Infos

Komponist Olivier Messiaen

Freitag, 01. Juli 2011
16.00 Uhr – 21.00 Uhr
Nationaltheater

Dauer ca. 5 Stunden · 1. Akt (ca. 16.00 - 17.10 Uhr) · Pause (ca. 17.10 - 17.40 Uhr) · 2. Akt (ca. 17.40 - 19.25 Uhr) · Pause (ca. 19.25 - 20.00 Uhr) · 3. Akt (ca. 20.00 - 21.00 Uhr)

Preise M

Download Besetzungszettel (PDF) zur Stücknavigation

Besetzung

Musikalische Leitung
Kent Nagano
Szenische Konzeption und Gestaltung, Bühne und Kostüme
Hermann Nitsch
Mitarbeit Regie
Natascha Ursuliak
Bühnenbildassistent
Frank Gassner
Kostümbildassistentin
Hanna Hollmann
Licht
Michael Bauer
Chöre
Sören Eckhoff

L'Ange
Christine Schäfer
Saint François
Paul Gay
Le Lépreux
John Daszak
Frère Léon
Nikolay Borchev
Frère Massée
Kenneth Roberson
Frère Élie
Ulrich Reß
Frère Bernard
Christoph Stephinger
Frère Sylvestre
Rüdiger Trebes
Frère Rufin
Peter Mazalán
zur Stücknavigation

Mehr dazu

In den 1970er Jahren verführt der Direktor der Pariser Oper Rolf Liebermann den über sechzigjährigen Olivier Messiaen zur Komposition seines ersten und einzigen Bühnenwerkes. Der tief gläubige Komponist, der mit seinem gesamten Oeuvre seine Zuhörer einlädt, das Mysterium des Glaubens zu erfahren und mit ihm zu teilen, schreibt eine über vierstündige Oper über einen Heiligen des 13. Jahrhunderts: Saint François d’Assise.

Die 1983 in Paris uraufgeführten „Scènes franciscaines“ sind weder Hagiographie noch ein Drama um den historischen, 1228 heilig gesprochenen Ordensgründer: Der Mensch Franziskus, der seine ich-bezogene Lebensangst, seine Todesfurcht und den Ekel vor dem Hässlichen überwindet, schafft in seinem inneren Erleben Platz für eine die Grenzen des Individuums sprengende Erleuchtung und die Erfahrung der Existenz Gottes.

Die wie in einer mittelalterlichen Miniatur oder bei einem Kirchenfenster in acht Stationen erzählte Geschichte um den Heiligen, seinen Weg durch Angst und innere Finsternis zu einem Zustand vollkommener Gnade ist für Messiaen Ausgangspunkt für eine musikalische Meditation über die Spiritualität des modernen Menschen.

 

Ort der Handlung ist das Italien des frühen 13. Jahrhunderts. Das Thema jedes einzelnen Bildes ist den Fioretti (Blütenlegenden) und den Betrachtungen über die Wundmale, beides Schriften anonymer Franziskanermönche des 14. Jahrhunderts, entlehnt. Sieben Personen treten auf: der Engel, der heilige Franziskus, der Aussätzige, Bruder Elias sowie drei weitere Brüder – Leo, Masseo und Bernhard –, die Franziskus besonders geliebt hat. Im Verlauf des Stückes soll die zunehmende Gnadenfülle in der Seele des heiligen Franziskus offenbar werden.

Erster Akt

Erstes Tableau – Das Kreuz

Franziskus erklärt Bruder Leo, dass man um der Liebe Christi willen alle Widersprüche und alle Leiden geduldig ertragen müsse und dass darin die „vollkommene Freude“ liege.

Zweites Tableau – Die Laude

Nach der Rezitation des Morgenoffiziums durch die Brüder bleibt Franziskus allein zurück; er bittet Gott um die Begegnung mit einem Aussätzigen und um die Fähigkeit, diesen zu lieben.

Drittes Tableau – Der Kuss für den Aussätzigen

Ein Leprosenheim. Ein schrecklich abstoßender Aussätziger, bedeckt mit Blutflecken und Beulen, lehnt sich heftig gegen sein Leiden auf. Franziskus kommt, er setzt sich neben den Aussätzigen und spricht sanft zu ihm. Ein Engel erscheint vor dem Fenster und ruft: „Aussätziger, dein Herz klagt dich an, doch Gott ist größer als dein Herz.“ Verwirrt durch die Engelsstimme und die Güte des heiligen Franziskus überkommen den Aussätzigen Gewissensbisse wegen seiner Heftigkeit. Franziskus küsst den Aussätzigen.

Das Wunder geschieht, der Aussätzige ist geheilt! Freudentanz des Aussätzigen. Bedeutsamer jedoch als die Heilung des Aussätzigen ist die immer größer werdende Gnade in der Seele des heiligen Franziskus und der Jubel über seine Selbstüberwindung.

Zweiter Akt

Viertes Tableau – Der wandernde Engel

Ein Waldpfad auf dem Berg La Verna. Der Engel erscheint auf dem Weg. Sein prächtiges Gewand mit den fünffarbigen Flügeln ist nur für das Publikum sichtbar. Er wird für einen Wanderer gehalten. Das zarte Klopfen des Engels an die Klosterpforte macht einen gewaltigen Lärm, der das Hereinbrechen der Gnade symbolisiert. Bruder Masseo öffnet das Tor. Der Engel stellt Bruder Elias, dem Vikar des Ordens, eine Frage über die Vorsehung.

Der Engel klopft wieder an die Pforte und stellt neuerlich seine Frage nach der Vorsehung, diesmal Bruder Bernhard, der mit großer Weisheit darauf antwortet. Nach dem Abgang des Engels schauen Bruder Bernhard und Bruder Masseo einander an und meinen: „Vielleicht war es ein Engel…“

Fünftes Tableau – Der musizierende Engel

Der Engel erscheint dem heiligen Franziskus und spielt auf seiner Fidel, um ihm eine Vorahnung auf die himmlische Glückseligkeit zu geben. Dieses Solo ist von solcher Zartheit, dass der heilige Franziskus das Bewusstsein verliert.

Sechstes Tableau – Die Vogelpredigt

Wir sind in Assisi. Man sieht eine hohe, immergrüne Eiche. Es ist Frühling, und viele Vögel singen. Der heilige Franziskus, in Begleitung von Bruder Masseo, predigt zu den Vögeln und segnet sie feierlich. Die Vögel antworten in einem großen Konzert, in dem man nicht nur die Vögel Umbriens – besonders die Capinera, eine Mönchsgrasmücke – hört, sondern auch Vögel fremder Länder und ferner Inseln, vor allem der Île de Pins nahe Neukaledonien.

Dritter Akt

Siebentes Tableau – Die Stigmata

Nacht. In der Gegend von La Verna. Eine Höhle unter einem Felsüberhang. Der heilige Franziskus ist allein. Ein großes Kreuz erscheint. Man hört fast ständig die Stimme Christi, symbolisiert durch den Chor. Fünf Lichtstrahlen gehen vom Kreuz aus und fallen allmählich und unter demselben gewaltigen Lärm, der das Klopfen des Engels an die Pforte begleitete, auf beide Hände, die Füße und die rechte Seite des heiligen Franziskus. Diese fünf Wunden, gleichsam eine Wiedergabe der fünf Wundmale Christi, sind die göttliche Bestätigung der Heiligkeit des Franziskus.

Achtes Tableau – Tod und neues Leben

Der heilige Franziskus liegt sterbend auf dem Boden; alle Brüder knien um ihn. Er nimmt Abschied von allem, was er geliebt hat, und er singt die letzte Strophe seines Sonnengesangs, die Strophe von „unserem Bruder, dem leiblichen Tod“. Die Brüder rezitieren den 141. Psalm. Der Engel und der Aussätzige erscheinen dem heiligen Franziskus, um ihn zu trösten. Franziskus spricht seine letzten Worte: „Herr! Musik und Poesie haben mich in deine Nähe geführt… blende mich für immerdar durch deine Überfülle an Wahrheit…“ Er stirbt. Die Glocken läuten. Alles entschwindet. Während der Chor von der Auferstehung singt, fällt ein Lichtstrahl auf jene Stelle, wo zuvor der Körper des heiligen Franziskus lag. Das Licht wird blendend bis zur Unerträglichkeit. Der Vorhang fällt.

Olivier Messiaen

zur Stücknavigation

Biografien

Kent Nagano, geboren in Kalifornien, war Musikdirektor des Berkeley Symphony Orchestra, der Opéra National de Lyon, des Hallé Orchestra und der Los Angeles Opera sowie künstlerischer Leiter und Chefdirigent des Deutschen Symphonieorchesters Berlin, bevor er 2006 Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper wurde. In dieser Position, die er bis 2013 innehatte, leitete er zahlreiche Neuproduktionen, darunter Billy Budd, Chowanschtschina, Eugen Onegin, Idomeneo, Ariadne auf Naxos, Wozzeck, Lohengrin, Die schweigsame Frau, Saint François d’Assise sowie die Uraufführungen von Wolfgang Rihms Das Gehege, Unsuk Chins Alice in Wonderland, Minas Borboudakis’ liebe.nur liebe und Jörg Widmanns Babylon. Gastkonzerte führten Nagano und das Bayerische Staatsorchester u.a. nach Mailand, Moskau, Linz, Hamburg, Budapest sowie zu Festivals wie denen von Grafenegg, Gent, Berlin und Baden-Baden. Seit 2006 ist Kent Nagano zudem Musikdirektor des Orchestre Symphonique de Montréal, seit 2013 auch Erster Gastdirigent der Göteborger Symphoniker. (Stand 2014)

zur Stücknavigation