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Oper in einem Prolog und drei Akten (fünf Bildern)

Komponist Giuseppe Verdi · Libretto von Francesco Maria Piave (1857), Neufassung von Arrigo Boito (1881)
In italienischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Donnerstag, 24. April 2014
19.30 Uhr – 22.30 Uhr
Nationaltheater

Dauer ca. 3 Stunden · 1 Pause zwischen Prolog + 1. Akt und 2. + 3. Akt (ca. 21.00 - 21.30 Uhr)

Freier Verkauf · Saison-Abo 17/18

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Besetzung

Musikalische Leitung
Bertrand de Billy
Inszenierung und Bühne
Dmitri Tcherniakov
Kostüme
Elena Zaytseva
Licht
Gleb Filshtinsky
Chor
Sören Eckhoff

Simon Boccanegra
Željko Lučić
Amelia Grimaldi
Tamar Iveri
Jacopo Fiesco
Vitalij Kowaljow
Gabriele Adorno
Stefano Secco
Paolo Albiani
Levente Molnár
Pietro
Peter Lobert
Capitano
Francesco Petrozzi
Dienerin der Amelia
Iulia Maria Dan
  • Bayerisches Staatsorchester
  • Chor der Bayerischen Staatsoper

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Mehr dazu

Obwohl es in der Stadt Genua keine Rolle mehr spielen sollte – der Doge wird vom Volk gewählt – ist altes Parteiendenken zwischen Patriziern und Plebejern an der Tagesordnung. Doch in der Person Simon Boccanegra scheint ein Ausgleich möglich. Er wird zum Dogen gewählt. Allein: auch er gerät in den Strudel tragischer familiärer Schicksalsschläge und Machtspiele.

Es ist Verdis brüchigstes Werk, dunkel in allen Farben, schwermütig in den Gefühlen, brutal die Szenen in der Öffentlichkeit wie im Privaten – und doch voll vom Drang nach Liebe und Freiheit. Über 20 Jahre mussten von der erfolglosen Uraufführung 1857 vergehen, ehe er eine grundlegende Überarbeitung vornahm und mit dem neuen Librettisten Arrigo Boito dem Werk eine neue Form gab. Doch im Vergleich zu seiner Trilogia populare lastete dem Werk lange der Ruf der Unzugänglichkeit an. Zu Unrecht! Verdi meinte: „Das Stück ist düster, weil es düster sein muss, aber es ist fesselnd!“

 

Der Kampf zwischen den Patriziern und den Plebejern um die Herrschaft spaltet die Stadt. Fiesco, einer der einflussreichsten Patrizier, hat seine Tochter Maria eingesperrt. Als skandalös empfand er ihre Affäre mit dem Piraten Simon Boccanegra, einem vom Volk. Des Nachts wittern die Plebejer ihre Chance der Machtergreifung und erklären ihren Kandidaten zum neuen Machthaber.

Prolog

Paolo versucht Pietro davon zu überzeugen, kurzfristig einen anderen Kandidaten zu bestimmen. Im Hause Lorenzinos schlägt er vor, den Piraten Simon Boccanegra zum einzigen Kandidaten des Volkes zu ernennen. Er hat Boccanegra in die Stadt geführt und versucht ihn dort zu überreden, den Vorschlag anzunehmen. Würde Boccanegra neuer Stadtoberhaupt, würden sich ihm großartige neue Chancen eröffnen, unter anderem könnte er sich an Fiesco rächen und hätte – indem er dessen eisernen Willen brechen würde – Maria für sich. Boccanegra nimmt die Nominierung an. Er hat die Unterstützung des Volkes.

Die glücklose Maria, die viele Monate eingesperrt im Haus ihres Vaters verbrachte, stirbt in derselben Nacht. Voller Schuldgefühle und in tiefer Trauer verlässt Fiesco sein Haus und trifft Boccanegra außerhalb. Er plant, Boccanegra aufs Schärfste zu kritisieren, ihn zu beleidigen und zu beschuldigen. Starrsinnig bis zum Schluss erwähnt Fiesco aber nichts von Marias Tod. Boccanegra versucht sich zu rechtfertigen, aber Fiesco bleibt stur in seiner Trauer und seinem Hass. Er bietet Boccanegra nur eine Möglichkeit, sich zu entschuldigen und fordert ihn auf, die gemeinsame Tochter von ihm und Maria seiner Familie zurückzugeben. Boccanegra jedoch schaffte es nicht, das Kind seiner glücklosen Liebe zu beschützen. Die kleine Maria ist verschwunden und so kann er Fiesco nichts als Entschuldigung anbieten. Die beiden Männer trennen sich als Feinde.
In Rage versucht Boccanegra, in Fiescos Haus einzudringen und hofft, dort auf Maria zu treffen. Fiesco beobachtet ihn dabei. Als er Marias leblosen Körper vorfindet, überkommt ihn ein Gefühl vollkommener Verzweiflung. Er sieht sich verantwortlich für das, was passiert ist. Zeitgleich erfährt er, dass er zum neuen Stadtoberhaupt gewählt wurde.

Akt I

Fünfundzwanzig Jahre später. Der Konflikt zwischen den Plebejern und den Patriziern hält an. Boccanegra ist nach wie vor Stadtoberhaupt, Paolo ist seine rechte Hand. Boccanegra hat versucht, seine Tochter zu finden – jedoch ohne Erfolg.

Fiesco wurde bestraft und ins Gefängnis geworfen. Es wird vermutet, er sei bereits vor vielen Jahren verstorben. Tatsächlich kam er jedoch erst kürzlich zurück in die Stadt. In der Rolle des Priesters Andrea plant er ein Komplott gegen Boccanegra. Er lebt mit der Familie Grimaldi, deren Erben von Boccanegra aus der Stadt geworfen wurden. Die Grimaldis haben ein junges Mädchen namens Amelia adoptiert, um das Vermögen der Familie zu sichern.
Paolo bekommt Wind von der geplanten Verschwörung und besucht die Grimaldis regelmäßig. Er hat sich in Amelia verliebt und erzählt ihr von seiner Zeit mit Boccangegra. Amelia hört gebannt zu und erkennt sich selbst in der Rolle der verschollenen Tochter.

1. Szene Bei den Grimaldis

Amelia trifft ihren Geliebten Gabriele Adorno. Der Priester Andrea (Fiesco) überredet den jungen Volksvertreter, am geplanten Politkomplott gegen Boccanegra teilzunehmen. Amelia gesteht Adorno, dass sie über seine Aktivitäten im Geheimen Bescheid weiß und um sein Leben fürchtet. Die unerwartete Nachricht, dass Boccanegra zu den Grimaldis kommen wird, versetzt Amelia in Panik. Voller Furcht wartet sie, bis er kommt. Paolo bringt Boccanegra mit nach Hause.

Boccanegra eröffnet Amelia, dass er sich bei den Erben der Grimaldis entschuldigen will und dass er bereit ist, sie aus dem Exil zurückzuholen. Als Gegenleistung fordert er von Amelia, sie möge einer Heirat mit Paolo zustimmen. Die junge Frau lehnt das ab und gesteht Boccanegra, dass sie nichts mit den Grimaldis gemein hat. Boccanegra hört sich ihre Lebensgeschichte an und realisiert, dass sie auf unerwartete Weise der Geschichte seiner Tochter gleicht, die er fünfundzwanzig Jahre zuvor verloren hat. Ganz aufgeregt entscheidet er, Amelia zu gestehen, dass sie seine verlorengegangene Tochter ist.
Amelia ist verwirrt, aber doch glücklich. Boccanegra, immer noch völlig perplex über das, was passiert ist, entscheidet sich, die Umstände vorerst unkommentiert zu lassen und abzuwarten, bis alles zweifelsfrei geklärt ist. Er weigert sich, Paolos Heiratsabsichten zu unterstützen und verdächtigt ihn, an einer Verschwörung gegen ihn zu arbeiten. Vollkommen verärgert entschließt sich Paolo zu einer drastischen Maßnahme. Er entführt Amelia und sperrt sie in Lorenzinos Haus ein.

2. Szene Im Versammlungsraum des Stadtrats

Boccanegra spricht mit den Stadträten. Paolo widerspricht ihm nach jedem Wort.
Plötzliche Geräusche, die von der Straße hereindringen, lenken die Stadträte ab. Ein aufgebrachter Mob versucht, den Patrizier Gabriele Adorno kaltzumachen – er soll den Volksmann Lorenzino ermordet haben. Das Volk fordert die Bestrafung Adornos. Um herauszufinden, was wirklich passiert ist, geht Boccanegra das Risiko ein, die beiden rivalisierenden Parteien in den Versammlungsraum zu bitten. Der Mob schleppt Adorno und den Priester Andrea herein.
Adorno erklärt, was passiert war: Im Auftrag einer einflussreichen Person hatte Lorenzino Amelia entführt. Adorno ist sich sicher, dass Boccanegra diesen Auftrag erteilt hat, doch plötzlich taucht Amelia selbst auf und stellt sich zwischen die beiden, um Boccanegra zu beschützen. Boccanegra fordert Amelia auf, zu erzählen, was ihr zugestoßen sei. Sie wurde tatsächlich entführt und in Lorenzinos Haus festgehalten, gelang aber zu entkommen, indem sie die Wärter über ihre enge Beziehung zu Boccanegra aufklärte und ihnen damit Angst einjagte. Amelia verdächtigt natürlich Paolo, traut sich aber nicht, seinen Namen ins Spiel zu bringen. Paolo geht davon aus, dass er bald auffliegt. Der verärgerte Mob versucht herauszufinden, welches Lager Schuld trägt und so kommt es zu einem Handgemenge zwischen den beiden Parteien, das Boccanegra versucht zu stoppen.

Boccanegra verordnet Arrest für Adorno und den Priester Andrea, da er weiß, dass diese an dem geplanten Komplott gegen ihn beteiligt waren. Er nimmt Amelia zu sich, um sie zu beschützen; überzeugt von Paolos Verrat, kanzelt er ihn öffentlich ab.

Akt II

Paolo fühlt sich verletzt durch die Geschehnisse der Vergangenheit und kann nicht vergessen, wie ihn Boccanegra öffentlich niedergemacht hat. Er will Rache um jeden Preis und versucht Boccanegra auf unterschiedliche Art und Weise aus dem Weg zu schaffen. Nachdem er Gift in ein Glas auf Boccanegras Schreibtisch gefüllt hat, holt er Adorno und Andrea aus dem Gefängnis. Er versucht Andrea zu überzeugen, Boccanegra umzubringen. Der alte Mann versteht diesen Vorschlag als bloße Provokation. Sogar die Nachricht, dass Paolo Andreas wahre Identität kennt, kann ihn nicht umstimmen. Andrea lehnt ab und wird zurück ins Gefängnis geschickt.

Paolo versichert Adorno, dass Amelia Boccanegras Geliebte ist. Er lässt den jungen Mann alleine. Adorno wird von Eifersucht aufgefressen.

Amelia betritt den Raum und ist freudig überrascht, dort Adorno zu treffen. Er verlangt eine Erklärung von Amelia, doch diese ist nicht bereit, ihm die ganze Wahrheit zu sagen und bittet ihn, ihr einfach zu glauben, dass sie nur ihn liebe. Der unvorhergesehene Auftritt von Boccanegra zwingt Amelia den hitzköpfigen Adorno zu decken, da sie einen Konflikt fürchtet. Die junge Frau bittet Boccanegra eindringlich, Adorno zu vergeben. Boccanegra ist dazu jedoch nicht bereit, da er auch Adorno hinter der Verschwörung vermutet. Erst als Amelia droht, mit ihrem geliebten Adorno zu sterben, ist Boccanegra – der sich an seine Schuld an Marias Tod vor fünfundzwanzig Jahren erinnert – bereit, nachzugeben.
Boccanegra bittet Amelia, ihn für eine Weile alleine zu lassen. Adorno kommt aus seinem Versteck und konfrontiert Boccanegra mit seiner Anwesenheit. Amelia spürt, dass etwas nicht stimmt und kehrt zurück, um ihren Vater vor Adorno zu schützen, der völlig außer sich ist. Boccanegra entscheidet sich, öffentlich bekanntzugeben, dass Amelia seine Tochter sei und verhindert somit, dass es zum Streit kommt. Überwältigt von dieser Offenbarung nimmt Adorno Boccanegra zur Seite und sagt ihm, dass er bereit sei, ihn vor den Verschwörern zu beschützen.

Ein Staatsstreich, der von Fiesco und einigen anderen Patriziern vorbereitet worden war, schlägt fehl und Boccanegra bleibt an der Macht. Paolo wurde für seine Zusammenarbeit mit den Verschwörern hinter Gitter gebracht.

Akt III

Auf Befehl von Boccanegra wird Andrea (Fiesco) aus dem Gefängnis entlassen. Andrea trifft auf Paolo, der wiederum ins Gefängnis gesteckt wurde. Paolo ist außer sich vor Wut und brüllt, dass Boccanegra vergiftet wurde und vor ihm sterben wird. Immer noch voller Hass auf Boccanegra, rennt Andrea los um ihn ein letztes Mal zu verurteilen. Als Andrea auf Boccanegra trifft, erkennt Boccanegra, dass dieser eigentlich Fiesco ist. Er teilt Fiesco mit, dass die kleine Maria, das verschwundene Mädchen, die junge Frau Amelia ist – im selben Augenblick heiratet sie gerade Adorno. Fiesco ist schwer schockiert. Nachdem er erkennt, dass er sein gesamtes Leben nutzlosem Hass gewidmet hat, kann er seine Tränen nicht mehr zurückhalten. Die Frischvermählten kommen herein und finden Boccanegra vor, der im Sterben liegt. Boccanegra klärt das Paar über die wahre Identität Andreas auf. Kurz vor seinem Tod ernennt er Adorno zu seinem Nachfolger.

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Biografien

Bertrand de Billy, geboren in Paris, begann seine Dirigentenlaufbahn nach Studien in seiner Heimatstadt als Erster Kapellmeister und stellvertretender Generalmusikdirektor im anhaltinischen Staatstheater Dessau. Danach arbeitete er in gleicher Position an der Volksoper in Wien. In der Position des Chefdirigenten folgten vier Jahre am Gran Teatre del Liceu in Barcelona und acht Jahre beim Radio-Symphonieorchester Wien. Bis 2015 war er Erster Gastdirigent des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters und des Orchestre de Chambre de Lausanne. Die gleiche Stelle hat er jetzt bei den Dresdner Philharmonikern inne. Er dirigiert regelmäßig an diversen Opernhäusern, z. B. von Berlin, Hamburg, Wien, London, Paris und New York sowie bei den Salzburger Festspielen. (Stand 2017)

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Blog

Dmitri Tcherniakov über „Simon Boccanegra“

Dmitri Tcherniakov inszeniert Simon Boccanegra: Am 3. Juni feiert Giuseppe Verdis Oper ihre Premiere. Der Dramaturg Miron Hakenbeck hat mit dem Regisseur über das Scheitern Boccanegras, seine Beziehung zu Amelia und die Bildwelt Edward Hoppers gesprochen. mehr lesen

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