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Oper in fünf Akten

Komponist Giuseppe Verdi · Libretto von Eugène Scribe und Charles Duveyrier
In französischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln | Neuproduktion

Sonntag, 11. März 2018
18.00 Uhr – 21.25 Uhr
Nationaltheater

Dauer ca. 3 Stunden 25 Minuten · 1 Pause zwischen 1. - 3. Akt und 4. + 5. Akt (ca. 19.35 - 20.10 Uhr)

Freier Verkauf · Serie 44

Premiere am 11. März 2018

Die Premiere wird live auf BR-KLASSIK übertragen.

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Besetzung

Musikalische Leitung
Omer Meir Wellber
Inszenierung
Antú Romero Nunes
Bühne
Matthias Koch
Kostüme
Victoria Behr
Sound Interference
Nick & Clemens Prokop
Choreographie
Dustin Klein
Licht
Michael Bauer
Dramaturgie
Rainer Karlitschek
Chöre
Stellario Fagone

Hélène
Rachel Willis-Sørensen
Ninetta
Helena Zubanovich
Henri
Bryan Hymel
Guy de Montfort
George Petean
Procida
Erwin Schrott
Danieli
Matthew Grills
Mainfroid
Galeano Salas
Robert
Callum Thorpe
Thibaut
Long Long
Le Sire de Béthune
Alexander Milev
Le Comte de Vaudemont
Johannes Kammler
  • Bayerisches Staatsorchester
  • Chor der Bayerischen Staatsoper

SOL Dance Company (Leitung: Eyal Dadon)

Leonardo Caimi (Gesang Henri, 5. Akt)

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Mehr dazu

Wo bleibt die Liebe, wenn sie von zwei Seiten bedrängt wird – zum einen von der Politik, zum anderen von der Loyalität im Namen des Blutes? Und was, wenn beides auf schicksalhafte Weise unentwirrbar verknüpft ist? In seiner Grand Opéra Les Vêpres siciliennes geht Giuseppe Verdi schonungslos diesen Fragen nach und zeigt, wie die beiden Liebenden Hélène und Henri noch während des Läutens der Hochzeitsglocken aufgrund der unüberbrückbaren Feindschaft von Sizilianern und französischen Besatzern Opfer eines Massakers werden. Liebe entfaltet keine utopische Kraft.

Und dennoch entwickelt Verdi mit seiner packenden Musik einen Sog, der den Zuschauer wie ein Krimi mitreißt.

 

Les Vêpres siciliennes

  1. Akt

Die Sizilianer leiden unter der Fremdherrschaft der Franzosen. Die sizilianische Herzogin Hélène trauert um ihren gefallenen Bruder, in den ihre Landsleute im Befreiungskampf all ihre Hoffnungen gesetzt hatten. In aller Öffentlichkeit wird sie von französischen Soldaten aufgefordert, für sie ein Lied zu singen. Sie kommt der Aufforderung nach, doch stimmt sie ein kämpferisches Lied gegen die Unfreiheit an, das die Sizilianer aus ihrer Lethargie reißen soll. Doch schon die kleinste Regung des Widerstandes bricht vor dem Gouverneur Montfort in sich zusammen.

Überraschenderweise ist der junge sizilianische Rebell Henri trotz offenem Widerstand von Richtern freigesprochen worden. Er wundert sich über die Schwäche, die Montfort aus seiner Sicht damit gezeigt hat. Umso unerwarteter kommt dessen Angebot an den jungen Mann, an der Seite der Franzosen zu kämpfen. Angewidert lehnt Henri ab.

  1. Akt

Der Arzt Procida ist in seine geliebte Heimat zurückgekehrt. Leider wurde ihm die Unterstützung der Spanier, die zu gewinnen Ziel seiner Reise gewesen war, nicht gewährt. Erst wenn die Sizilianer sich selbst erheben, würden die Spanier in der Lage sein, einzugreifen. Gemeinsam mit Hélène und Henri will er nun die Chancen eines Aufstands ausloten.

Als Henri sein Herz gegenüber Hélène öffnet und ihr seine Liebe gesteht, wird er von ihr zurückgewiesen. Solange ihr ermordeter Bruder nicht gerächt sei, hätte ihr Herz keinen Platz für Gefühle. Soldaten fordern Henri auf Montforts Geheiß auf, ihn in dessen Palast aufzusuchen. Er weigert sich und wird festgenommen.

Bei einer sizilianischen Hochzeitsfeier stachelt Procida die französischen Soldaten auf, doch ihre Überlegenheit auszunutzen und sich an den Sizilianerinnen zu vergehen, was diese auch prompt tun. Die schockierten Sizilianer müssen wehrlos mitansehen, wie ihre Frauen entführt werden. Aus dem Gouverneurspalast erklingt die Musik eines Festes und löst bei ihnen die Vorstellung aus, ihre Frauen könnten dort missbraucht werden. Und so überredet Procida die Sizilianer, verkleidet auf den Ball zu gehen, um Montfort zu ermorden und so Rache zu nehmen.

  1. Akt

Montfort ist sich ganz sicher: Der Rebell Henri ist sein leiblicher Sohn. Vor Jahren hatte er eine Sizilianerin geliebt, die ihm noch auf ihrem Totenbett voll Hass einen Brief geschrieben hatte: Darin gesteht sie ihm die Existenz eines gemeinsamen Sohnes, für den sie sogleich um Mitleid bittet. Montfort gibt sich Henri als sein Vater zu erkennen, was diesen in Verzweiflung stürzt, erkennt er doch den Graben, den der wiedergefundene Vater zwischen ihm und Hélène aufreißt. Henri lehnt alle Angebote des Vaters, die Seiten zu wechseln, ab und will von dessen neuentdeckter Vaterliebe nichts wissen.

Auf dem Fest weiht Hélène Henri in die Verschwörungspläne ein. Als Hélène Montfort umbringen will, wirft sich Henri dazwischen und rettet so das Leben seines Vaters. Hélène glaubt sich von Henri verraten. Gemeinsam mit Procida und den anderen Verschwörern wird sie festgenommen.

  1. Akt

Henri hat sich Zugang zu den Gefangenen verschafft. Er will Hélène davon überzeugen, dass er noch immer an der Seite der Verschwörer stehe. Doch sie weist ihn zurück. Erst als er ihr gesteht, der Sohn Montforts zu sein, kann sie ihm seinen Verrat verzeihen. Auch er will mit den Verschwörern sterben. Im Angesicht des zu erwartenden Todes versichern sie sich auch endlich der gegenseitigen Liebe.

Dennoch bittet Henri bei Montfort um Gnade für die Gefangenen. Montfort will diese jedoch nur gewähren, wenn Henri ihn in aller Öffentlichkeit als seinen Vater akzeptiert. Erst als das De profundis die Hinrichtung ankündigt, bekennt sich Henri zu seinem Vater. Montfort lässt die Gefangenen frei und ordnet zugleich die Hochzeit zwischen Hélène und Henri an.

  1. Akt

Hélène und Henri sind überglücklich, sehen sie doch in ihrer Hochzeit die Chance für Frieden zwischen den verfeindeten Gruppen. Doch Procida überbringt Hélène die Botschaft, dass Waffen aus Spanien eingetroffen seien. Nun ist es endlich möglich, sich gegen die Besatzer zu erheben. Die Kirchenglocken zur Vesper sollen das Zeichen dazu sein.

Hélène will das zu erwartende Massaker abwenden und weigert sich, Henri ihr Ja-Wort zu geben, um so das Läuten der Glocken zu verhindern. Henri versteht die Welt nicht mehr. Montfort will Tatsachen schaffen und greift durch: Er befielt das Läuten der Glocken auch gegen den Willen der Braut. Die Sizilianer fallen über die Franzosen her.

Erwin Schrott ist Procida...
... und spricht im Kurzinterview über Giuseppe Verdis Freiheitskämpfer.

aus: MAX JOSEPH No. 2: Offenbaren, Spielzeit 2017/18

MAX JOSEPH Herr Schrott, Sie singen so unterschiedliche Figuren wie den Verführer Don Giovanni, den Nihilisten Méphistophélès oder den Quacksalber Dulcamara aus L’elisir d’amore. Alle hochgradig individuell. Procida in Giuseppe Verdis Les Vêpres siciliennes ist wieder anders. Wie passt er in diese Reihe?
ERWIN SCHROTT Procida ist Widerständler, Rebell oder vielleicht noch ein Agitator des Verstands. Er ist eiskalt darin, Menschen zu verführen und aufzustacheln – wobei es ihm letztlich nicht um Verführung geht, sondern um Rache dafür, dass die Franzosen Sizilien besetzt haben. In Procida brodeln Leidenschaft und Zorn. Er möchte Freiheit für sein Land und seine Gegner brennen sehen.
MJ Ist er dann ein Freiheitsheld oder eher Fanatiker?
ES Beides. Es ist nie leicht, da zu unterscheiden. Procida hat Überzeugungen und folgt ihnen kompromisslos. Das ist auch für die Interpretation herausfordernd. Auch gesangstechnisch betrachtet ist die Partie sehr komplex. Ich bin froh, dass ich mir dafür Zeit gelassen und meiner Stimme bis dahin viel Gelegenheit gegeben habe, sich zu entwickeln. Ich muss mich in einer Partie komplett wohlfühlen, muss die Musik in meinen Körper hineinbekommen, sie mir regelrecht einverleiben – selbst bei einem so widersprüchlichen Menschen wie Procida.
MJ Die Bayerische Staatsoper stellt die aktuelle Spielzeit unter das Motto „Zeig mir deine Wunde“. Sie wirken auf der Bühne sehr stark und robust. Darf man fragen, ob auch Sie ein verletzlicher Mensch sind? Haben Sie Wunden?
ES Wunden? Habe ich wie jeder andere Mensch. Ich beschwere mich nicht, denn ich erlebe trotz allem so viel Glück. Ich habe in meinem Leben reichlich hart gearbeitet: Schon mit acht Jahren habe ich meinem Vater in seinem Restaurant geholfen, das war in den frühen 1980er Jahren in Uruguay. Ich habe viel geschuftet und jede Nacht nur vier oder fünf Stunden geschlafen.
MJ Was haben Sie getan? Abgewaschen, serviert?
ES Alles, auch Gitarre gespielt und gesungen. Ich habe auch diese Arbeit mit Leidenschaft getan, aber es waren harte Zeiten – und wer weiß, wo die Wunden noch verborgen liegen. Im Vergleich dazu fällt es mir heute schwer, von einem Job zu sprechen – es ist eher meine Freude. Ich bin glücklich, und das nicht nur an der Oberfläche. Ich schöpfe meine Energie aus der Familie, von der Opernbühne und aus meiner Charity-Arbeit. Wobei ich sagen muss: Diese Wohltätigkeit heilt nicht nur Wunden, sie kann auch welche öffnen.
MJ Wie meinen Sie das?
ES Ich bin bei meinen Charity-Aktivitäten immer in toller Stimmung, weil ich mich freue, dass ich helfe. Es kann aber passieren, dass dabei alte Wunden aufgerissen werden – wenn ich Menschen begegne, die einen Teil meines Lebens widerspiegeln. Natürlich freue ich mich sehr, wenn es mir gelungen ist, für ein Projekt rund 100.000 Euro zu sammeln. Aber nach der Spendenübergabe gehe ich heim, und es leiden weiterhin unzählige Menschen Not.

Das Interview führte Christoph Irrgeher.

 

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Biografien

Omer Meir Wellber studierte an der Jerusalem Academy of Music and Dance. In den vergangenen Jahren dirigierte er u. a. beim Gewandhausorchester Leipzig, dem Orchestra Sinfonica della RAI Turino, dem Israel Philharmonic Orchestra und dem London Philharmonic Orchestra. Außerdem ist er regelmäßiger Gastdirigent u. a. an der Semperoper Dresden, am Teatro La Fenice in Venedig und an der Israeli Opera in Tel Aviv. Von 2010 bis 2014 war er Music Director am Palau de les Arts Reina Sofia in Valencia. Seit 2009 ist er Musikdirektor des Raanana Symphonette Orchestra. Er ist Initiator des Education-Projekts Sarab – Strings of Change, welches jungen, benachteiligten Beduinen in Israel mit musikalischer Ausbildung neue Perspektiven eröffnen soll. An der Bayerischen Staatsoper übernahm er bisher die musikalische Leitung von u. a. La traviata, Carmen, Mefistofele, Andrea Chénier und Les Vêpres siciliennes. (Stand: 2018)

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