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Choreographie Ray Barra, Marius Petipa, Lew Iwanow · Komponist Peter I. Tschaikowsky

Freitag, 29. Juni 2012
21.00 Uhr – 23.35 Uhr
Granada

Dauer ca. 2 Stunden 35 Minuten · 1. Akt (ca. 21.00 - 22.10 Uhr) · Pause (ca. 22.10 - 22.40 Uhr) · 2. Akt (ca. 22.40 - 23.35 Uhr)

Freier Verkauf

#BSBschwanensee

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Termine & Karten

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Besetzung

Choreographie
Ray Barra
nach
Marius Petipa
nach
Lew Iwanow
Bühne und Kostüme
John Macfarlane
Licht
Christian Kass

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Medien

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Mehr dazu

Schwanensee ist der Ballettklassiker und gleichermaßen das Ballettmysterium par excellence. Obwohl es keine „Originalversion“ gibt und man bezüglich der Überlieferung nicht von einem feststehenden choreographischen Text, von einer eindeutigen dramaturgischen Struktur sprechen kann, ist es die Petersburger Inszenierung von Marius Petipa und Lew Iwanow (1895), an der sich die meisten Choreographen orientieren und die bis heute in Neuinszenierungen nachwirkt. Die Vorstellungen von einer Gruppe von Tänzerinnen in Tutu, Schwanenfedern und Spitzenschuh ist mit beinahe jeder Schwanensee-Fassung untrennbar verwoben.

Ray Barra behält in seiner Version für das Bayerische Staatsballett, die er 1994/95 schuf, die große choreographische Überlieferung von Lew Iwanow bei. Dessen Komposition des zweiten Aktes wurde zu einem Meilenstein der Ballettgeschichte und zum Vorläufer all dessen, was man im 20. Jahrhundert abstraktes oder konzertantes Ballett nannte. Entscheidend für Barra war die psychologische Ausgangssituation, die ihn in der Tradition von John Cranko und Rudolf Nurejew zeigt: Prinz Siegfried ist bei ihm ein labiler junger Mann, der den politischen und gesellschaftlichen Ansprüchen, die seine Stellung von ihm verlangt, nicht entsprechen will. Er flüchtet in Traumwelten, in denen die Schwäne, die geliebte Odette, ihr böses Double Odile und der Zauberer Rotbart für ihn zu realen Gestalten werden, die ihn letztlich in den Tod treiben.

 

Handlung

An einem Königshof preußischen Zuschnitts, 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Prinz Siegfried soll in nächster Zukunft die Thronfolge antreten und deshalb heiraten. Königin Luise, seine Mutter, die Zeit seines Lebens bestimmt hat, was für ihren Sohn und die Politik des Königshauses das Beste sei, hat in der weitläufigen Verwandtschaft eine hübsche Frau ausgewählt, die Siegfried heiraten soll. Siegfried, ein emotionaler, verträumter junger Mann, der seine Zeit nicht gern der Politik, wohl aber der Literatur widmet, befindet sich schon seit längerem in einer Krise, ringt mit seinen widerstreitenden Gefühlen, hin- und hergerissen zwischen Pflichterfüllung und Neigung. Er kann und will dem wachsenden Druck, den die Anforderungen seiner Mutter und seiner Stellung auf ihn ausüben, nicht mehr standhalten. Immer häufiger entzieht er sich der Realität und versinkt in Phantasien, die bevölkert sind von Gestalten aus Literatur und Märchen.

Prolog

Der Prinz hat sich in die Welt der Legende vom „Schwanensee“ geträumt. Entsetzt muss er mit ansehen, wie der Magier Rotbart ein junges Mädchen, Odette, verzaubert: sie wird zum Schwan.

Akt I

Der Tag der Verlobung, der opulent bei Hofe gefeiert werden soll, ist gekommen. Am Morgen findet zunächst ein Gartenfest im Park des Schlosses statt. Siegfrieds Freunde sind eingetroffen, es herrscht eine fröhliche, unbeschwerte Stimmung, man lacht, tanzt, unterhält sich. Nur Siegfried sitzt in Gedanken versunken. Seine Freunde, allen voran Benno, versuchen, ihn aufzuheitern und abzulenken. Mitten hinein in das Gartenfest der jungen Leute tritt Königin Luise mit ihrem Gefolge und hochrangigen Gästen aus ganz Europa, die dem abendlichen Ball beiwohnen werden.

Charlotte, die Siegfried zugedachte Verlobte, wird von Königin Luise hereingeführt. Als Siegfried der Mutter signalisiert, dass er mit ihrer Wahl nicht einverstanden ist, bekräftigt die Königin noch einmal ihren unbeugsamen Willen, diese Verlobung zu besiegeln. Schon der erste Tanz mit Siegfried lässt Charlotte spüren, dass sie sein Herz nicht gewinnen kann. Der Prinz, den der Auftritt der Mutter tief getroffen hat, verfällt in Depression; seine Gedanken verwirren sich.

Der Magier Rotbart führt ihn ans Ufer eines Sees. Dort erscheint ihm Odette, die Schwanenkönigin, mit ihrem Gefolge. Odette bedeutet ihm, dass sie nur durch die Liebe von ihrer Schwanengestalt erlöst werden könne. Siegfried verliebt sich in sie und schwört ihr ewige Treue.

Akt II

Die Mitglieder des Hofes, angeführt von Königin Luise, und Verwandte aus ganz Europa haben sich zum Ball eingefunden, um Prinz Siegfrieds Verlobung zu feiern. Die Gäste präsentieren Tänze aus ihrer Heimat. Zuletzt, als alle bis auf Siegfried zu Tisch gegangen sind, erscheint ihm eine schwarzgekleidete Schöne – Odile –, die mit ihren Begleiterinnen und einem gebieterischen Mann an ihrer Seite den Saal betritt. In Siegfrieds Wahn wird sie zu einem schwarzen Schwan mit den Zügen Odettes. 

Er folgt Odile in einem verführerischen Tanz, schwört ihr Treue und erkennt im selben Augenblick – er hat Odette verraten und für immer verloren.

Am See erwartet die weinende Odette mit ihren Gefährtinnen den untreuen Geliebten. Siegfried beteuert ihr noch einmal verzweifelt seine Liebe und bittet Odette um Vergebung. Sie verzeiht ihm, aber es gibt keine Rettung mehr. Rotbart zieht mit seinen zauberischen Stürmen Odette aus Siegfrieds Bannkreis, Siegfried folgt dem Trugbild und ertrinkt im See.
Die Königin findet ihren toten Sohn. Sie weiß nicht, was ihn ins Wasser getrieben, in welcher Geschichte er den Tod gefunden hat.

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Biografien

Raymond Martin Barallobre Ramirez wurde am 3.1.1930 in San Francisco als Sohn spanischer Eltern geboren.

Wie so viele amerikanische Kids lernte er steppen, sah einen Film mit Fred Astaire und Gene Kelly und wusste, daß er Tänzer werden möchte. Nach dem Studium an der San Francisco School for Ballet und der American Ballet Theater School war er zunächst im San Francisco Opera Ballet engagiert. Im American Ballet Theater avancierte er zum Solisten und tanzte dann in Stuttgart unter Nicholas Beriozoff das gesamte klassische Repertoire. Als John Cranko 1961 Beriozoff ablöst, gehörte Barra zu der kleinen Gruppe von Tänzern, die in das neue Ensemble übernommen wurden. In so epochemachenden Balletten wie Crankos Romeo und Julia (1962), Schwanensee (1963), Feuervogel (1964) und Onegin (1965) kreierte er die Hauptrollen, aber auch in Las Hermanas (1963) und Das Lied von der Erde, das Kenneth Mac Millan für Stuttgart choreographierte.

Ray Barras Werdegang fiel mitten hinein in die zweite Hälfte des 20.Jahrhunderts, mitten in die Ära Balanchine, in der das klassische Ballett seine neoklassische Ausweitung erfuhr; eine Epoche, in der sich – nach langer Anfeindung – schließlich das klassische Ballett und Modern Dance gegenseitig befruchteten. Und nicht zuletzt wurde Barra Zeuge, Instrument, ja sogar kreativer Mitwirkender bei Crankos Erneuerung des traditionellen Handlungsballetts.

1966 beendete ein Probenunfall, eine gerissene Achillessehne, abrupt Ray Barras Tänzerlaufbahn. Ein schmerzhafter Einschnitt in einem bis dahin erfolgreichen, aber auch menschlich reichen Leben. Mit einem starken Lebenswillen fing sich Barra jedoch wieder, wurde Ballettmeister unter MacMillan an der Deutschen Oper Berlin (1966-70), dann in Neumeiers Ballett der Hamburgischen Staatsoper (1973-76).

Als Choreograph hatte Barra sich schon Mitte der 60er Jahre im Rahmen der legendären Matineen der Stuttgarter Noverre-Gesellschaft profiliert. Später choreographierte er in Stuttgart, Berlin, Frankfurt, München, Wien und San Francisco für Oper, Operette und Musical-Produktionen.

1985 holte ihn Maria de Avila, damals Direktorin des Madrider Ballet Nacional de Espana-Clásico, als Gastchoreographen. Barra nahm nach anfänglichem Zögern schließlich auch die von de Avila angebotene Position des künstlerischen Leiters an. Nach fünf Jahren wurde er wieder freischaffend und konnte Choreographie-Angebote annehmen wie Don Quijote (1991) und Schwanensee (1995) beim Bayerischen Staatsballett. 1994 folgte er einem Notruf seines alten Freundes Götz Friedrich, des Intendanten der Deutschen Oper Berlin, und übernahm dort bis 1997 die Ballettdirektion. Seitdem wohnt Barra mit seinem langjährigen Lebensgefährten Massimo Barra wieder im spanischen Marbella. Von Zeit zu Zeit kehrte er für besondere Herausforderungen in die Theaterwelt zurück. 2001 erarbeitete er mit der Münchner Erstaufführung von Raymonda seine dritte Klassikerneufassung fürs Bayerische Staatsballett. Fürs Griechische Nationalballett kreierte er zunächst Canto General nach Gedichten von Pablo Neruda und zur Musik von Mikis Theodorakis und 2010 eine revidierte Fassung seiner Berliner Schneekönigin zur Musik von Glasunow. Eine abendfüllende Version von Carmen entstand 2007 für das Ballett des Staatstheaters Karlsruhe unter der Direktion von Birgit Keil. Im Januar 2012 leitete er die Münchner Neueinstudierung von Kenneth MacMillans Las Hermanas, einem Meisterwerk, das kurz nach seiner Uraufführung 1963 mit Barra in der von ihm kreierten Hauptrolle auch fürs englische Fernsehen verfilmt wurde.

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