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Dramma lirico in drei Akten (fünf Bildern)

Komponist Giacomo Puccini · Libretto von Giuseppe Adami und Renato Simoni nach Carlo Gozzi
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Mittwoch, 07. Dezember 2016
19.00 Uhr – 21.45 Uhr
Nationaltheater

Dauer ca. 2 Stunden 45 Minuten · Pausen zwischen I. Akt und II. Akt (ca. 19.30 - 20.00 Uhr) zwischen II. Akt und III. Akt (ca. 20.45 - 21.10 Uhr)

Junges Publikum

Preise L

ausverkauft

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Besetzung

Musikalische Leitung
Dan Ettinger
Inszenierung
Carlus Padrissa - La Fura dels Baus
Bühne
Roland Olbeter
Kostüme
Chu Uroz
Video
Franc Aleu
Licht
Urs Schönebaum
Dramaturgie
Andrea Schönhofer
Dramaturgie
Rainer Karlitschek
Chöre
Sören Eckhoff

La principessa Turandot
Nina Stemme
L'imperatore Altoum
Ulrich Reß
Timur, Re tartaro spodestato
Goran Jurić
Il principe ignoto (Calaf)
Stefano La Colla
Liù
Irina Lungu
Ping
Andrea Borghini
Pang
Kevin Conners
Pong
Matthew Grills
Un mandarino
Anatoli Sivko
Il principe di Persia
Thorsten Scharnke
Kinderchor
Kinderchor der Bayerischen Staatsoper
  • Bayerisches Staatsorchester
  • Chor, Extrachor und Kinderchor der Bayerischen Staatsoper
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Mehr dazu

Das Volk im Blutrausch: Die öffentliche Köpfung eines weiteren Freiers der Herrscherin steht bevor. Denn Prinzessin Turandot will niemals einem Mann gehören. Darum muss jeder, der sie heiraten will, drei Rätsel lösen. Wer dies nicht schafft, bezahlt mit seinem Leben. Ein unbekannter Prinz, abgestoßen von Turandots Grausamkeit, doch angezogen von ihrer Schönheit, geht dieses lebensgefährliche Risiko erneut ein – und löst die Rätsel. Doch hat er dadurch die eiskalte, männermordende Herrscherin zur Liebe erweckt und den Grausamkeiten ein Ende gesetzt?

Turandot ist Giacomo Puccinis letzte Oper. Er starb zu einem Zeitpunkt, an dem er über ein bis dahin ungelöstes dramaturgisches Problem mit der Komposition ins Stocken geraten war: Die Prinzessin sollte ein Gegenentwurf zum Antifeminismus des Fin de siècle werden. Doch wie sollte er die Verwandlung der Männermordenden zur Liebenden umsetzen? Puccini hinterließ die finale Liebesszene zwischen Turandot und Calaf unvollendet.

 

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Turandot, Prinzessin aus Eis

Im Jahr 2046 steht das ehemals wohlhabende Europa ganz unter Chinas Herrschaft. Vor mehr als 30 Jahren hatte China Europa aus einer finanziellen Krise gerettet, indem es die Schulden, den Besitz und die natürlichen Ressourcen Europas komplett aufkaufte. China ist jetzt die neue Weltmacht.

Turandot, die Prinzessin aus Eis, kontrolliert gleich Big Brother jeden europäischen Bürger: Sie sollen auch den letzten Cent zurückzahlen und die Verschuldung ihrer Elterngeneration begleichen.

I. Akt

In einer kalten Eis-Arena warten die Bürger auf das große Spektakel der öffentlichen Hinrichtungen. Der Mandarino, virtueller Vertreter der Turandot, gibt bekannt, dass Prinzessin Turandot nur den Prinzen heiraten werde, der ihre drei Rätsel löst. Da der letzte Kandidat – immerhin der Prinz von Persien – die Rätsel nicht lösen konnte, soll er geköpft werden. Als Appetitanreger für die Hinrichtung wird ein Eishockey-Spiel gegeben. Im Gedränge fällt Timur, ein blinder Alter, zu Boden. Seine Dienerin Liù bittet um Hilfe. Ein Fremder, dessen Namen Calaf niemand weiß, eilt herbei und erkennt in dem Mann seinen eigenen Vater, den ehemaligen König der Tartaren, der fliehen musste und seinen Sohn für tot hielt.
Das Spektakel der Hinrichtung schreitet voran. Nach dem Einzug des Henkers Pu-Tin-Pao und seiner Helfer wird der Prinz von Persien vorgeführt und erregt das Mitleid des Publikums. Die Menschen verhüllen ihre Augen vor Prinzessin Turandot, die ungerührt das Zeichen zur Hinrichtung gibt. Ungeachtet dessen ist Calaf geblendet von der Schönheit der Prinzessin und beschließt trotz der Warnungen von Timur, Liù und den Ministern Ping, Pang und Pong, sich mit drei Gongschlägen als neuer Kandidat anzukündigen.

II. Akt

Ping, Pang und Pong beklagen die Opfer von Turandots Willkür. Unter dem Einfluss von Alkohol ersehnen sie bessere Zeiten und Frieden in ihrer Heimat. Erinnerungen und Sehnsucht an ein warmes und sinnliches Leben treten vor ihr geistiges Auge.

Das Volk, ordentlich und effizient, bereitet das Spektakel der Brautwerbung des neuen Kandidaten vor. Vor dem Eis-Wolkenkratzer des öffentlichen Fernsehens findet eine Parade für den Kaiser statt. Kaiser Altoum versucht erfolglos, den unbekannten Prinzen von seinem Abenteuer abzuhalten. Da erscheint die Prinzessin aus Eis: Sie erzählt die Geschichte ihrer Vorfahrin, Prinzessin Lo-u-ling, die von einem Fremden – wie Calaf – vergewaltigt wurde, und deren Leid sich tief in ihre Seele eingegraben habe. Aus diesem Grund schütze sie sich durch das grausame Werbungsritual und stelle jedem Anwerber vor drei Rätsel. Calaf jedoch löst ein Rätsel nach dem anderen. Die Eishülle der Prinzessin schmilzt. Nachdem der ihr unbekannte Prinz das letzte Rätsel gelöst hat, fordert dieser seinen Preis. Doch Turandot fleht zu ihrem Vater, er möge sein Versprechen brechen und sie nicht dem Fremden ausliefern. Calaf bietet Turandot daraufhin seinerseits ein Rätsel an: Wenn sie bis zum nächsten Morgen seinen Namen errate, ginge er in den Tod.

III. Akt

Niemand schläft in der Stadt. Alle Bürger wollen den Namen des Fremden wissen. Ping, Pang und Pong dringen auf Calaf ein, der sich ihren Bestechungsversuchen widersetzt. Hierauf werden Timur und Liù, die mit dem Fremden zusammen gesehen worden sind, herangeschleppt. Da sie um die wahre Identität des Fremden zu wissen scheinen, fordert Turandot den Namen des erfolgreichen Kandidaten. Liù stellt sich vor Timur und behauptet, nur ihr allein sei der Name bekannt. Der Folterknecht Pu-Tin-Pao wird gerufen, um sie der Bambusfolter zu unterziehen, bei der ein Bambus langsam durch den Körper des Opfers wächst. Doch Liù schweigt und gesteht Turandot, dass die Liebe ihr Kraft für dieses Opfer gebe. Sie bringt sich um, ohne den Namen verraten zu haben.
Doch Liùs Opfer verwandelt die Gesellschaft. Die alte Tao-Philosophie lebt auf, und Turandot versteht die Bedeutung der Liebe.

Hier endet Puccinis Manuskript. Liù ist jetzt Poesie...

Carlus Padrissa
Übersetzung: Esteban Muñoz

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Biografien

Dan Ettinger, in Israel geboren, begann seine Karriere 1999 an der New Israeli Opera in Tel Aviv. Nach zweijähriger Tätigkeit als Gastdirigent des Jerusalem Symphony Orchestra wurde er 2003 Kapellmeister und Assistent von Daniel Barenboim an der Staatsoper Unter den Linden in Berlin sowie 2005 Chefdirigent des Israel Symphony Orchestra. Es folgten Engagements u.a. an der Wiener Staatsoper (Otello, Tosca), am New National Theatre Tokio (Falstaff), der Metropolitan Opera in New York (Le nozze di Figaro, Turandot) sowie am Royal Opera House Covent Garden in London (La bohème, La traviata). Seit 2009 ist er Generalmusikdirektor am Nationaltheater Mannheim und seit 2010 Chefdirigent des New Tokio Philharmonic Orchestra, seit 2015 zudem Generalmusikdirektor der Stuttgarter Philharmoniker. (Stand 2016)

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