Infos

Freitag, 02. Juli 2021
18.00 Uhr
Garmisch-Partenkirchen

Tickets via GAP-Ticket

zur Stücknavigation

Besetzung

Musikalische Leitung
Kirill Petrenko

Solistin
Johanni van Oostrum
Orchester
Bayerisches Staatsorchester
Violoncello
Emanuel Graf

Orchesterakademie des Bayerischen Staatsorchesters (Siegfried-Idyll)

zur Stücknavigation

Mehr dazu

Hermann Levi (1839 Gießen – 1900 München) war fast ein Vierteljahrhundert Generalmusikdirektor und Hofkapellmeister am Königlichen Hof- und Nationaltheater München. (Länger als er hat nur Franz Lachner diese Position innegehabt.) Zuvor war er nach Stationen in Saarbrücken, Mannheim und Rotterdam mehrere Jahre Hofkapellmeister in Karlsruhe. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in Partenkirchen, seit 1898 als Ehrenbürger; dort ist er auch bestattet. Nachdem man sein von Adolf v. Hildebrand entworfenes Mausoleum erst hat verfallen und in den 1950er Jahren beseitigen lassen, ist die Grabstätte nun neugestaltet worden.

Hermann Levi verbindet in seiner Künstlerpersönlichkeit die beiden großen Felder, auf denen das Bayerische Staatsorchester sich auszeichnet: Oper und Konzert. Er war viele Jahre einer der engsten Freunde von Johannes Brahms und hat mehrere seiner Werke uraufgeführt. Später wurde er zum wichtigsten musikalischen Mitarbeiter Richard Wagners. Er hat dessen Parsifal uraufgeführt und blieb bis 1894 unverzichtbarer Dirigent bei den Bayreuther Festspielen.

Auch für andere zeitgenössische Komponisten, die im damaligen Repertoire noch nicht allgemein anerkannt waren, hat er sich eingesetzt, zum Beispiel für Robert Schumann, Anton Bruckner, Hector Berlioz und Peter Tschaikowsky. Nicht zuletzt ist ihm zu verdanken, dass sich Mozarts da-Ponte-Opern als Zyklus auf den Opernbühnen etabliert haben; er hat alle drei weitgehend in ihrer Originalgestalt aufgeführt und werkgetreu übersetzt. Viele sprichwörtlich gewordene Formulierungen wie „Reich mir die Hand, mein Leben“ gehen auf Levi zurück.

Aufgrund seiner jüdischen Herkunft wurde seit den 1930er Jahren seine Bedeutung heruntergespielt und sein Andenken vernachlässigt – ganz konkret (mit der Beseitigung seines Mausoleums in Partenkirchen) und geistig (mit der Eliminierung seines Namens auf Straßenschildern und in Notenausgaben und mit der Auslöschung des kulturellen Gedächtnisses an sein Wirken). Um dieses Versäumnis richtigzustellen und die Erinnerung an Hermann Levis Bedeutung für die Musik wieder lebendig werden zu lassen, wollen Kirill Petrenko und das Bayerische Staatsorchester mit dem heutigen Konzert einen Beitrag leisten.

PROGRAMM:

Richard Wagner (1813–1883)
Siegfried-Idyll
Ruhig bewegt – Leicht bewegt – Lebhaft

Johannes Brahms (1833–1897)
Tragische Ouvertüre op. 81
Allegro ma non troppo – Molto più moderato – Tempo primo

Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791)
„Ihr Verwegnen … Wie der Felsen“. Arie der Fiordiligi aus Così fan tutte (in der Übersetzung von Hermann Levi)

Max Bruch (1838–1920)
Kol Nidrei. Adagio für Violoncello und Orchester op. 47
Adagio ma non troppo – Un poco più animato

Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847)
Ouvertüre zu Ruy Blas op. 95
Lento – Allegro molto

 

zur Stücknavigation

Biografien

Kirill Petrenko wurde 1972 in Omsk geboren und studierte dort an der Musikfachschule Klavier. Mit elf Jahren trat er als Pianist zum ersten Mal mit dem Omsker Symphonieorchester öffentlich auf. 1990 übersiedelte die Familie (Vater Geiger, Mutter Musikwissenschaftlerin) nach Vorarlberg, wo der Vater eine Stelle als Orchestermusiker und Musiklehrer annahm. Kirill Petrenko studierte zuerst weiter in Feldkirch und dann Dirigieren an der Musikuniversität in Wien. 

Direkt nach dem Abschluss engagierte ihn Nikolaus Bachler an die  Wiener Volksoper. Von 1999 bis 2002 war Kirill Petrenko Generalmusikdirektor am Meininger Theater. Mit seinem Dirigat von Wagners Der Ring des Nibelungen in der Inszenierung von Christine Mielitz und in der Ausstattung von Alfred Hrdlicka erregte er 2001 zum ersten Mal internationales Aufsehen. Im Jahr 2002 trat Kirill Petrenko sein Amt als Generalmusikdirektor an der Komischen Oper Berlin an, wo er bis 2007 eine Reihe von prägenden Produktionen leitete.

Parallel zu seinen Positionen in Meiningen und Berlin entwickelte sich rasch seine internationale Karriere. Im Jahre 2000 debütierte Kirill Petrenko beim Maggio Musicale Fiorentino, 2001 an der Wiener Staatsoper und der Semperoper Dresden, 2003 am Gran Teatre del Liceu in Barcelona, an der Opéra national de Paris, am Royal Opera House Covent Garden in London, an der Bayerischen Staatsoper sowie an der Metropolitan Opera in New York. Von 2006 bis 2008 erarbeitete er gemeinsam mit Peter Stein in Lyon Inszenierungen der drei Puschkin-Opern Tschaikowskys (Mazeppa, Eugen Onegin und Pique Dame), die im Frühjahr 2010 auch als Zyklus gezeigt wurden.

Seit seinem Weggang von der Komischen Oper Berlin war Kirill Petrenko als Dirigent freischaffend tätig. In dieser Zeit leitete er unter anderem 2009 an der Bayerischen Staatsoper die Neuproduktion von Janáčeks Jenůfa. In Frankfurt interpretierte er Mussorgskys Chowanschtschina, Pfitzners Palestrina und Puccinis Tosca. Im Jahr 2011 folgten dann zwei Neuproduktionen von Tristan und Isolde, zuerst an der Opéra National de Lyon und dann bei der Ruhrtriennale.

Zu den wichtigsten Orchestern, die Kirill Petrenko bisher geleitet hat, gehören die Berliner Philharmoniker, die Wiener Philharmoniker, die Staatskapelle Dresden, das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, das Bayerische Staatsorchester, das Sinfonieorchester des WDR Köln, die Hamburger Philharmoniker und das NDR-Sinfonieorchester Hamburg, das Frankfurter Opern- und Museumsorchester, das Concertgebouworkest Amsterdam, das Radio-Symphonieorchester Wien, die Wiener Symphoniker, das Cleveland Orchestra, das Chicago Symphony Orchestra, das London Philharmonic Orchestra, das Oslo Philharmonic Orchestra, das Orchestra Santa Cecilia in Rom, das Orchester der RAI Turin und das Israel Philharmonic Orchestra. Außerdem dirigierte Kirill Petrenko Konzerte bei den Bregenzer und Salzburger Festspielen. Von 2013 bis 2015 leitete er Der Ring des Nibelungen bei den Bayreuther Festspielen.

Im Herbst 2013 trat Kirill Petrenko sein Amt als Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper an, das er bis Ende der Spielzeit 2019/20 innehatte. Seither hat er die Premieren von Die Frau ohne Schatten, La clemenza di Tito, Die Soldaten, Lucia di Lammermoor, Lulu, Die Meistersinger von Nürnberg, Lady Macbeth von Mzensk, Tannhäuser, Il trittico, Parsifal, Otello, Salome und Die tote Stadt geleitet und im Repertoire unter anderem Richard Wagners Der Ring des Nibelungen. Im Januar 2016 erarbeitete Kirill Petrenko die Uraufführung von Miroslav Srnkas South Pole.

Seit 2019 ist Kirill Petrenko Chefdirigent der Berliner Philharmoniker. In der Spielzeit 2020-2021 leitet er zur Eröffnung der Münchner Opernfestspiele Richard Wagners Tristan und Isolde, die Wiederaufnahmen von Salome und Die Meistersinger von Nürnberg sowie das 4. Akademiekonzert. (Stand: 2020)

zur Stücknavigation