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Shéhérazade / Les Biches / Once Upon An Ever After

Choreographie Mikhail Fokine / Bronislawa Nijinska / Terence Kohler · Komponist Nikolai Rimski-Korsakow / Francis Poulenc / Peter I. Tschaikowsky

Samstag, 20. März 2010
19.00 Uhr – 22.00 Uhr
Nationaltheater

Dauer ca. 3 Stunden · Shéhérazade (ca. 19.00 - 19.45 Uhr) · Pause (ca. 19.45 - 20.05 Uhr) · Les Biches (ca. 20.05 - 20.40 Uhr) · Pause (ca. 20.40 - 21.10 Uhr) · Once Upon An Ever After (ca. 21.10 - 21.55 Uhr)

Preise F

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Besetzung

Orchester
Bayerisches Staatsorchester

Shéhérazade

Musikalische Leitung
Valery Ovsyanikov
Choreographische Rekonstruktion
Isabelle Fokine
Choreographie
Mikhail Fokine
Musik
Nikolai Rimski-Korsakow
Bühne und Kostüme nach den Original-Entwürfen von
Léon Bakst
Licht
Christian Kass
Realisierung Bühnenbild
Ulrich Franz
Realisierung Kostüme
Astrid Eisenberger

Zobeide
Roberta Fernandes
Der Goldene Sklave
Lukáš Slavický
Shahriar
Cyril Pierre
Schah Zeman
Norbert Graf
Erster Eunuch
Vincent Loermans
Drei Odalisken
Martina Balabanova
Drei Odalisken
Zuzana Zahradníková
Drei Odalisken
Ekaterina Petina

Les Biches

Choreographie
Bronislawa Nijinska
Musik
Francis Poulenc
Bühne und Kostüme
Marie Laurencin
Licht
Christian Kass

Dame des Hauses
Lisa-Maree Cullum
Dame in Blau
Daria Sukhorukova
Drei Athleten
Grégory Mislin
Drei Athleten
Cyril Pierre
Drei Athleten
Nour El Desouki
Mädchen in Grau
Maira Fontes
Mädchen in Grau
Ilana Werner

Once Upon An Ever After

Choreographie
Terence Kohler
Musik
Peter I. Tschaikowsky
Bühne, Kostüme und Lichtinstallation
rosalie

Giselle
Lisa-Maree Cullum
Myrtha
Roberta Fernandes
Aurora
Stephanie Hancox
Variation II
Zuzana Zahradníková
Odette
Daria Sukhorukova
Albrecht
Alen Bottaini
Siegfried
Marlon Dino
Désiré
Nour El Desouki
Variation I
Lukáš Slavický
Rotbart
Vincent Loermans
  • Solisten und Ensemble des Bayerischen Staatsballetts
  • Bayerisches Staatsorchester
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Medien

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Mehr dazu

Ekstatisches Zurücktauchen in die Vergangenheit, Schwelgen in luxuriösen Farben, raffinierteste Ausschweifungen und strengstes Formbewusstsein als Synonym für Avantgarde: diese Widersprüche vereinte Serge Diaghilew in seinem Lebenswerk, den Ballets Russes.

Von Paris im Jahre 1909 ausgehend eroberte sich diese Tanzavantgarde die Welt und wurde im Tanzland Deutschland mit offenen Armen empfangen, das – wie wir gesehen haben - zeitgleich seinen eigenen Aufbruch feiert. Die stilistische Vielfalt der Werke dieser Hommage an die Ballets Russes, ihre rätselhafte Mischung aus kühnster Gegenwärtigkeit und Vergötterung einer opulenten Exotik, haben bis heute ihre Faszination nicht verloren. Auch hier blieb das Bayerische Staatsballett seiner Konzeption einer differenzierten Auseinandersetzung mit der Tradition treu.

Penible Rekonstruktion einer überbordenden Bildwelt, die fast schon verloren schien, in Shéhérazade, einer tragischen Episode von Liebe, Leidenschaft und Tod. Federleichter Witz der zwanziger Jahre im Ambiente einer idealischen Côte d'Azur. Hier treiben zur ersten Erotik erwachende junge Damen, 'Backfische' (Les Biches), ihre Scherze mit einer mehr als bereitwilligen männlichen Jugend.

"Es war einmal ein In-Alle-Ewigkeit" könnte man den Titel von Terence Kohlers Once Upon An Ever After vielleicht übersetzen. Genau so lange wie Tschaikowskys (natürlich Tschaikowsky!) "Pathétique" dauert, lässt Kohler die Tänzer sich in die bekanntesten Figuren der großen russischen Handlungsballette verwandeln. Giselle und Albrecht werden vertrieben von Rotbart, dem wiederum die Dornenranken vor Auroras Schloss sich in den Weg stellen… Wie dieses Kommen und Gehen, dieses durch die großen Geschichten Fliegen, so verwandelt sich auch rosalies dazu konzipiertes, grandioses Licht-Objekt Bühnenbild stetig und "ever after".

 

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Shéhérazade

Wir befinden uns im luxuriösen Harem von Schariar, dem König beider Indien und Chinas. Zu seiner Linken sehen wir Zobéide, die Lieblingsfrau, zur Rechten seinen Bruder, Schah Zeman. Schariar kann sich den Liebkosungen Zobéides nicht öffnen, denn sein Sinn ist befangen in Argwohn. Sein Bruder Zeman, der zerfressen ist vom eigenen Leiden an der Untreue der Frauen, hat ihn entfacht. Er wird nicht müde, in seinem Bruder Verdacht gegen seine Gemahlinnen zu schüren. Schariar befiehlt den Obereunuchen zu sich. Der ruft drei Odalisken, seinen Herrn zu unterhalten. Doch ihr Tanz vermag Shariar nicht zu fesseln. Er kündigt an, auf die Jagd gehen zu wollen. Während seine Frauen ihn bitten, doch zu bleiben, ist Zobéide voll Furcht, der Jagdausflug könnte nur ein Vorwand sein, sich nach einer neuen Lieblingsfrau umzusehen.

Kaum haben Shariar und Zeman den Harem verlassen, bestechen die Frauen den Obereunuchen mit Schmuck und Tand, dass er die Türen des Harems öffnet. Die männlichen Sklaven des Hauses brechen wie ein ersehntes Gewitter in die Szene und bemächtigen sich der Frauen. Zobéide erwirkt vom Obereunuchen auch die Öffnung der letzten Tür. Einem Orkan gleich, stürmt ihr Geliebter herein, der Goldene Sklave, und wirft sich ihr zu Füßen. Ein ekstatischer Liebesakt eint das Paar; dessen Vorbild der ganze Harem in einer wilden Orgie folgt. Auf deren Höhepunkt kehren Shariar und Zeman zurück. Furchtbar sehen sie ihren Argwohn bestätigt. Wachen metzeln die Sklaven und Frauen erbarmungslos nieder. Auch der Goldene Sklave stirbt. Tief in seiner Liebe zu Zobéide getroffen, sucht Shariar nach Antwort für ihren Verrat. Schon ist er bereit, ihr zu verzeihen, als sein Bruder mit bitterem Nachdruck auf den toten Goldenen Sklaven weist. Da befiehlt Shariar auch Zobéides Tod. Sie entreißt einem der Umstehenden den Dolch und tötet sich selbst. Shariar bleibt in Verzweiflung zurück.

Les Biches

Die Szene, die Zeit: Ein Sommernachmittag an der Côte d'Azur; eine Villa mit offenen Fenstern und zweifellos auch offenen Türen, eingerichtet mit der Atmosphäre teuerster Leere, nach der es die Innenarchitekten der 20er Jahre, (nur sie?), luxuriös verlangte. Das Personal: ein Heer von 'Biches'*, den französischen Backfischen, zwei exzentrische Damen und drei recht sportliche Burschen, die in ihren knappen Strandtrikots für die nötige erotische Verwirrung unter dem weiblichen Element sorgen.

Ein frivoles Spiel mit dem Flirt (und hinter den Kulissen sicher nicht nur damit), eine Mischung aus kichernder Naivität und Snobismus, das Porträt einer Zeit und einer Gesellschaft, "das schickste Ballett, das je erfunden wurde". Es ist ein spielerischer, leicht maliziöser Kommentar zu jeder Art von modischem Party-Zeitvertreib, in dem sich – gespiegelt in einer streng definierten Epoche – die luxuriösen Wichtigtuer aller Zeiten wiedererkennen können. Es ist das Geheimnis dieses Balletts, dass es alles andeutet und nichts ausspricht – eine Einladung an die Zuschauer, die, wenn sie literarisch versiert sind, Gertrude Stein, Proust und Fitzgerald hier wiederfinden, oder, als Verehrer der Ecole du Paris, in allen Wonnen von Laurencins Pastellharmonien schwelgen können.

Bronislawa Nijinska hat mit diesem Werk schon vor George Balanchine den Neoklassiszismus des Balletts begründet. Nach den Reformen Fokines und den avantgardistischen Experimenten ihres Bruders Vaslav nutzte Bronislawa Nijinska in ihren Choreographien wieder das reine, klassische Vokabular, das sie meisterhaft gleichzeitig aus der Musik wie aus der dramatischen Situation heraus einsetzt. Ein Ballett, das vollkommen einen Zeitgeschmack repräsentiert, das vollkommen und ausschließlich einer begrenzten Epoche zugeordnet scheint; und das doch diesen Zeitgeschmack durch den großartigen Zusammenklang von choreographisch-dramatischer Formung, Musik und Ausstattung ins Überzeitliche transzendiert.

*Les Biches sind im französischen die jungen Hirschkühe, aber im übertragenen Gebrauch auch junge Mädchen, 'Backfische', zu Zeiten, als man das Wort Teenager noch nicht kannte.

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Biografien

Das Bayerische Staatsorchester ist aus einem der ältesten Orchester Deutschlands hervorgegangen. Seine Keimzellen lassen sich bis in das Jahr 1523 zurückverfolgen, als der Komponist Ludwig Senfl die Leitung über die Münchner Kantorei übernahm. Der erste berühmte Leiter der Münchner Hofmusik und damit der Hofkapelle war der Komponist Orlando di Lasso, der 1563 offiziell während der Regierungszeit Herzog Albrechts V. angestellt wurde. 1594 gründete der Herzog ein Studienseminar mit Freistatt für begabte Söhne aus unbemittelten Bauern- und Bürgerfamilien, um den Nachwuchs für die Hofkapelle zu sichern. Nach dem Tode Lassos 1594 übernahm der bisherige Unterkapellmeister Johannes de Fossa die Leitung der Hofkapelle.

Nachdem über 100 Jahre lang das Repertoire des Orchesters von Kirchenmusik geprägt worden war, fand 1653 in der Residenz mit Maccionis L'Arpa festante die erste Opernaufführung in München statt. Der Komponist Agostino Steffani machte sich in den 80er Jahren des 17. Jahrhunderts um zahlreiche Aufführungen von italienischen Opern verdient.

Erst 1762 wird der Begriff Orchesters eingeführt. Durch zahlreiche Opernaufführungen an festgesetzten Tagen begann Mitte der 70er Jahre des 18. Jahrhunderts erstmals ein regelmäßiger Operndienst des Hoforchesters, geleitet von Andrea Bernasconi. 1778 trat der Mannheimer Kurfürst Karl Theodor sein Regierungserbe in München an. Er brachte 33 Musiker des Mannheimer Hofmusikstabes nach München mit. Am 1. Oktober 1778 fand die Vereinigung der Mannheimer Musiker mit 32 ausgewählten Mitgliedern der Münchner Hofmusik statt.

Im Jahre 1811 wurde die Musikalische Akademie gegründet, die sich aus Mitgliedern des Hoforchesters zusammensetzte.

Noch während der Regierungszeit König Max' I. umfaßte der Dienst des Hoforchesters gleichermaßen die Bereiche Kirche, Tafel, Kammer und Theater. Unter König Ludwig I. konnte 1836 Franz Lachner als erster Generalmusikdirektor gewonnen werden.

Die Regierungszeit König Ludwigs II. ist eng mit dem Namen Richard Wagners verknüpft. Am 10. Juni 1865 dirigierte der Hofkapellmeister Hans von Bülow die Uraufführung von Tristan und Isolde, am 21. Juni 1868 die der Meistersinger von Nürnberg. Es folgten am 22. September 1869 und am 26. Juni 1870 die Uraufführungen von Das Rheingold und Die Walküre unter der Leitung von Franz Wüllner.

Von 1872 bis 1896 war Hermann Levi Generalmusikdirektor. Seitdem haben die bedeutendsten Dirigenten ihrer Zeit von Richard Strauss, Felix Mottl, über Bruno Walter, Hans Knappertsbusch, Clemens Krauss bis zu Georg Solti, Ferenc Fricsay, Joseph Keilberth und WOLFGANG SAWALLISCH dem Orchester als Chef vorgestanden. Sein Leiter und Bayerischer Generalmusikdirektor war von 1998 bis 2006 ZUBIN MEHTA. 2007 folgte ihm KENT NAGANO nach. Mit der Spielzeit 2013/14 trat KIRILL PETRENKO das Amt des Bayerischen Generalmusikdirektors an.

Das Bayerische Staatsorchester ist das einzige Orchester Münchens, das in Oper und Konzert Dienst tut. Unter seinen Gastdirigenten fehlt kein berühmter Name der internationalen Elite.

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