Berserker an seinem Haus und Eigentum gewütet. Falstaffs Handlanger Bardolfo und Pistola hätten indessen ihn, den Doktor, betrunken gemacht und ihm die Taschen geleert. Während Falstaff bestätigt, er habe die fraglichen Schandtaten mit Vergnügen begangen, weisen die zwei anderen Beschuldigten die Vorwürfe zurück. Das genügt Falstaff, er entlässt den Doktor. Der schwört, künftig nur noch mit anständigen Leuten zu trinken.

Sir John hat dringende Geschäfte: Die leere Börse muss gefüllt werden, denn sein identitätsstiftender Bauch droht zu schrumpfen. Darum hat er an die beiden reichen Bürgersfrauen Alice Ford und Meg Page zwei gleichlautende Liebesbriefe verfasst. Hat er erst die Herzen der Damen gewonnen – dass das gelingen wird, steht für den stattlichen Sir außer Frage –, sollen sich in der Folge auch die Kassen der dazugehörigen Ehemänner öffnen. Doch Bardolfo und Pistola weigern sich, die Briefe zu überbringen. Das verbiete die Ehre. Falstaff platzt der Kragen: Mit wütenden Worten wider jenes Konstrukt namens Ehre jagt er Bardolfo und Pistola davon. Die Briefe lässt er anderweitig überbringen.

Zweites Bild

Alice Ford ist aufgeregt. Wenn sie wolle, erzählt sie ihrer Freundin Meg Page, könne sie eine Adelige werden. Sie auch, entgegnet die Angesprochene. Jede der Frauen zeigt nun einen Brief: Es sind die Briefe Falstaffs, der beiden seine Liebe anbietet und um Antwort bittet. Die Frauen sind empört, über die Anmaßung wie über den völlig gleichen Wortlaut der Briefe. Gemeinsam mit Mrs. Quickly und Alices Tochter Nannetta beschließen die beiden, Sir John einen Streich zu spielen. Mrs. Quickly soll ihm eine Einladung zu einem Stelldichein mit Alice überbringen. Folgt er der Einladung, werde man ihm einen Denkzettel verpassen.

Auch von anderer Seite droht Falstaff Ungemach: Dr. Cajus, Bardolfo, Pistola und der jungen Fenton bedrängen Alices Ehemann Ford mit Beschwerden über den zügellosen Sir John, Warnungen vor ihm und Angeboten, ihm das Handwerk zu legen. Pistola verrät Falstaffs Pläne. Ford schwört, er werde sich zu wehren wissen. Unter falschem Namen will er Falstaff aufsuchen und ihm eine Falle stellen.

Die Verliebten Fenton und Nannetta nutzen einen unbeobachteten Moment für romantische Bekenntnisse und verliebte Spiele.

Zweiter Akt

Erstes Bild

Bardolfo und Pistola kehren zum Schein in Falstaffs Dienste zurück und geben sich reumütig. Sir John nimmt sie gnädig wieder auf. Miss Quickly bittet um Audienz. Sie überbringt die Antworten der beiden Damen: Während Meg Page bedauert, ihrem eifersüchtigen Ehemann trotz großen Interesses an dem umfangreichen Sir nicht entkommen zu können, lädt Alice Ford zum Rendezvous zwischen zwei und drei Uhr. Dann nämlich sei ihr ebenfalls eifersüchtiger Ehemann außer Haus. Falstaff nimmt die Einladung an und entlässt die Botin.

Schon wird der nächste Besucher angekündigt: Ein Herr Fontana möchte unter Verweis auf eine mitgebrachte Weinflasche vorgelassen werden. Falstaff empfängt den Signor Fontana, der niemand anderer ist als der verkleidete Ford. Der trägt seinen angeblichen Kummer vor: Alice Ford, in die er verliebt sei, wolle ihn nicht erhören. Wenn nun Falstaff, ein Mann von Welt, Alice verführe, dann werde das vielleicht auch deren Widerstand gegen seine eigenen Avancen brechen. Der vermeintliche Fontana bietet Falstaff für seine Mühen einen Beutel Goldes an. Falstaff akzeptiert großmütig; als er erzählt, dass er bereits mit Alice verabredet sei, fällt der verkleidete Ford beinahe aus der Rolle. Während Falstaff sich für sein Rendezvous fein macht, rast Ford vor Zorn und Eifersucht.

Zweites Bild

Unter dem Gelächter der Frauen berichtet Mrs. Quicklys von ihrem Besuch bei Falstaff. Nur Nannetta will nicht in die Fröhlichkeit einstimmen: Ihr Vater, erzählt sie ihrer Mutter schluchzend, wolle sie mit dem alten Doktor Cajus verheiraten. Die Frauen sind empört über diesen Plan. Alice versichert Nannetta, sie müsse sich keine Sorgen machen. Zur Vorbereitung für die Rache an Falstaff wird ein großer Wäschekorb bereitgestellt.

Falstaff erscheint als Kavalier und macht Alice feurige Komplimente und fragwürdige Angebote. Die entzieht sich: Er liebe doch eigentlich Meg Page. Entrüstet weist Falstaff das zurück. Das Komplott läuft zunächst nach Plan: Falstaff kann sich gerade noch in ein Versteck flüchten, als Meg Page erscheint und Alice in gespielter Aufregung die Ankunft des wütenden Ehemannes ankündigt. Da schlägt Mrs. Quickly Alarm, denn Ford ist nun tatsächlich im Anmarsch, rasend vor Wut und in Begleitung von Bardolfo, Pistola, Dr. Cajus und Fenton. Mit Getöse durchsuchen die Männer das Haus nach Falstaff. Den Frauen gelingt es indessen, den Gesuchten im vorbereiteten Wäschekorb zu verstecken. Fenton und Nannetta verschwinden in demselben Versteck, in dem zuvor Falstaff verborgen war. Der Klang ihres Kusses ruft Ford auf den Plan. Im Glauben, Falstaff und seine Frau zu entdecken, stürmt er zusammen mit Cajus, Bardolfo und Pistola die Liebesszene. Als Fenton und Nannetta zum Vorschein kommen, wirft Ford Fenton wütend hinaus: Er habe ihm schon oft gesagt, dass er diese Verbindung nicht billige.

Während die Männer wieder auf die Suche gehen, kippen die Frauen mithilfe einiger Bediensteter den protestierenden Falstaff mitsamt der schmutzigen Wäsche in den Kanal.

Dritter Akt

Erstes Bild

Falstaff zieht bittere Bilanz über die Schlechtigkeit der Welt. Als er sich mit etwas Glühwein gestärkt hat, hebt sich seine Stimmung schnell wieder. Mrs. Quicklys Auftauchen erregt zunächst Falstaffs Zorn, sie aber beteuert die Unschuld Alices, schiebt das Unglück auf das Personal und überbringt die Einladung zu einem neuen Rendezvous. Um Mitternacht erwarte Alice Sir John im Park. Er möge in einem Kostüm kommen, das auf eine unheimliche alte Sage verweist. Während sich Falstaff und Mrs. Quickly für weitere Besprechungen zurückziehen, versammeln sich die Männer und Frauen um Alice. Sie arbeiten nun gemeinsam unter Alices Federführung an einem weiteren Streich, der Falstaff endgültig in seine Schranken weisen soll. Den eifrigen Ford weist Alice zurecht: Er habe wegen seiner Eifersucht eigentlich selber eine Strafe verdient.

Die schaurige Sage, so Alice, bilde das Ambiente für ihre Rache. Darum sollen sich alle Frauen verkleiden. Nannetta soll als Königin der Feen auftreten, außerdem will Alice weitere Verbündete in unheimlichen Kostümen mitbringen. Während die Frauen sich an die Vorbereitungen machen, gibt Ford Dr. Cajus heimlich Anweisungen: Am Ende des Streiches soll er in einem Kostüm die verkleidete Nannetta zu ihm, Ford, führen, dann werde er die beiden verheiraten. Die Männer bemerken allerdings nicht, dass sie von Mrs. Quickly belauscht werden.

Zweites Bild

Alice unterbricht die Zweisamkeit der beiden jungen Verliebten; sie drängt Fenton, ein Kostüm überzuziehen – dasselbe, das auch Dr. Cajus trägt.

Falstaff trifft in Verkleidung ein. Er versucht, Alice mit Liebesreden zu betören, doch die gibt sich abgelenkt: Meg Page sei ihr auf den Fersen. Meg warnt aus dem Hintergrund vor den Geistern, die unterwegs seien. Der Auftritt der maskierten Gestalten raubt Falstaff die Fassung. Dr. Cajus ist auf der Suche nach Nannetta, die sich zusammen mit Fenton versteckt. Falstaff wird von der unheimlichen Gesellschaft eingekreist. Unter Beschimpfungen und Schlägen äußert er Reue für seine Taten. Ford, Alice und Mrs. Quickly lösen schließlich die Maskerade auf. Nachdem Falstaff die Fassung wiedererlangt hat, erklärt er, er sei zwar ein Esel gewesen, doch bringe seine Besonderheit erst die Würze in das Leben der Durchschnittsmenschen. Alle stimmen begeistert zu.

Ford kündigt die Hochzeit der Feenkönigin als Krönung der Veranstaltung an. Alice bittet ihn, noch ein zweites Paar zu verheiraten, und Ford erklärt sich einverstanden. Als am Ende der Zeremonie alle die Schleier und Masken lüften, ist Ford entsetzt: Er hat nicht nur Dr. Cajus und den zwischendurch heimlich verschleierten Bardolfo verheiratet, sondern auch Fenton und seine Tochter. Auf Bitten von Alice und Nannetta gibt er sich geschlagen und erteilt der Verbindung seinen Segen. Zum Schluss resümiert die Gesellschaft: Alles in der Welt ist Posse, alle werden geprellt. Alle Sterblichen verspotten einander; gut lacht, wer als Letzter lacht.

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Biografien

Wolfgang Koch studierte Gesang in München und war anschließend Ensemblemitglied am Stadttheater Bern, am Staatstheater Stuttgart und an der Wiener Volksoper. Er gastierte u. a. an den Opernhäusern in Hamburg, Berlin, Frankfurt, Tokio, Zürich, Wien, Mailand, Paris und New York sowie bei den Festspielen in Bregenz, Salzburg und Bayreuth. Zu seinem Repertoire gehören Partien wie Scarpia (Tosca), Barak (Die Frau ohne Schatten), Wotan (Der Ring des Nibelungen), Mandryka (Arabella), Don Pizarro (Fidelio), Jochanaan (Salome) und die Titelpartien in Aribert Reimanns Lear und Paul Hindemiths Mathis der Maler. 2014 wurde er zum Bayerischen Kammersänger ernannt. (Stand: 2020)

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