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Alle Besetzungen

kuratiert von der Dramaturgie der Bayerischen Staatsoper und Prof. Dr. Barbara Vinken (Ludwig-Maximilians-Universität München)

Vorträge, Seminare und Talks mit Mieke Bal, Saskia Bladt, Ayzit Bostan, Elisabeth Bronfen, Cynthia Chase, Philipp Ekardt, Ursula Pia Jauch, David J. Levin, Shoshana Liessmann, Michaela Meise, Beate Söntgen, Klaus Theweleit, Barbara Vinken, Juliane Vogel, Klaus Walter, Cornelia Wild u.a.

Performances, Videos und Installationen von und mit Katarzyna Kozyra, Michaela Melián, Lenz Schuster, David Heimerl, Kim Bormann, Leif Eric Young, Kim Ramona Ranalter, Manuela Hartel und Studierenden der Klasse Medienkunst an der Akademie der Bildenden Künste München: Diana Akoto-Yip, Eva Büchi, David Curdija, Asbjörn Jungnik, Bianca Kennedy, Kitti & Joy, Iason Konstantinou, Salima Mansouri, Elisa Nadal, Paulina Nolte, Patrik Tircher, Patrik Thomas, Vacillica, Fernanda Vilela und Laura Ziegler (künstlerische Leitung: Manuela Hartel)


und: THE CALL OF SALOME – Johannes Müller und Philine Rinnert rufen auf zur Lip-Synch und Drag-Performance zu Richard Strauss' Salome.

Inszenierung Sapir Heller, Benjamin David
Raum und Kostüme Ursula Gaisböck

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Geschlechter sind zum Spielen da!

Diskurs, Performance und Party: Für einen Tag wird die Alte Kongresshalle bis spät in die Nacht zur „Stadt der Frauen“ – und zwar für alle Geschlechter. In den unterschiedlichen Räumen der Kongresshalle untersuchen Wissenschaftler*innen und Künstler*innen unter anderem die Parallelen zwischen dem machohaften Gebaren von Don Draper aus der Serie Mad Men und Mozarts Don Giovanni, das verführerische Potential der menschlichen Stimme oder den Sexappeal von Cheerleadern. Richard Straussʼ Salome wird zum Inhalt einer Drag-Performance. Und ab 23 Uhr legen die DJanes Ayzit Bostan und Tanja Seiner auf.

Eine „Stadt der Frauen“ kann wie in Federico Fellinis gleichnamigem Film als männliches, gleichermaßen Lust wie auch Angst weckendes Phantasma gezeichnet werden, oder, wie vor einem halben Jahrtausend durch die Klosterfrau Christine de Pizan, als weibliche Utopie. Wie sähe eine „Stadt der Frauen“ des 21. Jahrhunderts aus?  Was machen Gleichberechtigung und gender correctness mit dem Spiel der Verführung? Wo überall spielt das Geschlecht noch die Hauptrolle? Und wenn die alten Geschichten der Opernbühne scheinbar voller längst überwundener Beziehungsmuster stecken – warum faszinieren sie uns immer noch?

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Der genaue Zeitplan zum Download (PDF)
Das Programm zum Download (PDF)


Vorträge, Seminare, Gesprächsrunden von und mit:

Barbara Vinken – Die Oper eine Stadt der Frauen. Die modebegeisterte Münchner Literaturwissenschaftlerin schlägt einen Bogen von der mittelalterlichen Gelehrten Christine de Pizan, die in ihrem Frauenlob La cité des dames eine göttliche Stadt errichtete, wo weibliche Tugend als das Talent der Frauen wachsen sollte, zu Federico Fellinis filmischer Phantasie von einer Stadt der Frauen als einen von weiblicher Lust beherrschten Schauplatz des Begehrens. Wie erhellt und offenbart das Kernmotiv der Oper, die Frau als Stimme, beides, die Tugend und die Lust, das Talent und das Begehren? Was macht die Stimme der Frauen, dieses engelgleiche Medium voll teuflischer Gefährdungen, das von der Königin der Nacht bis hin zu Lulu alle irdischen Maße sprengt, in ihrer Stadt mit den Männern? Wie steht es unter der Macht der Stimmen um Liebes Lust und Leid?

Elisabeth Bronfen – Don Giovanni, Don Draper und die Kunst der Verführung. Die Kultur- und Literaturwissenschaftlerin aus Zürich nimmt den Helden der Serie Mad Men und seine  lügenartigen Verkleidungen zum Anlass darüber nachzudenken, warum solche Typen noch immer verdammt gut verführen, und sucht in seiner erotischen Manie wie in seinem Trieb zum Tod nach einer möglichen Verwandtschaft zu Don Giovanni.

Mieke Bal – Long Live Anachronism! Madame B Today. Als Gustave Flauberts Romanheldin Madame Bovary in den 1850er Jahren in die Oper geht, lenkt das Auftauchen eines potenziellen Liebhabers sie von der Musik ab. Wird ihr plötzlich aufflammendes Begehren vom romantischen Reiz der Oper Lucia di Lammermoor entfacht, deren Vorstellung sie besucht? Oder gibt es da etwas anderes, Alltäglicheres, das auch heute passieren könnte? Die Kulturwissenschaftlerin und Filmemacherin aus Amsterdam gibt Einblicke in ihren kürzlich entstandenen, auf Flaubert basierenden Film Madame B. und zeigt, dass die Katastrophe von Emmas Leben Ursachen hat, die immer noch, oder schon wieder grassieren. (in englischer Sprache)

Klaus Walter – Vokalviagra & geschminkte Stimme. In seinem Vortrag mit Schallplatten und Videos spricht der Kölner DJ, Radiomacher und Autor Klaus Walter über Zusammenhänge zwischen medialen Technologien und Körperinszenierungen, über Autotuning & Pornografie, Körper-Apps & Selbstoptimierung.

Michaela Meise und Beate Söntgen – Mamma mia. Die Berliner Künstlerin und die Kunsthistorikerin aus Lüneburg befragen im gemeinsamen Gespräch eine ambivalente Figur, die jeder kennt: die Mutter. Dafür nehmen sie Bilder, Lieder und Kulinarisches zu Hilfe.

Juliane Vogel – Die Kunst des Auftretens. Auf der Opernbühne und sogar im Alltag haben Frauen den Männern in der Kunst des Auftretens inzwischen den Rang abgelaufen: Wollen sie sich Recht verschaffen, treten sie auf spektakuläre Weise ins Licht und in Erscheinung. Die Konstanzer Literaturwissenschaftlerin untersucht Typen des Auftritts und was an ihnen typisch weiblich ist. Dafür nimmt sie die Zuschauer mit auf einen Parcours voller spektakulärer Auftrittsszenarien.

Cynthia Chase – Incredibile, ma vero: The Voice of the Tenor in the Company of Women. „Unglaublich, aber wahr“: In einer Halbwelt von Informanten und Agenten, Willkür und Verrat zählt jedes Wort. Oft trennt nur eine Silbe den Sprechenden vom Schafott. Die amerikanische Literaturwissenschaftlerin Cynthia Chase, opera- und frankophil gleichermaßen, untersucht, wie glaubwürdig die menschliche Stimme in einer solchen Lage noch sein kann. Rotgefärbt vom Blut der Guillotinenopfer wird Paris, die Stadt der Liebe und die Stadt der Frauen, zur Stadt des Terrors. Im Revolutionsdrama Andrea Chénier wird der Gesang des Tenors zum Anwalt der Gefühle und legitimiert mit seinem unwiderstehlichen Klang das heroische Einstehen zweier Menschen füreinander ebenso wie für die ganze Gattung Oper. (in englischer Sprache)

Klaus Theweleit – Königstöchter. Der Kulturtheoretiker und Schriftsteller Theweleit hat schon in den 1970iger Jahren Männerphantasien kritisch auf ihren ideologischen Gehalt hin unter die Lupe genommen. Jetzt analysiert er Mythen um Königstöchter von Medea bis Pocahontas und wie in ihnen Vorstellungen von Sex und Macht miteinander verflochten sind.

Shoshana Liessmann und Cornelia Wild – Chor der Frauen. Flüstern und Gezwitscher. Die Münchner Musikwissenschaftlerin Shoshana Liessmann stellt ultraorthodoxe jüdische Frauen und deren Auseinandersetzung mit der religiösen Zensur der weiblichen Stimme vor. Die Romanistin Cornelia Wild zeigt, dass in der Literatur weibliche Stimmen als Vogelstimmen auftauchen, die eine Ordnung eigener Art konstituieren und sich zu einem imaginären Chor oder Antichor formieren.

Philipp Ekardt – Hommage an Alexandra Kluge (Und andere Close-Ups von Frauengesichtern). Der aus London anreisende Kunsthistoriker und Literaturwissenschaftler würdigt in seinem Vortrag mit Bildern und Clips die Schauspielerin Alexandra Kluge, die in den Filmen ihres Bruders Alexander, so in seiner Opernerforschung Die Macht der Gefühle, dem Neuen Deutschen Film ein Gesicht gab. Ihr Darstellungsstil schuf Heldinnen, deren Einsichtsverweigerung in "die Verhältnisse" eine Form des Widerstands darstellen könnte. Im Kontext der Operngeschichte ließen sich diese in die Nachfolge Parsifals stellen: nicht als Figuren der Torheit, sondern als Manifestationen eines grundlegenden Nichteinverstandenseins mit dem Stand der Dinge.

David J. Levin – Jungfrauentabu. David J. Levin, Theater- und Filmwissenschaftler an der University of Chicago, lädt die Zuschauer ein, gemeinsam mit Tänzern des Projekts Jephtah’s Daughter angewandte Archäologie an antiken und biblischen Opfergeschichten zu betreiben und gegenwärtige Bedeutungen hinter scheinbar archaischen Begriffen und Konzepten wie Unschuld, Jungfräulichkeit und Opferung aufzuspüren.

Ursula Pia Jauch – „Geschlechter sind zum Spielen da“. Die Philosophin aus Zürich errichtet in der Stadt der Frauen eine Bibliothek und treibt hier öffentliche Lektüre frühfeministischer, durchaus lustvoller Texte von Immanuel Kant bis Philippine von Knigge.

Philipp Ekardt und Barbara Vinken – Mode nach Geschlecht? Ein Update. Mode ist wirkmächtige Kraft wo es darum geht Weiblichkeit und Männlichkeit zur Erscheinung zu bringen. Doch kann man davon ausgehen, dass dieses Koordinatensystem weiterhin fest etabliert ist? Ein Blick auf die Laufstege wirft Fragen auf: Menswear hat an stilistischer Varianz und Strahlkraft gewonnen und damit zumindest die lange festgeschriebene Polarität in Womenswear (showy) und Menswear (understated) angegriffen. Simon Porte, alias Jacquemus, eines der aufsteigenden Gestirne am Pariser Modehimmel, betitelt seine herausragende Kollektion La femme enfant; aber die Entwürfe selber scheinen viel eher die materiale Konstruktion von Kleidung überhaupt zu befragen als deren Positionierung zur Geschlechtlichkeit, von infantiler Weiblichkeit zu schweigen. Und in der Arbeit von Designern wie Jonathan Anderson scheint schließlich die Zuschreibung bestimmter Kleidungsstücke, wie etwa des crop top, also des bauchfreien Oberteils, überhaupt von deren geschlechtlicher Codierung gelöst. Fern davon Differenz, und sei es die der Geschlechter, zu leugnen, soll es in diesem Gespräch mit Bildbeispielen darum gehen, einen aktuellen Stand der Dinge in Sachen Mode und Geschlecht auszuloten.

Kammeroper Selma Ježková
Sonderkarten für die Aufführung um 20.00 Uhr sind zu € 10,- an der Abendkasse oder als Kombiticket per T. +49.(0)89 21 85 19 20 erhältlich.

Installationen, Videos und Performances von:

Sapir Heller, Benjamin David, Ursula Gaisböck, Katarzyna Kozyra, Michaela Melián, David Heimerl, Kim Bormann, Leif Eric Young, Kim Ramona Ranalter, Manuela Hartel, Medienkunstklasse der Akademie der Bildenden Künste München

und: THE CALL OF SALOME – das Regie-Bühnenbild-Duo Johannes Müller und Philine Rinnert (Berlin) ruft auf zur Lip-Synch und Drag-Performance zu Richard Strauss‘ Salome.



ab 23 Uhr - Party / es legen auf: Ayzit Bostan und Tanja Seiner

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