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L'Après-midi d'un faune / Les Biches / Shéhérazade

Choreographie Bronislawa Nijinska / Vaslav Nijinsky / Mikhail Fokine · Komponist Francis Poulenc / Claude Debussy / Nikolai Rimski Korsakow

Freitag, 26. September 2014
19.30 Uhr – 21.45 Uhr
Köln

Oper am Dom (Musical Dome)

Dauer ca. 2 Stunden 15 Minuten · Les Biches (ca. 19.30 - 20.05 Uhr) · Pause (ca. 20.05 - 20.10 Uhr) · L'Après-midi d'un faune (ca. 20.10 - 20.20 Uhr) · Pause (ca. 20.20 - 20.50 Uhr) · Shéhérazade (ca. 20.50 - 21.35 Uhr)

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Besetzung

L'Après-midi d'un faune

Choreographie
Vaslav Nijinsky
Musik
Claude Debussy
Bühne und Kostüm
Léon Bakst
Licht
Christian Kass

Les Biches

Choreographie
Bronislawa Nijinska
Musik
Francis Poulenc
Bühne und Kostüme
Marie Laurencin
Licht
Christian Kass

Shéhérazade

Choreographische Rekonstruktion
Isabelle Fokine
Choreographie
Mikhail Fokine
Musik
Nikolai Rimski-Korsakow
Bühne und Kostüme nach den Original-Entwürfen von
Léon Bakst
Licht
Christian Kass
Realisierung Bühnenbild
Ulrich Franz
Realisierung Kostüme
Astrid Eisenberger

  • Solisten und Ensemble des Bayerischen Staatsballetts
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Von Paris im Jahre 1909 ausgehend eroberte sich die Tanzavantgarde in Gestalt der Ballets Russes die Welt. Das "Tanzland Deutschland" hieß die Bewegung mit offenen Armen willkommen. Bereits 1912 tanzte Vaslav Nijinsky, choreographische und tänzerische Gallionsfigur der Compagnie, im Münchner Nationaltheater. Die stilistische Vielfalt der Werke, ihre rätselhafte Mischung aus kühnster Gegenwärtigkeit und Vergötterung einer opulenten Exotik, haben bis heute ihre Faszination nicht verloren.

Auch hier blieb das Bayerische Staatsballett seiner Konzeption einer differenzierten Auseinandersetzung mit der Tradition treu. Penible Rekonstruktion einer überbordenden Bildwelt, die fast schon verloren schien, in Shéhérazade, einer tragischen Episode von Liebe und Tod. Federleichter Witz der zwanziger Jahre im Ambiente einer idealischen Côte d’Azur. Hier treiben allzu kecke Backfische (Les Biches, wie es auf Französisch heißt) ihre Scherze mit einer dazu mehr als bereitwilligen männlichen Jugend. Und der Nachmittag eines Fauns, dessen selbstverliebte, unverschämt zur Schau gestellte Sexualität bei der Uraufführung 1912 einen Skandal hervorrief. Auch hier liegt der Wert der Rekonstruktion im Detail. Claudia Jeschke und Ann Hutchinson-Guest haben die zerbrechliche Miniatur durch penible Dechiffrierung der Nijinskischen Aufzeichnungen mit äußerster Delikatesse wieder zum Leben erweckt. Sie haben dafür gesorgt, dass weder Vulgarität noch Flüchtigkeit in den Bewegungsnuancen das subtile Geschehen trüben.

 

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Biografien

Diaghilew, der sie berühmt gemacht hat, hat nie verwinden können, dass sie die Schwester seines Freundes war, der ihn so schmählich verlassen hatte.

Strawinsky, der sie für die im Hinblick auf seine Werke erfolgreichste Choreographin der Diaghilew-Periode hielt, hat dieses wunderliche Verhältnis in seinen Gesprächen mit Robert Craft nicht ohne Süffisanz beschrieben: "Die arme Bronislawa hatte kein Glück bei Diaghilew. Weil sie ein knochiges und interessantes Gesicht hatte und nicht das einer Puppe, war Diaghilew dagegen, dass sie die Ballerina in Petruschka tanzte. Dabei stand sie als Tänzerin hinter niemandem zurück. Tatsächlich waren die Nijinskys - Bruder und Schwester - das beste Tänzerpaar, das man sich vorstellen konnte. Später nach Nijinskys Heirat vermochte Diaghilew nicht über sein Vorurteil hinwegzukommen. Sie sah aus wie Nijinsky, sie hatte sogar die gleiche Figur, mit den gleichen breiten Schultern. Sie erinnerte ihn ständig an ihren Bruder. Es schmerzte Diaghilew erst recht, dass diese Person, die es wagte, wie Nijinsky auszusehen, eine Frau war... Gegen die arme Bronislawa also sprachen ihr Geschlecht, ihr Aussehen und ihr Name. Ich habe dies sehr bedauert, weil außer ihr und Fokine die Choreographen meiner Ballette mehr auf das Ausführen als auf das Erfinden von Tänzen eingestellt waren."

Diaghilews Vorurteil hat sie nicht daran gehindert, dem Repertoire seiner Ballets Russes ein paar der, wie wir heute wissen, entwicklungsgeschichtlich wichtigsten Produktionen beizusteuern. 1891 in Minsk geboren (also ein Jahr jünger als ihr berühmter Tänzer-Bruder Vaslav), in St. Petersburg aufgewachsen, wo sie bei Enrico Cecchetti und an der Kaiserlichen Ballettakademie studierte und nach ihrem 1908 abgelegten Examen Mitglied des Balletts am Marientheater wurde, war sie bereits 1909, bei Diaghilews erster Pariser Saison, als Tänzerin dabei. Nach dem berüchtigten Diaghilew-Nijinsky-Eklat von 1913, in dem sie für ihren Bruder Partei ergriff, trennten sich jedoch die Wege. Bronislawa Fominischna, von ihren Kollegen bis an ihr Lebensende nur Bronja genannt, wurde durch den Weltkrieg nach Kiew verschlagen, wo sie an der Oper tanzte, eine eigene Schule eröffnete und ihre ersten Choreographien machte.

Ihre zweite Diaghilew-Periode begann dann 1921, als sie an der splendiden Londoner Dornröschen-Produktion als Tänzerin, Regisseuse und Choreographin beteiligt war. Im Rahmen seiner Kompanie sollte sie die erste Frau werden, die sich international als Choreographin durchzusetzen vermochte. In den folgenden Jahren choreographierte sie für seine Truppe die Ballette, die sie berühmt gemacht haben: Strawinskys Renard (1922) und Les Noces (1923), Poulencs Les Biches, Aurics Les Fâcheux und Milhauds Le Train bleu (alle 1925). Zwei dieser Arbeiten rechnen wir heute zu den choreographischen Schlüsselwerken unseres Jahrhunderts: Les Noces und Les Biches.

Mächtig schoss danach ihre Tätigkeit in die Breite. Mit der Kompanie Ida Rubinsteins brachte sie 1928/29 Strawinskys Kuss der Fee und von Ravel Bolero und La Valse zur Uraufführung. Sie arbeitete an der Opéra Russe á Paris, am Teatro Colón in Buenos Aires, bei Max Reinhardt in Berlin und hatte ab 1932 ihre eigene Kompanie, die immer wieder neu, mit neuem Namen zusammengestellt wurde, und für die sie unter vielen anderen Balletten auch einen Hamlet (zu Lisztscher Musik) choreographierte, in dem sie selbst die Titelrolle tanzte - mit ihrem Chopin Concerto von 1937 als repertoirebeständigstem Stück. 1938 ging sie dann nach Kalifornien, wo sie eine Schule eröffnete, und von wo aus sie immer wieder Gastengagements in die internationale Ballettwelt führten - nach Südamerika, zum American Ballet Theatre, zum Grand Ballett du Marquis de Cuevas und zuletzt zum Royal Ballet in London, dem großen Glücksfall ihrer späten Jahre. 1972 standen Düsseldorf — Duisburg und Wien auf ihrem Reiseprogramm, doch hat ihr der Tod einen Strich durch ihre Pläne gemacht. Sie starb am 21. Februar dieses Jahres in Pacific Palisades, nachdem sie gerade das Manuskript ihres Buches 'My Brother, Vaslav Nijinsky' fertig gestellt hatte. Es ist kein Zufall, dass sie ihre wichtigsten Ballette für Diaghilew schuf. Sie brauchte die Rückenstütze einer starken, sagen wir ruhig autoritären Persönlichkeit. Darin ging es ihr nicht anders als den meisten ihrer Diaghilew-Kollegen, die nach Diaghilews Tod rastlos von einer zu anderen Kompanie irrten und nur ausnahmsweise das Niveau ihrer früheren Arbeiten wieder erreichten (auch Balanchine schien schon auf der gleichen abschüssigen Bahn, als er 1933 Kirstein begegnete, der ihn nach Amerika holte und mit ihm zusammen die Basis für das heutige amerikanische Ballett schuf). Darum war sie so glücklich, als Frederick Ashton sie um die Mitte der sechziger Jahre einlud, ihre beiden wichtigsten Diaghilew-Choreographien noch einmal beim Royal Ballet neu einzustudieren. Seither wahrt die renommierte englische Kompanie Nijinskas Les Biches und Les Noces wie ihren Augapfel, sich durchaus der ballettgeschichtlichen Verpflichtung bewusst, die ihr die beiden Vermächtnisproduktionen auferlegten.

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