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Komponist Giovanni Simone Mayr

Mittwoch, 16. Juni 2010
19.00 Uhr – 22.10 Uhr
Nationaltheater

Dauer ca. 3 Stunden 10 Minuten · 1. Akt (ca. 19.00 - 20.10 Uhr) · Pause (ca. 20.10 - 20.40 Uhr) · 2. Akt (ca. 20.40 - 22.05 Uhr)

Preise K

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Besetzung

Musikalische Leitung
Ivor Bolton
Inszenierung
Hans Neuenfels
Bühne
Anna Viebrock
Kostüme
Elina Schnizler
Licht
Michael Bauer
Dramaturgie
Rainer Karlitschek
Chöre
Sören Eckhoff

Creonte
Alastair Miles
Egeo
Alek Shrader
Medea
Nadja Michael
Giasone
Ramón Vargas
Creusa
Elena Tsallagova
Evandro
Kenneth Roberson
Tideo
Francesco Petrozzi
Ismene
Laura Nicorescu
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Mehr dazu

Die Tat ist auch heute noch unfassbar: Weil ihr Mann Jason sie für die korinthische Königstochter Kreusa verlassen will, bringt die Zauberin Medea außerhalb jeglicher geistiger und körperlicher Kontrolle ihre Kinder um und mutiert zur unmenschlichen Rächerin. Seit der Antike ist der Medea-Stoff zu einem Topos entgrenzter mütterlicher Grausamkeit geworden, bei der sich die Liebe in Gewalt wendet und die Regeln menschlicher Bindung außer Kraft setzt. Ihre magischen und dämonischen Kräfte, ihr seherisches Wissen zeichnen Medea als Figur, die Urängste auslöst und daher aus der gesellschaftliche Ordnung verdammt gehört.

Mit Medea in Corinto gelang Giovanni Simone Mayr, dem wohl wichtigsten italienischen Opernkomponisten zwischen Mozart und Rossini, 1813 in Neapel einer seiner größten Erfolge – doch eigentlich stammte der Komponist aus der Nähe von Ingolstadt und wurde erst in seiner italienischen Wahlheimat von Johann Simon zu Giovanni Simone und auch zu einem der bedeutendsten Kompositionslehrer seiner Zeit. Und die Musik dieser schier unmöglichen und unorthodoxen Opernfigur verschafft sich – nachdem sie fast 200 Jahre kaum gespielt wurde – langsam wieder ihr Recht, auch wenn sie sich angesichts des Stoffes jeglicher Behaglichkeit verweigert.

 

Erster Akt

Die korinthische Königstochter Creusa bangt um ihre Zukunft mit dem mächtigen Krieger Giasone. Dieser hatte ihr die Ehe versprochen, obwohl sie mit dem athenischen König Egeo verlobt und Giasone selbst mit Medea verheiratet ist, von der er zwei Kinder hat. Zudem wird Korinth von den Kolchern belagert, da Giasone mit Hilfe Medeas den Kolcher-König Pelias umgebracht hat. Acasto, Sohn des ermordeten Pelias, hat daher den Korinther-König Creonte aufgefordert, Medea und Giasone die Zuflucht zu verwehren und aus Korinth zu vertreiben. Doch es gelingt, einen Frieden auszuhandeln – um einen Preis: Giasone müsse Medea und diese Korinth verlassen. Creonte befiehlt daher die Verbannung Medeas und die Vorbereitungen für die Hochzeitsfeierlichkeiten seiner Tochter mit Giasone.

Medea fordert von den Göttern Gerechtigkeit für den Treuebruch Giasones. Dieser rechtfertigt hingegen sein Verhalten, indem er behauptet, allein so das Leben Medeas und der Kinder vor der Rache Acastos schützen zu können. Gegenüber Medea zeigt er kein Verständnis, habe sie doch selbst genug Verbrechen auf sich geladen und solle sich daher fern von ihrer Vergangenheit eine neue Zukunft schaffen.
Dem athenischen König Egeo sind Gerüchte zu Ohren gekommen, seine Verlobte Creusa solle Giasone heiraten. Als sich die Befürchtungen bestätigen, beschließt Egeo, die Hochzeit mit allen Mitteln zu verhindern. Medea und Egeo unterbrechen mit Gewalt die Hochzeitsfeierlichkeiten und wollen Giasone und Creonte zur Rede wegen deren Wortbruch stellen. Die Situation eskaliert, als Egeo versucht, Creusa zu entführen.

Zweiter Akt

Creusa ist dem Anschlag entkommen, und Giasone ist es gelungen, Egeo zu überwältigen und zu inhaftieren. Creonte will daher unverzüglich die Hochzeitszeremonie fortsetzen.
Medea ruft jedoch nach dem Beistand der Götter der Unterwelt – sie will sich einzig der Rache widmen. Sie beschließt, sich grausam an Creusa und Giasone zu rächen.

Creusa, die trotz allem Mitgefühl mit Medea empfindet, bittet ihren Vater, Medeas letzten Wunsch nicht zu verwehren: Sie möchte vor ihrer Verbannung Abschied von ihren Kindern nehmen. Als Beweis ihres Wandels habe Medea ihr ein wertvolles Kleid zum Geschenk gemacht. Creonte stimmt zu. Giasone und Creusa hoffen so, endlich die Konflikte zu überwinden.

Medea findet in Egeo einen Verbündeten. Sie verhilft ihm zur Flucht. Er will sie bei allen Racheplänen unterstützen und verspricht ihr Asyl in Athen.

Giasone ist glücklich: Endlich ist die Ehe mit Creusa vollzogen. Doch er muss erkennen, dass das Geschenk Medeas eine List war. Creusa stirbt von dem vergifteten Kleid. Nichts kann Giasones Wut bändigen. Als Medea Giasones und ihre Kinder tötet, versucht er, sich das Leben zu nehmen, wird aber zurückgehalten.

Medea flieht.

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Biografien

Ivor Bolton studierte am Royal College of Music und am National Opera Studio in London. Anschließend war er Musikdirektor der English Touring Opera, der Glyndebourne Touring Opera und des Scottish Chamber Orchestra. Gastdirigate führten ihn u. a. nach Wien, Zürich, Frankfurt, Paris, London, New York, Amsterdam, Dresden, Leipzig und Barcelona sowie zu den Festspielen in Glyndebourne, Aix-en-Provence und seit 2000 jährlich nach Salzburg. Von 2004 bis 2016 war er Chefdirigent des Mozarteum-Orchesters Salzburg. Derzeit ist er musikalischer Leiter des Dresdner Festspielorchesters, seit 2015 außerdem Musikdirektor am Teatro Real in Madrid und seit 2016 Chefdirigent des Sinfonieorchesters Basel. (Stand: 2019)

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