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Komponist Giuseppe Verdi

Samstag, 13. November 2004
19.00 Uhr – 22.05 Uhr
Nationaltheater

Dauer ca. 3 Stunden 05 Minuten · 1 Pause zwischen 1. + 2. Akt und 3. Akt (ca. 20.15 - 20.45 Uhr)

Preise K

ausverkauft

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Besetzung

Musikalische Leitung
Zubin Mehta
Inszenierung
Francesca Zambello
Choreographie
Alphonse Poulin
Bühne und Kostüme
Alison Chitty
Licht
Mimi Jordan Sherin
Chöre
Sören Eckhoff

Otello
Dennis O'Neill
Jago
Sergei Leiferkus
Cassio
Raymond Very
Rodrigo
Kevin Conners
Lodovico
Maurizio Muraro
Montano
Steven Humes
Ein Herold
Matthias Wippich
Desdemona
Anja Harteros
Emilia
Hannah Esther Minutillo
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Drei Personen - ein tödliches Drama! Jagos Eitelkeit: gekränkt. Otellos Emotionen: hemmungslos. Desdemonas Liebe: hilflos. Dazu ein Taschentuch als corpus delicti. Nie hat Verdi Rache, Intrige und Eifersucht feuriger und teuflischer komponiert als in dieser späten Oper seines Schaffens. Ein faszinierender Krimi!

 

I. Akt

Otello, Gouverneur des unter venezianischer Herrschaft stehenden Zypern, hat in einer Seeschlacht die feindlichen Türken geschlagen. Ein gewaltiger Sturm tobt. Otellos Flotte kann sich in den Hafen einer zyprischen Stadt retten. Das Volk feiert die siegreichen Soldaten. Nur Jago und Roderigo stimmen nicht in den Jubel ein: Jago, Otellos Fähnrich, weil der Feldherr ihm Cassio bei der Ernennung zum Hauptmann vorgezogen hat; der venezianische Edelmann Roderigo, weil er unglücklich in Otellos Frau Desdemona verliebt ist.

Jago sinnt auf Rache an Otello. Während der Siegesfeier macht er Cassio betrunken und stachelt Roderigo zu einem Streit mit dem Hauptmann an. Sein Plan gelingt. Montano, Otellos Vorgänger als Gouverneur von Zypern, versucht, die Streitenden zu trennen. Cassio verwundet ihn. Otello, durch den Lärm in seiner Liebesnacht mit Desdemona gestört, degradiert Cassio. Schließlich bleiben Desdemona und Otello allein zurück und bekennen einander ihre Liebe.

II. Akt

Jago spinnt seine Intrige weiter. Heuchlerisch rät er Cassio, Desdemona um Fürsprache bei Otello zu bitten. Er selbst jedoch schürt in einem Gespräch mit Otello dessen Mißtrauen gegenüber Cassio. Gleich darauf setzt sich Desdemona bei ihrem Mann für Cassio ein. Otello wehrt aufgebracht ab. Mit dem Taschentuch, das er ihr als erstes Liebespfand schenkte, will sie seine Stirn trocknen. Otello wirft es wütend zu Boden. Jagos Frau Emilia hebt es auf. Jago entreißt es ihr.

Otello verlangt von Jago Beweise für Desdemonas Untreue. Jago berichtet von vermeintlichen Liebesworten Cassios zu Desdemona, im Traum geäußert, und von ihrem Taschentuch, das er in Cassios Händen gesehen habe. Otello ist nun von Desdemonas Schuld überzeugt. Zusammen mit Jago schwört er Rache.

III. Akt

Ein Herold verkündet die Ankunft der venezianischen Gesandten. Desdemona bittet ihren Mann erneut um Cassios Begnadigung. Otello wehrt ihr Ansinnen ab und fragt Desdemona statt dessen nach dem besagten Taschentuch. Sie kann es nicht finden. Nun gerät Otello in offene Wut und bezichtigt Desdemona des Ehebruchs.

Jago verwickelt Cassio in ein Gespräch, das von Otello belauscht wird. Er lenkt es so geschickt, daß Otello die frivolen Äußerungen Cassios über dessen Geliebte Bianca auf Desdemona beziehen muß. Als Otello Desdemonas Taschentuch, das Jago heimlich in Cassios Wohnung gebracht hatte, in den Händen des vermeintlichen Nebenbuhlers erblickt, hält er Desdemonas Untreue für bewiesen. Die venezianischen Gesandten nahen. Otello und Jago beschließen, Desdemona zu töten. Otello belohnt Jago mit dem Rang eines Hauptmanns.

Otello empfängt die von Lodovico geführte Delegation. Sie überbringt ihm den Befehl des Dogen, nach Venedig zurückzukehren und Cassio als seinen Nachfolger auf Zypern einzusetzen. Otello verliert die Beherrschung und schleudert Desdemona zu Boden. Alle Umstehenden sind entsetzt. Jago rät Roderigo, Cassio zu ermorden, um Otellos und Desdemonas Abreise zu verhindern. Otello treibt die Gesellschaft in äußerster Erregung auseinander und verflucht Desdemona, bevor er ohnmächtig zusammenbricht.

IV. Akt

Desdemona bereitet sich zur Nacht. Voll dunkler Ahnungen nimmt sie Abschied von Emilia. Nach dem Ave Maria legt sie sich nieder und schläft ein. Otello erscheint. Nach längerer Betrachtung küßt er sie, sie erwacht. Desdemona beteuert ihre Unschuld. Doch sie kann Otello nicht von ihrer Treue überzeugen. Otello erwürgt sie.

Als Emilia mit der Nachricht hereinstürzt, Cassio habe Roderigo getötet, entdeckt sie die tote Desdemona. Auf ihre Hilfeschreie eilen Lodovico, Cassio, Jago und Montano herein. Montano berichtet, Roderigo habe im Sterben Jagos intrigantes Spiel enthüllt. Jago flieht. Otello ersticht sich.

© Bayerische Staatsoper

Francesca Zambello. Verfaulende Beziehungen, moralischer Verfall

Verdis Otello ist ein Meisterwerk der Verdichtung. Es bringt Shakespeares Tragödie auf den Kern und konzentriert sich auf das verhängnisvolle Drama zwischen vier Menschen, deren gegenseitiger Argwohn letztlich Unglück über sie alle bringen wird. Das Schicksal hat diese vier Menschen, von denen jeder auf seine Weise Außenseiter ist, auf die Insel geführt. Sie sind Repräsentanten eines Kolonialreiches: Otello ist der ausländische Staatsagent; Desdemona ist eines venezianischen Edelmannes Tochter, die sich vorsätzlich den herrschenden gesellschaftlichen Konventionen widersetzt, um den Mann zu heiraten, den sie liebt; Jago ist der unzufriedene Gefolgsmann, Cassio der leichtlebige junge Edelmann, ratlos auf Überseemission.

Das große Unwetter, mit dem die Oper beginnt, hat vielleicht die türkische Gefahr beendet, aber statt dessen hat es die Protagonisten in die Falle gesetzt. Sie sind gezwungen, in brennender, drückender Sommerhitze untätig auf der Insel zu bleiben. Es gibt keine Möglichkeit zu entfliehen. Die erzwungene Untätigkeit erweist sich für diese vier Menschen, die es gewohnt sind, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen - sei es beim Kommandieren der venezianischen Streitkräfte, sei es einem Vater trotzend - als fatal. Die Garnison ist als kolonialer Außenposten von der Außenwelt abgeschnitten; damit zugleich von der Vertrautheit der Konventionen und - zunehmend - von jeglichem Sinn für Realität. Die Entfremdung der Außenseiter voneinander ist eng geknüpft an die zunehmende Isolation jedes einzelnen. Zweifel und Argwohn wachsen. Beziehungen beginnen in der alles versengenden Hitze zu verfaulen.

Da die Sicherheit, auf welche die Protagonisten ihr Leben gebaut haben, um sie herum zusammenbricht, finden sie keine Möglichkeit mehr, effektiv zu arbeiten. Die Unsicherheit führt zu Misstrauen und moralischem Verfall. Indem sie den anderen verlieren, verlieren sie sich selbst. Das Drama verinnerlicht sich mehr und mehr. Es wird abstrakt und expressionistisch. Verdis Eröffnungssturm tobt in den Köpfen der Charaktere genauso stark wie in der Welt um sie herum. Im Verlauf der Oper steigt die emotionale und dramatische Hitze. Nur ein neues Unwetter kann die Luft klären. Wenn es kommt, wird es für Otello und Desdemona zu spät sein.


© Bayerische Staatsoper

Otello
Giuseppe Verdi
Arrigo Boito

Otello in München

ML = Musikalische Leitung; IN = Inszenierung; BB =
Bühnenbild; KO = Kostüme;
O = Otello; J = Jago; C = Cassio; D = Desdemona

5. Februar 1888

Kgl. Hof- und Nationaltheater
ML Hermann Levi, IN Karl Brulliot,
BB Karl Lautenschläger, KO Joseph Flüggen;
Heinrich Vogl (O), Eugen Gura (J),
Max Mikorey (C), Pauline Schöller (D)

26. Februar 1902

Kgl. Hof- und Nationaltheater
ML Franz Fischer, IN Robert Müller;
Heinrich Knote (O), Richard Breitenfeld (J), Max
Mikorey (C), Else Breuer (D)

27. Februar 1913

Kgl. Hof- und Nationaltheater
ML Selmar Meyrowitz, IN Willi Wirk;
Heinrich Knote (O), Fritz Feinhals (J),
Jean Buysson (C), Louise Perard-Petzl (D)

20. Mai 1916

Kgl. Hof- und Nationaltheater
ML Bruno Walter, IN Willi Wirk,
BB Julius Klein; Otto Wolf (O),
Friedrich Brodersen (J), Karl Erb (C),
Charlotte Dahmen (D)

22. März 1931

Nationaltheater
ML Karl Elmendorff, IN Kurt Barré,
BB und KO Leo Pasetti; Adolf Fischer (O), Hans
Hermann Nissen (J), Walther
Carnuth (C), Maria Nezadal (D)

24. Februar 1946

Prinzregententheater
ML Bertil Wetzelsberger, IN und BB
Günther Rennert, KO Liselotte Erler;
Franz Völker (O), Hans Hotter (J),
Franz Klarwein (C), Maud Cunitz (D)

9. Mai 1956

Prinzregententheater
ML Ferenc Fricsay, IN Rudolf Hartmann,
BB Helmut Jürgens, KO Rosemarie Jakameit; Hans
Hopf (O), Josef Metternich (J), Richard Holm (C),
Annelies Kupper (D)

5. November 1965

Nationaltheater
ML Joseph Keilberth, IN Rudolf Hartmann, BB
Johannes Dreher nach Helmut Jürgens, KO Johannes
Dreher; Fritz Uhl (O),
Heinz Imdahl (J), Georg Paskuda (C),
Claire Watson (D)

31. Oktober 1977

Nationaltheater
ML Carlos Kleiber, IN John Neumeier,
BB und KO Jürgen Rose;
Carlo Cossutta (O), Piero Cappuccilli (J), Benito
Maresca (C), Julia Varady (D)

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Biografien

Zubin Mehta wurde in Bombay geboren und erhielt von seinem Vater Mehli Mehta, dem Gründer des Bombay Symphony Orchestra, seine erste musikalische Ausbildung. Nach zwei Semestern Medizinstudium konzentrierte er sich ganz auf die Musik und absolvierte an der Wiener Musikakademie bei Hans Swarowsky eine Dirigentenausbildung. Er gewann den Internationalen Dirigentenwettbewerb von Liverpool und war Preisträger der Akademie in Tanglewood.  

Er war Music Director des Montreal Symphony Orchestra (1961-1967) und des Los Angeles Philharmonic Orchestra (1962-1978). 1969 wurde er außerdem musikalischer Berater des Israel Philharmonic Orchestra, wo man ihn 1977 zum Chefdirigenten und 1981 zum Music Director auf Lebenszeit ernannte. Von 1978 bis 1991 war er Music Director des New York Philharmonic Orchestra. Seit 1985 ist er Chefdirigent des Orchestra del Maggio Musicale Fiorentino in Florenz.

Sein Debüt als Operndirigent gab er 1964 in Montreal mit Tosca und stand seitdem u.a. am Pult der Metropolitan Opera in New York, der Wiener Staatsoper, des Royal Opera House Covent Garden in London, des Teatro alla Scala in Mailand, der Opernhäuser in Chicago und Florenz sowie bei den Salzburger Festspielen. Zwischen 1998 und 2006 war Zubin Mehta Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper, wo er 2006 zum Ehrenmitglied ernannt worden ist.

Er erhielt diverse Auszeichnungen und Ehrungen, u.a. ist er Träger des Nikisch-Rings, Ehrenbürger von Florenz und Tel Aviv und wurde 2008 mit dem Praemium Imperiale ausgezeichnet. Zudem ist er Ehrendirigent der Wiener und der Münchner Philharmoniker, des Los Angeles Philharmonic Orchestras, der Staatskapelle Berlin und des Bayerischen Staatsorchesters. 2011 erhielt er außerdem als erster klassischer Musiker einen eigenen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame.

2006 eröffnete er mit einer Produktion von Beethovens Fidelio den Palau de les Arts Reina Sofia in Valencia, gefolgt von einer Neuproduktion von Der Ring des Nibelungen mit La Fura dels Baus in Koproduktion mit dem Opernhaus Florenz. 2008 dirigierte er Don Carlos zur Eröffnung des neuen Opernhauses in Oslo. In der Spielzeit 2015/16 leitet er an der Bayerischen Staatsoper außer den Gurre-Liedern noch die Wiederaufnahme von Fidelio und die Neuproduktion von Un ballo in maschera.

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