Infos

L'Enfant et les sortilèges / Der Zwerg

Sonntag, 27. Oktober 2013
18.00 Uhr – 20.50 Uhr
Nationaltheater

Dauer ca. 2 Stunden 50 Minuten · 1 Pause zwischen Enfant und Zwerg (ca. 18.40 - 19.15 Uhr)

Preise I

Download Besetzungszettel (PDF) zur Stücknavigation

Besetzung

Musikalische Leitung
Martyn Brabbins

L'Enfant et les sortilèges

Inszenierung
Grzegorz Jarzyna
Bühne
Magdalena Maria Maciejewska
Kostüme
Anna Nykowska Duszynska
Licht
Jacqueline Sobiszewski
Video
Bartek Macias
Dramaturgie
Olaf A. Schmitt
Chor
Sören Eckhoff

Das Kind
Laura Tatulescu
Die Mutter
Okka von der Damerau
Eine Bergère
Eri Nakamura
Die chinesische Tasse
Okka von der Damerau
Das Feuer
Mélody Louledjian
Die Prinzessin
Hanna-Elisabeth Müller
Die Katze
Yulia Sokolik
Die Libelle
Okka von der Damerau
Die Nachtigall
Mélody Louledjian
Die Fledermaus
Eri Nakamura
Die Eule
Iulia Maria Dan
Das Eichhörnchen
Yulia Sokolik
Eine Schäferin
Iulia Maria Dan
Ein Schäfer
Rachael Wilson
Der Sessel
Christian Rieger
Die Standuhr
Andrea Borghini
Die Wedgwood-Teekanne
Kevin Conners
Das alte Männchen
Kevin Conners
Der Kater
Andrea Borghini
Ein Baum
Christian Rieger
Der Laubfrosch
Kevin Conners

Der Zwerg

Inszenierung
Grzegorz Jarzyna
Bühne
Magdalena Maria Maciejewska
Kostüme
Anna Nykowska Duszynska
Licht
Jacqueline Sobiszewski
Video
Bartek Macias
Dramaturgie
Olaf A. Schmitt
Chor
Stellario Fagone

Donna Clara
Hanna-Elisabeth Müller
Ghita
Irmgard Vilsmaier
Don Estoban
Vincent Le Texier
Der Zwerg
John Daszak
Die erste Zofe
Elsa Benoit
Die zweite Zofe
Yulia Sokolik
Die dritte Zofe
Okka von der Damerau
Das erste Mädchen
Iulia Maria Dan
Das zweite Mädchen
Rachael Wilson
zur Stücknavigation

Mediathek

zur Stücknavigation

Mehr dazu

Zum einen: Das Kind, das keine Schularbeiten machen möchte und trotzig sein Zimmer verwüstet, erlebt plötzlich, wie dessen Gegenstände lebendig werden und ihm wegen seiner Aggressivität feindlich gesinnt sind. Die Möbel tanzen, das Kaminfeuer verfolgt das Kind, die Zahlen aus dem Rechenbuch schwirren umher. Zwei Katzen führen das Kind in den Garten, wo ihm die Tiere seine brutale Neugier für ihre Schönheit vorwerfen und sich gegen ihn verbünden. Erst als das Kind das verletzte Eichhörnchen liebevoll verbindet, werden die anderen Tiere versöhnlich.

Zum anderen: Ein Zwerg freut sich, dass er persönlich der Prinzessin zu ihrem Geburtstag gratulieren darf und ahnt nicht, dass er lediglich zur Erheiterung der Festgesellschaft seine Hässlichkeit zur Schau stellen soll. Noch nie hat er sich nämlich im Spiegel gesehen und ist deshalb von der Liebe der Prinzessin gefangen. Als er sich im Spiegel erblickt, begreift er das böse Spiel und bricht tot zusammen.

Die französische Autorin Sidonie Gabrielle Colette und der irische Schriftsteller Oscar Wilde schrieben zwei ganz verschiedene Märchenstoffe, die beide davon erzählen, wie brutal Menschen miteinander umgehen können. In Maurice Ravels Vertonung verschmelzen Jazz, Operettentöne, Belcantoklänge und Exotisierendes zu einer zauberhaften Phantasiewelt, inspiriert vom pulsierenden Pariser Leben zwischen Kino, Weltausstellung und Straßenkultur. Der Wiener Alexander Zemlinsky vertonte das Libretto des jungen Journalisten und Schriftstellers Georg C. Klaren mit einer schillernd orchestrierten Musik, die den Seelenzuständen des Zwergs und der anderen Figuren charakteristische Leitmotive verlieh. Zemlinsky stand privat und künstlerisch Gustav Mahler nahe und verlor seine Geliebte Alma Schindler an ihn, die ihn später als „kleinen, hässlichen Gnom“ bezeichnete.

 

L’Enfant et les sortilèges

Das Kind möchte keine Schularbeiten machen, sondern lieber unartig sein. Als seine Mutter dies bemerkt, lässt sie es zur Strafe den ganzen Nachmittag allein in seinem Zimmer bei ungesüßtem Tee und trockenem Brot. Kaum ist die Mutter gegangen, bricht im Kind eine Zerstörungswut aus: Es zerschlägt das Teegeschirr, zerstört Möbel, zerschlitzt die Tapete, piesackt die Haustiere und entfacht das Kaminfeuer. Als es berauscht von seiner Wut innehält, beginnt eine albtraumhafte Phantasie, in der die Gegenstände und Tiere menschliche Züge annehmen.

Der Sessel und die Bergère sind froh, dem gemeinen Kind keinen Platz mehr bieten zu müssen. Die Standuhr kann nicht mehr aufhören zu läuten und normal die Stunden zählen. Die Wedgwood-Teekanne und die chinesische Tasse streiten sich und gehen aufeinander los. Nur kurz kann das Kind den Verlust seiner schönen Tasse beklagen, dann springt das Feuer funkelnd aus dem Kamin heraus und droht das Kind zu verbrennen. Angstvoll muss das Kind mit ansehen, wie Schäferinnen und Schäfer von seiner Tapete vorbeiziehen und die Zerstörung ihrer friedlichen Harmonie beklagen. Aus den zerrissenen Seiten des Märchenbuchs steigt die Prinzessin auf, in der das Kind im Traum seine erste Liebe erkannt hat. Das Kind versucht, die versinkende Prinzessin zurückzuhalten und die Liebe zwischen ihnen zu retten – vergeblich. Stattdessen erscheinen ein kleiner Mann und wild durcheinander gewürfelte Zahlen, die dem Kind Satzfetzen von Rechenaufgaben aus dem Mathematikbuch an den Kopf werfen.

Völlig ermattet erblickt das Kind den Kater, der mit der Katze ein erotisches Duett anstimmt. Auf wundersame Weise findet sich das Kind im Garten wieder, wo zahlreiche Tierlaute und ein Chor von Fröschen zu hören sind. Doch die friedliche Naturstimmung wird von der Klage der Bäume jäh beendet, deren Rinde das Kind aufgeritzt hat. Eine Libelle sucht ihre Gefährtin, die das Kind jedoch mit einer Nadel an die Wand gespießt hat. Auch der Fledermaus hat es ihre Partnerin genommen. Das Eichhörnchen wirft dem Kind vor, es nur wegen seiner schönen Augen in den Käfig gesperrt zu haben, und warnt den Laubfrosch vor einem ähnlichen Schicksal. Das Kind spürt die Liebe der Tiere zueinander und ruft alleingelassen nach seiner Mutter. Alle Tiere verbünden sich gegen das böse Kind und stacheln einen wilden Kampf an, bei dem das Eichhörnchen verletzt wird. Als das Kind dessen Wunde liebevoll verbindet und selbst regungslos am Boden liegen bleibt, sind die Tiere gerührt und rufen gemeinsam nach dessen Mutter.

Der Zwerg

Zum achtzehnten Geburtstag der Infantin wird ein großes Fest vorbereitet: Unter Anleitung des Haushofmeisters Don Estoban werden die Geschenke aufgebaut. Die Zofen lassen sich durch Neugier immer wieder von ihrer Arbeit abhalten, Don Estoban ruft sie zur Ordnung. Schon vor Beginn der Zeremonie drängt die Infantin mit ihren Gespielinnen zu den Geschenken und entfacht ein kämpferisches Getümmel. Nur durch intensives Bitten gelingt es Don Estoban, die Infantin und die Damen zu vertreiben. Erleichtert erzählt er den Zofen von den einzelnen Geschenken und kündigt ein ganz besonderes an: Ein lebendiger Zwerg, der die Gesellschaft mit seinen Liedern erheitern soll. Er sei hässlich, doch davon wisse er nichts, weil er sich noch nie im Spiegel gesehen habe. Sämtliche Spiegel werden daraufhin verhängt.

Der Höhepunkt der Zeremonie ist der Auftritt des Zwergs. Dieser verwundert mit seinem traurigen Lied die Gesellschaft, die sich über ihn lustig macht. Die Infantin möchte den Zwerg mit einer ihrer Damen verheiraten, doch dieser verehrt allein sie. Berührt von seinem aufrichtigen Gefühl schickt die Infantin alle Anwesenden fort, um mit dem Zwerg allein zu sein. In einer Phantasie sieht er sich als strahlender Ritter, der die Infantin aus allen Gefahren befreit. Sie stellt ihn sich als wohlgestalteten Helden vor. Beide gestehen sich ihre Liebe. Als er sie küssen möchte, wird die Infantin von ihrer Lieblingszofe Ghita zum Tanz gerufen. Nachdem sie dem Zwerg versprochen hat, mit ihm zu tanzen, fordert sie Ghita auf, ihm einen Spiegel zu zeigen. Doch Ghita bringt dies nicht übers Herz. Beim Tanz schenkt die Infantin dem Zwerg eine weiße Rose. Allein mit sich selbst, erblickt sich der Zwerg in einem Spiegel und muss erkennen, dass er anders als in seiner Vorstellung ist. Beim Kampf mit seinem Spiegelbild sinkt er erschöpft zusammen. Als die Infantin wiederkommt, bezeichnet sie ihn als lachhaftes Ding und geht schließlich zurück zum Tanz. Die herbeieilende Ghita kann ihm nur noch die Bitte erfüllen, mit der weißen Rose im Arm zu sterben.

zur Stücknavigation

Biografien

Martyn Brabbins studierte Komposition in London und später Dirigieren am Konservatorium von Leningrad. 1988 gewann er die Leeds Conductors Competition und dirigierte danach renommierte Orchester vor allem in Großbritannien. Von 1994 bis 2005 war er ständiger Gastdirigent des BBC Scottish Symphony Orchestra. Gastengagements führten ihn zum Concertgebouworkest nach Amsterdam, zum London Symphony Orchestra sowie zur First Night of the Proms des BBC Symphony Orchestra. Mittlerweile ist er Chefdirigent des Nagoya Philharmonic Orchestra und Erster Kapellmeister der Koninklijke Filharmonie van Vlaanderen. Als Operndirigent trat er an den Häusern von Amsterdam, Lyon, Antwerpen, Frankfurt, Berlin und London in Erscheinung. (Stand 2014)

zur Stücknavigation