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Romantische Oper in drei Aufzügen

Komponist Richard Wagner · Libretto vom Komponisten
In deutscher Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Sonntag, 05. Mai 2019
17.00 Uhr – 21.45 Uhr
Nationaltheater

Dauer ca. 4 Stunden 45 Minuten · 1. Akt (ca. 17.00 - 18.10 Uhr) · Pause (ca. 18.10 - 19.00 Uhr) · 2. Akt (ca. 19.00 - 20.10 Uhr) · Pause (ca. 20.10 - 20.50 Uhr) · 3. Akt (ca. 20.50 - 21.45 Uhr)

Einführung: 16.00 Uhr · Junges Publikum

Freier Verkauf

Preise M , € 193 / 168 / 142 / 117 / 90 / 64 / 16 / 14

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Premiere am 21. Mai 2017

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Termine & Karten

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Besetzung

Musikalische Leitung
Simone Young
Inszenierung, Bühne, Kostüme, Licht
Romeo Castellucci
Choreographie
Cindy Van Acker
Regiemitarbeit
Silvia Costa
Dramaturgie
Piersandra Di Matteo
Dramaturgie
Malte Krasting
Videodesign und Lichtassistenz
Marco Giusti
Chor
Sören Eckhoff

Hermann, Landgraf von Thüringen
Stephen Milling
Tannhäuser
Klaus Florian Vogt
Wolfram von Eschenbach
Ludovic Tézier
Walther von der Vogelweide
Dean Power
Biterolf
Peter Lobert
Heinrich der Schreiber
Ulrich Reß
Reinmar von Zweter
Lukasz Konieczny
Elisabeth, Nichte des Landgrafen
Lise Davidsen
Venus
Elena Pankratova
Ein junger Hirt
Elsa Benoit
Vier Edelknaben
Solist/en des Tölzer Knabenchors
  • Bayerisches Staatsorchester
  • Chor der Bayerischen Staatsoper

Besetzung für alle Termine

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Medien

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Mehr dazu

Der Mensch, zerrissen im Dualismus? Materie und Idee, leibliche Erfüllung und geistiges Streben, irdische Sinnenlust und himmlische Verklärung – seit Jahrtausenden behaupten Philosophen und Religionen die Existenz widerstreitender Prinzipien.
Tannhäuser, Metapher des Künstlers oder einfach ein suchender Mensch, will diese Spaltung nicht akzeptieren und wandert zwischen den antagonistisch erklärten Welten. Nicht Versöhnung des Widerspruchs ist sein Ziel, sondern seine Negierung, die bewusste Entscheidung, alles zu leben. Antwort auf das Sehnen nach Erfüllung sucht er mal in spiritueller Mystik, mal in christlich grundierter Liebe oder in purem Sex. Doch immer scheint etwas zu fehlen, sein Verlangen wird nie gestillt. So kommt Tannhäuser nie richtig an, immer zieht es ihn wieder fort, der Ekel an sich selbst wird größer noch als die Verachtung für das Mittelmaß, für alle, die sich mit Kompromissen zufriedengeben (so wie es die Wartburgsänger mit ihrer blutleeren Kunst tun), anstatt die Extreme auszuschöpfen. Tannhäuser ist eine Bewegung ohne Aussicht auf ein Ziel. Insofern konnte Richard Wagner nie fertig werden mit diesem Stück, ganz gleich, wie oft er es auch umarbeitete.

 

Die Handlung

Vorgeschichte

Tannhäuser war einst Sänger am Hofe Landgraf Hermanns von Thüringen, doch im Streit um ihre Kunst mit den anderen Sängern, denen er sich überlegen fühlte, hat er die Wartburg verlassen. Nun lebt er im Innern des Hörselbergs als Geliebter der Venus, die dort ihr Reich hat.

Erster Aufzug
Tannhäuser ist des Lebens im Venusberg überdrüssig. Die immerwährenden Freuden und Vergnügungen, der ununterbrochene sinnliche Genuss ekeln ihn an. Er sehnt sich zurück nach der Natur und nach Gesellschaft, nach dem Wechsel von Freuden und Schmerzen. Venus will ihn nicht ziehen lassen, doch Tannhäuser bleibt fest in seinem Entschluss: Er dankt Venus für die gemeinsame Zeit; auch wenn er sie verlässt, will er doch immer vor der Welt für sie eintreten. Sie verwünscht seine Absicht und drängt ihn zugleich, zu ihr zurückzukehren, wenn er in der Welt sein Glück nicht finden sollte. Tannhäuser aber ist sich gewiss, dass sein Heil in Maria liegt.

Ins Freie versetzt hört Tannhäuser einen jungen Hirten vom ausbrechenden Frühling singen – und die Hymne einer Gruppe von Pilgern, die nach Rom ziehen, um dort Erlösung von ihren Sünden zu finden. Er ist erschüttert von diesem Eindruck. Im Bewusstsein, selbst schwere Schuld auf sich geladen zu haben, sinkt er in sich zusammen. Kurz darauf trifft eine vorbeiziehende Gruppe Jäger auf ihn: Es ist Landgraf Hermann mit seinen Rittern und Sängern. Sie drängen den widerstrebenden Tannhäuser, sich ihrer Gemeinschaft wieder anzuschließen. Erst Wolfram kann ihn mit dem Hinweis auf Elisabeth, die Nichte des Landgrafen, die ihn schmerzlich vermisse, überzeugen. Alle ziehen gemeinsam zur Wartburg.

Zweiter Aufzug
Elisabeth erwartet die Wiederkehr Tannhäusers. Nach langer Zeit betritt sie wieder die Halle, in der einst die Sänger ihre Lieder vorgetragen haben und in der zur Feier von Tannhäusers Rückkehr nun ein neues großes Sängerfest stattfinden soll. Wolfram führt Tannhäuser zu Elisabeth; die beiden gestehen einander ihre tiefen Gefühle. Wolfram, der Elisabeth ebenfalls liebt, erkennt, dass sie für ihn unerreichbar bleibt. Während Tannhäuser sich zum Fest bereitmacht, fragt der Landgraf Elisabeth nach ihren Empfindungen, doch sie weicht aus; der Landgraf will das Sängerfest zur Lösung dieses Geheimnisses nutzen.

Die Gäste erscheinen. Der Wettbewerb beginnt. Der Landgraf stellt den Sängern die Aufgabe, in ihren Liedern das Wesen der Liebe zu ergründen. Wolfram beschreibt die Liebe als einen „Wunderbronnen“, den er ehrfurchtsvoll anbete. Tannhäuser erwidert, dieser Brunnen sei unversiegbar, und um die Liebe zu erkennen, müsse man aus ihm auch trinken. Elisabeth will ihm applaudieren, aber alle anderen bleiben stumm. Walther warnt: Wer seine Lippen an den Brunnen lege, entweihe ihn, man müsse sein Herz, nicht seinen Gaumen laben. Aufs Neue widerspricht Tannhäuser: Das Wesen der Liebe sei Genuss, und erst im Genießen käme sie zu ihrem Recht. Biterolf fühlt seine Ehre und die der Frauen angegriffen und droht Tannhäuser mit dem Schwert. Das Aufeinanderprallen zweier unvereinbarer Ideale – reine Minne gegen sinnliche Liebe – droht in offenem Kampf zu eskalieren. Mit Mühe beruhigt der Landgraf die aufgebrachten Sänger und Gäste. Noch einmal ergreift Wolfram das Wort: Liebe sei eine gottgesandte Macht, der er „aus holder Ferne“ folgen wolle. Hier verliert Tannhäuser vollends die Beherrschung: Er preist die „Göttin der Liebe“ und gibt zu erkennen, dass er im Venusberg gewesen sei. Empörung schlägt ihm entgegen, man droht ihm mit Gewalt; nur Elisabeth steht zu ihm und schützt ihn mit ihrem Leib. Der Landgraf spricht das Urteil: Tannhäuser muss für seine Sünde büßen. Er soll nach Rom pilgern, um dort um die Vergebung seiner Schuld zu bitten.

Dritter Aufzug
Ein Jahr ist vergangen. Elisabeth wartet auf die Rückkehr Tannhäusers aus Rom. Wolfram beobachtet sie aus respektvoller Entfernung. Die Pilger kommen heim, doch Tannhäuser ist nicht unter ihnen. Elisabeth fleht die Gottesmutter Maria an, sie aus dem Leben zu nehmen, damit sie als Engel Gnade für Tannhäuser erwirken könne. Wolfram bietet ihr Hilfe an, doch sie lehnt ab und geht allein zur Wartburg zurück. Wolfram singt: Der Abendstern, der die Dunkelheit erhellt, möge der Seele Elisabeths bei ihrem Weg in die Ewigkeit beistehen.

Seinen Gesang hört ein einzelner Pilger: Tannhäuser. Wolfram ist erschrocken, dem Freund, der offenbar keine Vergebung bekommen hat, hier zu begegnen, und mehr noch, als er merkt, dass Tannhäuser zum zweiten Mal den Venusberg aufsuchen will. Tannhäuser erzählt von seinem Leidensweg: Er hat alle erdenkliche Mühsal auf sich genommen, und trotzdem habe der Papst seine Reue verworfen: „Wie dieser Stab in meiner Hand nie mehr sich schmückt mit frischem Grün, kann aus der Hölle heißem Brand Erlösung nimmer dir erblühn!“ Ehe sich Tannhäuser wieder Venus zuwenden kann, hält Wolfram ihn ab: Elisabeth habe sich für ihn geopfert. Ein Trauerzug kündet in diesem Augenblick von ihrem Tod – ihre Bitten wurden erhört, Tannhäuser sei erlöst. An ihrem Sarg sinkt der Sänger sterbend zusammen. Die Nachricht, dass der Priesterstab tatsächlich wieder grünt, erreicht ihn nicht mehr.

 

Philosoph der Bühne

Romeo Castellucci inszeniert Tannhäuser. Die Bilder seiner Produktionen erscheinen dem italienischen Regisseur im Geiste und als Ganzes. Kein schlechter Ansatz, um sich Wagner zu nähern, dem Propheten des Gesamtkunstwerkes.

aus: Engelsloge No. 33; Text: Sabrina Ehehalt

Spricht man ihn auf München an, kommt der Mann aus Cesena ins Schwärmen. „Eine Stadt von enormer Bedeutung für die Geschichte der Musik“, sagt er, und es ist zu spüren, wie sich hier aus eigenem Erleben gespeiste Euphorie Bahn bricht. „Schon meine Zusammenarbeit mit der Bayerischen Staatsoper bei zwei Kunstinstallationen vor einigen Jahren empfand ich als äußerst angenehm. Und selbstverständlich lockt mich der Tannhäuser. Wagner ist ein Komponist, dem ich mich sehr verbunden fühle.“ Romeo Castelluccis Theater erzählt keine Geschichten, es will nicht illustrieren. Er kommt von der bildenden Kunst und schafft als Theaterregisseur seit den achtziger Jahren sinnliche, bildgewaltige Allegorien jenseits der simplen Dechiffrierbarkeit. „Ich bereite mich auf ein Projekt vor, indem ich mich zunächst vom Fluss der Emotionen mitreißen lasse, den die Musik in mir auslöst. Ich lasse mich selbst zum Opfer der Musik werden.“ Erst in einem zweiten Schritt folge die Vertiefung in den Stoff. „Der zweite Schritt führt mich zur Dramaturgie, zum Entwurf.“ Auf die Frage, warum er selbst stets als Regisseur, Bühnenbildner, Kostümbildner und Lichtdesigner in einem arbeite, lächelt Castellucci: „Das hat nichts mit meinem Ego zu tun. Diese Arbeitsweise ist für mich die einfachste. Die Bilder erscheinen mir im Geiste immer als Ganzes, ich sehe die Figur eines Sängers oder Schauspielers schon in einem bestimmten Kostüm, in einem entsprechenden Licht und in einem dazu passenden Raum. Die Kunst der Regie und der Inszenierung bilden eine Einheit, die notwendigerweise den Raum, das Licht und die Kostüme einschließt. Daher ist es für mich das Natürlichste, so zu arbeiten.“

Keine Zugeständnisse

Castellucci beschreibt sein dramaturgisches System als sehr präzise und ausgereift. Die Arbeit mit charakterstarken Sängerstars schrecke ihn daher nicht, auch nicht die Besetzung, die ihn beim neuen Münchner Tannhäuser erwartet: Klaus Florian Vogt, Anja Harteros, Christian Gerhaher, Georg Zeppenfeld und Elena Pankratova. „Ich freue mich über gute Sänger und bin immer für eine konstruktive Auseinandersetzung mit der Musik, mit der Philosophie oder Dramaturgie eines Stückes zu haben. Was aber meine Grundgedanken und Bilder zu einem Werk angeht, kann ich kein noch so kleines Zugeständnis machen, das ergäbe keinen Sinn für mich. Ich würde es immer vorziehen, ein Projekt aufzugeben, wenn der Entwurf, den ich mir vorstelle, nicht so umgesetzt werden kann.“ Vor allem freue er sich auf die Zusammenarbeit mit Generalmusikdirektor Kirill Petrenko. Die klangliche Delikatesse und Tiefenschärfe Petrenkos entsprechen auf musikalischer Ebene Castelluccis Regiearbeit. „Der Klang ebnet den Emotionen den Weg, er überwindet das Denken und die Kontrolle. Der Klang berührt ganz direkt das Gemüt, ohne Barrieren. Die außergewöhnliche Komplexität einer Oper liegt in der Verschmelzung der vom Klang ausgelösten Emotionen mit den visuellen Elementen, also den Informationen, den Zeichen, die es zu entschlüsseln gilt. Der Klang, die Emotionen und die Informationen müssen eine Einheit, eine einzige Welle bilden.“ Gerade dadurch erklärt sich Castelluccis wiederholte Auseinandersetzung mit Richard Wagner in den letzten Jahren. „Wagner überwältigt uns. Seine Musik durchdringt uns und nimmt uns in Besitz.“

Immer am falschen Ort

Wagners Mythologie spielt eine zentrale Rolle bei Castelluccis Herangehen an den Tannhäuser. „Wagner ist Philosoph. Ich kann daher unmöglich eine illustrative Herangehensweise in Erwägung ziehen. Wagner geht es um universelle Themen, die sich auch auf unsere Epoche übertragen lassen. Das menschliche Schicksal und Zusammenleben, die Einsamkeit. Derartige Themen müssen von einem philosophischen Gesichtspunkt aus bearbeitet werden.“ Wagner liegt sozusagen genau auf einer Wellenlänge mit dem vielfach als „Philosoph der Bühne“ bezeichneten Italiener. Castelluccis Kunst sucht nach subtiler Ästhetik und gilt dabei dennoch als radikal. „Wir müssen versuchen, dieses Werk mit neuen Augen zu sehen. Ich versuche immer, keinen vorhersehbaren Standpunkt einzunehmen.“ Die Titelfigur des Tannhäuser sieht Castellucci als rastlos Umherirrenden, immer am falschen Ort: „Im Venusberg fühlt er sich unwohl und will zu seinen Rittern; im Palast ist er unglücklich, weil er an den Venusberg denkt; Als er Rom verlässt, vermisst er den Venusberg erneut. Und als er endlich zu seiner geliebten Elisabeth zurückkehren möchte, ist sie tot. Also stirbt er, um zu ihr zu gelangen.“ Tannhäuser empfinde eher die Schmerzen der Lust als deren Freude im Venusberg.
„Tannhäusers erste Worte haben eine Schlüsselfunktion: 'Zu viel, zu viel!'. Er versucht, dieser Falle zu entkommen. Der Venusberg steht für den Schrecken des Körpers, des Fleisches, der Haut.“ Der szenische Umgang Castelluccis mit dem menschlichen Körper ist ein besonderer. Nacktheit, Wunden und körperlichen Verfall zeigt er häufig in drastischen Bildern. „Auch die Dimension idealer Schönheit der Venus gibt es nicht mehr. Die Formen lösen sich auf, das wird auch in meinen szenischen Bildern sichtbar werden.“ Viel Bewegung wird es geben auf der Bühne und überraschende szenische Wandlungen. Im Mittelpunkt dabei: die unglückliche Liebe.  Tannhäuser empfinde wahre Anziehung allein Elisabeth gegenüber, betont Castellucci. „Venus ist keine tatsächliche Figur. Sie erfüllt die Funktion, Tannhäuser Elisabeth entgegenzutreiben.“ Mit Verweis auf die griechische Tragödie zieht Castellucci die Quintessenz aus Wagners tragischem Stoff: „Es gibt in dieser Welt keine Möglichkeit, mit der geliebten Person zusammenzukommen. Wagner nimmt hier ein Element der griechischen Tragödie auf. Erst im Jenseits ist die Vereinigung möglich, und das ist es, was uns zum Weinen bringt. Wagner bringt uns zum Weinen!“

 

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Biografien

Simone Young studierte in ihrer Heimatstadt Sydney Klavier und Komposition. Nach Stationen als Chefdirigentin des Bergen Philharmonic Orchestras und als Künstlerische Leiterin sowie Chefdirigentin an der Australian Opera in Sydney und Melbourne war sie von 2005 bis 2015 Intendantin der Staatsoper Hamburg und Generalmusikdirektorin des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg. Darüber hinaus gastierte sie an zahlreichen Opernhäusern, darunter die Wiener Staatsoper, die Opéra national de Paris, das Royal Opera House Covent Garden in London, die Metropolitan Opera in New York und die Staatsoper Unter den Linden in Berlin. Neben ihrer umfangreichen Operntätigkeit dirigierte sie u.a. die Berliner, Wiener und Münchner Philharmoniker sowie das Klangforum Wien. (Stand: 2018)

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