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GENERATION GOLDFISH / Tag Zwei / Othello

Zeitgenössische Choreographien

| Neuproduktion

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GENERATION GOLDFISH

Choreographie
Charlotte Edmonds
Bühne
Charlotte Edmonds
Kostüme
Charlotte Edmonds , Susanne Stehle
Licht
Ryan Joseph Stafford
Musik
Katya Richardson
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Crawford Winlove


Tag Zwei

Choreographie
Özkan Ayik
Musik
Jon Hopkins, Loscil
Bühne
Özkan Ayik
Kostüme
Susanne Stehle, Özkan Ayik
Licht
Christian Kass


Othello

Choreographie
Emil Faski
Konzeption
Emil Faski
Musik
Henryk Mikolaj Górecki, Dmitri Schostakowitsch, Tribal Drums
Bühne und Kostüme
Maria Goroshko
Licht
Christian Kass

  • Ensemble des Bayerischen Staatsballetts
  • Bayerisches Staatsorchester
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Mit der Reihe Heute ist morgen initiierte Ballettdirektor Igor Zelensky ein Format, um zeitgenössischen Positionen im Tanz sowie jungen Choreograph:innen eine attraktive Plattform zu bieten. Die Aufführungen im Prinzregententheater erfreuen sich beim Publikum großer Beliebtheit und zeigen das breite Spektrum an künstlerischen Handschriften, mit denen das Ballett heutzutage gestaltet wird. Erzählerische, abstrakte, improvisierte, klassische sowie Elemente aus der Performance-Art gelangen zum Einsatz und zeigen auf, in welche Richtung sich das Ballett in Zukunft entwickeln könnte.

Das Fischwesen übersetzt sich in der Choreographie von Charlotte Edmonds ganz in die Körper der Tänzerinnen und Tänzer. Füße und Hände verwandeln sich in Flossen, der Körper wird von Strömungen erfasst und die Schwarmintelligenz lässt die Gruppe sowohl synchron als auch individuell agieren. Die elektronische Musik von Katya Richardson spielt akustisch mit Luftbläschen und Wasserbewegungen und nähert sich teilweise einer möglichen Fischsprache an. Das Aufmerksamkeits-Motiv, für das sich Charlotte Edmonds intensiv mit der Forschung des Neurowissenschaftlers Crawford Winlove auseinandergesetzt hat, zieht sich anhand Bewegungsmomente mit viel Augenzwinkern durch das ganze Stück. Die Goldfisch-Tänzer repräsentieren eine neuronale Struktur, die mal mehr und mal weniger aktiv ist. Die Aufmerksamkeit des Publikums wird gefesselt durch die choreographische Struktur, die einen dynamischen und spielerischen Verlauf zeichnet.

In seiner ersten Choreographie für das Bayerische Staatsballett mit dem Titel Tag Zwei beschäftigt sich Özkan Ayik mit der menschlichen Erfahrung der Kontinuität. Die sechs Tänzer:innen bewegen sich zu einer Soundcollage, u.a. mit Musik des kanadischen Elektromusikers Loscil. Der fließende Charakter der elektronischen Klänge erlaubt es Ayik, auf die vorgegebenen musikalischen Strukturen mit einer ausdrucksvollen Bewegungssprache zu reagieren. Der Choreograph markiert das Kontinuierliche, indem sich aus einzelnen Gesten, Positionen und Schritten immer neue Gesamtsituationen ergeben: „Dass das Leben am nächsten Morgen weitergeht, überrascht mich manchmal, weil ich weiss, dass es eines Tages keinen „Tag Zwei“ geben wird. Von daher drückt der Titel meiner Choreographie auch eine Hoffnung und eine Zuversicht aus, allerdings mit einer reflektierten Komponente, da man keine Ahnung hat, was einen in der Zukunft erwartet. Es gibt kein Scheitern, es gibt nur das Versuchen, das kontinuierliche Nochmals-von-vorne-Anfangen.“

Die Othello-Version von Emil Faski zeichnet sich durch eine retrospektive Erzählstruktur aus. Der Choreograph thematisiert in seinem Stück, wie die Menschen vergangene Ereignisse in ihrem Kopf durchgehen, in der Zeit zurückzureisen, um sich mit einmal getroffenen Entscheidungen auseinanderzusetzen. Hätte man anders handeln können? Wo wären alternative Abzweigungen auf dem Weg zu finden gewesen? Emil Faski hat diese Motive zur Grundlage seiner Arbeit für das Bayerische Staatsballett gemacht. Für den aus Russland stammenden Choreographen stellt die Rückschau auf vergangene Ereignisse einen psychologischen Mechanismus dar, um sich mit der eigenen Geschichte zu konfrontieren. Mit seiner Othello-Version, deren Erzählstruktur vom Blickwinkel des Protagonisten geprägt ist, möchte Emil Faski dem Publikum ermöglichen, sich in Othellos Lage zu versetzen und die Intrige Jagos aus der Sicht der Titelfigur zu erleben.

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Biografien

Choreographin

Die englische Choreographin Charlotte Edmonds, Jahrgang 1996, ist Gründungsmitglied des seit der Saison 2015/2016 bestehenden Royal Ballet Young Choreographer Programme. Ihre Ausbildung absolvierte sie an der Royal Ballet School und trat bereits als Schülerin mit dem Royal Ballet auf. Ihr Choreographie-Debüt beim Royal Ballet gab sie 2014 mit dem Film The Indifferent Beak für das Deloitte Ignite Festival. Während ihrer Tätigkeit für dieses Ensemble schuf sie Choreographien für Royal Ballet Draft Works, Partnership and Access Chance to Dance, die The Royal Ballet School Summer Performance 2016, das zu Wayne McGregors zehnjährigem Jubiläum entstandene Werk META sowie für den Film Piggy in the Middle/Sink or Swim. Im Rahmen der Royal Ballet Summer School 2017 war sie als Gast-Choreographin tätig.

Im Auftrag des Dutch National Ballet schuf Charlotte Edmonds in der Saison 2015/2016 das Ballet Fuse, ihr 1. internationales Auftragswerk, das seither auf Frühlingstourneen der Dutch National Juniors immer wieder aufgeführt wird. Für andere Ensembles hat sie u. a. produziert: No Strings Attached (als „Causeway Young Artist in Residence“), Self für das Yorke Dance Project sowie Pelican für English National Ballet Emerging Dancer – ein Werk für das Selfridges EveryBODY Campaign Studio Wayne McGregor, Northern Ballet Studio und Opera Holland Park. Darüber hinaus war sie als Commissioned Choreographer für die Genée International Ballet Competition des Jahres 2015 tätig, nahm 2016 am Young Rural Retreat von DanceEast teil und war für die Amsterdam International Summer School als Gast-Choreographin tätig. 2017 gastierte sie im Zuge einer Summer Residency beim New Yorker Center for Ballet and the Arts. Im gleichen Jahr entstand ihr Kurzfilm Sink or Swim, in dessen Mittelpunkt das Thema psychische Gesundheit steht. Die ldee dafür stammt vom Selbstporträt Sink or Swim des Künstlers Ian Cumberland (BP Portrait Award, 2015). In dem Film tritt u. a. Francesca Hayward auf. Eine von Charlotte Edmonds kreierte und von Alessandra Ferri and James Pett getanzte Choreographie ist im BBC-Film Winged Bull in the Elephant Case zu sehen.

Aus jüngerer Zeit stammt Edmonds Kurzfilm für KO Productions über die Verschmutzung der Erde mit Plastikmüll, in dem Christopher Thomas, Young Associate bei Sadler’s Wells, zu sehen ist. Ausgewählte Premieren des Jahres 2019: Eine neuerliche Zusammenarbeit mit der Rambert School für die anlässlich des Abschlusses der Absolventen erarbeiteten Produktion 10 Million Tonnes sowie Left From Write, das das Norwegian National Ballet 2 für das 2019 Young Talent Festival am Linbury Theatre des Royal Opera House aufführte. Im Rahmen des Ballett-Festival-Sommers des Joyce Theater gab sie in diesem Jahr auch ihr US-Debüt und kreierte außerdem für das walisische Ballett Cymru Wired To The Moon. Im Jahr 2020 arbeitet Charlotte Edmonds erneut mit dem Norwegian National Ballet 2 und dem Dutch National Ballet Junior zusammen. Dabei erweckt sie sowohl bestehende Choreographien wieder zum Leben und schafft neue Werke.

Ihre Neukreation für Heute ist morgen 2021 ist ihr erstes Werk beim Bayerischen Staatsballett. 

(Stand: August 2020)

 

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