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Samstag, 27. April 2013
19.30 Uhr – 22.30 Uhr
Nationaltheater

Dauer ca. 3 Stunden · 1. Akt (ca. 19.30 - 20.10 Uhr) · Pause (ca. 20.10 - 20.25 Uhr) · 2. Akt (ca. 20.25 - 20.55 Uhr) · Pause (ca. 20.55 - 21.25 Uhr) · 3. Akt (ca. 21.25 - 21.55 Uhr)

Preise G

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Besetzung

Musikalische Leitung
Myron Romanul
Choreographie und Inszenierung
Terence Kohler
Raum, Kostüme
rosalie
Licht
Christian Kass
Musik
Lera Auerbach
Musik
Alfred Schnittke

Prometheus
Lukáš Slavický
Epimetheus
Ilia Sarkisov
Athena Parthenos
Emma Barrowman
Pandora
Katherina Markowskaja
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Medien

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Mehr dazu

„Um ein Held zu werden, muss man anders sein. Die Taten des Helden sollen Heldenruhm bescheren. Seine heldenhaften oder heroischen Fähigkeiten können von körperlicher oder auch geistiger Natur sein: Mut, Aufopferungsbereitschaft, Einsatzbereitschaft für Ideale oder Mitmenschen. Helden stehen im Gegensatz zum Schurken oder Feigling – oder sollten es jedenfalls.“

Es wird die vierte Choreographie des jungen australischen Choreographen Terence Kohler, der 2011/12 ein Jahr lang als choreographer in residence in München gearbeitet hat. Naturgemäß kennt Kohler die Tänzer des Ensembles sehr gut und kann es wagen, eine abendfüllende Kreation für das Nationaltheater mit ihnen zu entwickeln.
Helden ist ein umfassendes Thema, das Kohler zunächst konzentriert auf die Kontroverse zwischen Epimetheus, der der Mythologie nach den Tieren ihre vielfältigen Eigenschaften verlieh, und Prometheus, der den Menschen das Feuer und damit die Kultur bringt. Gleichzeitig öffnet er ihnen damit die Schleusen der Macht, die sie vernünftig und zum Nutzen der Menschheit gebrauchen, aber auch als Wahn ihrer Allmacht gegen sich selbst richten können. Terence Kohler verlängert diese Herausforderung an die Vernunft und die Einsicht des Menschen ins Hier und Jetzt und sucht nach der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Die Musik zu diesem 'sinfonischen Ballett mit Handlung' stellte Kohler aus Werken von Alfred Schnittke und der russisch-amerikanischen Komponistin Lera Auerbach zusammen, die in enger Zusammenarbeit mit Kohler eigene Kompositionen für seine Kreation bearbeitete. Raum, Objekte und Kostüme entwarf rosalie.

 

Bevor wir die Welt retten, müssen wir uns selbst retten (Clair Sauran)

Terence Kohlers "Helden" ist mehr als ein Ballett über Helden, es ist eine choreographische Studie über menschliches Verhalten. Es geht um Ehrgeiz und Macht, Liebe und Verlust, und die Art und Weise wie diese vier Elemente sich verzahnen können.
Ursprünglich begann "Helden" als Ballett über Helden. In den frühen Entscheidungsphasen, welche Art von Held im Zentrum der Geschichte stehen sollte, wurde uns klar, dass die weit interessantere Frage war: was macht eigentlich eine Person zu einem Helden, eine andere zu einem Bösewicht? Schließlich ist der interessanteste Teil einer Heldensaga oft deren ursprüngliche Geschichte, denn dort findet die Entwicklung von gewöhnlich zu außergewöhnlich statt. Nach Abwägung aller Möglichkeiten kamen wir zu der Schlussfolgerung, dass diejenigen, die im wirklichen Leben als Helden gelten, heute oft durch die Medien zu diesem Status erhoben werden. Ob zu Recht oder zu Unrecht, ist oft eine Frage von Einfluss, von Präsenz in der Öffentlichkeit, von effektiver Vermarktung. Jemand wird öffentlich als Held gepriesen und deshalb als Held bekannt, während ein anderer dasselbe oder Größeres leistet ohne diese Anerkennung zu erhalten.
In unserer heutigen Gesellschaft sind "Helden", die von den Generationen der Jugendlichen am höchsten respektiert und verehrt werden, oft Weltklasse-Athleten, populäre Sänger, Schauspieler und Berühmtheiten, die man auf Grund ihrer äußeren Erscheinung, ihres Images wegen ebenso, wenn nicht gar mehr anhimmelt als wegen wirklicher Taten. Während nun einige ihren hohen Status dafür nutzen, das Bewusstsein und die Sensibilität für den Zustand der Welt zu erhöhen, gibt es ebenso viele, die auf Podesten stehen, aber nichts tun, um die Welt sinnvoll zu verändern, sie besser zu machen. Interessanterweise finden die Menschen, die sich aktiv für einen Wandel in der Welt einsetzen, wie Forscher, Wissenschaftler, Erfinder, oder jene, die Tag für Tag ihr Leben aufs Spiel setzen um anderen zu helfen wie Feuerwehrmänner, Ärzte, Polizisten, selten öffentliche Anerkennung für ihre Helferrolle in der Gesellschaft ernten.
Offenbar ist in der heutigen Gesellschaft der Begriff des Helden austauschbar mit dem des Idols. Ist der Grund die fehlende Bereitschaft, zu akzeptieren, dass die Welt heute vielleicht mehr denn je Helden braucht, oder hat sich die Werteskala der modernen Gesellschaft so dramatisch verändert, dass wir wahre Helden längst durch Abziehbilder ersetzt haben?

Im Ballett Helden erkunden wir die Frage nach dem Wesen eines Helden, nach dem Unterschied zwischen einem Idol und einem Helden im herkömmlichem Sinn; und was steckt dahinter, dass die Gesellschaft gewisse Menschen als Helden anerkennt, andere aber nicht?
Auf Grund der verschiedenen immanenten Elemente und Vorstellungen haben wir uns beim Entstehen von „Helden“ dafür entschieden, eine Erzählstruktur zu finden, die keine wort-wörtliche Erklärung der Geschichte bietet, vielmehr dem Publikum die Freiheit eigener Wahrnehmungen und Folgerungen erlaubt. Die Vorstellung, Dinge aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten, rückte in den Mittelpunkt.
In diesem Ballett haben wir unterschiedliche Perspektiven eingesetzt, um die graduellen Unterschiede dreier Charaktere aufzuzeigen, von denen jeder zu gewissen Phasen des Balletts als heldenhaft angesehen werden kann. Jeder dieser Helden (oder Heldinnen) ist letztlich ein ganz normaler Mensch mit seinen Fehlern, der sich vom jeweils anderen durch seine Entscheidungsbereitschaft und seinen Willen zum Handeln unterscheidet.
Die Story des Balletts bedient sich dreier unterschiedlicher Perspektiven: der des Prometheus, des Epimetheus und der Athena Parthenos. Obwohl die Figuren in "Helden" die Namen großer Heroen der griechischen Mythologie tragen, haben wir deren idealisierte Charaktere, vorhersehendem Weitblick bei Prometheus, nachfolgender Einsicht und Weisheit dazu benutzt, neue Figuren zu schaffen, die in der heutigen Welt bestehen könnten.
Während in der griechischen Mythologie Prometheus und Epimetheus verbrüderte Titanen sind, sind sie zu Beginn des Balletts einander fremd. In gewisser Weise sind sie Bruder-Metaphern – jeder versucht, die Welt nach seinem Gutdünken auszurichten, aber sie sind auch wie die griechischen Heroen Gegenspieler. Prometheus handelt in all seinen Planungen logisch und überlegt bis die Technik, die er sich nutzbar gemacht hat, ihn überwältigt, er sich nicht mehr im Zaum halten kann und seinen Bruder Epimetheus ermordet. Epimetheus fehlt jegliches Voraussehen, er handelt im gegebenen Augenblick, plant nie im Voraus, lernt aber aus dem Vergangenen.
Die Geschichte thematisiert die Art und Weise, wie Menschen physisch, mental und emotional miteinander umgehen. Prometheus sieht die Möglichkeit, der Welt zu helfen, nutzt die Kraft der Natur und der Technik , um eine neue Form gesellschaftlichen Umgangs zu schaffen, die es den Menschen erlaubt, enger als je zuvor miteinander in Bezug zu treten. Er wird als Held gepriesen, weil er das Leben der Menschen grundlegend verändert, aber sie geraten sehr rasch in eine Abhängigkeit von seiner Technologie, werden vollständig von ihr beherrscht und werden einander und der sie umgebenden Welt völlig fremd.
Prometheus hat die Balance und natürliche Ordnung der Gesellschaft gestört und beraubt symbolisch die Welt aller ihrer (Natur)-schätze. Sein Tun bewirkt, dass die Menschen jede Authentizität einbüßen, sich tief in die virtuelle Welt zurückziehen, wo sie nicht mehr selbständig denken und fühlen müssen, und die wirkliche Welt für sie zu existieren aufhört.


Personal

PROMETHEUS, stets von großem Ehrgeiz geleitet, nutzt seine Kenntnisse, um mit einer technischen Erfindung den Menschen Fortschritt zu bringen. Obwohl er eigentlich gutes im Sinn hat und den Menschen helfen will, korrumpieren ihn bald Macht und Ruhm und bringen ihn vom rechten Weg ab.

EPIMETHEUS, der "Nachherbedenkende", lebt für den Moment und die Liebe zu Pandora. Er lehnt Veränderungen ab und misstraut dem Fortschritt - dies macht ihn zu Prometheus' Gegenspieler.

ATHENA PARTHENOS, eine überaus kluge Frau, die dank ihrer Empathie durch die Erfahrungen und Fehler anderer Lernt. Sie schreitet fort auf dem Wege der Aufklärung und antizipiert zukünftige Konflikte.

PANDORA ist die Geliebte Epimetheus'. Durch ihre unstillbare Neugier lässt sie sich leicht vom Ziel ablenken.

DIE MENSCHEN, die Prometheus und seinen Versprechen aus Angst vor der Zukunft viel zu lange Glauben schenken und die Warnungen, selbst ihre eigenen Vorahnungen, in den Wind schlagen, gesteuert von Hybris, Existenzangst und ungebändigtem Wissensdurst.

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Biografien

In Baltimore geboren, gab Myron Romanul bereits im Alter von elf Jahren sein Debüt als Solopianist mit dem Boston Symphony Orchestra.

Er studierte in Boston, wo er als Solist sowie als Mitglied des Boston Symphony Orchestra und des Boston Pops Orchestra mit Seiji Ozawa, Kurt Mazur, Arthur Fiedler, John Williams und anderen arbeitete. Im Jahr 1973 wurde Romanul mit dem New England Conservatory Ragtime Ensemble mit dem Grammy Award für "Best Classical Chamber Music" ausgezeichnet.

Nach Aufgaben als Assistant Music Director an der Boston Lyric Opera sowie als Erster Dirigent des Boston Ballet war er von 1985 bis 1990 Dirigent und Solopianist des Stuttgart Balletts. Danach arbeitete er als 2. Kapellmeister und Assistenz-Generalmusikdirektor am Badischen Staatstheater Karlsruhe (1990-1994), als 1. Kapellmeister und Stellvertretender Generalmusikdirektor am Stadttheater Mainz (1994-1997) sowie als 1. Kapellmeister am Aalto Theater Essen. Hinzu kamen Gastdirigate innerhalb Deutschlands und anderen Ländern. Zurzeit ist Myron Romanul Principal Conductor des Central Massachusetts Symphony Orchestra und Gastdirigent am Opéra national du Rhin und in Metz, beide in Frankreich und am His Majesty's Theater in Perth, Australien.

Seit 1987 leitet Myron Romanul Aufführungen der Bayerischen Staatsoper und des Balletts. Für das Bayerische Staatsballett dirigierte Romanul unter anderem Der Widerspenstigen ZähmungOneginDon Quijote, Balanchines Brahms-Schönberg Quartett, Jacopo Godanis After DarkDer NussknackerRomeo und Julia und La Bayadère. Er übernahm darüber hinaus die musikalische Leitung zahlreicher Premieren wie Die Silberne RoseBombana/Simon/Godani und Le Corsaire, Terence Kohlers Helden, Den Abend Der gelbe Klang und Le Sacre du printemps.

Mehr über Myron Romanul lesen Sie hier
(Stand: September 2019)

 

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