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Ein Bühnenweihfestspiel in drei Aufzügen

Komponist Richard Wagner · Libretto vom Komponisten
In deutscher Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln | Neuproduktion

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Weder Balsam noch Heilkraut kann dem vor sich hinsiechenden wundkranken Gralskönig Amfortas Linderung schenken. Komplex stellt sich der Weg zu seiner Genesung heraus. Kein Eingeweihter der Gralsgemeinschaft, nur ein Außenstehender, ein „reiner Tor“, der durch Mitleid Wissender wird, kann den Speer wiedergewinnen, der die Wunde verursacht hat, mit seiner Spitze Amfortas’ Wunde berühren und ihn somit heilen. Auf seiner Reise zur Selbsterkenntnis und zum Mittel der Erlösung wird Parsifal nicht nur vom kundigen Gralsritter Gurnemanz begleitet, sondern auch von der rätselhaften und verführerischen Kundry, die ihm die Augen für Sinnlichkeit wie auch für Übersinnliches öffnet.

Richard Wagner fragt in seinem letztem Musikdrama, dem Bühnenweihfestspiel Parsifal, das 1882 in Bayreuth uraufgeführt wurde, nach Wunden, die sowohl im einzelnen Menschen und in den Gemeinschaften brennen und antwortet mit Wundermitteln, die Leid zu lindern vermögen.

Vorgeschichte 

Die Ritter Titurel und Gurnemanz haben zusammen einen Gralsorden gegründet, der das Ziel verfolgt, Gral und Speer zu schützen, jenen Kelch des letzten Abendmahls, in dem das Blut des gekreuzigten Jesus Christus aufgefangen wurde, und jenen Speer, mit dem ein römischer Soldat Christus am Kreuz in die Seite stach. Wer zum Schutz dieser berufen wird, muss ein Keuschheitsgelübde ablegen. Der Ritter Klingsor wollte dem Orden beitreten, konnte jedoch dieses Gelübde nicht einhalten und kastrierte sich deshalb. Dennoch hat Titurel ihn nicht in den Orden aufgenommen. Klingsor baute sich daraufhin ein eigenes Reich auf mit dem Ziel, die sittenstrengen Ritter mithilfe von Verführerinnen zur Unkeuschheit zuverführen, um so die Macht des Gralsordens zu verringern. Nachdem Titurel die Krone an seinen Sohn Amfortas übergeben hatte, wollte der neue Gralskönig Klingsors Reich zerstören. Als Amfortas mit dem Speer bewaffnet zu Klingsors Burg gelangte, erwartete ihn Kundry, die ihn verführte. Diese mystische Gestalt hatte einst Christus auf dem Kreuzweg verlacht und irrt, um ihren Fehler zu bereinigen, seither ruhelos durch unzählige Leben, als helfende Dienerin, in der Hoffnung, ihrem Erlöser zu begegnen; zum anderen ist sie Klingsors effektivste Waffe, um die Gralsritter zu verführen. Der Speer geriet durch Kundry in die Hände Klingsors, der Amfortas damit eine Wunde zufügte, die seither nicht heilen will.  

Erster Aufzug 

Gurnemanz erwartet mit anderen Rittern und Knappen den siechenden Amfortas, um ihm ein Bad zu bereiten, das Linderung schaffen soll. Amfortas nimmt von Kundry Balsam entgegen, wohl wissend, dass auch dieser nur die Schmerzen für einen kurzen Moment lindern werde. Die Knappen wollen Kundry angreifen, doch Gurnemanz hält sie zurück. Dieser erzählt ihnen die Geschichte vom ersten Gralskönig Titurel und dessen Sohn Amfortas. Er weiß zudem: Amfortas’ Wunde kann nur dann geheilt werden, wenn ein durch Mitleid wissender reiner Tor sie mit dem Speer berührt. Die Ruhe im Wald wird gestört, als ein Schwan – ein heiliges Tier – im Flug tödlich getroffen wird. Der Schütze ist sich keiner Schuld bewusst. Als er zur Rede gestellt wird, zeigt sich, dass er weder seinen Namen noch seine Herkunft kennt. Einzig der Name seiner Mutter, von der er weggelaufen ist, ist ihm bekannt: Herzeleide. Kundry, die zugehört hat, weiß von seiner Herkunft und offenbart ihm unverblümt, dass seine Mutter tot sei, worauf er sie umbringen will. Gurnemanz beruhigt den Fremden. Er glaubt, in ihm möglicherweise den besagten reinen Tor zu erkennen und führt ihn voller Hoffnung zu den Gralsrittern. Amfortas verflucht Titurels Bitte, endlich wieder den Gral zu enthüllen. Geschieht dies, so spendet er nämlich den Gralsrittern neue Lebenskraft. Für Amfortas bedeutet es jedoch fortgesetzte qualvolle Schmerzen. Schließlich gibt der amtierende Gralskönig nach. Der fremde Jüngling folgt der Zeremonie, ist aber aufgrund seiner Unreife nicht imstande, seinem Mitgefühl Ausdruck zu verleihen. Enttäuscht meint Gurnemanz, sich in dem Jüngling getäuscht zu haben und schickt ihn fort.

 Zweiter Aufzug 

Klingsor sieht im Jüngling eine Gefahr und will, dass Kundry ihn vernichte. Er weckt sie aus todesähnlichem Schlaf; sie stößt dabei einen erbärmlichen Schrei aus. Nachdem verführerische Frauen den umherirrenden Jüngling bedrohlich umzingeln, spricht Kundry ihn mit seinem Namen an: Parsifal. Sie erzählt ihm von seiner Mutter, die starb, nachdem der Sohn sie verlassen hatte. Parsifal, der sich nun schuldig fühlt, wird von Kundry getröstet: Die Liebe müsse er kennenlernen, damit er reife und die Schuld hinter sich lassen könne. Sie küsst ihn. In diesem Moment erkennt Parsifal, welcher Auftrag ihm übertragen ist: Er muss den Speer zurückerobern, um damit die Wunde Amfortas’ zu schließen und den Orden von seinem Leid zu befreien. In Parsifal sieht auch Kundry ihren Erlöser. Doch da Parsifal ihren Annäherungsversuchen widersteht, ruft sie in ihrer Verzweiflung Klingsor. Dieser versucht, mit dem Speer Parsifal zu vernichten, was der Jüngling jedoch abzuwenden weiß. So gewinnt Parsifal den Speer zurück und verlässt Klingsors Reich. Dieses stürzt in sich zusammen. 

Dritter Aufzug 

Gurnemanz, der nun einsam und verlassen im Wald lebt, findet Kundry, die kaum noch sprechen kann und einzig und allein dienen will. Ein Ritter nähert sich den beiden. Gurnemanz erkennt, dass es sich um den Jüngling handelt, den er einst fortgeschickt hat. Da dieser nun den Speer mit sich trägt, begreift er, dass es sich um den Auserwählten handeln muss. Er erzählt Parsifal vom hoffnungslosen Zustand des Gralsreichs, dass Titurel gestorben sei, weil sich Amfortas weigerte, den Gral zu enthüllen. Kundry wäscht Parsifal die Füße. Gurnemanz spricht Parsifal als den neuen König an, und als solcher vollzieht dieser sein erstes Amt: Er tauft Kundry. Da Karfreitag ist, erleben alle die Reinheit und Schönheit der Natur und brechen zur Totenfeier Titurels auf. Zu Ehren seines toten Vaters weigert sich Amfortas vehement, den Gral zu enthüllen. Da greift Parsifal ins Geschehen ein: Als neu erkorener Gralskönig tritt er vor den Orden und erlöst Amfortas von seinem Leid. 

 

Benedikt Stampfli

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